Ihr habt es bestimmt schon an den Blogbeiträgen gemerkt – die Themen werden allgemeiner und die Gubacca-Baustellen immer weniger. Was uns momentan nur noch fehlt, ist der Feinschliff und Zwerg-Riese und ich müssen im Alltag noch ein bisschen souveräner werden. Ich muss gestehen, ich genieße es richtig, mich nicht von einer Baustelle zur nächsten zu hangeln und bin meinem Traum vom besterzogensten Gos ever, ever, ever schon sehr nahe. Wie dieser Traumhund aussieht, könnt ihr in diesem Blogartikel nachlesen.
Den Rest wird jetzt die Zeit bringen und wir müssen noch an den kleinen Dingen arbeiten. Wie zum Beispiel am geduldigen Warten. Gubacca hat ein Problem damit, ruhig neben mir zu warten, wenn ich mich etwa mit jemandem unterhalten möchte. Von daher passt der heutige Beitrag auch perfekt zu der Frage, wie man einen ruhigen und entspannten Gos beziehungsweise Hund bekommt.
Stillstehen gehört leider auch zum Leben
Gubacca entspricht ziemlich genau dem, was man häufig über den Gos d’Atura Català liest – sorry, ein bisschen Suchmaschinenoptimierung muss sein, auch wenn es sich immer so hochtrabend anhört: Im Haus ist er unauffällig und ruhig, draußen dagegen sehr lebhaft und voller Energie. Da fällt es ihm oft sichtlich schwer, unterwegs einfach stehen zu bleiben, sich vielleicht sogar hinzulegen und ruhig zu warten.
Ich muss gestehen, dass ich der Sache in den letzten Monaten auch öfter einfach aus dem Weg gegangen bin. Statt irgendwo länger stehen zu bleiben und mich zu unterhalten, bin ich eben weitergegangen. In manchen Situationen hatte sich das „Problemchen“ aber auch von ganz alleine gelegt. Auf dem Hundeplatz zum Beispiel bellte Gubacca nur sehr selten und lag entspannt neben mir, bis wir dran waren. Also konnte er es offensichtlich. Nur bitte nicht immer und überall.
Zwerg-Riese darf selbst auf die Lösung kommen
Im ersten Schritt übe ich jetzt mit Gubacca, dass er sich neben mich setzt, sobald ich stehen bleibe. Ich habe hierbei bewusst auf das Kommando „Sitz“ verzichtet, sondern bleibe einfach stehen und warte, was Zwerg-Riese als Verhalten anbietet. Meistens zieht er erst einmal zielstrebig in seine Richtung weiter, schaut mich dann fragend an oder, wenn es blöd läuft, bellt er fordernd.
In letzter Zeit hatte er es sich jedoch bereits angewöhnt, zu mir zurückzukommen, wenn ich stoppe. So war der nächste Schritt gar nicht schwer. Gubacca hat sehr, sehr schnell für sich umgesetzt, dass neben mir sitzen schon einmal eine tolle Sache ist. Klar, gibt ja auch oft eine Belohnung dafür – und mit Futter ist Zwerg-Riese fast immer zu motivieren.
Momentan versuche ich einfach, die Zeit Stück für Stück zu verlängern, die er still neben mir sitzt. Mal beschäftige ich mich mit meinem Handy und schaue, was bei Facebook los ist, mal mache ich das eine oder andere Landschaftsfoto. Alles Mögliche – nur keine besondere Aufmerksamkeit für Zwerg-Riese. Mittlerweile klappt das schon ganz gut und kurze Unterhaltungen waren sogar bereits ohne stimmliche Untermalung möglich :-).
Für Gubaccas Erziehung mutiert Bine zum Ömchen
Bei unserer zweiten Übung mutiert die Bine zum „Ömchen“ und jede Bank ist mein bester Freund. Auf unseren Spaziergängen mache ich jetzt öfter mal eine kurze Pause. Dabei setze ich mich auf eine Parkbank oder eine Mauer und warte, bis Gubacca sich früher oder später entspannt hinlegt.
