Mitte Juni und endlich wird angebadet! Nach Pfotenverband und Regenwetter starten Gubacca und ich den lang ersehnten Ausflug zum Kanal. Doch die Vorbereitungen gleichen eher einem klimatisierten Sicherheitstransport als einem lockeren Hundeausflug. Am Wasser zeigt sich der Gos d'Atura dann von seiner eigensinnigsten Seite: Zwischen herrlicher Wellness-Oase, einem eher verhaltenen Hechtsprung Marke „kontrolliertes Vorwärtskippen“ und einer völlig unerwarteten, nassen Gesichtsdurchnässung samt königlich-empörtem Blick. Ein wunderbar unperfekter Badetag, der am Ende nur eine Nachricht bereithält: Bitte keine weiteren Termine mehr für heute!
Mitte Juni! So spät waren wir mit dem Anbaden lange nicht mehr dran. Wobei das bisherige Jahr auch nicht gerade viele Gelegenheiten geboten hatte. Erst der Pfotenverband, dann wochenlang Wetter, bei dem man eher nach der Regenjacke als nach der Badebucht gesucht hat.
Und wenn ich ehrlich bin, lag es nicht nur daran. Ich gehöre inzwischen nämlich zu den Menschen, die bei Ausflügen erstaunlich viele Kriterien haben: Zu kalt. Zu heiß. Zu voll. Wochenende. Zu viele Hunde. Zu wenig Schatten. Die nächste Stufe ist wahrscheinlich, dass ich hinter jeder Ecke eine potenzielle Gefahr vermute. Ich selbst bin zwar der Meinung, dass ich davon noch ein gutes Stück entfernt bin – der Göttergatte sieht das allerdings etwas anders.
Aber egal: Nach einer Woche, in der die Hitze uns alle ziemlich ausgebremst hatte, fiel heute endlich die Entscheidung: Wir fahren zum Kanal!
Schon die Vorbereitungen erinnerten allerdings eher an einen Sicherheitstransport als an einen Hundeausflug. Während ich mit der wertvollen Fracht im angenehm kühlen Wohnzimmer wartete, holte der Göttergatte das Auto direkt vor die Tür. Schließlich sollte Gubacca nicht auch nur einen einzigen Meter über den aufgeheizten Asphalt zum Garagenhof laufen müssen. Die Transportbox, in der er sonst fährt, blieb heute in der Garage – viel zu groß war die Gefahr, dass sich darin die Wärme stauen könnte. Stattdessen wurde ein Teil der Rückbank umgeklappt, damit die Luft besser zirkulieren konnte. Anschließend wurde sorgfältig die Kühlmatte ausgebreitet. Genau die Kühlmatte, von deren Wirkung Gubacca bislang ungefähr so überzeugt ist wie von der Sinnhaftigkeit mancher meiner Ideen. Aber ein bisschen Kühlung ist schließlich auch Kühlung.
So ging es bestens gesichert, gut belüftet und mit maximalem Komfort Richtung Kanal.
Kaum waren wir ausgestiegen, wurde aus dem Hund, der in den vergangenen Tagen jede Bewegung sehr gründlich abgewogen hatte, plötzlich wieder ein ganz anderer. Die Rute hob sich, die Schritte wurden schneller und auf einmal lief da vor mir wieder ein Gos d'Atura, der ganz genau wusste, wo er hinwollte. Manche Dinge ändern sich zum Glück nie.
Die erste freie Badebucht war noch keine zwei Minuten entfernt, da gab es kein Halten mehr. Gubacca marschierte ins Wasser, kühlte sich das Bäuchlein und erklärte den Vorgang damit praktisch für abgeschlossen. Ein Bild für die Götter! Keine Hektik, kein Toben, kein Planschen. Einfach nur ein Hund, der mit sichtlichem Wohlbehagen im Wasser stand und die Temperaturregelung übernahm – das Wasser um ihn herum war jedenfalls deutlich aktiver als der Hund selbst.
Nun ändere aber auch ich mich nicht. Während Gubacca also seine persönliche Wellness-Oase eröffnet hatte, hielt ich bereits Ausschau nach einem geeigneten Stock. Schließlich waren wir nicht nur zum Herumstehen hier. Jedenfalls war das mein Gedanke.
