Heute vor genau neun Jahren ist Gubacca bei uns eingezogen. Gubacca selbst hat diesen Anlass bislang mit bemerkenswerter Gelassenheit zur Kenntnis genommen. Also gar nicht. Keine feierliche Ansprache. Kein rührender Blick in Richtung Welpenzeit. Keine erkennbare Dankbarkeit dafür, dass wir damals 1300 Kilometer gefahren sind, um ihn abzuholen. Er liegt einfach da und ist Gubacca. Ich dagegen war natürlich sofort wieder sentimental. Kaum hatte ich an diesen Tag gedacht, hatte ich auch schon dieses kleine Löckenköpfchen vor Augen. Diesen kräftigen Welpen mit dem grünen Halsband, der damals mitten im Gewusel stand, als hätte er schon sehr klare Vorstellungen davon, wie sein weiterer Lebensweg aussehen sollte.
Heute vor genau neun Jahren ist Gubacca bei uns eingezogen. Gubacca selbst hat diesen Anlass bislang mit bemerkenswerter Gelassenheit zur Kenntnis genommen. Also gar nicht. Keine feierliche Ansprache. Kein rührender Blick in Richtung Welpenzeit. Keine erkennbare Dankbarkeit dafür, dass wir damals 1300 Kilometer gefahren sind, um ihn abzuholen. Er liegt einfach da und ist Gubacca.
Ich dagegen war natürlich sofort wieder sentimental. Kaum hatte ich an diesen Tag gedacht, hatte ich auch schon dieses kleine Löckenköpfchen vor Augen. Diesen kräftigen Welpen mit dem roten Halsband, der damals mitten im Gewusel stand, als hätte er schon sehr klare Vorstellungen davon, wie sein weiterer Lebensweg aussehen sollte. Und ich? Ich hatte vorher sehr klare Vorstellungen davon, was ich alles richtig machen wollte. Das ist im Rückblick eine gefährliche Kombination.
Natürlich habe ich auch in den alten Blogbeiträgen gestöbert. Noch einmal nachgelesen, was mir damals kurz vor seinem Einzug durch den Kopf ging. Und da stand ein Satz, an dem ich hängen geblieben bin:
„Er soll seine Persönlichkeit entwickeln und nicht von mir einen Stempel aufgedrückt bekommen, wie ich mir einen Hund wünsche.“
Ich musste lachen. Nicht laut. Eher dieses kurze innere Lachen, bei dem man gleichzeitig denkt: Ach Bine. Der Plan war gut. Die Ausführung übernahm dann Gubacca.
Der Satz war ja nicht falsch. Aber er klingt heute fast ein bisschen edler, als er damals gemeint war. Natürlich hätte ich nichts dagegen gehabt, wenn Gubacca nach vier Wochen perfekt erzogen gewesen wäre. Ich bin ja nicht verrückt. Also gut. Beim Thema „Sorgen machen“ vielleicht ein bisschen.
Mir ging es damals um etwas anderes. Wenn man schon mehrere Hunde hatte, trägt man automatisch Bilder in sich. Man weiß, was man schön fand, was einem fehlt und was man gern wieder hätte. Nicht unbedingt bewusst. Aber es ist da. Wie ein leiser Hintergrundton. Und bei mir war da natürlich Chiru. Er war mir noch sehr nah. Nicht als Maßstab. Nicht als „so soll der Nächste bitte auch werden“. Aber als Hund, der meinen Blick geprägt hatte. Auf Nähe. Auf Vertrauen. Auf Alltag. Auf all das, was man mit einem Hund teilt, ohne dauernd darüber nachzudenken.
Genau deshalb wollte ich aufpassen. Gubacca sollte nicht in eine Lücke passen. Er sollte Gubacca werden dürfen. Auch wenn ich damals noch keine Ahnung hatte, wie ernst er diesen Auftrag nehmen würde.
Dabei hätte ich es eigentlich schon am Einzugstag ahnen können. Zum Abschied sollten damals noch einmal alle Welpen zusammen fotografiert werden. Auf einem Tisch. Nebeneinander. Kurz stillhalten. Eine dieser Ideen, die in der Theorie völlig harmlos klingen und in der Praxis daran scheitern, dass junge Hütehunde eigene Vorstellungen von Gruppenfotografie haben. Es wurde sofort wuselig. Pfoten überall. Nasen überall. Einer wollte runter. Einer wollte zum Nachbarn. Einer wollte vermutlich prüfen, ob der Tisch essbar ist.
Und Gubacca? Er setzte sich hin. Nicht übertrieben brav. Nicht streberhaft. Eher so, als hätte er beschlossen, dass diese ganze Aufregung ohne ihn stattfinden könne.
Damals fand ich das niedlich. Heute denke ich: Das war keine Momentaufnahme. Das war eine Vorankündigung. Denn dieses Aussitzen ist bis heute sehr Gubacca. Nur nicht so offensichtlich, wie man es vielleicht vermuten würde. Er stellt sich nicht breitbeinig hin und verweigert mit dramatischer Geste die Zusammenarbeit. Das wäre viel zu plump.
