Kaum war der letzte Blogbeitrag verfasst und hatte ich stolz verkündet, dass es bei uns wieder in ruhigen Bahnen läuft, schlugen bei Gubacca die Hormone zu. Pubertätsalarm, Stufe Rot – mehr brauche ich, glaube ich, nicht zu schreiben. Jeder, der schon einmal einen elf Monate alten Rüden hatte, kann sich vermutlich vorstellen, was damit gemeint ist.
Wenn Selbstreflexion zur Vollzeitbeschäftigung wird
Und was macht die verantwortungsbewusste Hundebesitzerin von heute erst einmal? Selbstreflexion. Okay, vielleicht liegt es auch daran, dass ich seit 25 Jahren im Kulturbereich mit Sozialarbeitern arbeite. Gibt es ein Problem, wird dieses zunächst haarklein analysiert, um anschließend ausgiebig das eigene Handeln zu hinterfragen, zu reflektieren und zu spiegeln.
Am besten fragt man noch fünf Leute, wie sie das Problem sehen, um danach in eine mittelschwere Krise zu verfallen, weil man bestimmt irgendwo einen Fehler gemacht hat, den man selbst nur noch nicht erkennt. Schließlich liegt es nie am Hund. Das haben uns zahlreiche Hundetrainerinnen und Hundetrainer, Fernsehsendungen und diverse Internetforen inzwischen eindringlich genug begreiflich gemacht.
Und wenn es ausnahmsweise doch am Hund liegt?
Aber wisst ihr was? Manchmal sind auch unsere Hunde einfach nur Arschlöcher. Keine Spiegelbilder unserer eigenen Unzulänglichkeiten, sondern genauso wie du und ich einfach genervt, gestresst oder schlecht gelaunt. Vielleicht sitzt auch nur ein Pups quer. Oder, wie bei Zwerg-Riese, tanzen schlicht die Hormone Salsa.
Das kann selbst dann passieren, wenn unsere Körpersprache vorbildlich ist, wir ruhig bleiben und uns redlich bemühen, eine souveräne Führungspersönlichkeit abzugeben. Hunde haben schlechte Tage, sind frustriert oder schlicht nicht besonders gut auf die Welt zu sprechen.
Im Gegenzug müssen auch wir nicht immer perfekt sein. Wir sind schließlich nur Menschen – was sonst?! – und haben ebenfalls gute und schlechte Tage. Unsere Hunde überleben das, ohne anschließend auf die Liege beim Psychiater zu müssen oder ein Dauerabo bei Herrn Rütter zu brauchen.
Wenn man das akzeptiert, wird das Leben zwischen Mensch und Hund gleich viel einfacher.
Außerdem ist das Schöne an pubertierenden Jungrüden, dass Jekyll und Hyde sich ohne jede Vorwarnung die Klinke in die Hand geben. Eben noch ein „A…“ – nein, ich schreibe das böse Wort jetzt nicht noch einmal ;-) – und fünf Minuten später wieder der kleine, schmusige Fast-Welpe.
Und deshalb gibt es zum Schluss noch ein paar Fotos mit enormem Niedlichkeitsfaktor, die ich gestern Morgen von Gubacca gemacht habe. Das Beweismaterial für Hyde heben wir uns lieber für einen anderen Tag auf.
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