„Mittelgroß“ klingt zunächst nach einer ziemlich eindeutigen Angabe. Bis ein mittelgroßer Hund vor einem steht.
Wer vorher einen Tibet Terrier hatte, findet einen Gos möglicherweise schon ziemlich stattlich. Wer vom Briard kommt, sieht vermutlich eher die handliche Ausgabe. Größe ist eben auch eine Frage dessen, womit man vergleicht.
Der Rassestandard verlässt sich deshalb vorsichtshalber nicht auf menschliches Größenempfinden. Dort stehen Zahlen.
Der Standard misst nach
Für Rüden sieht der Rassestandard eine Widerristhöhe von 47 bis 55 Zentimetern vor, für Hündinnen 45 bis 53 Zentimeter.
So weit, so eindeutig. Man muss nur noch richtig messen können.
Und damit wären wir bei mir.
Als Gubacca ungefähr zehn Monate alt war, legte ich das Stockmaß an und kam auf stattliche 57 Zentimeter. Der Hund war noch nicht einmal ausgewachsen und hatte den Rassestandard offenbar bereits hinter sich gelassen.
Für mich stand fest: Das wird der größte Gos-Rüde ever, ever, ever.
Was ich damals noch nicht ausreichend berücksichtigt hatte: Ein Stockmaß wird nicht automatisch korrekt benutzt, nur weil man eines besitzt.
Später – und nach einem ausgesprochen hilfreichen Größenvergleich mit Grace – landete Gubacca bei ungefähr 54 Zentimetern.
Mit anderen Worten: Der größte Gos-Rüde ever, ever, ever war ziemlich exakt ein ganz normal großer Gos.
Und was wiegt so ein Gos?
An dieser Stelle wird der Rassestandard überraschend schweigsam. Er beschreibt Größe, Proportionen und Körperbau ziemlich genau, ein bestimmtes Gewicht nennt er dagegen nicht.
Eigentlich ist das auch gar nicht so unpraktisch. Denn allein das Fell macht die optische Gewichtsschätzung beim Gos zu einer ziemlich unzuverlässigen Disziplin.
Unter dem nassen Fell kommt bei vielen Gossis ein deutlich weniger massiger Körper zum Vorschein, als die trockene Wuschelverpackung vermuten lässt.
Deshalb würde ich beim Gewicht auch keine vermeintliche Idealzahl für „den Gos“ nennen. Geschlecht, Größe, Körperbau und der einzelne Hund spielen dabei eine wesentlich größere Rolle als irgendeine Zahl, die für alle passen soll.
Mittelgroß. Sagen wir mal so.
Denn neben Zentimetern und Kilogramm gibt es bei einem Hund schließlich noch die gefühlte Größe.
Ein Gos kann neben einem größeren Hund ausgesprochen handlich wirken. Nass bleibt von der ganzen Fellpracht überraschend wenig übrig. Und auf dem Sofa beherrscht derselbe Hund die erstaunliche Kunst, sich so klein zusammenzufalten, dass selbstverständlich noch irgendwo ein Plätzchen frei ist.
Nicht viel Platz. Aber genug für einen Gos.
Draußen kann sich das Größenverhältnis wiederum sehr spontan verändern. Besonders dann, wenn der mittelgroße Hund plötzlich eine ausgesprochen wichtige eigene Meinung darüber entwickelt, in welche Richtung der gemeinsame Spaziergang fortgesetzt werden sollte.
Mit eigener Laufrichtung: gefühlt 1,85 Meter.
Ich war ziemlich sicher, dass Gubacca aus dem Rassestandard herauswächst. Dann trafen wir Grace, das Stockmaß kam noch einmal zum Einsatz – und meine Messkünste gerieten etwas unter Druck.
Time to say goodbye, Zwerg-Riese →
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