Angst trifft auf Lebensqualität

Oktober 13, 2019

Vor meinem Urlaub hatte ich einen Disput mit Herrn Mini-Rütter, der mich noch sehr lange beschäftigte. Auslöser war ein gemeinsamer Spaziergang mit Gubacca bei uns im Ort. Gubacca war vor meinem Urlaub in Hohwacht schon etwas anstrengend und verfiel wieder in alte Verhaltensmuster. Der Rückruf klappte überhaupt nicht und die hohen Maisfelder zogen ihn magisch an. Auch sein Begrenzer bei 120 zu stoppen war defekt und von 0 auf 200 ging rasend schnell. Leider auch bei Rüdenbegegnungen und er war, sagen wir mal vorsichtig ausgedrückt, nicht ganz leicht zu händeln. Ganz neu sind die Phasen nicht und ich startete den Notfallplan. Wenn er nicht hört, bleibt er halt an der Leine und die Schleppleine war wieder unser bester Freund.
31 Monate · irgendwo zwischen Junghund und erwachsen

Vor meinem Urlaub hatte ich einen Disput mit Herrn Mini-Rütter, der mich noch sehr lange beschäftigte. Auslöser war ein gemeinsamer Spaziergang mit Gubacca bei uns im Ort.

Rückfall · Notfallplan

Die Schleppleine wird wieder mein bester Freund

Gubacca war vor meinem Urlaub in Hohwacht schon etwas anstrengend und verfiel wieder in alte Verhaltensmuster. Der Rückruf klappte überhaupt nicht und die hohen Maisfelder zogen ihn magisch an. Auch sein Begrenzer bei 120 zu stoppen war defekt und von 0 auf 200 ging rasend schnell. Leider auch bei Rüdenbegegnungen und er war, sagen wir mal vorsichtig ausgedrückt, nicht ganz leicht zu händeln.

Ganz neu sind die Phasen nicht und ich startete den Notfallplan. Wenn er nicht hört, bleibt er halt an der Leine und die Schleppleine war wieder unser bester Freund. Auch Schnüffeln kann ein Privileg sein und statt an der lockeren Leine vorzulaufen, kann das „Spätpubertier“ auch lange Strecken auf meiner Höhe laufen. Fast schon „militärisch“ strukturiert drehten wir unsere Runden. Mit Erfolg... die Ausraster wurden weniger und Gubacca lief gut an der lockeren Leine.

Mini-Rütter · nicht überzeugt

Wo ist denn da der Spaß für Gubacca?

Mini-Rütter war trotzdem vollkommen entsetzt über diesen Spaziergang. „Willst du nicht mal langsam ableinen?“ „Nein, an dem Maisfeld ist er schon zweimal abgehauen und zur Straße gerannt.“ „Warum darf er hier nicht freilaufen?“ „Weil dort hinten ein Jagdköder hängt, da könnte er hinlaufen.“ Und natürlich war dann die Straße schon viel zu nah, in der Ferne eine Pferdekoppel und und und. Also blieb Gubacca komplett angeleint.

„Das nennst du einen schönen Hundespaziergang? Wo ist denn da der Spaß für Gubacca? Die Lebensfreude und hast du mal gesehen, wie verkniffen du dabei aussiehst?“

Treffer gelandet - ich war sprachlos! Wütend konterte ich, dass ich zumindest nicht permanent von Gubacca angesprungen würde beim Spaziergang. Trotzdem hatte mich die Aussage von Mini-Rütter an einen wunden Punkt getroffen: Die Lebensqualität von Gubacca. Mir ist es enorm wichtig, einen Hund zu haben, der glücklich ist, sein Leben mit mir liebt und einfach auch Spaß hat.

Sicherheit · und die Sache mit der Angst

Der Notfallplan funktioniert. Und trotzdem bleibt etwas hängen.

Natürlich hat mein „Notfallplan“ ganz viel Positives bewirkt. Gubacca ist deutlich entspannter, wenn er längere Teilstücke einfach neben mir herläuft. Aber ich bin innerlich auch froh, eine Ausrede für mich zu haben, ihn nicht ableinen zu müssen. Natürlich weiß ich, dass das die Situation nicht verbessert. Aber es ist oft verdammt schwer, über den eigenen Schatten zu springen.

