253. + 254. Tag | Mein neues Handy und die Hundeerziehung

Januar 17, 2018

Es hat Wochen gedauert, bis ich mich endlich zu dem Kauf eines neuen Handys durchringen konnte. Ganz nach der Devise  "gut Ding will Weile haben..." hört sich doch viel netter an als "nicht aus den Quark kommen", habe ich endlos im Internet recherchiert.  Meine Freundin Susi hätte währscheinlich  noch am selben Tag, wie das Handy kaputt ging, ein neues gekauft. Ich bin da - sagen wir mal nicht ganz so entscheidungsfreudig... Das Angebot ist groß, die Anschaffung teuer... das lässt sich nicht einfach mal so auf die schnelle entscheiden. Ja, ok, von ganz auf die schnelle kann man dann auch nicht reden - es dauerte sechs Wochen bis mein neues Handy da war. Und auch nur, weil mein Mann die Sache dann endlich für mich  in die Hand genommen hat.


Außerdem muss ich gestehen, hinke technisch oft ein wenig hinterher. Was für viele schon normaler Alltag ist, erfreut mich als neueste technische Errungenschaft. Bei dem  Handy ist das  "Siri" - mein intelligenter, persönlicher Assistent. Hatte ich bisher "Corona" konsequent den Zugriff auf mein Leben verweigert und empfand "Alexa" eher als unnützen "Schnick Schnack", bin ich ganz verliebt in meinen "Siri" (natürlich habe ich sofort die männliche Stimme ausgewählt). Siri und ich sind nach anfänglichen Startschwierigkeiten ein gutes Team und die Kommunikation klappt reibungslos. Schnell habe ich herausgefunden, dass ich das ständige "Siri..." weglassen kann. Mein persönlicher Assistent fühlt sich auch so angesprochen und führt meine Wünsche schnell und zuverlässig aus. Wenn ich diese präsize formuliere! Das habe ich ganz schnell lernen müssen. Ohne eine kurze und präzise Ansage geht gar nichts. Und so bekam meine Mutter anfangs Nachrichten von mir,  wie "schreib Mutti eine What´s App, dass ich ähm... wann wollte ich da sein.." oder in meinem Kalender stand der Termineintrag "15 Uhr  Hundeschule mit Opa backa". Tatsächlich war aber nicht mein Opa gemeint, sondern Gubacca und es sollte geübt und nicht gebacken werden.

Aber diese "Anlaufprobleme" gehören wie gesagt der Vergangenheit an und ich habe schnell gelernt, wie ich Siri meine Wünsche mit Erfolgsgarantie mitteilen kann. Leider gelingt mir das bei der Kommunikation mit Zwerg-Riese nicht annährend so gut. Ich schaffe es problemlos, dass "Siri" wegzulassen, bei dem Namen Gubacca gelingt mir das nur selten. "Gubacca nein" - "Gubacca lass das", "Gubacca weiter" oder meine Lieblingsversion einfach nur "Gubacca". Je nach Tonfall ist Zwerg-Riese doch bestimmt in der Lage zu erkennen was ich von ihm gerade möchte! Das das bei meinem neuen Handy so nicht funktioneren kann ist mir klar - aber warum erwarte ich das von meinem Hund? Ganz zu schweigen davon, wie oft ich "Wünsche" bei Zwerg-Riese doppelt belegt habe. So steht das kurze Wort "Komm" plötzlich für ganz viele Aktionen. Und wie gesagt - natürlich auch selten ohne ein "Gubacca" davor. Bei "Siri" habe ich schnell gemerkt, lange verschachtelte Sätze bringen ihn durcheinander. Schnell startete er eine Internetsuche, wo ich doch nur die "Erinnerungsfunktion" nutzen wollte. Ob es Gubacca ähnlich geht, bei dem Satz "Gubacca, komm doch jetzt schnell, wir haben keine Zeit, die Bine muss noch..."? 



Warum fällt es mir bei Gubacca so schwer präzise zu sein und bei meinem Handy nicht? Ich denke es liegt daran, dass ich bei Zwerg-Riese "verwöhnt" bin. Hunde haben gelernt nicht nur auf unsere Sprache zu hören. Sie lesen unsere Körpersprache, deuten unsere Gesichtsmimik und reagieren auf unsere Tonlagen.  Trotz schlechter "Spracheingabe" schafft Gubacca es mit diesen Hilfsmitteln   sehr häufig meine "Wünsche" zu erahnen. Er hat schnell gelernt, dass "komm" oft bedeutet, dass er mit mir weitergehen soll, aber auch ein Rückruf ist. Zwerg-Riese weiß genau, wann ich bereit bin, meinen "Wunsch" auch bei ihm durchzusetzen oder es vielleicht auch schleifen lasse.