Gubacca macht das feiner. Er lässt Dinge an sich abperlen. Freundlich. Ruhig. Fast höflich. Manchmal entzieht er sich einer Situation so unauffällig, dass man erst einen Moment später merkt: Ach. Ich bin offenbar die Einzige, die hier noch an unserem gemeinsamen Plan festhält. Das ist eine besondere Fähigkeit. Nicht unbedingt eine, die im Alltag immer hilfreich ist. Aber eine, die ziemlich gut zu ihm passt.
Es gibt Momente, da wirkt Gubacca auf mich, als ob ich ihn mehr brauchen würde, als er mich. So als ob er sein eigenes kleines inneres Leben hätte, in dem ich zwar vorkomme, aber nicht zwingend den Vorsitz führe.
Zum Glück gibt es aber dann auch diese anderen Momente. Wenn er sich zu mir legt. Wenn er mich anschaut. Wenn er meine Nähe sucht, ohne großes Tamtam. Dann zeigt er mir sehr deutlich, dass ich mir seinen Platz in seinem Leben durchaus erarbeitet habe. Nicht geschenkt bekommen. Erarbeitet.
Und das ist der Grund, warum es sich mit ihm so besonders anfühlt. Weil Gubacca seine Nähe nicht einfach verteilt. Man bekommt sie nicht als Dauerangebot hinterhergetragen. Man merkt eher irgendwann: Da ist ein Hund, der sehr gut ohne großes Gedöns auskommt und sich trotzdem entschieden hat, bei einem zu bleiben. Auf seine Art. Und die ist selten laut. Zumindest im Haus. Draußen kann das schon wieder ganz anders aussehen.
Damals hatte ich mir vorgenommen, erst zu verstehen, warum ein Hund reagiert, bevor ich an ihm herumdoktere. Das klingt rückblickend sehr vernünftig. Und es ist auch vernünftig. Nur steht man im echten Leben manchmal mit einem Hund an der Leine da, der gerade sehr laut eine fachliche Einschätzung abgibt, während man selbst innerlich noch versucht, die ruhige Hundehalterin aus der oberen Schublade zu holen.
Bei Gubacca bedeutete Verstehen nie: Ich lasse ihn einfach machen. Das wäre bequem gewesen. Aber nur für kurze Zeit. Denn dann hätte er vermutlich sehr schnell eine kleine Außenstelle für Lagebewertung eröffnet und mich nur noch in beratender Funktion geduldet.
Verstehen bedeutete bei ihm eher, genauer zu unterscheiden. Wann ist er unsicher? Wann ist er überfordert? Wann ist er einfach schnell im Kopf? Wann übernimmt er, weil ich zu spät bin? Und wann ist er schlicht der Meinung, dass seine Einschätzung gerade die bessere ist?
Diese Fragen haben mich in den letzten neun Jahren häufiger begleitet, als ich mir damals mit meinem kleinen Welpen im Kopf vorgestellt hatte. Man kann sich vornehmen, einen Hund so zu lassen, wie er ist. Aber man muss erst herausfinden, wer er ist.
Und bei Gubacca war das kein kleines Persönlichkeitsheftchen mit drei Stichpunkten. Das war eher ein Fortsetzungsroman. Mit Fußnoten. Und gelegentlichen Zwischenrufen.
Gubacca ist kein Hund, der Dinge einfach vorbeiziehen lässt. Er nimmt wahr. Sehr viel. Sehr schnell. Und manchmal auch Dinge, bei denen ich persönlich finde, dass ein höfliches Übersehen vollkommen ausgereicht hätte. Mülltonnen zum Beispiel. Nicht die Mülltonnen, die einfach nur am Straßenrand stehen. Die gehören offenbar zum Inventar und sind damit uninteressant. Aber Mülltonnen, die an unserem Haus vorbeigezogen werden, fallen in eine andere Kategorie. Bewegliche Mülltonnen sind aus Gubaccas Sicht keine Nebensache.
Autos mit klapperndem Anhänger übrigens auch nicht. Und dann ist da noch der Nachbar, der mit seinem Hund am Gartenzaun vorbeiläuft und dabei immer hustet. Auch das ist für Gubacca keine harmlose Alltagsszene, sondern eine wiederkehrende Lage, die man besser im Blick behält. Rüden, die aus seiner Sicht zu nah an uns vorbeigehen, werden ebenfalls nicht einfach zur Kenntnis genommen. Sie werden kommentiert. Lautstark. Mit Nachdruck. Für Gubacca ist die Zuständigkeit in diesem Moment eindeutig geklärt.
Und genau da wird es spannend. Denn natürlich könnte man all das einfach unter „anstrengend“ abheften. Manchmal tue ich das auch. Ich bin ja ehrlich. Es gibt Momente, in denen ich mir wünsche, Gubacca würde eine Mülltonne einfach Mülltonne sein lassen und einen klappernden Anhänger als das einordnen, was er ist: ein klappernder Anhänger und kein sicherheitsrelevantes Großereignis.
