Wie bekomme ich einen entspannten Hund? Connys Weg mit Pedro

Februar 21, 2018

Wie bekomme ich einen entspannten Hund? Diese Frage beschäftigte Conny, nachdem ihr Gos-Rüde Pedro durch zu viele Reize und Beschäftigungen kaum noch zur Ruhe kam. Gemeinsam mit einer Trainerin strich sie vorübergehend Spiele, Tricks und Hundesport, verkürzte die Spaziergänge und führte ein genaues Tagebuch über Schlaf, Begegnungen und Stresssignale. Im ersten Teil unseres Gesprächs erzählt sie, warum weniger für Pedro tatsächlich mehr war und wie er langsam wieder lernfähig und ansprechbar wurde.

Ein Hoch auf das Internet und Facebook. Ohne Gubaccas Blog hätte ich vermutlich nie so viele Menschen kennengelernt, die ebenfalls mit einem jungen Gos d’Atura Català zusammenleben. Ein Satz fällt bei unserem Austausch besonders häufig: „So anstrengend hatten wir uns diese Rasse dann doch nicht vorgestellt.“

Ich weiß, was manche jetzt denken: Was haben sie denn erwartet? Ein Welpe und Junghund ist nun einmal lebhaft und muss noch erzogen werden. Haben diese Menschen vorher noch nie einen Hund gehabt? Doch, haben sie. Ich habe bisher kaum einen Gos-Halter kennengelernt, für den der Katalane der erste Hund war. Gubacca ist mein fünfter Hund, und trotzdem haben mich seine Kevin-Phasen in dieser, nennen wir es einmal vorsichtig, Intensität eiskalt erwischt.

Drei entspannt liegende Gos d’Atura Hündinnen von Bentjesgos
So entspannt wünschen sich viele ihren Gos – die drei Mädels von Bentjesgos

Meinen beiden Gastautorinnen Nicole Scholl und Conny Mayerbacher ging es mit ihren jungen Gossos Ambar und Pedro ähnlich. Beide saßen plötzlich mit kaum zu stoppenden Energiebündeln da. Die gute Nachricht für alle, die ihre Erfahrungsberichte noch nicht gelesen haben: Aus beiden sind tolle Hunde geworden. Das fand ich zunächst einmal ausgesprochen beruhigend.

Die weniger bequeme Nachricht lautet: Man muss dafür etwas tun – oder manchmal gerade weniger tun. Und genau das fällt vielen von uns verdammt schwer. Wir möchten unsere jungen, verspielten und quirligen Hütehunde schließlich sinnvoll beschäftigen. Dabei wäre es für sie häufig mindestens genauso wichtig, ausreichend Ruhe zu bekommen. Hat man diese erste Hürde genommen, wartet oft schon die nächste: die Pubertät. Eben noch „Everybody’s Darling“, hält der junge Rüde andere Rüden plötzlich für vollkommen überflüssig. Und nun?

In Connys Erfahrungsbericht „Einmal Gos – immer Gos? Connys Weg mit Pedro“ ging es bereits um diese Problemfelder. Pedro war als Welpe und Junghund stark gestresst und konnte die vielen Umweltreize kaum noch verarbeiten. Mit Beginn der Pubertät erklärte er außerdem andere Rüden zu unerwünschten Eindringlingen, und der normale Alltag wurde für Conny zunehmend schwieriger.

Aber welche Veränderungen halfen dabei, dass Pedro entspannter und im Umgang mit Artgenossen sozial verträglicher wurde? Mit ziemlich vielen Fragen wandte ich mich erneut an Conny. Im ersten Teil unseres Gesprächs erzählt sie, wie sie gemeinsam mit ihrer Trainerin Pedros Stresslevel senkte. Im zweiten Teil geht es anschließend um Stresssignale und das Begegnungstraining mit BAT.

