Von tiefenentspannt bis 130 – was Gubacca schon als Welpe mitbrachte
Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich bin jedes Mal ein bisschen enttäuscht, wenn ich einen Artikel zur Hundeerziehung lese und am Ende zwar Wörter wie Ruhe, Souveränität und Gelassenheit im Raum stehen, ich aber immer noch nicht weiß, was ich am anderen Ende der Leine damit anfangen soll. Natürlich ist mir bewusst, dass es keinen Zehn-Punkte-Plan und kein Schema F gibt, das man einfach abarbeitet und schwupps ist das Problem gelöst. Trotzdem fehlen mir oft die persönlichen Erfahrungen dahinter.
Hoffentlich ging es euch beim Lesen meines letzten Blogartikels nicht genauso. Dort hatte ich ausführlich erklärt, wie wichtig ich es finde, Hänschen Ruhe und Gelassenheit beizubringen, und die Frage, wie man das eigentlich erreicht, ausgesprochen elegant auf später verschoben. Das hatte natürlich nur den Grund, dass ich euch erst einmal für das Thema sensibilisieren wollte. ;-)
Meine Mutter neckt mich ja öfter damit, dass ich mich wie „Frau Oberlehrerin in der Hundeerziehung“ anhöre. Deshalb vielleicht noch einmal zur Sicherheit: Ich bin keine Hundetrainerin und ganz bestimmt noch keine Gos-Expertin. Ich kann nur erzählen, wie es mit Gubacca bei uns gelaufen ist und was ich dabei beobachtet habe.
Ihr wisst ja außerdem, ich habe ein großes Ziel: den besterzogensten Gos ever, ever, ever. Nachdem ich beim größten Gos ever, ever, ever bereits kläglich gescheitert bin – wobei Zwerg-Riese doch glatt noch einen Zentimeter gewachsen ist –, ist der Druck inzwischen natürlich beträchtlich.
Einen Teil brachte Gubacca einfach schon mit
Wenn ich darüber nachdenke, warum Gubacca trotz seiner durchaus vorhandenen Kevin-Momente insgesamt ein ziemlich gelassener Hund ist, muss ich nämlich zuerst an die Zeit denken, bevor er überhaupt bei mir eingezogen ist. Er wuchs in einem Viererwurf auf und lebte mit seiner Mutter Otti, seinem Vater Ozzy, Oma Benni und den Tanten zusammen. Ich fand das damals schon etwas Besonderes. Schließlich lebt nicht überall gleich die komplette Hundefamilie unter einem Dach.
Svea hatte sich unheimlich viel Mühe mit ihren Babys gegeben. Gubacca kannte bereits das Autofahren, hatte kleine Ausflüge mit seiner Familie gemacht und war mit Leine und Geschirr vertraut. Gleichzeitig gab es aber auch genügend Rückzugsmöglichkeiten, wenn er einfach seine Ruhe haben wollte. Genau diese Mischung gefiel mir: etwas kennenlernen, gucken, ausprobieren – und anschließend eben auch wieder schlafen.
Überhaupt war der gesamte G-Wurf so tiefenentspannt, dass ich mir aus der Ferne manchmal ernsthaft die Frage stellte, ob Zwerg-Riese jemals laufen lernen oder sein gesamtes Leben verschlafen würde. Entsprechend erleichtert war ich, als irgendwann die ersten Videos mit Laufversuchen kamen.
Auch später blieb dieses erst einmal Gucken ziemlich typisch für Gubacca. In neuen Situationen setzte er sich gern auf seinen Hintern und betrachtete die Sache. Andere Hunde stürzen sich vielleicht sofort ins Abenteuer. Zwerg-Riese wollte zunächst wissen, was genau hier eigentlich los ist und ob sich eine Beteiligung überhaupt lohnt.
Und dann stand trotzdem Kevin vor der Tür
Natürlich bedeutete eine ruhige Aufzucht nicht, dass bei uns niemals Kevin auftauchte. Gerade in den ersten Wochen fragte ich mich durchaus zwischendurch: „Wo kommt plötzlich dieses kleine Monster her?“ Gubacca konnte nämlich auch ziemlich eindrucksvoll das komplette Gegenteil von Ruhe.