Aber so einfach ist es eben nicht. Gubacca sieht das. Hört das. Sortiert es ein. Und wenn er zu dem Schluss kommt, dass eine Sache Aufmerksamkeit verdient, dann bekommt sie Aufmerksamkeit. Ob ich das in diesem Moment genauso sehe, ist eine andere Frage.
Und darin lag der Unterschied zwischen meinem schönen Satz von damals und dem echten Leben mit Gubacca. Ihn so zu lassen, wie er ist, bedeutete nicht, alles gut zu finden. Es bedeutete auch nicht, jedes Verhalten mit einem milden Lächeln zu verklären, nur weil ein wuscheliger Kopf daran hängt. Es bedeutete, ihn ernst zu nehmen. Auch dann, wenn ich ihn gleichzeitig gern kurz auf stumm geschaltet hätte.
„Beziehung statt Erziehung“ stand damals ebenfalls in meinem Text. Ich mag diesen Satz immer noch. Aber ich würde ihn heute anders lesen. Nicht als Gegensatz. Nicht als: Erziehung ist streng und Beziehung ist weich, warm und liegt dekorativ im Körbchen. So einfach ist es nicht. Gerade bei Gubacca hat Beziehung viel mit Klarheit zu tun. Mit Timing. Mit Glaubwürdigkeit. Mit der Frage, ob ich eine Situation wirklich einschätze oder nur hoffe, dass sie sich von allein erledigt.
Spoiler: Sie erledigt sich selten von allein. Zumindest nicht in Gubaccas Universum. Da wird eher geprüft, gemeldet, kommentiert und im Zweifel eigenständig verwaltet. Und genau deshalb war Beziehung für uns nie nur Kuscheln und Vertrauen. Das auch. Zum Glück. Aber eben nicht nur.
Beziehung war auch: Ich lerne dich zu lesen, bevor du die Welt für mich sortierst. Und du lernst, dass ich manche Dinge tatsächlich gesehen habe. Auch wenn ich sie nicht mit derselben Dringlichkeit behandle wie du. Wenn ich heute darüber nachdenke, muss ich ein bisschen über mich selbst lachen. Damals hatte ich diesen kleinen Welpen vor Augen und wollte alles richtig machen. Ich wollte ihm Raum geben. Ich wollte ihn verstehen. Ich wollte nicht zu schnell urteilen.
Alles richtig. Nur hatte ich nicht einkalkuliert, dass Gubacca seinerseits ebenfalls sehr klare Vorstellungen entwickeln würde. Über Abläufe. Über Zuständigkeiten. Über die Frage, wann Dinge zu passieren haben. Und darüber, wie man Menschen bewegt, ohne sich selbst übermäßig anzustrengen.
Denn Gubacca ist im Haus nicht der Hund, der ständig um einen herumwuselt, einem auf Schritt und Tritt folgt oder jede Regung kommentiert. Im Gegenteil. Manchmal merkt man ihn kaum. Er hat seine Lieblingsplätze und dort liegt er dann. Stundenlang. Lang ausgestreckt, tiefenentspannt, scheinbar vollkommen abgemeldet vom Weltgeschehen. Früher hätte mich das vielleicht irritiert. Heute weiß ich: Nur weil Gubacca aussieht, als hätte er sich aus dem Dienst verabschiedet, heißt das noch lange nicht, dass er nichts mitbekommt.
Er bekommt alles mit. Nur eben auf seine Art. Morgens liegt er zum Beispiel gern vor der Haustür. So lang ausgestreckt, dass er aussieht wie eines dieser Dinger, die man im Winter vor die Tür legt, damit es nicht zieht. Nur mit Fell. Und deutlich mehr Meinung. Ich frühstücke, stehe irgendwann auf und gehe Richtung Treppe. Gubacca liegt da. Scheinbar tief und fest schlafend. Kein Ohr zuckt. Kein Blick. Kein Zeichen von Interesse. Und jedes Mal denke ich kurz: Der schläft wirklich. Man lernt ja offenbar nie aus. Denn kaum habe ich die zweite Stufe erreicht, flitzt ein großer, langhaariger Schatten an mir vorbei nach oben. Dort wartet nämlich sein gut gefüllter Schnüffelteppich.
Und genau da muss ich immer lachen. Weil das so typisch Gubacca ist. Nicht vorher aufspringen. Nicht wedeln, hüpfen, fiepen oder freudig anzeigen: Ich weiß, was jetzt kommt. Das wäre viel zu offensichtlich. Gubacca lässt mich erst einmal glauben, ich hätte die Situation allein eröffnet. Und dann ist er plötzlich da. Pünktlich. Zielstrebig. Als hätte er die ganze Zeit selbstverständlich mitgerechnet.
So ähnlich läuft es auch, wenn es an der Haustür schellt. Kein Fall für Gubacca. Andere Hunde würden vielleicht bellen, zur Tür laufen oder zumindest Interesse vortäuschen. Gubacca rennt in die erste Etage und beobachtet von oben, wie wir das regeln. Das klingt nach Rückzug. Ist es aber nicht ganz. Es ist eher diese sehr eigene Gubacca-Logik: Ihr kümmert euch um die praktische Umsetzung, ich behalte den Überblick.