Teil 1: Der Weg zum entspannten Hund
Conny Mayerbacher mit ihrem Gos d’Atura Pedro
Conny mit ihrem Rüden Pedro

Wie aus gut gemeinter Auslastung Überforderung wurde

Bine: Conny, du schreibst in deinem Erfahrungsbericht, dass du Pedro als Welpen in den ersten Wochen vollkommen überfordert hast. Diesen Fehler machen vermutlich viele Menschen, weil sie ihren jungen Hund sinnvoll auslasten möchten. Was war aus deiner Sicht bei euch zu viel, und woran hast du die Überforderung bemerkt? Anfangs schien es mit Pedro schließlich gut zu laufen.

Conny: Nachdem mir geraten worden war, den Hund gut auszulasten und ihm viel Bewegung zu bieten, legte ich mich ordentlich ins Zeug. Pedro hatte offensichtlich Spaß daran, Blättern und Vögeln hinterherzuspringen, mit neuen Hundekumpeln zu spielen und meine Bekannten kennenzulernen. Und weil ihm alles so viel Freude zu machen schien und er gleichzeitig jeden mit seinem Augenaufschlag verzauberte, waren wir teilweise bis zu drei Stunden am Tag draußen.

Wie müde und erschöpft er tatsächlich war, fiel mir kaum auf. Nur als er sich eines Tages in das Körbchen der Nachbarshündin flüchtete und sich dort beinahe festklammerte, wurde ich für einen Moment nachdenklich. Dieses Erlebnis wurde allerdings schnell wieder von meinem Ehrgeiz überdeckt. Die vielen Reize waren für Pedro natürlich viel zu viel. Er konnte sie überhaupt nicht verarbeiten, zumal seine ersten Lebenswochen alles andere als einfach gewesen waren.

Tierschützer hatten ihn und seine drei Brüder in einem verwahrlosten Garten gefunden. Ihre Mutter lebte dort an einer Kette. Die Welpen konnten gerettet, geschoren, gebadet und medizinisch versorgt werden, die Mutter musste jedoch zurückbleiben. Ich gehe deshalb davon aus, dass Pedro in dieser ersten Zeit kaum etwas kennenlernen konnte. Anschließend verbrachte er einige Wochen in einer Welpenstation. Welche Erfahrungen er dort machte, weiß ich nicht. Für eine sichere und positive Entwicklung dürfte ihm aber einiges gefehlt haben. Hinzu kamen die hartnäckigen Würmer, die er als einziger Welpe nicht loswurde. Auch körperlich fühlte er sich vermutlich lange nicht besonders wohl.

Ich glaube, dass sowohl diese fehlenden Erfahrungen als auch das vermutlich hohe Stresslevel seiner Mutter dazu beitrugen, dass Pedros Stresstoleranz und sein Nervenkostüm nicht besonders stabil waren.

Gos d’Atura Pedro als Welpe
Pedro als Welpe

Wenn aus dem Schaf plötzlich ein Wolf wird

Bine: Die ersten größeren Probleme kamen dann mit der Pubertät. Vorher Schaf, plötzlich Wolf. Dass Rüden mit der Geschlechtsreife schwieriger im Umgang mit anderen Rüden werden können, hört man von vielen Rassen. Unterscheidet sich der Gos für dich dabei von anderen Hunden?

Conny: Ich habe den Eindruck, dass der Gos noch sehr ursprünglich und seiner ursprünglichen Aufgabe eng verbunden ist. Jede Hunderasse wurde schließlich für einen bestimmten Zweck ausgewählt und gezüchtet. Früher hielt man Hunde nicht einfach zum Vergnügen als Haustiere. Sie hatten eine Aufgabe.

Beim Gos sind das unter anderem Eigenschaften, die ihm das Leben in unserer engen Menschenwelt erschweren können. Er ist ein Hund der Weite und der großen Flächen, auf denen er selbstständig Schafe hütet und beschützt. Pedro nimmt seine Aufgaben ausgesprochen ernst, handelt eigenständig und trifft eigene Entscheidungen. Er braucht mich nicht unbedingt, um zu wissen, was seiner Ansicht nach getan werden muss.

