Ihr kennt diese Sprichwörter bestimmt: „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr.“ Oder: „Früh übt sich, was ein Meister werden will.“
In vielen Lebensbereichen mag das stimmen. In Bezug auf Gubacca hat mir genau dieser Enthusiasmus allerdings manchmal das Leben unnötig schwer gemacht. Und ich bin ziemlich sicher: Damit war ich nicht allein. Viele Welpen- und Junghundbesitzer tappen mit den besten Absichten genau in diese Falle.
In diesem Beitrag erfährst du, warum die klassische Welpenschule oft zu viel Druck aufbaut und warum das wichtigste Lernziel für einen (Hütehund-)Welpen nicht „Sitz“, sondern „Ruhe“ ist.
Einige haben es vielleicht sogar geschafft, ihren Enthusiasmus in den ersten Tagen zu zügeln und das neue Familienmitglied erst einmal ankommen zu lassen. Spätestens beim Besuch einer Welpenspielgruppe gerät man allerdings innerlich unter Druck.
Leistungsdruck in der Welpenschule: Wenn der eigene Hund ein Spätzünder ist
„Casper meldet sich immer, wenn er muss!“ Nachdem alle frischgebackenen Welpeneltern bestätigten, dass Stubenreinheit bei ihnen überhaupt kein Thema sei, fühlte ich mich zum ersten Mal wie ein Versager in Sachen Hundeerziehung.
Gubacca pieselte noch Wochen später fröhlich und völlig schamlos ins Haus. Große Runden an der Leine? Fehlanzeige. Und nein, ein verlässliches „Bleib“ konnte mein Zwerg-Riese auch nicht – so wie scheinbar alle anderen Welpen in der Gruppe.
Kaum spielten die Welpen endlich miteinander, schallte auch schon das erste „Beniiiiiiiiii, hier!“ quer über den Platz. Herrchen platzte sichtbar vor Stolz, als Beni – gefolgt von acht weiteren Welpen – tatsächlich angerannt kam.
Schade eigentlich. Ich hatte mich auf einen ehrlichen Austausch mit leidgeplagten Welpenbesitzern gefreut. Mit Menschen, die nachts dreimal draußen standen, um am nächsten Morgen trotzdem eine riesige Pfütze im Wohnzimmer zu entdecken.
Aber zwischen all den Musterschülern schien es nur mir so zu gehen.
Was wir früh wollen – und was ein Welpe wirklich braucht
Muss ein Welpe mit zwölf, dreizehn oder sechzehn Wochen schon „Sitz“ und „Platz“ beherrschen und locker an der Leine neben mir herlaufen? Für die meisten Kursteilnehmer schien genau das das große Ziel zu sein.
Ich habe allerdings noch nie jemanden in einer Welpenspielgruppe sagen hören: „Ich habe es geschafft, dass Lilly heute zwanzig Stunden geschlafen hat.“ Und genau das ist – gerade bei einem Gos d'Atura-Welpen – die eigentliche Herausforderung.
Svea, seine Züchterin, sagte einmal zu mir: „Du musst deinem Gubacca nicht beibringen, was er von Natur aus schon kann – Gas geben. Deine Aufgabe ist es, ihm das Gegenteil beizubringen: Ruhe.“
Und sie hatte recht. Anstatt „Sitz“ und „Platz“ zu üben, war es viel wichtiger, meinem Zwerg beizubringen, dass das Leben nicht aus vierzehn Stunden Spiel und Action besteht. Anstatt ein perfektes „Bleib“ zu trainieren, übte ich mit Gubacca, Frust einmal auszuhalten.
Welpenerziehung, Junghunderziehung, Einzelunterricht, Gruppentraining, Begleithundeprüfung – wie wir es von Kindern kennen, durchlaufen auch unsere Hunde ab dem Welpenalter scheinbar nahtlos ihre „Schulausbildung“.
Noch vor zehn Jahren war es bei Chiru undenkbar, dass ein junger Hund vor dem zehnten oder elften Lebensmonat in einen Junghundekurs aufgenommen wurde. Heute bieten viele Hundeschulen genau das schon für Welpen ab der 16. Woche an.
Und ja – auch ich muss mir da an die eigene Nase fassen. Ich erinnere mich gut daran, wie stolz ich war, als unsere Hundetrainerin sagte: „Lennox und Gubacca würden mit ihren acht Monaten locker die Begleithundeprüfung bestehen.“
Aber war Gubacca wirklich schon so weit? War er bereit, regelmäßig längere Zeit mit mir auf dem Hundeplatz zu arbeiten?
Mit dem Wissen von heute: nein, war er nicht.
Viele Verhaltensweisen meines Zwerg-Riesen, die ich lange mit „er ist halt in der Pubertät“ erklärte, waren rückblickend schlicht Anzeichen von Überforderung.Seit einiger Zeit besuche ich keine Hundeschule mehr mit ihm und siehe da - er ist deutlich "pflegeleichter" geworden.
Nicht, weil wir nichts mehr tun. Sondern weil wir aufgehört haben, ständig etwas zu müssen.
Das wichtigste Lernziel für Welpen: Ruhe und Vertrauen statt Kommandos
Rückblickend betrachtet war es viel wichtiger, Gubacca etwas beizubringen, das in keinem Trainingsplan steht: gutes Benehmen.
Er ist ein Begleiter geworden, den ich problemlos mit zu meiner Familie, zu Freunden und in fremde Situationen mitnehmen kann. Einer, der ruhig bleibt, beobachtet, sich orientiert – und mir immer stärker vertraut.
Um noch einmal zu dem Sprichwort vom Anfang zurückzukommen: „Sitz“, „Platz“ oder „Bleib“ lernt auch Hans später problemlos.
Mit neuen Situationen umzugehen, uns als verlässlichen Freund an der Seite zu akzeptieren, Stress auszuhalten, Frust zu verarbeiten und zur Ruhe zu kommen – das sind die Dinge, die Hänschen wirklich am besten lernt.
Und genau dafür lohnt es sich, sich Zeit zu lassen.
Update Dezember 2025:
Wie wir heute, Jahre später, auf diese wilde Anfangszeit blicken – und warum
„Heute ist später“ mein neues Mantra geworden ist, liest du hier:
Heute ist später: Von Altersmilde, Leberwurstbrot-Verhandlungen und 8,5 Jahren Glück →
.png)
0 comments