Wenn ein Hund bei uns einzieht, übernehmen wir eine ziemlich große Aufgabe. Und nein, damit meine ich nicht nur Fressnapf auffüllen, Kotbeutel einstecken und bei Regen so tun, als wäre diese Gassirunde eine fantastische Idee. Wir gestalten ein Leben. Gubacca kann morgens schließlich nicht sagen: „Du, Bine, heute hätte ich Lust auf ein kleines Treffen mit netten Kumpels im Café.“ Er kann auch nicht am Frühstückstisch sitzen und verkünden: „Agility wäre heute ganz reizvoll. Aber bitte nur, wenn danach ein See in der Nähe ist.“ Er kann vieles zeigen. Sehr vieles sogar. Mit Blicken, Körperhaltung, Ohrenstellung, Tempo, Spannung, Freude und diesem ganz speziellen Gesichtsausdruck, bei dem ich inzwischen ziemlich genau weiß: Aha. Der Herr findet das hier gerade maximal überflüssig. Aber den Pinsel halte trotzdem ich in der Hand.
Man muss nur aufhören,
immer nach den Farben der anderen zu malen.“
Wenn ein Hund bei uns einzieht, übernehmen wir eine ziemlich große Aufgabe. Und nein, damit meine ich nicht nur Fressnapf auffüllen, Kotbeutel einstecken und bei Regen so tun, als wäre diese Gassirunde eine fantastische Idee. Wir gestalten ein Leben.
Gubacca kann morgens schließlich nicht sagen: „Du, Bine, heute hätte ich Lust auf ein kleines Treffen mit netten Kumpels im Café.“ Er kann auch nicht am Frühstückstisch sitzen und verkünden: „Agility wäre heute ganz reizvoll. Aber bitte nur, wenn danach ein See in der Nähe ist.“
Er kann vieles zeigen. Sehr vieles sogar. Mit Blicken, Körperhaltung, Ohrenstellung, Tempo, Spannung, Freude und diesem ganz speziellen Gesichtsausdruck, bei dem ich inzwischen ziemlich genau weiß: Aha. Der Herr findet das hier gerade maximal überflüssig. Aber den Pinsel halte trotzdem ich in der Hand. Ich entscheide, welche Wege wir gehen. Welche Begegnungen ich ihm zumute. Wo wir bleiben. Wo wir umdrehen. Was ich wichtig finde. Und was ich besser lasse, auch wenn es bei anderen großartig aussieht.
Genau da wird es manchmal knifflig. Denn wir werden heute ständig mit den Bildern der anderen berieselt. Ein kurzer Blick auf Instagram oder Facebook reicht, und schon springt einem das perfekte Hundeglück entgegen. Da apportiert ein Hund mit leuchtenden Augen im glitzernden Bergsee. Der nächste fliegt hochkonzentriert über den Agility-Parcours. Wieder einer liegt tiefenentspannt mitten in einer wuseligen Hundegruppe im Straßencafé, als hätte er nebenbei noch einen Ratgeber über innere Ruhe geschrieben.
Alles sieht leicht aus. Harmonisch. Bunt. Nach: So muss Hundeleben sein. Und ganz ehrlich? Natürlich erwischt einen das manchmal. Dann sitzt man da, schaut auf den eigenen Hund und fragt sich: Müsste Gubacca das nicht auch alles erleben? Fehlt ihm etwas? Male ich sein Leben zu ruhig? Zu normal? Zu wenig spektakulär?
Es hat bei mir eine Weile gedauert, bis ich verstanden habe: Das sind die Bilder der anderen. Es sind deren Farben. Aber es sind nicht automatisch die Farben, die zu meinem Gubacca passen. Wenn ich stur nach fremden Schablonen gemalt hätte, müsste Gubacca heute ein begeisterter Social-Media-Hund sein. Einer, der jeden Trubel souverän meistert, auf jede Hundewiese marschiert, im Café zwischen Stuhlbeinen entspannt döst und bei jedem Artgenossen denkt: Hurra, ein neuer Freund fürs Leben.
Tja. Gubacca hat dieses Memo offenbar nie bekommen. Mein spanischer Charakterkopf weiß ziemlich genau, was er mag. Und mindestens genauso genau, was er nicht braucht. Er braucht keine Event-Gassirunden, keine überfüllten Hundewiesen und keinen Trubel, nur weil Trubel auf Fotos nach Lebensfreude aussieht.
Sein Glück hat andere Farben. Ein vertrauter Weg. Ein guter Geruch. Ein Platz mit Überblick. Meerwind in der Nase. Der Hundeanhänger, wenn die Welt zwar spannend, aber bitte nicht durchgehend selbst zu Fuß bewältigt werden muss. Die Ruhe unseres Zuhauses. Und ein Frauchen, das inzwischen gelernt hat, nicht jedes fremde Hundeglück automatisch für eine verpasste Chance zu halten. Das klingt vielleicht unspektakulär. Ist es aber nicht.
Es braucht nämlich manchmal mehr Mut, etwas nicht zu machen, als etwas mitzumachen. Nicht auf die Hundewiese zu gehen, nur weil alle sagen, Hunde müssten doch mal richtig spielen. Nicht jedes Training auszuprobieren, nur weil es gerade überall auftaucht. Nicht den eigenen Hund in ein Bild zu malen, das zwar hübsch aussieht, ihm aber gar nicht gehört.
Gubaccas Leben bunt zu machen bedeutet für mich nicht, jeden Farbtopf über ihm auszukippen. Es bedeutet, genau hinzusehen. Welche Farbe bringt Ruhe in seinen Tag? Welche macht ihn fröhlich? Welche macht ihn unruhig? Welche gehört wirklich zu ihm und welche habe ich nur irgendwo gesehen und gedacht: Das müsste doch auch schön sein?
Gubacca hat mir beigebracht, unser eigenes Bild zu malen. Nicht immer laut. Nicht immer wild. Nicht immer so, dass es auf den ersten Blick nach großem Abenteuer aussieht. Aber mit Wegen, die zu uns passen. Mit Pausen, die wichtig sind. Mit Momenten, die niemand außer uns bemerkt und die trotzdem alles sagen.
Und wenn unser Bild am Ende des Tages weniger spektakulär aussieht als die Bilder im Netz, dann ist das völlig in Ordnung.
Es ist unseres.
Und verdammt bunt.
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