Das macht es manchmal schwierig, ihn durch unsere Menschenwelt zu begleiten, weil wir nicht immer dieselben Vorstellungen und Ziele haben. Gleichzeitig hat Pedro die undankbare Aufgabe, sein einzelnes Schaf – mich – vor sämtlichen Gefahren zu beschützen. Auch das dürfte ihn stressen. Von allen Seiten sieht und riecht er Eindringlinge in seinem Bereich, die ihm unheimlich sind.

Auch heute ist es für mich nicht immer leicht, ihm diese Aufgabe wieder abzunehmen. Sobald er einen für ihn unpassenden Geruch in die Nase bekommt, dreht er auf, und ich muss ihn wieder zurückholen. Zum Glück funktioniert das inzwischen recht gut. Mit der Zeit entwickelt man seine Taktiken, solange ausreichend Abstand vorhanden ist. Andere Rassen, bei denen Wach- und Schutzaufgaben weniger ausgeprägt sind, erlebe ich im Umgang mit Artgenossen häufig als entspannter. Wobei ich natürlich nicht weiß, wie stark sich Pedros Verhalten entwickelt hätte, wenn ich von Anfang an anders reagiert hätte.

Braucht eine Hundeschule Erfahrung mit dem Gos?

Bine: Du hast in der ersten Zeit häufig die Hundeschule gewechselt, bis du eine Trainerin gefunden hast, die wirklich zu euch passte. Wo lagen für dich die Unterschiede? Auch mir wird häufig geraten, eine Trainerin mit Gos-Erfahrung zu suchen. Ist der Gos in der Erziehung tatsächlich so anders als ein Australian Shepherd, ein Border Collie oder ein Tibet Terrier?

Conny: Die erste Hundeschule, die ich fand, trainierte auf einem eingezäunten Platz. Dort herrschte ein wildes Durcheinander aus viel zu vielen Hunden, aus dem wir unsere Hunde immer wieder abrufen sollten. Pedro interessierte das überhaupt nicht. Selbst mit sehr großem Abstand – ich stand irgendwann bereits deutlich außerhalb des Trainingsgeländes – war es ihm gleichgültig, ob ich noch da war oder nicht.

Nachdem ich den kleinen Strolch wieder eingefangen hatte, was ihm naturgemäß nicht gefiel, weil damit der Spaß beendet war, ging es im Viereck weiter. Mit vielen Leinenrucken sollten die Hunde lernen, bei Fuß zu laufen. Mir machte das keinen Spaß, und Pedro lernte ebenfalls nichts. Nach wenigen Stunden beendete ich dieses Dilemma.

Danach fand ich für die Junghundstunde eine Trainerin, die grundsätzlich gut ausgebildet war und mit positiver Verstärkung arbeitete. Das gefiel mir deutlich besser. Allerdings hatte ich Schwierigkeiten mit ihrer persönlichen Art. Pedro beherrschte inzwischen Sitz, Platz, Komm und Bleib und war im Vergleich mit den anderen Hunden der kleine Streber. Deshalb schien sie zunehmend nach einem Fehler bei uns zu suchen. Als Pedro einmal selbstständig das Sitz auflöste, machte sie sich darüber lustig. Damit war die Zusammenarbeit für mich aus persönlichen Gründen beendet.

Der nächste Trainer arbeitete normalerweise mit Jagdhunden und wusste mit Pedros selbstständiger Art wenig anzufangen. Außer Zwang und Druck hatte er kaum Ideen. Pedro zeigte uns daraufhin sinngemäß die Mittelkralle.