Nach kurzer Suche fand ich ein besonders schönes Exemplar. Nicht zu groß, nicht zu klein. Genau die Art von Stock, die in meinem Kopf automatisch zu spektakulären Rettungsaktionen führt. Mit entsprechend viel Tamtam wurde er ins Wasser geworfen. Der Plan war einfach: Stock fliegt, Gos springt, Wasser spritzt, Frauchen jubelt.
Gubacca schaute dem Stock hinterher. Dann schaute er mich an. Dann wieder den Stock. Und traf eine Entscheidung: Nein.
Mit der Geduld eines Grundschullehrers kurz vor den Sommerferien motivierte ich weiter. Ein bisschen locken, ein bisschen anfeuern, ein bisschen so tun, als würde gerade etwas ganz Großes passieren. Irgendwann ließ sich der Herr tatsächlich zu einem kleinen Hechtsprung hinreißen. Wirklich klein. Eher Kategorie „kontrolliertes Vorwärtskippen“. Aber was soll ich sagen? Ich feierte diesen Sprung, als hätte er gerade den Ärmelkanal durchquert.
Selbst Herr Mini-Rütter ließ sich von der allgemeinen Euphorie anstecken. „Toll gemacht!“, „Super!“, „Fein!“ Wir standen am Ufer und jubelten, als hätten wir soeben olympisches Gold gewonnen.
In der Nachbarbucht beobachtete uns ein Mann mit seiner etwa zehn Jahre alten Hündin. Die Dame schwamm währenddessen gefühlt zum neunundneunzigsten Mal ihrem Ball hinterher, durchquerte den halben Kanal und wirkte dabei, als könnte sie problemlos noch weitere zehn Runden anhängen. Ich bin nicht sicher, was der Mann dachte. Aber ich vermute, unsere Begeisterung über einen Gos, der freiwillig ungefähr anderthalb Meter geschwommen war, erschien ihm zumindest etwas unverhältnismäßig.
Allerdings wäre Gubacca nicht Gubacca, wenn er nicht ganz eigene Vorstellungen von einer gelungenen Stockrettung hätte. Während wir noch mächtig stolz auf seine Leistung waren, beschloss er plötzlich, den Rückweg anzutreten. Natürlich nicht dort, wo ich stand. Natürlich nicht an einer der flachen Stellen. Sondern ausgerechnet an der einzigen Stelle weit und breit, an der das Ufer etwas steiler abfiel.
Ein Schritt. Noch ein Schritt. Und plötzlich war der Boden weg.
Für den Bruchteil einer Sekunde verschwand der komplette Hund im Wasser. Als er wieder auftauchte, war zum Glück nichts passiert – außer einer Sache: Sein Kopf war nass. Und der Blick, mit dem er mich ansah, war unbezahlbar. Nicht erschrocken, nicht verunsichert, nicht einmal beleidigt. Einfach nur tief empört. Als hätte ich persönlich eigenhändig dafür gesorgt, dass diese völlig unnötige Durchnässung seines königlichen Gesichtes stattfinden musste.
Ich konnte vor Lachen kaum noch stehen. Und Gubacca war offensichtlich der Meinung, dass man einen ansonsten gelungenen Badetag auf diese Weise wirklich nicht beenden sollte.
Zwei Stunden später lag er zu Hause auf dem Teppich. Auf dem Rücken, alle vier Beine irgendwie verteilt, völlig entspannt und völlig erledigt. Und wenn ich mir die beiden Fotos heute anschaue, dann erzählen sie eigentlich die ganze Geschichte.
Bild eins: „Ich bleibe im Wasser.“
Bild zwei: „Bitte keine weiteren Termine mehr für heute.“
Mein Lesetipp für dich:
Wer jetzt denkt, die Diskussionen zwischen Herrn Mini-Rütter und mir würden sich ausschließlich um Kühlmatten, Hitzeschutz und klimatisierte Hundetransporte drehen, irrt gewaltig. Schon vor einigen Jahren waren wir uns nicht immer ganz einig, wenn es um die wichtigen Fragen der Hundehaltung ging. Zum Beispiel darum, ob ein Hund sofort kommen muss oder lieber erst noch in Ruhe sein Beinchen hebt.
Zwei Menschen, ein Gos und erstaunlich unterschiedliche Ansichten über Hundeerziehung.



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