Schnell verleiten diese tollen Fähigkeiten mich aber auch dazu ungerecht zu werden. Wer hat nicht schon von seinen Hund gedacht "der will einfach nicht", anstatt zu überlegen "weiß er tatsächlich was ich von ihm möchte?" Bei Siri hatte ich noch nie den Verdacht, dass er mich einfach nicht verstehen möchte, sondern überlege was ich bei der Spracheingabe falsch formuliert habe. Genau das sollten wir bei unseren Hunden auch viel öfters machen!

Einige präzise "Spracheingaben" von mir und anderen:

"Lilli, wir wollen jetzt aber anständig spazieren gehen und du sollst ganz lieb sein!"
(Spracheingabe an Siri: Bei mir!)

"Gubacca du sollst ganz vorsichtig mit dem Lottchen sein, sie ist noch ein Baby!"
(Abgesehen, das Lotta zwar klein aber 4 Jahre ist, weiß Gubacca garantiert nicht was gemeint ist)

"Lotta, mach mal fein Sitz!"
(und wie sieht ein "unfeines" Sitz aus?)

"Balou, jetzt reicht es mir aber! Ziehe mich nicht hinter dir her..."
(Was soll Balou denn nun? Bei Fuß? Locker neben her?)

Natürlich spricht nichts dagegen, wenn wir mit unseren Hunden reden. Ich fände es schade, wenn die einzigste verbale Kommunikationsebene kurze Kommandos wären. Trotzdem sollte man sich immer bewusst machen, dass Hunde unsere Sprache nur dann verstehen können, wenn wir ihn klar und deutlich auch sagen, was wir von ihnen möchten. Vielleicht überlege ich künftig erst einmal "Wie würde ich es Siri sagen?" und übertrage das dann auf Gubacca!

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4 Kommentare

  1. Herrlich! Aber du hast ja so Recht. Mit meinem Handy quassel ich auch, aber da kurz und präzise. Schließlich mag das Siri so. Shiva wird zugetextet und muss sich das nötige selbständig rausfiltern. Da muss ich sagen, dass meine Blondine ganz schön pfiffig ist. Sie kapiert schnell und wenn sie es nicht schnallt, setzt sie sich vor mich und setzt ihren "ich-möchte-jetzt-spielen-mit-viel-viel-spaß" Blick auf und dann ist mir alles andere vorher eh schon wieder schnuppe.

    Flauschige Grüße an deinen kleinen großen Wuschelknopf.

    Sandra & Shiva

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    1. Ja diese Blicke kenne ich auch gut Sandra :-)! Phasenweise überlege ich schon immer den Pony bei Zwerg-Riese nicht zu kürzen, damit ich "hart" bei der Erziehung bleibe *lach*. Aber es ist wirklich eine tolle Leistung was unsere Hunde alles leisten und können.
      Liebe Grüße
      Sali

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  2. Danke für diesenwunderbaren Beitrag ... der mir auch oft ein herzhaftes Lachen ins Gesicht gezaubert hat. Wir waren ja bisehr nie wirklich im Hundetraining - nur mit Laika mal einen ganzen Tag lang beim Privat Training mit einer Spezialistin für Herdenschutzhunde. Aber von Dort habe ich sehr viel mitgenommen - aber bei vielem auch gemerkt, dass ich es aus dem Bauch heraus nicht falsch gemacht habe.
    Bei uns wäre das Weglassen des namens nicht wirklich sinnvoll - ich muss meine Hunde ansprechen ... wie sollte sonst Cara wissen, dass sie die Maus wieder ausspucken soll und Shadow verstehen, dass er jetzt zu mir kommen soll ;)
    Bei unseren Spaziergängen ist es tatsächlich so, dass ich nocht sehr viel mit den Hunden rede - das ist dann eher daheim auf dem Sofa der Fall ... beim Kuscheln! Da versteht doch jeder Hund wenn amn sagt "Süße / Süßer Du bist so schön kuschelig und trotzdem möchte das Frauchen nicht die Pfoten im Gesicht haben" :)

    Liebe Grüße,
    Isabella mit Cara und Shadow

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    1. Hallo Isabella,
      dank deiner lieben Mail kann ich ja jetzt auch wieder Kommentare sehen :-) - danke!!!
      Du hast vollkommen recht - das Bauchgefühl ist oft der beste Weg zum Erfolg. Ich ertappe mich immer wieder dabei, dass ich auf "Wundermittel" von Hundetrainern hoffe... Aber jedes Team ist etwas ganz individuelles und da gibt es kein Patentrezept.
      Bei zwei Hunden hast du natürlich recht - da geht es nicht ohne Name. Wobei, wenn ich an die Zeit mit Chiru und Lotta zurückdenke - Lottchen fühlte sich auch bei "Chiru" angesprochen :-).... öfters als Mr. Wichtig selber...

      Liebe Grüße
      Sali

      ...und ich bin sicher Cara und Shadow wissen nach deinen präzisen Ausführungen genau, dass die Pfote nicht ins Gesicht soll :-)

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