„Er könnte ja!“, aber würde er auch?! Ja, sobald er ein Maisfeld gesehen hat, war er auch darin verschwunden. Aber er kam auch relativ schnell wieder... Durch den Disput wurde mir richtig bewusst, dass klare Regeln für Gubacca sehr wichtig sind. Aber meine eigenen Ängste, die durch sein Fehlverhalten entstanden sind, dürfen nicht dauerhaft seine Lebensqualität einschränken.

Ein schwieriges Unterfangen, bei dem ich gegen mich selbst kämpfen muss. Ich bin ein Mensch, der ganz nach dem Motto handelt: „Gefahr erkannt - Gefahr gebannt“. Leider ist das in vielen Lebenslagen kontraproduktiv und ich müsste mir viel mehr sagen: „Probieren geht über Studieren“. Wenn das nur nicht sooo schwierig wäre. Dabei hört Gubacca sogar sehr, sehr häufig richtig gut!

Heute nachgeschaut · wenn wir Situationen groß machen
Manchmal beginnt das Problem schon, bevor überhaupt etwas passiert.

Nach einigen schwierigen Erlebnissen verändert man als Hundehalter ganz automatisch sein Verhalten. Man schaut früher, wer entgegenkommt. Man nimmt die Leine vorsichtshalber kürzer. Man überlegt schon, was passieren könnte. Eigentlich möchte man nur verhindern, dass etwas schiefgeht.

Für den Hund kann genau dadurch aber eine ganz normale Situation plötzlich wichtig werden. Denn Hunde achten sehr genau darauf, wie wir uns verhalten. Wenn wir bei bestimmten Begegnungen jedes Mal aufmerksamer, vorsichtiger oder angespannter werden, kann auch der Hund lernen: Aha - hier ist offenbar etwas Besonderes.

Bei Gubacca habe ich das selbst erlebt. In einer Phase, in der er nur noch selten frei lief, nahm ich für ein Foto kurz die Leine ab. Genau in diesem Moment kam eine größere Gruppe Radfahrer auf uns zu - und Gubacca fühlte sich sofort zuständig. Vielleicht waren in diesem Augenblick gar nicht nur die Radfahrer das Problem. Vielleicht hatte ich solchen Situationen längst selbst so viel Bedeutung gegeben, dass auch er gelernt hatte, besonders genau hinzusehen.

Sicherheit und Management bleiben natürlich wichtig. Aber manchmal lohnt sich auch die Frage:

Schütze ich meinen Hund gerade vor einer schwierigen Situation - oder mache ich sie durch meine Erwartung erst zu etwas Besonderem?
Verantwortung · gar nicht so einfach

Wir bestimmen schließlich ihr ganzes Leben

Mir fällt spontan das Zitat aus dem kleinen Prinzen ein: „Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast“. Eine große Verantwortung gerade gegenüber unseren Hunden. Wir bestimmen ihr ganzes Leben - was sie dürfen oder nicht.

Bin ich ein Angsthase, wird Gubacca sich nie selbst ausprobieren dürfen. Angst trifft auf Lebensqualität. Führung auf ein gesundes Mittelmaß und der Spaß darf nicht verloren gehen.

(Bei diesem Video sollte man den Ton lieber ganz leise stellen :-))
Bine-Denkweise · natürlich

Abgeleint Sorge. Angeleint irgendwie auch.

Zum Abschluss noch eine typische Bine-Denkweise für euch zum Schmunzeln aus unserem Urlaub. Ich traute mich nicht, Gubacca am Strand abzuleinen, weil er könnte ja zu einem Hund hinlaufen und ihn anpöbeln. Es wäre mir aber genauso unangenehm, wenn Gubacca angeleint ist, ein Hund auf uns zugelaufen käme und es dann Stress geben würde. Auch an dieser Einstellung muss ich arbeiten!

So, ich hoffe, ihr konntet mir durch mein wirres Gefühlschaos zu diesem Thema folgen. Aber genau diese Dinge beschäftigen mich in den letzten Tagen sehr. Jetzt packe ich Gubacca ins Auto und fahre mit ihm ins Feld. Dort kann er ohne Leine laufen und ich an mir arbeiten :-).

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