Wenn man sich im Moment durch Social Media scrollt, sieht der Sommer für Hundehalter eher aus wie ein einziger Hindernislauf: Glühender Asphalt, Blaualgen, Grannen, Zecken und Eichenprozessionsspinner. (Ganz ehrlich: Wer hat eigentlich beschlossen, überall Eichen hinzupflanzen?)
Nach den letzten anstrengenden Wochen mit Gubaccas Pfote haben mich diese ständigen Warnungen zwischendurch ganz schön mürbe gemacht. Schwups, hatte mein geliebter Sommer einen verdammt negativen Touch. Auf einmal sah ich bei unseren Runden nicht mehr das wunderschöne Kornfeld im Morgenlicht, sondern nur noch die Gefahr durch Grannen. Unsere kühle Allee wurde im Kopf zur Prozessionsspinner-Gefahrenzone. Dabei bin und bleibe ich doch eigentlich ein absoluter Sommermensch!
Nach den letzten anstrengenden Wochen mit Gubaccas Pfote haben mich diese ständigen Warnungen zwischendurch ganz schön mürbe gemacht. Schwups, hatte mein geliebter Sommer einen verdammt negativen Touch. Auf einmal sah ich bei unseren Runden nicht mehr das wunderschöne Kornfeld im Morgenlicht, sondern nur noch die Gefahr durch Grannen. Unsere kühle Allee wurde im Kopf zur Prozessionsspinner-Gefahrenzone. Dabei bin und bleibe ich doch eigentlich ein absoluter Sommermensch!
Gubacca seufzt an dieser Stelle vermutlich tief – er versteht meine menschlichen Kopf-Sorgen sowieso nicht, solange seine Nase im nächsten Grasbüschel hängt. Und er hat ja recht. Deshalb schieben wir die Warnschilder im Kopf jetzt mal beiseite und stellen ein Marmeladenglas auf den Tisch. Nicht mit Erdbeermarmelade, sondern mit all den kleinen, unbeschwerten Sommermomenten, die man viel zu schnell vergisst.
Sobald die größte Hitze verflogen ist, wird das Gubacca-Taxi startklar gemacht und wir fahren hinaus zu den Feldern. Während die Sonne langsam Richtung Horizont wandert, genieße ich das goldene Licht. Gubacca schaltet derweil in seinen ganz persönlichen Genussmodus: Er liest die Feldränder wie eine spannende Abendzeitung, prüft wichtige Nachrichten, sortiert die Neuigkeiten des Tages ein und schnüffelt sich glücklich durch die Dämmerung.
Und irgendwo zwischen Sonnenuntergang, Vogelstimmen und einem tiefenentspannten Gos im Entdecker-Modus fühlt sich so eine Abendrunde plötzlich an wie Urlaub. Direkt vor der Haustür.
Unsere steht im Stadtpark, etwas abseits vom Weg. Besonders an den richtig warmen Sommertagen fahren wir am Nachmittag dorthin. Dank der vielen alten Bäume ist es an unserem Plätzchen immer einen Ticken kühler als im Rest der Stadt. Die Bank steht gerade weit genug entfernt vom üblichen Spazierverkehr, dass Gubacca nicht jede vorbeiziehende Hundebekanntschaft kommentieren muss. Dort liegt er am liebsten: ein bisschen versteckt, im tiefen Schatten und mit bestem Blick auf alles, was wichtig sein könnte.
Und ich? Ich hole mir auf dem Weg dorthin gerne einen Eisbecher von meiner Lieblingseisdiele. An dieser Stelle könnte ich natürlich schreiben, dass ich mir ganz vernünftig eine Kugel gönne. Das wäre allerdings geflunkert. Tatsächlich sitze ich dort mit einer Portion, die manch einer wohl als Familienpackung bezeichnen würde. Fünf Kugeln. Immer. Mein persönliches Bankgeheimnis im Park.
Gubacca verrät mich zum Glück nicht. Er ist viel zu sehr mit dem Studium sämtlicher Gerüche beschäftigt, die andere Hunde an den Baumstämmen hinterlassen haben. So genießt jeder von uns diesen schattigen Platz auf seine Weise: ich mit Eis, Gubacca mit den neuesten Park-Informationen.
Ich nenne es praktisch. Gubacca nennt es vermutlich standesgemäßen Luxus. Während ich beim kräftigen in die Pedale treten noch darüber nachdenke, wie ich die Kalorien des Nachmittagseises jemals wieder abtrainieren soll, lässt er sich längst gemütlich durch die Gegend schaukeln. Mit Rundumblick. Mit Fahrtwind. Und mit der entspannten Gewissheit, dass man bei sommerlichen Temperaturen nicht jeden Meter selbst laufen muss.
Wird es zu warm, bauen wir das Taxi kurzerhand zum Cabrio um. Und dann sitzt Gubacca darin, schaut königlich in die Landschaft und wirkt ungefähr so, als hätte er das Konzept „Sommer“ deutlich besser verstanden als ich. Man muss nicht immer alles erlaufen. Manchmal darf man sich auch einfach fahren lassen.
Gubacca gehört eindeutig zu den ganz Schlauen. An heißen Tagen kann er stundenlang dösen. Es ist kein richtiges Schlafen und kein richtiges Wachsein, sondern ein herrlicher Zustand irgendwo dazwischen. Er liegt da mit geschlossenen Augen und ist gleichzeitig erstaunlich präzise darüber informiert, was im Umkreis von fünfzig Metern passiert.
Ein leises Schlurfen auf dem Gehweg, ein kurzes Stehenbleiben am Zaun oder das verdächtige Geräusch der Kühlschranktür: Plötzlich ist er hellwach und voll da – für exakt dreißig Sekunden. Sobald die Lage gecheckt ist, sinkt der Kopf wieder zurück auf die Pfoten, und es wird tiefenentspannt weiter gedöst.
Im Sommer gehört ein richtiges Eis für mich einfach fest dazu – und zwar untrennbar verbunden mit unserem Nachmittag im Stadtpark. Gubacca betrachtet diese Leidenschaft jedes Mal mit einer Mischung aus tiefem Interesse und großer Skepsis. Er ist eben, wenn man das so sagen kann, eher der „herzhafte Typ“. Mit süßem Kram hat er gar nichts am Hut. Deshalb packe ich für ihn auch immer eine Kaustange ein.
Das er nichts süßes mag hat den unschlagbaren Vorteil, dass ich mein Eis niemals teilen muss – noch nicht einmal ein Stückchen von der Waffel. Trotzdem sitzt er jedes Mal vor mir, knabbert pflichtbewusst an seiner Stange und schaut mich zwischendurch herzzerreißend sehnsüchtig an. Nicht, weil er die Eiskugel wirklich haben will. Sondern einfach aus reinem, hündischem Prinzip.
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