Und wahrscheinlich ist das der Punkt, über den ich nach neun Jahren oft schmunzeln muss. Gubacca wirkt im Haus so unauffällig. So ruhig. So, als würde er sich gar nicht besonders einmischen. Und trotzdem hat er uns erstaunlich gut im Griff. Sehr leise. Sehr freundlich. Sehr erfolgreich.
Wir wissen zum Beispiel immer, wann 17 Uhr ist. Nicht, weil Gubacca dann jammert. Nicht, weil er an uns hochspringt. Nicht, weil er mit dem Napf klappert oder dramatisch vor dem Kühlschrank zusammenbricht. Nein. Er ist einfach da. Präsent. Und irgendwann schaut einer von uns auf die Uhr und sagt: „Ach, es ist schon fünf.“ Natürlich ist es schon fünf. Gubacca wusste das längst. Auch wenn er in diesem Moment vermutlich aussehen würde, als habe er mit der ganzen Angelegenheit überhaupt nichts zu tun.
Wenn er in den Garten möchte, läuft es ähnlich. Kein Kratzen an der Tür. Kein Fiepen. Kein hektisches Hin und Her. Gubacca stellt sich einfach vor die Tür. Stocksteif. Blick nach draußen. Dann wartet er. Und wartet. Und wartet. Ich glaube, er könnte das wirklich sehr lange. Nicht trotzig. Nicht beleidigt. Eher mit dieser ruhigen Gewissheit, dass irgendwann schon jemand die richtige Entscheidung treffen wird. Meistens ist das Herrchen. Herrchen hält nicht so lange durch.
Und dann gibt es noch seine kleine Abendvorstellung. Normalerweise rennt Gubacca die Treppen hoch und runter, als hätte ihm niemand gesagt, dass er inzwischen kein Junghund mehr ist. Aber wenn wir abends vor dem Fernseher sitzen und er von oben kommt, setzt er sich erst einmal auf die erste Stufe.
Nicht ganz herunter. Nur auf die erste Stufe. Dann schaut er. Wenn wir ihn nicht beachten, rutscht er zwei Stufen weiter nach unten. Wieder Pause. Wieder Blickkontakt. Sehr gezielt. Sehr ernst. Ein einfaches „Gubacca, dann komm doch“ reicht nicht. Natürlich nicht. Das wäre ja nur eine Einladung. Und offenbar keine, die seiner Bedeutung gerecht wird. Er möchte freudig gerufen werden. Richtig freudig. Erst dann startet er und fliegt aus gefühlten vier Metern Entfernung aufs Sofa, als hätte es vorher nie einen Zweifel gegeben, dass genau dieser Auftritt jetzt nötig war.
Und genau solche Momente erzählen für mich viel mehr über ihn als jede große Beschreibung. Gubacca ist nicht laut im Haus. Nicht aufdringlich. Nicht ständig präsent im klassischen Sinn. Aber er hat eine Art, da zu sein, die man irgendwann nicht mehr übersieht. Er besetzt keinen Raum. Er sortiert ihn. Leise. Nebenbei. Mit einer Selbstverständlichkeit, gegen die man sich kaum wehren kann.
Und wahrscheinlich ist das nach neun Jahren eine der lustigsten Erkenntnisse: Ich wollte damals aufpassen, ihm keinen Stempel aufzudrücken. Am Ende hat er uns sehr viel unauffälliger geprägt, als ich ihn je hätte prägen können.
Nicht durch großes Drama. Nicht durch ständige Forderungen. Nicht dadurch, dass er pausenlos um Aufmerksamkeit bittet. Sondern durch diese ganz eigene Mischung aus Ruhe, Eigenständigkeit, feinen Entscheidungen und punktgenauer Präsenz.
Gubacca ist kein Hund, der dauernd fragt, ob man ihn liebt. Er geht eher davon aus, dass die wichtigsten Dinge geklärt sind. Und dann gibt es diese Momente, in denen er sich zu mir legt. Mich anschaut. Meine Nähe sucht. Ohne großes Tamtam. Ohne Kitsch. Ohne „schau mal, wie rührend ich gerade bin“.
Er ist dann einfach da. Und ich merke, dass dieser Hund, der manchmal so wirkt, als brauche er mich gar nicht so dringend, mir trotzdem seinen Platz in seinen Herzen gegeben hat. Nicht laut. Nicht dauernd. Aber eindeutig.
Das ist auch der Grund, warum mich dieser Jahrestag heute so erwischt hat. Nicht, weil ich plötzlich denke: Ach, wie schnell die Zeit vergangen ist. Obwohl. Doch. Das denke ich natürlich auch. Neun Jahre sind neun Jahre. Aus dem kleinen Löckenkopf ist längst ein erwachsener Hund geworden. Einer mit festen Gewohnheiten, klaren Meinungen und einer erstaunlichen Fähigkeit, Menschen ohne ein einziges Geräusch in Bewegung zu setzen.