Und wenn mein Zwerg-Riese tatsächlich eher zur Kategorie Gos-Level leicht bis mittelschwer gehören sollte, stellte sich mir gelegentlich eine etwas beunruhigende Frage: Wie fühlt sich dann bitte Level schwer an?
Von null auf hundert gehörte trotzdem dazu
Dieses schnelle Umschalten konnte Gubacca nämlich ebenfalls hervorragend. Gerade wenn er aufgeregt oder überdreht war, ging es bei ihm in wenigen Sekunden von ziemlich normal zu vollständigem Ausnahmezustand. Bei einem Hütehund, der von seiner Veranlagung her schnell reagieren und ordentlich Gas geben können soll, fand ich das nicht völlig überraschend. Im normalen Alltag war es allerdings manchmal weniger praktisch.
Bei mir endete das anfangs häufig mit kaputten T-Shirts, dreckigen Klamotten und hysterischem Dauergebell. Später biss Gubacca zum Glück nur noch in die Leine und ich konnte mich wieder in gepflegter Kleidung auf die Gassirunde wagen. Fortschritt liegt bekanntlich immer im Auge des Betrachters.
Auch vom Hundeplatz kenne ich diese Momente nur zu gut: Irgendwann war Zwerg-Riese einfach durch und nicht mehr wirklich erreichbar. Dann half auch kein weiteres Üben. Und gelegentlich vergaß der Gos im Erregungszustand außerdem, dass er kein Schaf vor sich hatte, sondern Frauchen, und zwickte kurzerhand ins Hosenbein.
Also versuchte ich eher das Gegenteil
Deshalb habe ich im ersten Lebensjahr vieles vermieden, von dem ich das Gefühl hatte, dass es Gubacca noch zusätzlich hochfährt. Klassisches Ballwerfen und wilde Hetzspiele gehörten für uns zum Beispiel nicht zum täglichen Programm. Zwerg-Riese brauchte wirklich keine weitere Anleitung darin, wie man sich innerhalb weniger Sekunden in einen höheren Betriebszustand versetzt.
Dabei muss ich allerdings auch fair bleiben: Gubaccas Hang zum Überdrehen war nie besonders stark ausgeprägt. Ich glaube schon, dass er von Haus aus zu den gelasseneren Vertretern gehört und ich bei einigen Dingen schlicht gute Voraussetzungen bekommen habe.
Aber jetzt darf ich mich ausnahmsweise auch einmal selbst loben. Ich glaube nämlich ebenfalls, dass ich im vergangenen Jahr keinen ganz schlechten Job gemacht habe. Ganz allein auf die hervorragenden Anlagen meines Hundes möchte ich seinen aktuellen Zustand schließlich auch nicht schieben. Ein bisschen Ruhm muss am Ende noch für Frau Oberlehrerin übrig bleiben.
Und dann kam das Huhn
Ansonsten läuft bei uns momentan alles in ziemlich ruhigen Bahnen. Die Eichenprozessionsspinner sind leider noch immer ein großes Thema und haben sich im gesamten Kreisgebiet ausgebreitet. Besonders viele Möglichkeiten für unsere Spaziergänge haben wir deshalb zurzeit nicht. Am Dienstag waren wir wieder mit Claudi und Raja auf der Halde Rungenberg und anschließend im Hofcafé leckeren Kuchen essen.
Schade, dass ich davon keine Fotos habe, denn dort machte ein Huhn den Biergarten „unsicher“. Es lief vollkommen selbstverständlich von Tisch zu Tisch und bettelte um Futter. Gubacca und Raja waren reichlich irritiert. Besonders Gubacca verfolgte jeden Schritt wie gebannt und schien ernsthaft darüber nachzudenken, warum dieses merkwürdige Tier im Gegensatz zu ihm an jedem Tisch nach Essen fragen durfte. Die anderen Gäste haben sich jedenfalls köstlich über ihn amüsiert.
Wir wünschen euch ein schönes Wochenende!
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