Erst als Pedro ungefähr ein Jahr alt war, fand ich eine Trainerin, die genau auf meiner Wellenlänge lag und dieselben Vorstellungen vom Training hatte. Mir war ein positiver, freundlicher und vertrauensvoller Umgang wichtig, nicht Korrektur, Unterdrückung und Strafe. Endlich zeigte mir jemand, welchen Unterschied allein meine Stimmlage machte, wenn ich mit Pedro kommunizierte. Ich war glücklich, wenn er mich nach einem Lob mit seinen dunklen Augen ansah und ich das Gefühl hatte, dass sein Vertrauen zu mir wuchs.

Ich glaube nicht, dass eine Trainerin zwingend Erfahrung mit dem Gos haben muss. Wichtiger finde ich ein grundlegendes Verständnis für die Unterschiede zwischen Rassen und für das jeweilige Individuum. Hütehunde haben andere Anlagen und Bedürfnisse als Jagdhunde oder Herdenschutzhunde. Selbst innerhalb der Hütehunde gibt es große Unterschiede darin, wie sie ihre Arbeit ausführen. Ein gut ausgebildeter Trainer, der sich regelmäßig fortbildet, sollte in der Lage sein, darauf einzugehen.

Gubacca als Welpe im Spiel mit anderen Hunden
Gubacca im Welpenspiel – die passende Hundeschule zu finden, ist nicht immer einfach

Wie viel sollte ein junger Hund kennenlernen?

Bine: Nach eurem Anti-Stress-Programm wurde Pedro deutlich entspannter. Was würdest du Menschen mit einem Welpen oder Junghund für die ersten Monate raten? In vielen Ratgebern steht, wie wichtig es ist, einen jungen Hund mit möglichst vielen Reizen vertraut zu machen. Dadurch entsteht schnell ein Zwiespalt: Auf der einen Seite soll möglichst wenig passieren, auf der anderen Seite muss der junge Hund die Welt kennenlernen.

Conny: Mein wichtigster Rat für das erste Lebensjahr lautet: Das Entscheidende, was ein Hund lernen muss, sind Schlafen und Ruhehalten. Natürlich sollte ein junger Gos verschiedene Dinge kennenlernen. Das kann aber in kurzen Einheiten geschehen, auf die anschließend wieder ein ausgedehntes Schläfchen folgt.

Für meine Kunden habe ich ein Handout mit Reizen zusammengestellt, die für einen jungen Hund wichtig sein können. Dieser Bogen ist aber keine Aufgabenliste, die möglichst schnell abgearbeitet werden soll. Er soll nur einen Anhaltspunkt dafür geben, was unseren kleinen Schätzen im Alltag begegnen kann und was sie später als normal abspeichern sollten.

Ich warne ausdrücklich davor, jeden Tag ein Mammutprogramm zu veranstalten, nur damit wirklich alles ausgiebig trainiert wurde. Weniger ist hier fast immer mehr. War an einem Tag beispielsweise ein Zoo- oder Bauernhofbesuch geplant, braucht derselbe Hund nicht anschließend auch noch ein Café kennenzulernen. Am nächsten Tag können Ruhe und Schlaf die wichtigste Beschäftigung sein. Unser normaler Alltag ist für einen Welpen ohnehin aufregend genug.

Wichtig ist, den eigenen Hund genau zu beobachten. Kommt er nach einem Spaziergang zu Hause zur Ruhe, oder beginnt dort erst einmal wildes Spielen und Toben? Das kann ein Hinweis darauf sein, dass der Hund draußen überfordert war. Vielleicht war man zu lange unterwegs, vielleicht waren es zu viele Eindrücke. Fünf Minuten Welpenspinnen am Tag sind normal. Findet dieses wilde Hochdrehen jedoch mehrmals täglich statt, würde ich das Programm reduzieren.

Der junge Gubacca bei einem kleinen Tierbesuch
Ein kleiner Tierbesuch war für Gubacca bereits genug Programm für einen Tag

Wie sah Pedros Anti-Stress-Programm aus?