Aber vor allem denke ich heute: Es ist gut, dass ich diesen Satz damals geschrieben habe. Nicht, weil ich ihn immer perfekt umgesetzt hätte. Habe ich nicht. Natürlich nicht. Ich habe mich verrückt gemacht. Ich habe Situationen falsch eingeschätzt. Ich war manchmal zu vorsichtig, manchmal zu angespannt, manchmal zu langsam. Und ich habe ganz sicher nicht jeden Moment unseres gemeinsamen Weges mit der Ruhe einer Frau gemeistert, die tief in sich ruht und morgens mit einem Salbeitee in die innere Mitte atmet.
Schade eigentlich. Wäre manchmal praktisch gewesen. Aber der Satz hat trotzdem gestimmt. Gubacca sollte nicht Chirus Nachfolger werden. Nicht die neue Version eines vertrauten Gefühls. Nicht der Hund, der in eine Lücke passt und sich dabei möglichst so entwickelt, dass es für mich leichter wird. Er sollte Gubacca werden dürfen. Und das ist er geworden. Mit allem, was dazugehört.
Mit seiner Ruhe im Haus und seiner Entschlossenheit draußen. Mit seinen feinen Entscheidungen, seinem Teflonblick, seiner stillen Art, Menschen in Bewegung zu setzen, und diesen Momenten, in denen er ganz ohne großes Getue zeigt, dass man seinen Platz bei ihm hat.
Neun Jahre später liegt hier kein kleiner Welpe mehr. Hier liegt Gubacca. Erwachsen. Eigen. Vertraut. Und manchmal, wenn ich ihn anschaue, sehe ich ihn trotzdem noch. Diesen kleinen Hund mit dem roten Halsband, der mitten im Gewusel saß und offenbar schon ziemlich genau wusste, wer er einmal werden wollte.
Ich wollte damals, dass er seine Persönlichkeit entwickeln darf. Hat geklappt. Sehr sogar. Und genau so liebe ich ihn.
Es gibt Entscheidungen im Leben, die trifft man mit dem Kopf. Und dann gibt es Entscheidungen, die trifft man in einem Möbelhaus, während man auf einem hellbeigen Wohnzimmerteppich steht und sich einredet, dass das schon irgendwie gutgehen wird. Ich gehöre offenbar zur zweiten Gruppe. Dabei hätte ich es besser wissen müssen. Wirklich. Ich lebe schließlich nicht allein. Ich teile mein Zuhause mit einem langhaarigen Katalanischen Schäferhund, der in unserer Familie heiß und innig geliebt wird. Meine Schwester und meine Eltern freuen sich jedes Mal, wenn Gubacca zu Besuch kommt. Er wird begrüßt, gekrault, bewundert und liebevoll mit Sätzen empfangen wie: „Ach, da ist ja die größte Dreckschleuder der Welt!“
Es gibt Entscheidungen im Leben, die trifft man mit dem Kopf. Und dann gibt es Entscheidungen, die trifft man in einem Möbelhaus, während man auf einem hellbeigen Wohnzimmerteppich steht und sich einredet, dass das schon irgendwie gutgehen wird. Ich bin die unangefochtene Anführerin der zweiten Gruppe.
Dabei hätte ich es besser wissen müssen. Schon im Möbelhaus hörte ich in meinem Kopf meine Familie sagen: „Das ist jetzt nicht dein Ernst, Bine?!“ Sie kennen Gubacca. Ich kenne Gubacca. Und sie hätten mit ihren gut gemeinten Ratschlägen so gar recht. Bei meiner Schwester und meinen Eltern ist Gubacca ein gern gesehener Gast keine Frage. Er wird begrüßt, gekrault, bewundert und ungefähr im selben Atemzug liebevoll „die größte Dreckschleuder der Welt“ genannt. Was hart klingt. Aber fair ist. Gubacca bringt schließlich selten nur sich selbst mit. Irgendwas hängt immer im Fell. Fell sowieso. Dazu Sand, Erde, kleine Ästchen, Gras und gelegentlich Fundstücke, über deren Herkunft ich im Sinne des Familienfriedens nicht weiter nachdenken möchte.
Staubsaugen oder Wischen vor einem Gubacca-Besuch? Kann man machen. Man kann sich aber auch einfach hinsetzen und warten, bis der Herr eingetroffen ist. Denn kaum hat Gubacca die Wohnung betreten, ist der vorherige Zustand der Böden nur noch eine vage Erinnerung. Eben war hier doch noch sauber. Ein schöner Gedanke. Kurz. Aber schön. Natürlich bemühe ich mich immer, mit einem sauberen Hund anzukommen. Das möchte ich an dieser Stelle ausdrücklich festhalten. Ich bin stets bemüht. Und wir wissen alle, was das bedeutet. Beim Aussteigen aus dem Auto sieht Gubacca meistens noch ganz ordentlich aus. Ein bisschen zersauselt vielleicht, aber vorzeigbar. Besuchstauglich. Der war gerade draußen, ja. Aber es ist noch im Rahmen.
