Bevor es am Wochenende mit dem 4. und 5. Tag unserer Aufmerksamkeits-Challenge hier auf dem Blog weitergeht, möchte ich euch meine Verstärkung im Erziehungs-Team Gubacca vorstellen:
Links seht ihr die bezaubernde Neela und rechts die durchsetzungsstarke Faye. Gubacca wurde ja am 7. November acht Monate alt und die Zeit bis zum besterzogensten Zwerg-Riese (ever, ever, ever) wird langsam knapp. Da greife ich doch gerne auf altbewährte Trainerinnen aus dem Glenn Cove Australian Shepherd Team zurück.
Beide Hündinnen kenne ich schon seit ihrer Welpenzeit und ich könnte mir keine besseren Lehrerinnen für Gubacca vorstellen. Bevor es dann aber auch mit dem Training losgehen konnte, gab es ein Briefing für Angela von den beiden zum Übungsablauf. Den Begriff „Briefing“ musste ich jetzt einfach einmal einbauen. Er verfolgt mich ständig im Berufsleben und ich frage mich immer wieder: Warum sagt man nicht einfach „eine kurze Einsatzbesprechung“ dazu?
Danach ging es dann los und Zwerg-Riese durfte die Übungsrunden zum Thema „locker an der Leine“ absolvieren. Ich wurde hierbei von den beiden als „Leinenführerin“ sehr schnell disqualifiziert, weil ich viel zu hektisch an der Leine ruckte. Angela machte ihre Sache da deutlich besser mit Gubacca. Unter den kritischen Augen von Faye und der ruhigen, aber bestimmten Art von Angela lief Zwerg-Riese dann auch ganz schnell manierlich an der lockeren Leine seine Runden.
Faye ist die deutlich strengere Trainerin von den beiden. Neela reicht es oft aus, einfach auf ein Fehlverhalten von Zwerg-Riese hinzuweisen. Nach dem Motto „Das wird sie schon regeln“ überlässt sie den aktiven Teil gerne der älteren Faye.
Faye ist streng, aber sehr gerecht in ihrer Erziehung. Auch bei ihr hat Gubacca einen kleinen „Junghund-Bonus“ und er darf auch einmal übermütig über sie hinweg springen. Trotzdem achtet sie sehr kritisch darauf, dass Gubacca sich hinter ihr einordnet und treibt ihn auch unnachgiebig zurück an seine Position beim Spaziergang.
Ich staune immer wieder, wie gut die Kommunikation zwischen den Hunden funktioniert. Ohne körperlich oder laut zu werden – das laute Bellen übernimmt ja schon Neela – werden dem „Jüngling“ seine Grenzen gesetzt.
Gubacca und mich haben die gemeinsamen Übungsnachmittage wieder ein gutes Stück nach vorne gebracht und ich bin sicher, dass ich schon bald hier ein schönes Video zeigen kann, wie Zwerg-Riese an der lockeren Leine neben mir herläuft! Danke Angela für die vielen tollen Tipps und die viele Zeit, die du dir für uns nimmst! Ich habe nachts noch dein „Sabine, nicht an der Leine rucken“ im Schlaf gehört. Das sitzt, glaube ich, jetzt bei mir tief und fest :-).
Früher habe ich bei Leinenführigkeit viel stärker nach der richtigen Methode gesucht. Stehen bleiben, Richtung wechseln, korrektes Laufen belohnen – Hauptsache konsequent.
Heute denke ich dabei viel stärker in Richtung Verstehen statt erziehen. Mir geht es weniger darum, dass ein Hund lernt: Wenn ich ziehe, passiert X. Viel wichtiger ist mir, dass er einen Grund hat, sich überhaupt an mir zu orientieren.
Deshalb tue ich mich inzwischen auch mit sehr starren Regeln schwer. Halsband bedeutet ordentlich laufen, Geschirr bedeutet andere Regeln; bei jedem Ziehen stehen bleiben; jeden Meter kontrollieren. Das kann als Management oder Trainingshilfe funktionieren. Aber ich möchte nicht mein Leben lang jeden einzelnen Schritt meines Hundes verwalten müssen.
Kann mein Hund das, was ich gerade von ihm verlange, in dieser Situation überhaupt leisten?
Diese Frage ist mir heute mindestens genauso wichtig. Ein gemeinsamer Spaziergang mit anderen Hunden ist etwas anderes als unsere vertraute Runde allein. Eine fremde Umgebung ist etwas anderes als der Weg, den wir jeden Tag gehen. Mehr Gerüche, mehr Bewegung, mehr Aufregung, mehr Entscheidungen. Wenn ich dann nur darauf schaue, ob die Leine gerade locker ist, übersehe ich schnell, dass mein Hund vielleicht gerade mit ganz anderen Dingen beschäftigt ist.
Heute ist mir deshalb wichtiger, dass Gubacca mich freiwillig mit in seine Entscheidungen einbezieht. Dass er sich an mir orientiert, weil ich für ihn in dieser Situation relevant bin – nicht nur, weil irgendeine Regel vorgibt, was passiert, wenn die Leine straff wird.
Und ja: Gubacca läuft heute tatsächlich manierlich an der Leine. Nicht, weil wir irgendwann den perfekten Trick gefunden haben. Sondern weil aus vielen Jahren gemeinsamer Erfahrung etwas entstanden ist, das ich früher noch viel zu sehr als Trainingsaufgabe betrachtet habe.
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