Es gibt Fragen, die verschwinden mit der Zeit ganz von alleine. Mit acht Monaten fragt niemand mehr, ob ein Hund schon stubenrein ist. Und auch das „Der hat aber große Pfoten, der wird bestimmt mal riesig!“ hat sich – Überraschung – erledigt. Ja. Zwerg-Riese ist sehr groß geworden.
Dafür hat sich ein neuer Dauerrenner ganz nach oben geschoben. Einer, der gefühlt jede zweite Nachricht eröffnet, noch bevor jemand „Hallo“ geschrieben hat: Ist die Fellpflege bei einem Gos d’Atura Català eigentlich aufwendig?
Und ich sag’s mal so: Wenn dein Hund aussieht wie ein wandelnder Plüschteppich mit eigener Wetterlage, dann ist die kurze Antwort: ja. Die längere Antwort ist: Es kommt darauf an – auf Felltyp, Jahreszeit, Routine und darauf, ob man „alle zwei Tage kämmen“ als entspannte Me-Time versteht oder als persönliche Zumutung.
Auf dem Foto oben seht ihr das Ergebnis einer ganz normalen Kämmeinheit. Keine Ausnahme, kein „Oh Gott, was ist da passiert“-Tag. Das ist die Menge Unterwolle, die ich bei Gubacca regelmäßig – meist alle zwei bis drei Tage – aus dem Fell hole.
Ja, ein Gos d'Atura hat Unterwolle. Und ja, sie kommt nicht zaghaft, sondern mit Nachdruck. Vor allem in Phasen, in denen das Fell sich verändert. Bei Gubacca war das besonders deutlich, als das weiche, wattige Junghundefell fester wurde. Ab da war klar: Einfach drüberbürsten reicht nicht mehr.
In solchen Phasen kann eine Fellpflege-Session gut und gerne eine Stunde dauern. Nicht, weil ich besonders langsam bin, sondern weil das Fell des Gos d’Atura Català zweischichtig aufgebaut ist. Unter dem langen Deckhaar sitzt eine dichte Unterwolle, die beim Fellwechsel nicht einfach von selbst verschwindet.
Wird diese Unterwolle nicht regelmäßig entfernt, bleibt sie im Fell hängen, verdichtet sich und bildet genau die Filzstellen, die später mühsam werden. Halbherziges Bürsten sorgt dann höchstens dafür, dass das Deckhaar ordentlich aussieht – während darunter schon das nächste Problem heranwächst. Und das möchte am Ende wirklich niemand. Weder Hund noch Mensch.
Wie funktioniert die Fellpflege am einfachsten?!
Ganz ehrlich: Einfach ist relativ. Aber sie wird deutlich entspannter, wenn man sich von der Idee verabschiedet, dass man für einen Langhaarhund einen halben Werkzeugkoffer braucht.
Ich gehöre nicht zu den Menschen, die zwanzig verschiedene Bürsten besitzen und vor jeder Kämmeinheit erst einmal überlegen müssen, welche heute dran ist. Meine Ausrüstung ist überschaubar – und sie hat sich über die Jahre bewährt. Zum Teil sogar schon bei meinem Tibet Terrier Chiru.
Meine Ausrüstung: Weniger ist mehr
Ich beginne immer mit der groberen Bürste. Damit entferne ich alles, was Gubacca draußen so einsammelt: Blätter, kleine Zweige und das, was man unterwegs gar nicht bewusst wahrnimmt, das sich aber zuverlässig im Fell verfängt.
Im zweiten Schritt kommt der Kamm zum Einsatz. Und hier liegt der eigentliche Knackpunkt: Ich arbeite mich schichtweise von unten nach oben durchs Fell. Nicht von oben drüber – sondern wirklich von der Haut weg.
Würde man nur das Deckhaar bearbeiten, sähe das Fell auf den ersten Blick zwar gepflegt aus. Die Unterwolle bliebe aber im Fell zurück. Genau dort beginnt später das Verfilzen, das man eigentlich vermeiden wollte.
Besonders gründlich lässt sich Unterwolle entfernen, wenn man den Kamm nicht einfach gerade durchzieht, sondern ihn leicht hakenförmig führt – ähnlich wie eine Häkelnadel.
Praxis-Tipp: Die bereits gelöste Unterwolle nicht sofort vom Kamm entfernen – sie wirkt wie ein Magnet und zieht weitere Wolle mit heraus. Klingt seltsam, funktioniert aber erstaunlich gut.
Filz entfernen ohne Löcher im Fell
Ein Punkt, der mir besonders wichtig ist: Kleine Knoten oder beginnende Filzstellen sollte man nicht einfach mit der Schere herausschneiden.
Zum einen entstehen dadurch schnell unschöne Lücken im Fell. Vor allem aber schneidet man dabei oft näher an der Haut, als einem lieb ist und das ist unnötig und riskant.
Ich arbeite stattdessen mit einer Effilierschere. Damit gehe ich vorsichtig in die verfilzte Stelle, lockere das Haar auf und kämme den Rest anschließend aus. Das dauert ein paar Minuten länger, erhält aber die Fellstruktur und ist für den Hund deutlich angenehmer.
Zum Schluss gehe ich noch einmal mit der weicheren Bürste über das Fell, einfach um alles zu glätten und lose Haare mitzunehmen.
Für Gubacca ist die Fellpflege inzwischen reine Routine. Er liebt sie nicht – aber er kennt sie. Er weiß, was passiert, wie lange es ungefähr dauert und dass es danach einfach weitergeht. Also lässt er es über sich ergehen. Kommentarlos. Sehr gos-typisch.
Fellpflege beim Gos d’Atura Català ist kein Hexenwerk – aber sie ist auch nichts, was man „mal eben“ erledigt. Sie lebt von Regelmäßigkeit, einer sauberen Technik und davon, den eigenen Anspruch realistisch zu halten.
Ein Gos muss nicht jeden Tag aussehen wie frisch aus dem Katalog. Er sollte sich im eigenen Fell wohlfühlen – ohne Ziepen, ohne Filz, ohne Stress. Alles andere ist Bonus.
Für uns ist die Fellpflege längst Teil des Alltags geworden. Keine große Sache, kein Highlight – sondern einfach etwas, das dazugehört. So wie nasse Pfoten nach dem Spaziergang oder Haare auf dem Sofa.
Fellpflege-Checkliste für den Gos d’Atura
- Alle 2–3 Tage gründlich kämmen.
- Schichtweise von der Haut nach außen arbeiten.
- Unterwolle mit dem Kamm herausziehen (Häkelnadel-Technik).
- Filzstellen nur mit der Effilierschere lockern – nicht schneiden.
P.S. Wenn das Fell erst einmal frisch gepflegt ist, stellt sich oft die nächste Frage: Wohin mit dem sauberen Hund?
- Sofa-Tabu: Warum ein helles Sofa und ein wuscheliger Gos eine ganz eigene Herausforderung sind (und wer bei uns unter der Couch stecken blieb), liest du hier: Augen auf beim Sofa-Kauf
- Pony oder Zopf? Warum ich Gubacca den Pony schneide und was das mit Alltagstauglichkeit zu tun hat: Pony schneiden beim Gos d’Atura Català
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