Dann macht er drei Schritte durch den Flur. Drei. Und irgendwo aus den Tiefen seines Fells rieselt ein kleines Biotop. Etwas Grünzeug hier, ein trockenes Hälmchen dort, ein bisschen Waldboden für die Atmosphäre. Als hätte er unterwegs beschlossen, der Familie ein Stück Natur mitzubringen. Sehr aufmerksam eigentlich. Kaum angekommen, muss selbstverständlich auch sofort getrunken werden. Denn Wasser schmeckt woanders bekanntlich besser. Das ist ein Naturgesetz. Direkt danach tropft das Bärtchen noch einmal quer durch den Raum, damit auch wirklich alle merken: Der Gast ist da.
Und das macht er natürlich nicht nur bei anderen. Das macht er auch bei uns. Was mich zu meiner Einrichtung bringt. Ich liebe helle Räume. Naturtöne. Holz. Körbe. Ruhige Farben. Diesen warmen Boho-Stil, der für mich nach Meer, Leichtigkeit und ein bisschen Urlaub im Alltag aussieht. Nicht perfekt, nicht steif, sondern hell, gemütlich und entspannt. Genau diese Mischung, bei der man kurz vergisst, dass man einen langhaarigen Hund hat.
Die Realität holt mich regelmäßig schnell wieder ein, denn ich wohne mit einem Hund zusammen, dessen Fell draußen offenbar auf Magnetbetrieb läuft. Alles, was unterwegs nicht festgewachsen ist, kommt mit nach Hause. Meine Liebe zu heller Einrichtung ist also keine Stilfrage. Sie ist ein Risikosport.
Vor Kurzem standen der Göttergatte und ich im Möbelhaus. Wir wollten eigentlich nur mal schauen. Das sagt man ja gern so, kurz bevor man Dinge kauft, von denen man bis dahin noch gar nicht wusste, dass man sie unbedingt braucht. Und dann lag er da. Ein Traum in hellbeige. Hell, weich, ein bisschen wie Urlaub für die Füße. Genau dieser Teppich, der einem zuflüstert:„Mit mir sieht dein Wohnzimmer aus wie aus einem Wohnmagazin. Also zumindest aus einem, in dem keine Hunde leben.“ Ich war verliebt.
Der Göttergatte sah den Teppich. Dann sah er mich an. Dann dachte er vermutlich an Gubacca. „Meinst du, das macht Sinn mit Gubacca?“ Eine berechtigte Frage. Leider.
Denn in diesem Moment trafen zwei Kräfte aufeinander, die in etwa gleich stark sind: mein Wunschdenken und die harte Realität. Die harte Realität sagte: „Du hast einen langhaarigen Hund mit Bart, Pfoten und einem beeindruckenden Talent, draußen nach innen zu tragen.“ Mein Wunschdenken sagte: „Aber der Teppich ist so schön.“
Und wie das mit Wunschdenken nun mal ist: Es kennt die Fakten, nimmt sie zur Kenntnis und schiebt sie dann sehr elegant zur Seite. Ich begann also, mir die Fakten schönzureden. Gubacca geht ja nie aufs Sofa. Das stimmt tatsächlich. Also zumindest im Wohnzimmer. Im Arbeitszimmer ist das eine andere Geschichte, aber darüber breiten wir heute den Mantel des Schweigens. Einen hellbeigen natürlich. Außerdem liegt Gubacca gar nicht so gern auf Teppichen. Auch das war bisher richtig. Meistens kommt er abends kurz ins Wohnzimmer, lässt sich kraulen, nimmt die Huldigung entgegen und verschwindet dann wieder auf den kühlen Boden. Der Herr bevorzugt klare Temperaturen und strategisch günstige Liegeplätze.
Und nach Spaziergängen verlasse ich mich ohnehin nicht auf diesen sagenumwobenen Selbstreinigungsprozess, von dem manche Hundehalter sprechen. Bei Gubacca funktioniert der nur sehr eingeschränkt. Also eigentlich gar nicht. Wenn Gubacca dreckige Pfoten hat, dann bleiben sie dreckig, bis ich etwas dagegen unternehme. Von allein passiert da wenig. Außer dass sich die Spuren gleichmäßig im Haus verteilen. Deshalb gibt es bei uns die Pfotendusche. Keine Wellness, eher Katastrophenschutz.
So stand ich also im Möbelhaus und argumentierte innerlich wie eine Anwältin für beige Textilien. Er liegt nicht auf Teppichen. Er geht nicht aufs Sofa. Ich wasche ihm die Pfoten. Wir schaffen das.
Der Göttergatte blieb skeptisch. Ich blieb optimistisch. Und eine Woche später zog der hellbeige Boho-Traum bei uns ein. Er wurde ausgerollt. Er lag da. Wunderschön. Hell. Weich. Für einen kurzen Moment sah alles genauso aus, wie ich es mir im Möbelhaus vorgestellt hatte. Und dann kam Gubacca.
Er betrat das Wohnzimmer, sah den Teppich und traf eine Entscheidung.Sucht man Gubacca, muss man nicht lange überlegen. Man schaut einfach ins Wohnzimmer. Dort liegt er. Lang ausgestreckt. Tiefenentspannt. Mitten auf dem hellbeigen Boho-Traum. Als hätte er nie etwas anderes gewollt.
