Ich habe neulich auf Facebook einen Tierarzttext gelesen. So einen, der direkt mit der Tür ins Wohnzimmer fällt und dann noch einmal nachtritt, um sicherzugehen, dass man wirklich verstanden hat, wie falsch man lebt.Kernaussage: Der Gassigang ist kein All-you-can-eat-Buffet.Und dann wurde das Bild gezeichnet, das mich … leider ziemlich exakt beschreibt: Ein Mensch, der aussieht wie ein wandelnder Futterautomat. Mit Beutel an der Hüfte, Nachschub in der Umhängetasche und vermutlich irgendwo am Körper noch eine geheime Notfallreserve – für den Fall, dass ein Reh, ein Fahrrad und ein pubertierender Rüde gleichzeitig um die Ecke kommen.
…und ich bin trotzdem der Futtermittelautomat auf zwei Beinen
Ich habe neulich auf Facebook einen Tierarzttext gelesen. So einen, der direkt mit der Tür ins Wohnzimmer fällt und dann noch einmal nachtritt, um sicherzugehen, dass man wirklich verstanden hat, wie falsch man lebt.
Kernaussage: Der Gassigang ist kein All-you-can-eat-Buffet. Und dann wurde das Bild gezeichnet, das mich … leider ziemlich exakt beschreibt:
Ein Mensch, der aussieht wie ein wandelnder Futterautomat. Mit Beutel an der Hüfte, Nachschub in der Umhängetasche und vermutlich irgendwo am Körper noch eine geheime Notfallreserve – für den Fall, dass ein Reh, ein Fahrrad und ein pubertierender Rüde gleichzeitig um die Ecke kommen.
Ich sage es, wie es ist: Ja. Ich fühle mich ertappt. Und zwar auf dem Level „Schweißausbrüche“, wenn ich feststelle: Ich habe die Leckerlis vergessen!!!
Inzwischen habe ich teilweise zwei Portionen dabei: den kleinen Vorrat für die Jackentasche – quasi die schnelle Einsatztruppe. Und den Nachschub in der Umhängetasche. Das ist dann das strategische Lager für Krisensituationen.
Man könnte auch sagen: Ich bin vorbereitet. Oder: Ich habe ein Problem. Wahrscheinlich beides.
Ich füttere nicht „dauernd“ – ich verhandle nur sehr professionell
Jetzt kommt der wichtige Punkt, bevor mich jemand mit einem „Bestechung ist keine Erziehung!!!!“ in die Kommentare wirft.
Ich stopfe meinen Hund nicht beim Spaziergang voll wie eine Weihnachtsgans. Es ist keine Dauerfütterung. Und ja, ich ziehe es von der Gesamtration ab. Ich bin nicht komplett lost – ich mache das schon mit System.
Aber ich nutze Futter, weil es bei uns funktioniert. Punkt.
Und weil es Situationen gibt, da ist Futter nicht „nett“, sondern einfach der Unterschied zwischen:
„Wir bleiben halbwegs in unserem Universum“
und
„Gubacca eröffnet eine Rüdenbegegnung als Oper in drei Akten“.
Bei großen Rüdenbegegnungen sind Hühnerhälse bei uns der Jackpot. Kein Kekschen – eher die Währung, mit der man diplomatische Gespräche führt.
Und der Erfolg lässt sich sehen. Nicht, weil ich mir Liebe erkaufe, sondern weil ich meinem Hund in einem Moment, der für ihn wirklich anspruchsvoll ist, eine Hilfe gebe, die er versteht.
Der Tierarzttext hat einen Punkt – nur er brüllt ihn sehr laut
Was der Tierarzt beschreibt, passiert tatsächlich. Wenn man alle zwei Meter füttert, weil man Angst hat, der Hund könnte ohne Keks spontan aufhören, ein Hund zu sein, dann ist das keine Erziehung, sondern Dauer-Management.
