Wenn wir an Entspannung denken, tauchen sofort angenehme Bilder auf. Ein gutes Buch, ein ruhiger Spaziergang oder einfach ein Moment zum Durchatmen. Und ja, unsere Hunde empfinden Entspannung genauso wertvoll.
Gubacca konnte das von klein auf erstaunlich gut. Egal wie viel Trubel um ihn herum war, er legte sich hin und ging komplett auf Standby. Während bei uns neue Fenster eingebaut wurden und die halbe Wohnung klirrte, schlief er als kleiner Zwerg einfach mitten im Chaos ein. Heute weiß ich, dass das nicht nur „sehr Gubacca“ war, sondern auch viel über seinen Erregungslevel aussagt.
Erregung und Entspannung gehören zusammen. Beide Zustände sind wichtig und absolut neutral zu bewerten. Ein hoher Erregungslevel kann Freude bedeuten, aber auch Stress. Und Entspannung kann wohltuend sein oder Frust verursachen, wenn etwas Schönes endet. Die Kunst liegt darin, die Balance zu halten.
Gerade beim Gos d’Atura ist diese Balance spannend. Sie gehören zu den reaktiven Typen und schalten aus dem Ruhezustand gefühlt im Bruchteil einer Sekunde hoch. Das ist für ihre Arbeit an der Herde wichtig und steckt ihnen tief in den Genen.
Ich habe in Gubaccas Jugend irgendwann verstanden, wie stark Erregung Verhalten beeinflusst. Wenn er vorher wild getobt hatte, war er draußen komplett überfordert und kaum ansprechbar. Und auch nach längerer Trennung ging es erst wieder rund, bevor es ruhiger wurde. Heute weiß ich: Er war schlicht zu aufgedreht, um klar reagieren zu können.
Damit Hunde in ihrem „denkenden“ Zustand bleiben können, hilft ein Werkzeug enorm: die konditionierte Entspannung.
Konditionierte Entspannung
Hier werden zwei Reize miteinander verknüpft. Ein beruhigendes Wort oder ein Duft wird mit einem entspannten Zustand gekoppelt. Das Ziel ist, dass der Hund später allein durch diesen Reiz leichter herunterfahren kann. Klingt unspektakulär, funktioniert aber hervorragend.
Der erste Schritt ist, herauszufinden, welche Berührung deinen Hund entspannt. Viele Hunde legen sich auf die Seite, die Gesichtszüge werden weich, die Atmung ruhiger. Wenn dieser Zustand da ist, sagst du dein gewähltes Wort mehrere Male. „Easy“ wird oft genutzt, aber du kannst alles nehmen, was für dich passt.
Nach einigen Wiederholungen wird der Begriff selbst zur Bremse. In stressigen Momenten kann er deinem Hund helfen, wieder in den denkenden Zustand zu wechseln.
Tellington Touch
Tellington Touch arbeitet mit achtsamen, sanften Berührungen und setzt auf Vertrauen. Der Hund soll sich sicher fühlen, bewusster agieren und nicht kopflos reagieren. Gleichzeitig stärkt es die Bindung zwischen Hund und Mensch.
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