Kein kurzer Besuch. Kein „ich lasse mich mal eben kraulen und gehe dann wieder“. Nein. Der Hund wohnt jetzt dort. Es war Liebe auf den ersten Blick. Oder besser gesagt: Liebe auf den ersten Fellabdruck.
Ich gebe zu, ich war überrascht. Nicht, weil Gubacca schöne Dinge erkennt. Das kann er. Er hat schließlich Geschmack. Er hat mich als Frauchen ausgesucht, da wollen wir mal nicht kleinlich sein. Aber dass ausgerechnet dieser Hund, der Teppiche sonst eher wie dekorative Umwege behandelt, plötzlich seinen inneren Wohnblogger entdeckt, kam unerwartet.
Vielleicht fühlt er sich dort besonders gut in Szene gesetzt. Vielleicht harmoniert sein Fell mit Beige. Vielleicht hat er auch nur gemerkt, dass dieser Teppich genau die richtige Bühne für einen Rüden ist, der weiß, wie man Räume betritt und anschließend übernimmt.
Seitdem liege ich gedanklich auf der Lauer. Nicht wegen Gubacca. Wegen des Teppichs. Wie lange hält so ein hellbeiger Boho-Traum dem echten Leben stand? Wie viele Spaziergänge, Bärtchentropfen, Pfotenabdrücke, Krümel, Fellflusen und kleine Naturgeschenke verkraftet er? Und vor allem: Wird er irgendwann noch hellbeige sein oder diese ganz eigene Farbe annehmen, die man nur kennt, wenn man mit Hund lebt?
Wir wissen es nicht. Noch ist alles gut. Noch rede ich mir ein, dass das eine stabile Beziehung werden kann. Der Teppich und Gubacca. Gubacca und der Teppich. Zwei, die sich gesucht und offensichtlich gefunden haben. Ob die Liebe zweiseitig ist, bleibt allerdings offen. Gubacca wirkt sehr glücklich. Der Teppich sagt nichts. Was vermutlich besser ist.
In den letzten Tagen hat mich, wie viele andere auch, das Schicksal des Buckelwals beschäftigt, den viele als „Hope“ kennen und der in den Medien auch „Timmy“ genannt wurde. Morgens ging mein erster Blick auf den Liveticker im Internet, abends las ich mich durch die vielen Beiträge dazu. Aus „nur mal eben schauen“ wurde ziemlich schnell dieses stille Mitfiebern, bei dem man plötzlich merkt: Mist. Jetzt hängt mein Herz an einem Wal in der Ostsee. Und gleichzeitig war da natürlich diese andere Seite. Rund um Hope gab es viele Meinungen. Kritische, vorsichtige und hoffnungsvolle. Genau das gehört wohl zu so einer Geschichte dazu. Nicht jede Rettung ist einfach. Nicht jede Entscheidung ist eindeutig. Von außen lässt sich manches schneller sagen, als es sich vor Ort verantworten lässt.
Manchmal ist es schon eines, wenn jemand nicht allein bleibt.“
In den letzten Tagen hat mich, wie viele andere auch, das Schicksal des Buckelwals beschäftigt, den viele als „Hope“ kennen und der in den Medien auch „Timmy“ genannt wird. Morgens ging mein erster Blick auf den Liveticker im Internet, abends las ich mich durch die vielen Beiträge dazu. Aus „nur mal eben schauen“ wurde ziemlich schnell dieses stille Mitfiebern, bei dem man plötzlich merkt: Mist. Jetzt hängt mein Herz an einem Wal in der Ostsee.
Und gleichzeitig war da natürlich diese andere Seite. Rund um Hope gab es viele Meinungen. Kritische, vorsichtige und hoffnungsvolle. Genau das gehört wohl zu so einer Geschichte dazu. Nicht jede Rettung ist einfach. Nicht jede Entscheidung ist eindeutig. Von außen lässt sich manches schneller sagen, als es sich vor Ort verantworten lässt.
Was mich daran nicht losgelassen hat, war nicht nur das Schicksal dieses Wals. Mich hat bewegt, wie viele Menschen sich für ihn eingesetzt haben. Da waren Menschen, die bereit waren, eine aufwendige und sicher alles andere als günstige Rettungsaktion zu finanzieren, weil sie nicht einfach hinnehmen wollten, dass ein Tier in Not aufgegeben wird. Da waren Einsatzkräfte, Helferinnen und Helfer, Fachleute und Unterstützer, die über Tage drangeblieben sind. Die diskutiert, abgewogen, ausprobiert und weitergedacht haben, auch wenn es nicht einfach war und von außen längst nicht alle einer Meinung waren.
Und ja, natürlich kann man über vieles sprechen. Über Sinn und Risiko. Über Chancen und Grenzen. Über das, was man tun sollte, und das, was man besser lässt. Aber was ich daran so berührend fand, war dieser Wille, überhaupt noch nach einem Weg zu suchen. Denn mal ehrlich: Wer hätte vorher gedacht, dass ein Buckelwal irgendwann in einer Art Privat-Taxi zurück Richtung Nordsee gebracht wird?