Und ja: Kalorien summieren sich. Und ja: Es gibt Hunde, denen macht ständiges Snacken den Bauch matschig – die werden rund, die werden bequem, die werden … na ja, sie werden ein bisschen wie wir nach drei Tagen Weihnachtsplätzchen.
Auch dieses „Hund macht Sitz nur wegen Futter“ kann stimmen – wenn man immer nur den Beutel als Fernbedienung benutzt.
ABER (und das ist das entscheidende Aber): Futter an sich ist nicht der Feind. Die Art, wie man es einsetzt, ist die ganze Geschichte.
Es gibt einen riesigen Unterschied zwischen:
„Sitz“ – Keks. „Sitz“ – Keks. „Atmen“ – Keks.
und
„Ich helfe dir durch Situationen, die schwer sind, und belohne klug, dosiert und nicht vorhersehbar.“
Wenn ich mir wünschen dürfte, dass Facebook-Texte manchmal ein bisschen weniger mit der Keule kommen würden, dann wäre es genau das: mehr Differenzierung, weniger „Lasst die Taschen leer“ – weil das in der Realität für viele Hunde einfach Quatsch ist.
Was ich für mich mitnehme – ohne mich selbst an die Wand zu nageln
Ich habe nach diesem Text kurz meinen Leckerlibeutel angesehen, wie man einen vollen Wäschekorb ansieht. Man weiß, man sollte was tun. Man tut aber erst mal so, als wäre es ein dekoratives Element.
Und dann habe ich mir drei Dinge ehrlich beantwortet:
1. Füttere ich aus Plan oder aus Nervosität?
Wenn ich merke, ich stopfe eher meine Unsicherheit weg, als dem Hund zu helfen, dann ist das ein Zeichen. Nicht für „Schlechtes Frauchen“, sondern für: Ich brauche gerade mehr Klarheit und weniger Kekse.
2. Ist mein Futter wirklich Zusatz, oder ist es Teil der Ration?Wenn „nur ein bisschen“ jeden Tag zur zweiten Mahlzeit wird, ist es irgendwann nicht mehr „ein bisschen“, sondern einfach… ziemlich viel.
3. Könnte ich öfter anders belohnen, ohne dass alles zusammenbricht?
Ja. Manchmal reicht Stimme. Manchmal reicht ein kurzes Spiel. Manchmal reicht Blickkontakt und dieses Gefühl von „Wir machen das zusammen“.
Und manchmal reicht das eben nicht, weil draußen gerade die Welt brennt – und dann ist ein gut gesetzter Jackpot keine Bestechung, sondern ein Rettungsring.
Ich werde weiterhin Futter dabei haben. Wahrscheinlich weiterhin in zweifacher Ausführung, weil ich gelernt habe, dass „wir brauchen es nicht“ exakt der Moment ist, in dem wir es brauchen.
Aber ich nehme diesen Facebook-Tritt in den Hintern als Erinnerung: Nicht jede Herausforderung muss ich mit Essen lösen. Nicht jede Aufmerksamkeit ist käuflich. Und nicht jeder Spaziergang ist ein Buffet – auch wenn Gubacca das natürlich anders sieht.
Und falls ich doch mal ohne Leckerli dastehe, komplett blank, ohne Verhandlungsmasse, ohne Sicherheitsnetz, ohne Hühnerhals-Jackpot?
Dann werde ich improvisieren. Mit Stimme, mit Nähe, mit Humor. Und mit diesem sehr erwachsenen Satz:
„So, mein Herr Gubacca. Heute arbeiten wir mal ohne Geld.“
Mal sehen, wer dann mehr Schweißausbrüche bekommt. Ich oder er.
Lust auf mehr Geschichten von Bine & Gubacca?
Wenn dir der Gedanke vom "Futterautomaten" bekannt vorkommt, könnten dir auch diese Einblicke in unser (manchmal herrlich unperfektes) Hundeleben gefallen:
Warum wir uns manchmal viel zu sehr über die Meinung anderer ärgern.
.png)