Manchmal findet man Rassewissen an Orten, an denen man nun wirklich nicht damit gerechnet hat. Bei mir war es eine kleine Naturausstellung im Urlaub. Dort gab es eine Fühlstation mit dem Fell eines Schottischen Hochlandrindes.
Ich musste lachen. Hätte nicht ausdrücklich dabeigestanden, wem das Fell gehörte, hätte ich beim ersten Griff auch auf einen barquillo-farbenen Gos tippen können.
Nun möchte ich an dieser Stelle keine näheren Verwandtschaftsverhältnisse zwischen Gubacca und schottischen Hochlandrindern konstruieren. Beim Fell gibt es allerdings gewisse optische Überschneidungen.
Oben rau, unten weich
Der Gos trägt nicht einfach nur „viel Fell“. Sein Haarkleid besteht aus zwei unterschiedlichen Schichten. Das längere Deckhaar soll laut Rassestandard glatt oder nur leicht gewellt und von eher rauer Struktur sein. Darunter sitzt reichlich weichere Unterwolle.
Das erklärt auch eine Erfahrung, die vermutlich jeder gemacht hat, der einmal versucht hat, einen Gos komplett nass zu bekommen. Von außen sieht die Sache relativ schnell erledigt aus. Dann schiebt man das Fell auseinander und stellt fest: weiter unten herrscht noch immer bemerkenswerte Trockenheit.
Also noch mehr Wasser. Fell auseinander. Nachsehen. Immer noch nicht überall angekommen.
Bei Regen ist diese Fellkonstruktion dagegen ausgesprochen praktisch. Während der Mensch irgendwann aussieht wie der sprichwörtliche begossene Pudel, trägt der Gos oben herum häufig noch erstaunlich viel Restwürde.
3-Wetter-Taft wäre stolz auf ihn.
Und dann wird aus einem Gos plötzlich zwei
Der Fellwechsel beim Gos hat eine Besonderheit, die so kurios klingt, dass man sie eigentlich für eine meiner Gubacca-Geschichten halten könnte. Sie steht aber tatsächlich im Rassestandard: Der Fellwechsel erfolgt in zwei Etappen.
Zuerst wechselt das Haar an der vorderen Körperhälfte, danach ist die hintere dran. Während dieser Zeit können beide Hälften tatsächlich unterschiedlich aussehen.
NEU
ARBEIT
Besonders bei jungen Hunden kann das ziemlich lustig aussehen. Für einige Wochen wirkt der Gos dann ein bisschen so, als hätte jemand beim Fellwechsel zwischendurch Feierabend gemacht.
„Der Gos haart nicht.“ Aha.
Diesen Satz liest man über die Rasse erstaunlich häufig. Gubacca hält sich an diese Information eher locker.
Dabei gehört er noch nicht einmal zu den Gossis mit besonders langem Fell. Im Vergleich zu vielen anderen ist sein Haarkleid eher kürzer. Beim Fellwechsel macht er das allerdings locker wieder wett.
Vor allem im Frühjahr und Herbst verliert Gubacca richtig viel Fell. So ausgeprägt habe ich das von anderen Gossis bisher kaum gehört. Bei ihm lässt sich der Wechsel der Jahreszeiten tatsächlich am Hund beobachten.
Während der warmen Monate ist sein Fell sichtbar kürzer und weniger dicht. Im Herbst verändert es sich wieder: Es wird dichter und länger – und irgendwann steht eindeutig die Winterausgabe von Gubacca vor einem.
Der Staubsauger erkennt diese Übergangsphasen vermutlich früher als ich. Während des Fellwechsels entstehen bei uns jedenfalls ausreichend viele Fellansammlungen, um die Behauptung „Der Gos haart nicht“ regelmäßig neu zu verhandeln.
Bei anderen Gossis bleibt gelöste Unterwolle stärker im Haarkleid hängen und landet erst beim Bürsten draußen. Wie viel Fell tatsächlich im Haus herumfliegt, ist also auch individuell verschieden.
„Haart nicht“ würde ich nach den Erfahrungen mit Gubacca jedenfalls nicht auf die Verpackung schreiben.
Die Sache mit der Sommerfrisur
Gerade bei warmem Wetter wirkt Abscheren schnell wie eine naheliegende Lösung: weniger Fell, also auch weniger Wärme. Bei einem Haarkleid aus Deckhaar und Unterwolle ist komplettes Abscheren für die normale Fellpflege allerdings keine gute Standardlösung.
Beide Fellschichten haben unterschiedliche Aufgaben und wachsen nicht zwingend im gleichen Tempo nach. Sinnvoller ist es deshalb, lose Unterwolle regelmäßig herauszuarbeiten und Verfilzungen gar nicht erst groß werden zu lassen.
Natürlich gibt es Ausnahmen. Wenn medizinische Gründe vorliegen oder stark verfilztes Fell anders nicht mehr vernünftig versorgt werden kann, sieht die Sache anders aus. Das gehört dann aber in fachkundige Hände und nicht in die Kategorie „Sommerfrisur, weil es warm ist“.
Gubaccas ganz eigener Fellkalender
Bei Gubacca muss ich also nicht auf den Kalender schauen, um zu wissen, dass sich die Jahreszeit ändert. Im Sommer trägt er seine etwas schlankere Fellversion. Im Herbst beginnt das große Aufrüsten.
Irgendwann schaut man ihn an und weiß: Ah. Winter-Gubacca ist wieder da.
Der Staubsauger nicht.
Wie viel Unterwolle tatsächlich aus einem Gos herauskommen kann, welche Stellen bei Gubacca schnell verfilzen und wie unsere Fellpflege im Alltag aussieht, habe ich schon ausführlich im Blog gezeigt.
Fellpflege beim Gos d’Atura Català →
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