Besonders gut eignet sich für diese Trainingseinheit natürlich der Kirchplatz in Alt-Marl mit seinen vielen Bänken. Dort ist immer ein bisschen was los: Kinder spielen am Brunnen, Radfahrer sind unterwegs oder andere Hunde laufen an uns vorbei.
Na, und für Gubaccas Erziehung nehme ich doch gerne ein Pfündchen mehr in Kauf und setze mich mit einem Eisbecher dort eine Weile mit ihm hin ...
Mittlerweile habe ich einen sehr souveränen Begleiter beim Eisessen – aber das könnte auch an der Menge der Eisbecher liegen, die ich esse ;-). Auch die anderen Pausen auf unseren Spaziergängen klappen toll und Gubacca kommt relativ schnell zur Ruhe und entspannt sich.
Ich habe mir auf jeden Fall fest vorgenommen, in den kommenden Wochen einfach einmal eine Picknickdecke einzupacken und mit ihm zum Beispiel in den Hertener Schlosspark zu fahren. Dort kennt er sich nicht so gut aus und es ist etwas belebter. Schritt für Schritt einfach den Ablenkungsgrad erhöhen und schauen, ob er schon so weit ist.
Mit den zwei Übungen – unterwegs einfach einmal stehen bleiben und warten, bis Gubacca ruhig neben mir sitzt, und dem längeren gemeinsamen Sitzen auf einer Bank oder Decke in fremder Umgebung – komme ich meinem Ziel, einem entspannten Zwerg-Riesen, hoffentlich schon wieder einen großen Schritt näher.
Nicht nur Gubacca muss souveräner werden
Zu Beginn des Blogbeitrags habe ich ganz bewusst geschrieben, dass nicht nur Gubacca noch souveräner werden muss, sondern auch ich. Mir fällt in Alltagssituationen immer wieder auf, wie wichtig mir die Meinung anderer Menschen ist. Warum stört es mich so sehr, wenn ich bei jemandem stehen bleibe und Gubacca anfängt zu bellen? Klar, es ist nervig, das laute Gekläffe zu überschreien. Aber warum ist es mir außerdem auch noch peinlich?
Als ganz schlimm empfinde ich solche Situationen zum Beispiel, wenn mein Gesprächspartner selbst einen Hund hat und der einfach ruhig danebensteht. Warum geht dann sofort das Kopfkino los, was der andere jetzt wohl denkt? „Die Bine hat ihren Hund nicht im Griff ...“ „Unfähig in der Hundeerziehung ...“ Unheimlich oft ertappe ich mich dabei, wie ich mich im Gespräch dann auch noch selbst „klein mache“. Alles Dinge, über die ich mich hinterher ärgere.
Mein persönliches Highlight ist dann Herr X mit seinem ach so toll erzogenen Labrador. Die Championzucht hatte natürlich noch nie so ein Problem! Ich muss gestehen, bei diesen Begegnungen verspreche ich Gubacca jedes Mal eine riesige Dose Geflügelwürstchen, aber bitte, bitte keinen Muckser, bis die beiden weitergegangen sind.
Eigentlich blöd, oder?! Aber wir arbeiten dran!
In diesem Sinne wünsche ich euch eine gute Nacht – beziehungsweise einen schönen Start in den angekündigten schönen Sommertag. Die meisten von euch werden diesen Beitrag bestimmt erst morgen lesen ...
Beim Wiederlesen musste ich ziemlich lachen. Ich war mir offenbar wirklich sicher, dass wir mit den großen Baustellen durch waren. Heute glaube ich allerdings, dass der letzte Absatz dieses Beitrags näher an dem lag, was noch vor uns lag, als der erste. Souveränität war eben doch nicht nur etwas, das Gubacca lernen musste.
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