Bine: Du schreibst, dass du gemeinsam mit deiner Trainerin Pedros Stresspegel langsam abgebaut hast. Wie sah dieses Anti-Stress-Programm konkret aus?

Conny: Zunächst wurde alles gestrichen, was bei uns unter Beschäftigung fiel: Tricks, Spiele, Leckerchensuche und Mantrailing. Am schwersten fiel mir der Verzicht auf das Mantrailing. Es machte uns beiden so viel Spaß, dass mir selbst die Woche bis zum nächsten Training immer viel zu lang erschien. Übrig blieben ruhiges Kuscheln und langsames Streicheln.

Anfangs war ich selbst nicht davon überzeugt, dass dieser Weg richtig und notwendig war. Ein Erlebnis hat sich jedoch bei mir eingebrannt. Ich war stets bemüht, Pedro ruhiger zu bekommen und sein ständiges Herumquirlen zu reduzieren. Gleichzeitig dachte ich, ein wenig Bewegung brauche er ja trotzdem. Er war schließlich ein einjähriger Hütehund.

Da ich ihn vorübergehend nicht mehr von der Leine lassen durfte, fuhr ich mit ihm ungefähr eineinhalb Kilometer Fahrrad. Nur ein kurzes Stück, dachte ich. Am nächsten Tag waren wir beim Hundetraining. Noch bevor meine Trainerin mich begrüßte, sah sie Pedro an und fragte: „Was hast du mit ihm gemacht? Warum ist er so angespannt?“

Mir war das ausgesprochen peinlich, weil ich eigentlich nicht erzählen wollte, dass ich schon wieder Mitleid mit meinem Schätzchen gehabt hatte. Dass sie die zusätzliche Belastung sofort bemerkte, überzeugte mich schließlich. Von diesem Zeitpunkt an zog ich das Programm sehr gewissenhaft durch. Für mich wurde es zu einer echten Herausforderung.

Der acht Wochen alte Gubacca schläft
Viel Schlaf gehört zu den wichtigsten Dingen in den ersten Monaten

Wichtig: Das folgende sehr reduzierte Programm wurde gemeinsam mit Pedros Trainerin auf seinen damaligen Zustand abgestimmt. Conny beschreibt ihren individuellen Weg mit einem stark überreizten Hund – keine allgemeine Vorgabe für Spaziergangsdauer oder Beschäftigung.

Dreimal fünfzehn Minuten und immer dieselbe Strecke

Da Pedro nach spätestens 25 Minuten oder bereits nach wenigen Hunde- und Katzenbegegnungen vollkommen überreizt war, wurde unser tägliches Gassigehen auf dreimal fünfzehn Minuten reduziert. Dafür suchten wir uns die langweiligste Strecke, die wir finden konnten. Acht Minuten gingen wir in die eine Richtung, sieben Minuten zurück. Jedes Mal genau dieselbe Strecke.

Dabei waren wir so langsam, dass uns vermutlich jede Rollator-Omi überholt hätte. Ich achtete nur darauf, dass Pedro ausreichend Zeit zum Schnüffeln hatte und möglichst wenig zappelte. Je hektischer er wurde, desto langsamer wurde ich und desto kürzer nahm ich die Leine. Anfangs hatte er ungefähr drei Meter Spielraum. Wurde er unruhig, verkürzte ich den Radius so lange, bis er direkt bei mir stand.

Dann wartete ich, bis er sich beruhigte und mich im besten Fall ansah. Ich lobte ihn verhalten, weil ich ihn nicht sofort wieder hochfahren wollte, und bot ihm ein Leckerchen an. Anschließend bekam er seinen größeren Leinenradius zurück, und wir schlichen weiter.

