Vielleicht geht es euch ähnlich: Je länger ich an der Geschichte von Moritz schreibe, desto mehr wächst mir dieser kleine Kerl mit seinem schiefen Ohr ans Herz. Durch die KI-Bilder wird er beim Schreiben noch greifbarer. Man sieht ihn plötzlich vor sich, und irgendwann wirkt er fast schon real.
Und natürlich stecken auch in der Geschichte von Moritz und Edith viele meiner eigenen Erfahrungen und Erlebnisse. Mit Lottchen ist es uns beim Thema Ausstellungen ähnlich ergangen. Aber während ich an dem Kapitel weiterschrieb, musste ich daran denken, wie viele Gesichter Ausgrenzung mit Hund eigentlich haben kann. Mir fiel sofort unsere erste Welpenspielstunde ein, in der ich mit Gubacca schneller am Rand stand, als mir lieb war.
Als wir im Welpenspiel auffielen
Gubacca spielte wilder, druckvoller und mit vollem Körpereinsatz – so wie ein Gos d’Atura eben spielt. Für die anderen war das nur leider kein „niedliches“ Welpenspiel, das man sich in den ersten Stunden für den eigenen jungen Hund vorstellt. Und so wurde der Satz „Gubacca bekommt jetzt eine Auszeit“ ziemlich schnell zur Routine.
Ich war damit ziemlich schnell die, bei der es nicht mehr einfach nur nett und unkompliziert lief. Die, wegen der es plötzlich anstrengend wurde. Kein schönes Gefühl, auch wenn ich die anderen verstehen konnte. Es ändert nur nichts daran, dass man sich selbst ausgegrenzt fühlt.
Als Gemeinschaft plötzlich Grenzen hatte
Als Gubacca zwei Jahre alt war, begannen wir mit dem Mantrailing und hatten damit etwas gefunden, das uns beiden riesigen Spaß machte. Gemeinsam arbeiten, sich austauschen, andere Teams kennenlernen, genau so hatte ich mir das immer vorgestellt. Die Stunden bei der Trainerin machten uns so viel Spaß, dass ich später noch einen weiteren Kurs bei ihr buchte.
Der Fun-Kurs war genau unser Ding. Gubacca arbeitete gern mit, lernte schnell und hatte Spaß. Aber zum Schluss kam jedes Mal dieser Moment, vor dem ich innerlich schon zusammenzuckte. Nach der Stunde durften die Hunde noch gemeinsam über den Platz flitzen, die Kursteilnehmer saßen noch eine Weile beisammen, und ich wusste schon, dass ich wieder die sein würde, die vorher geht. Weil Gubacca bei unkastrierten Rüden gerne pöbelte, hieß es irgendwann regelmäßig: „Wenn Bine und Gubacca vom Platz sind, können wir die anderen laufen lassen.“
Das tat weh. Nicht nur, weil ich jedes Mal früher ging, während die anderen noch blieben, redeten, lachten und ihre Hunde spielen ließen. Sondern auch, weil es sich für mich wie ein persönliches Versagen anfühlte. Ich wollte doch genau das. Einen Hund, der mit anderen klarkommt und einfach ein Teil einer Gemeinschaft sein. Und stattdessen war ich die, die gehen musste. Nicht einmal, sondern immer. Irgendwann bleibt davon nicht nur hängen, dass der eigene Hund schwierig ist. Sondern auch dieses Gefühl, selbst nicht so richtig dazuzugehören. Als wäre man immer nur bis zu einem gewissen Punkt erwünscht. Und danach eben nicht mehr.
Letztendlich ließ ich mir den Spaß am gemeinsamen Lernen mit Gubacca aber nicht nehmen. Als die Trainerin einen Obedience-Einsteigerkurs anbot, stand ich ziemlich schnell auf der Anmeldeliste. In der ersten Stunde war ich dann erst einmal richtig erleichtert, als ich sah dass ich mit Gubacca in einer reinen Hündinnen-Gruppe war. Abgesehen von dem Thema mit unkastrierten Rüden hatte er nämlich ein wirklich tolles Sozialverhalten und kam mit anderen Hunden sehr gut klar. Für mich war es einfach schön, Gubacca wie die anderen ohne Leine auf dem Platz laufen zu lassen, mich bei den Übungen ganz auf uns beide konzentrieren zu können, ohne dauernd im Blick haben zu müssen, ob uns ein Rüde zu nah kam, und in den Pausen einfach mit den anderen zusammenzustehen und ihn mitlaufen zu lassen.
Nur leider ging es an diesem Tag nicht nur darum, erst einmal anzukommen und sich mit Obedience vertraut zu machen. Die Hunde sollten danach auch neu in Gruppen eingeteilt werden. Nach dieser ersten Stunde stand fest: Alle Hunde durften in ihrer Gruppe bleiben. Nur Gubacca nicht. Die Trainerin fand, dass er an diesem Tag für unsere Gruppe nicht gut genug gewesen war und deshalb in die gemischte Gruppe mit zwei jungen Rüden wechseln sollte.
Ich bat trotzdem um eine Ausnahme. Leicht fiel mir das nicht. Ich bitte nicht gern um Sonderregelungen, und in dem Moment fühlte es sich noch unangenehmer an. Aber dieses kleine Entgegenkommen hätte für mich unglaublich viel verändert. Ich wollte nicht schon wieder nur die mit dem Rüdenproblem sein. Ich wollte mit Gubacca einfach lernen, mit ihm arbeiten, Spaß haben und einmal ganz normal mitlaufen.
Die Antwort war trotzdem nein. Ich solle es als Herausforderung sehen, das Rüdenproblem in den Griff zu bekommen. Ehrlich gesagt konnte ich das damals nicht verstehen und ich war entäuscht von der Trainerin. Wir trainierten ja nicht für irgendeine Meisterschaft. Es ging doch darum, mit seinem Hund sinnvoll zu arbeiten und gemeinsam Spaß zu haben. Sie kannte Gubacca und mich ja schon länger und wusste, wie sehr ich an dem Thema arbeitete. Und genau deshalb fühlte es sich für mich so unfair an. Für mich wäre diese kleine Ausnahme eine große Erleichterung gewesen.
Wenn aus einem Hund plötzlich ein Thema wird
Genau diese Gefühle stecken auch in Ediths Geschichte. Sie wollte mit Moritz ja nicht die Ausstellungswelt erobern. Edith hätte mit Moritz ja nicht gleich als große Siegerin vom Platz gehen müssen. Wahrscheinlich hätte es keine Schleife gegeben. Vielleicht auch keine besonders schöne Bewertung. Na und?
In einer netten Gemeinschaft hätte man genau das hinterher gemeinsam weglachen können. Ein bisschen schade, ein bisschen peinlich vielleicht, aber eben nicht schlimm, wenn man nicht allein damit dasteht. Genau das wäre doch der eigentliche Wert gewesen: nicht der Pokal, nicht die Bewertung, sondern das Gefühl, trotzdem mitfahren zu dürfen. Dabei zu sein. Erfahrungen zu sammeln.
Aus Gubacca ist kein Obedience-Meister geworden. Wir haben stattdessen einfach mit dem weitergemacht, was uns beiden wirklich Spaß gemacht hat: Mantrailing. Und darin war er verdammt gut.
Und ich glaube, auch Moritz wird noch zeigen, dass das Aussehen oft nur der erste Eindruck ist. Mehr nicht. Was wirklich in einem Hund steckt, zeigt sich sowieso meistens erst später. In Kapitel 5 wird sich genau das noch einmal sehr deutlich zeigen.
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