Das klingt erst einmal absurd. Fast wie eine Geschichte, bei der man denkt: Jetzt übertreiben sie aber. Und gleichzeitig zeigt es etwas, das mir sehr naheging. Manchmal braucht Hilfe nicht nur Wissen und Kraft. Manchmal braucht sie auch Phantasie. Menschen, die ungewöhnlich denken. Menschen, die sich trauen, einen Plan zu verfolgen, obwohl er nicht in die Schublade „haben wir immer schon so gemacht“ passt.
Und wahrscheinlich braucht es auch eine ordentliche Portion Mut. Nicht diesen lauten Heldentum-Mut mit Fanfare und dramatischem Blick in die Ferne. Sondern den anderen. Den praktischen. Den, bei dem man irgendwann sagt: „Wir wissen nicht, ob es gelingt. Aber wir versuchen es trotzdem.“ Und genau das hat mich berührt. Nicht, weil Hope damit sicher gerettet werden konnte. Sondern weil da ein Lebewesen in Not war. Und Menschen nicht weggesehen haben.
Sie waren da.
Sie blieben da.
Und sie haben versucht, möglich zu machen, was erst einmal ziemlich unmöglich klang.
Und dann kam dieser entscheidende Moment. Ich hatte die Rettung so lange verfolgt, mitgefiebert und immer wieder auf neue Meldungen geschaut. Ausgerechnet als es ernst wurde, saß ich in einer Teamsitzung. Also genau dort, wo man schlecht aufspringen und rufen kann: „Entschuldigung, ich muss kurz nach dem Wal sehen.“
Nach der Sitzung griff ich sofort zum Handy. Da war eine Nachricht von meiner Schwester: „Sie haben es geschafft. Er ist drin!“ Ich hätte in diesem Moment am liebsten einen Luftsprung gemacht. Innerlich habe ich ihn auch gemacht. Äußerlich vermutlich eher so eine Mischung aus Bürobeherrschung und viel zu breitem Grinsen.
Zuhause habe ich mir dann als Erstes diesen Moment im Internet angesehen. Den Moment, in dem Hope tatsächlich in die Barge schwamm. In sein Hope-Taxi. Und ich musste lachen. Weil es plötzlich so selbstverständlich aussah. Als würde da kein zwölf Meter langer Buckelwal in eine Transport-Barge schwimmen, sondern ein Fahrgast einsteigen, der kurz prüft, ob die Adresse stimmt. Einsteigen, einmal umsehen, passt, los bitte.
Diese Selbstverständlichkeit hatte etwas Unglaubliches. Gerade, weil vorher kaum jemand wirklich sicher daran geglaubt hatte, dass genau dieser Schritt gelingen würde. Und dann saß ich vor meinem Laptop, schaute auf die Menschen im Wasser und merkte, wie mir die Tränen liefen. Da standen sie im kalten Wasser. Erschöpft, angespannt, wahrscheinlich völlig durchgefroren. Und dann dieser Moment, in dem klar war: Er ist drin. Dieser eine, riesige Schritt ist geschafft.
Man sah Menschen lachen. Man sah Menschen weinen. Man sah diese Erleichterung, die sich nicht mehr hinter einer zuversichtlichen Miene verstecken musste. Nicht, weil damit alles sicher war. Nicht, weil plötzlich feststand, wie die Geschichte ausgeht. Sondern weil in diesem Moment sichtbar wurde, wie viel es bedeuten kann, wenn Menschen nicht wegsehen.
Ein Lebewesen war in Not.
Und andere blieben da.
Während ich hier sitze und diesen Text schreibe, ist die Rettung von Hope noch nicht vorbei. Der erste große Schritt ist geschafft, aber Wind, Wellen und der schwierige Weg Richtung Nordsee zeigen, wie heikel diese Reise noch immer ist. Aus dem großen Moment in der Barge ist noch kein Happy End geworden, sondern erst einmal ein Weiterhoffen.
Ich werde Hopes Reise weiter verfolgen und wünsche mir sehr, dass aus diesem mutigen Versuch am Ende ein guter neuer Anfang wird. Die Vorstellung, dass er tatsächlich wieder in die Freiheit entlassen werden kann, möglichst in der Nähe anderer Wale, ist so schön, dass ich gar nicht anders kann, als weiter darauf zu hoffen.
Genau das hält mich an dieser Geschichte so fest.
Nicht nur der Wal.
Sondern dieses gemeinsame Hoffen. Dieses Dranbleiben. Dieses „Wir versuchen es“, obwohl niemand garantieren kann, dass es reicht.
Und deshalb bleibt für mich dieses Zitat für den Mai:
Manchmal ist es schon eines, wenn jemand nicht allein bleibt.
Wir sind MY GUBACCA
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Gubacca ist ein Gos d’Atura Català und ich eine leidenschaftliche Bloggerin.
Gemeinsam erzählen wir euch – immer mit einer gehörigen Portion Humor – von unserem Alltag, der mit einem Katalanen nie langweilig wird.
Vom Welpenwahnsinn zum Seelenhund. Begleite uns auf dem Weg zum fertigen Buch.
Wie diese Rasse denkt, fühlt und im Alltag überrascht.
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