Gerade zu Beginn konnte Pedro erst auf dem Rückweg Futter annehmen. Das wurde für mich zu einem wichtigen Hinweis auf sein Stresslevel. Auf dem Rückweg kannte er die Gerüche und Schnüffelstellen bereits, deshalb ging es etwas leichter, und wir kamen sogar ein wenig schneller voran.

Ein weiteres Ziel bestand darin, möglichst entspannt zu Hause anzukommen. Das war oft nicht einfach, weil gegenüber so viele Katzen lebten, dass uns fast immer mindestens eine begegnete. Trotzdem wurden wir zunehmend besser. Ich freute mich wie ein kleines Kind, als Pedro eines Tages bereits kurz nach dem Start das erste Leckerchen nehmen konnte.

Das Tagebuch mit grünen Smilies und roten Blitzen

Eine große Hilfe war das Tagebuch, das ich während dieser Zeit führte. Ich empfehle diese Form der Dokumentation inzwischen auch vielen meiner Kunden, weil sich damit Trainingsfortschritte viel besser erkennen lassen. Ich notierte, wann und wo wir draußen gewesen waren, wem wir begegneten und wie Pedro sich dabei verhielt. Auch seine Schlafdauer und seine Stimmung zu Hause gehörten dazu.

Die wichtigsten Stellen markierte ich mit einem grünen oder roten Leuchtstift. So konnte ich auf einen Blick erkennen, was gut funktioniert hatte und an welchen Tagen wir zu viel gewollt hatten. Ich freute mich wie ein Kind, wenn ich große grüne Smilies auf die Seiten malen konnte. Die roten Blitze spornten mich dafür umso mehr an, beim Training wieder genauer hinzuschauen und den Alltag ruhiger zu gestalten.

Gos d’Atura Pedro als Junghund
Pedro als Junghund

Eine Handvoll Leckerchen und eine Woche Zappeln

Während dieser Zeit gab es von mir keine Kommandos, keine Spiele, keine Leckerchensuche, kein Rennen und kein lautes Wort. Nach ungefähr acht Wochen war Pedro bereits sichtbar ruhiger und fand auch nach schwierigen Begegnungen schneller wieder in sein Gleichgewicht. Deshalb wollte ich ihm mit einigen verstreuten Leckerchen eine kleine Freude machen.

Pedro suchte mit Feuereifer und zappelte anschließend für den Rest der Woche wieder wie zu Beginn unseres Trainings. Damit war die Sache eindeutig. Für weitere drei Monate verzichteten wir auf die lustigen Beschäftigungen.

Nach einigen Wochen konnten wir zumindest die Spazierwege ein wenig variieren. Einmal täglich kam eine neue Strecke dazu. Anfangs bedeutete das natürlich wieder Zappeln hoch zehn. Beim ersten Versuch schafften wir häufig nicht mehr als fünfzig Meter. Aber auch diese Wege wurden von Tag zu Tag vertrauter, und mit der Zeit konnten wir die Dauer vorsichtig erweitern.

Alle drei Wochen traf ich mich mit unserer Trainerin und hoffte darauf, dass sie mir bestätigte, dass wir weiterhin auf dem richtigen Weg waren. Ohne diese Rückmeldung hätte ich das Programm vermutlich nicht durchgehalten. Aber es lohnte sich. Zu Beginn warf ein stressiger Reiz Pedro für vier oder fünf Tage aus der Balance. Nach fünf Monaten konnte er sich innerhalb weniger Minuten wieder entspannen.

Endlich konnten wir nach und nach wieder spielen und später sogar zum Mantrailing zurückkehren. Vor allem war Pedro nun überhaupt erst in der Lage, zu lernen und die Reize seiner Umgebung zu verarbeiten.

Erst Ruhe, dann konnte das Training beginnen

Gemeinsam mit unserer Trainerin übten wir weiter. Sie erklärte mir geduldig, auf welche körpersprachlichen Signale ich achten musste und wie wir mit Pedros Reaktivität umgehen konnten. Als wir im Alter von ungefähr einem Jahr endlich ernsthaft trainieren konnten, war unser ursprüngliches Rückrufsignal bereits verbrannt. Also bauten wir einen neuen Rückruf auf.

