Gubacca ist momentan noch nicht der begeisterte Spaziergänger. Es wird getrödelt, sich auf den Popo gesetzt, um dann intensiv Luftlöcher in den Himmel zu starren. Bis unser „Zwerg-Riese“ merkt, dass es Richtung Garage geht: Dann wird Gubacca flott! Kaum ist das Tor oben, flitzt er auch schon zur Beifahrerseite und kann es kaum abwarten, dass ich ihn in den Fußraum hebe.
Während der Fahrt liegt er dort tiefenentspannt und wird erst wieder wach, wenn er merkt, dass unser Mini-Taxi langsamer wird. Auch Chiru hat das Autofahren geliebt und auch sehr lange Strecken waren nie ein Problem mit ihm. Aber woran liegt es, dass meine Hunde alle so begeisterte Mitfahrer sind? Habe ich einen besonderen Fahrstil? Einen PKW, den die Hunde besonders mögen? Oder gibt es einen Trick, es ihnen besonders gut beizubringen?
Das Erfolgsrezept ist ganz einfach: Ich habe mir noch nie Sorgen darüber gemacht. Für mich ist es einfach selbstverständlich, dass meine Hunde im Auto mitfahren. Ich habe noch nie einen Gedanken daran verschwendet, wie ich es ihnen am besten schrittweise beibringen könnte.
Auch mit Gubacca haben wir es so gemacht: Wir wollten mit ihm gerne zum Kanal und dafür müssen wir ein Stück mit dem Auto fahren. Tiefenentspannt setzte ich mich auf den Beifahrersitz und unser „Zwerg-Riese“ kam in den Fußraum. Detlef fuhr los und zehn Minuten später waren wir am Kanal angekommen.
Abgesehen davon, dass Gubacca das Autofahren sofort mit etwas Positivem verknüpfen konnte, hat sich meine Grundeinstellung auch auf ihn übertragen. Es war für mich etwas ganz Normales und das habe ich in dem Moment auch ausgestrahlt.
Ein Aspekt in der Hundeerziehung, den man meiner Meinung nach oft viel zu wenig berücksichtigt. Fühle ich mich in einer Situation sicher, überträgt sich das auch auf Gubacca. Wäre es daher nicht viel logischer und effektiver, wenn ich daran arbeiten würde, dass ich mich in der jeweiligen Situation wohlfühle? Wie soll sich mein Hund in einer fremden Situation entspannen, wenn ich selber ängstlich oder vielleicht auch einfach nur unsicher bin?
Natürlich habe auch ich mir vor Gubaccas Einzug viele Gedanken gemacht, wie ich es erreiche, dass er ein souveräner Rüde wird. Ein Hund, der sich so wie Chiru eng an mich bindet und viel Freude in seinem Leben hat.
Meine Ideologie zu dem Thema ist eigentlich ganz einfach: Ich muss eine positive Lebensenergie ausstrahlen. Morgens mit einem Lächeln im Gesicht aufwachen und mit mir stimmig und im Reinen sein. Dann brauche ich mir auch über Gubaccas Entwicklung wenig Gedanken zu machen.
Bin ich in fremden und ungewohnten Situationen souverän und sicher, wird es auch Gubacca sein. Strahle ich Lebensfreude aus, wird auch unser „Zwerg-Riese“ ein glücklicher Hund sein. Ob und wie ich das erreiche, werdet ihr in den kommenden Wochen und Monaten auf unserem Blog nachlesen können.
In diesem Sinne: Don’t worry – be happy!
Spürt der Gos wirklich, wenn sein Mensch unsicher ist?
Hinter meinem damaligen Gedanken steckt tatsächlich mehr als reine Bauchgefühl-Theorie. Hunde beobachten ihre Bezugspersonen in unbekannten Situationen sehr genau und können deren emotionale Signale nutzen, um selbst einzuschätzen, wie sie mit etwas umgehen sollen. Dieses Verhalten wird als „Social Referencing“ bezeichnet.
Beim Gos d’Atura passt das besonders gut zu seiner ursprünglichen Aufgabe. Er sollte eng mit seinem Schäfer zusammenarbeiten, ihn aufmerksam im Blick behalten und gleichzeitig selbstständig Entscheidungen treffen. Genau diese Mischung aus Menschenorientierung, Wachsamkeit und Eigenständigkeit gehört bis heute zum beschriebenen Wesen der Rasse.
Das bedeutet nicht, dass wissenschaftlich bewiesen wäre, dass ein Gos stärker auf die Stimmung seines Menschen reagiert als jede andere Hunderasse. Aber bei einem Hund, der für aufmerksame Zusammenarbeit und eigenständiges Einschätzen von Situationen gezüchtet wurde, ist es durchaus nachvollziehbar, dass Körpersprache, Anspannung und Unsicherheit seines Menschen für ihn wichtige Informationen sein können.
Trotzdem gilt natürlich nicht automatisch: Bin ich entspannt, ist mein Gos entspannt. Temperament, Erfahrungen und die jeweilige Situation spielen ebenfalls eine Rolle. Unsere eigene Ruhe kann dem Hund Orientierung geben – was er daraus macht, entscheidet am Ende immer noch der Hund selbst.
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