Die Trainerin zeigte mir, wie ich Pedro so rufen konnte, dass er das Gefühl bekam, etwas ausgesprochen Spannendes zu verpassen. Häufig hatte ich ein Leckerchen gefunden oder entdeckte vermeintlich eine besonders interessante Schnüffelstelle. Pedro wollte unbedingt wissen, was ich mir dieses Mal wieder ausgedacht hatte, und flog förmlich zu mir.

Seine sehr deutlichen Reaktionen auf andere Rüden stellten wir zunächst zurück. Ich hielt möglichst viel Abstand und wich unseren schlimmsten Feinden aus. Alles gleichzeitig zu trainieren wäre zu viel gewesen. Erst als Pedros allgemeines Stresslevel wieder auf einem gesunden Niveau lag, begannen wir mit dem Begegnungstraining.

Mit Abstand zu höflicheren Hundebegegnungen

Pedro sollte lernen, sich anderen Hunden sozial angemessener zu nähern. Dazu gehört, nicht frontal auf einen fremden Hund zuzustürmen oder ihn zu überfallen, sondern beschwichtigende Signale zu zeigen. Das können beispielsweise ein abgewandter Blick, ein Lecken über die Nase, Schnüffeln am Boden oder ein Bogen sein.

Solche Signale zeigen dem Gegenüber, dass der Hund keine böse Absicht hat. Ein frontales Aufeinanderzustürmen ist in der Hundekommunikation ausgesprochen unhöflich. Es wäre ungefähr so, als würde ich auf den nächstbesten Menschen zurennen, ihm um den Hals fallen, kräftig auf die Schulter klopfen und rufen: „Hey Alter, alles klar?“

Für unser Training gingen wir zunächst auf große Distanz und belohnten jeden ruhigen Blick zum anderen Hund. Die Belohnung gab es vom Reiz weg. Pedro musste sich also leicht seitlich drehen, um das Leckerchen vom Boden aufzunehmen, und zeigte dadurch seinem Gegenüber automatisch eine höflichere Körperhaltung.

Solange wir uns entspannt und in einem Bogen nähern konnten, war alles in Ordnung. Sobald Pedro sich versteifte und wir merkten, dass der Abstand zu gering geworden war, vergrößerten wir die Distanz wieder. Nach und nach lernte er, dass man nicht mit lautem Gepolter die Oberhand behalten musste, sondern auch ruhig aneinander vorbeigehen konnte.

In unserer direkten Wohnumgebung funktionierte das leider nie so gut wie im Training außerhalb der „Home-Zone“. Außerdem konnten sich unsere Trainingshunde selbst höflich verhalten, was es Pedro natürlich deutlich leichter machte.

Für diese Übungen hatte ich die besten Leckerchen in der Tasche, die ich finden konnte. Wegen seiner Allergien durfte Pedro vieles, was besonders gut schmeckte, nicht fressen. Also briet ich ihm ein Lammsteak und schnitt es in kleine Stücke. Er war es mir wert.

Erst als Pedro wieder zur Ruhe kommen konnte, war er auch in der Lage zu lernen.
Die Reihe über Pedro

Wie Pedro zu Conny kam und warum aus dem kleinen Plüschbären ein ziemlich anspruchsvoller Lehrmeister wurde, erzählt sie im ersten Erfahrungsbericht: „Einmal Gos – immer Gos? Connys Weg mit Pedro“

Im zweiten Teil unseres Gesprächs erklärt Conny, woran sie Stress bei einem Hund erkennt, was in einer akuten Situation helfen kann und wie das Begegnungstraining mit BAT bei Pedro aufgebaut wurde: „Stress beim Hund erkennen und Begegnungen begleiten“

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