Entspannt an der Leine: Kleine Veränderungen, große Wirkung
September 24, 2023
Wie sagt man so schön: Lieber spät als nie! In den letzten Wochen habe ich jedenfalls meine persönliche YouTube-Phase eingeläutet. Der Göttergatte predigt ja schon seit Jahren, wie viel man dort lernen kann – und tatsächlich haben wir dank eines Videos sogar unsere Geschirrspülmaschine selbst repariert.
Auch für Gubacca bin ich dort fündig geworden. „Anleitung“ klingt schließlich deutlich charmanter als „Erziehung“. Man gibt einfach sein Problem ein – und schwupps! – spuckt YouTube eine ganze Reihe mehr oder weniger kompetenter Hundetrainer aus. Ich war ehrlich überrascht, wie viele Videos richtig gut gemacht sind.
Natürlich ersetzt ein Erziehungsvideo keinen Hundetrainer. Aber sie können eine wunderbare Ergänzung sein, um neue Sichtweisen kennenzulernen – und manchmal sind es gerade die kleinen Dinge, die eine große Wirkung haben. Bei uns war es zum Beispiel der simple Tipp, Gubacca immer an exakt der gleichen Leinenlänge laufen zu lassen.
Die Leine und ihr geheimer Radius
Die Leine hat für viele Hunde eine geradezu magische Eigenschaft: Sie wird länger – automatisch –, wenn man es nur geschickt genug anstellt. Manche Zweibeiner reagieren auf einen kräftigen Ruck, bei anderen reicht ein subtiler Zug im richtigen Moment.Und ganz ehrlich: Wir Zweibeiner machen es unseren Hunden leicht. Gerade beim Thema Leinenführigkeit neigen wir dazu, uns selbst ein bisschen zu „beduppen“. Die Flexileine eignet sich zum Training ungefähr so gut wie ein Gummiband – nämlich gar nicht. Aber auch eine ganz normale Führleine lässt sich herrlich variieren. Notfalls hilft ja immer noch der gute alte ausgestreckte Arm, um den Radius des Vierbeiners heimlich zu erweitern.
Aber wie sagt man so schön: Gefahr erkannt, Gefahr gebannt! Seit ich den Tipp beherzige und die Leine konsequent an derselben Stelle festhalte, hat auch Gubacca nur noch genau diesen Radius zur Verfügung und er hat sich erstaunlich schnell daran gewöhnt.
Anfangs habe ich meine Hand samt Leine noch in die Jackentasche gesteckt, damit ich gar nicht erst in die Versuchung komme, den Arm als Verlängerung einzusetzen. Mittlerweile brauche ich das nicht mehr, und Gubacca läuft deutlich entspannter an der lockeren Leine.
Der Blick nach vorn
Seit mich ein Nachbar auf ziemlich taktlose Weise – er hielt sich dabei für unbeschreiblich witzig – darauf hingewiesen hat, dass ich beim Laufen ständig auf den Boden schaue, achte ich sehr auf meine Körperhaltung. Ganz besonders natürlich, wenn ich an seinem Haus vorbeikomme.Und ehrlich gesagt: Ganz unrecht hatte er nicht. Schon mein Vater sagte früher oft: „Brust raus, Bauch rein.“ Ich hatte nämlich den Hang dazu, mich kleiner zu machen, als ich war – was schwierig ist, wenn man mit neun Jahren schon 1,70 m groß ist und alle Schulkameraden überragt. Ein aufrechter Gang strahlt eben gleich viel mehr Selbstbewusstsein aus, oder?
Ich war eigentlich überzeugt, dass mir das längst in Fleisch und Blut übergegangen ist und ich förmlich wie bei Germany’s Next Model über den Asphalt schwebe… bis ich irgendwann heftige Schulterschmerzen bekam.
Während ich noch darüber nachdachte, ob die Ruckerei an der Leine vielleicht doch eine größere Rolle spielt, hatte mein Schwesterchen eine viel naheliegendere Erklärung: „Du gehst total steif und ziehst ständig die Schultern hoch!“ Zum Glück verpacken Schwestern solche Feststellungen deutlich charmanter als männliche Nachbarn.
So viel also zum Thema „Laufstegmodel“ mit selbstbewusstem Gangbild. Bleibt die Frage: Wie läuft man denn nun richtig, ohne später beim Orthopäden aufzuschlagen?
Auch dafür habe ich auf YouTube einen Tipp gefunden – einen so alten Klassiker, dass er wahrscheinlich schon Staub angesetzt hat: Man sucht sich einen festen Punkt in der Ferne und läuft einfach darauf zu. Allein diese kleine Veränderung im Blickwinkel sorgt dafür, dass wir den Kopf heben und automatisch aufrechter gehen.
Reiseleitung auf vier Pfoten
Eine weitere positive Folge: Wir laufen automatisch zielstrebiger. Wir wissen, wo es hingehen soll und unser Körper sagt das auch aus.Dabei denke ich oft an Ingeborg, eine Hundetrainerin aus unserem Gos-Verein. In einer Stunde bat sie uns, uns als Reiseleitung in einer fremden Stadt vorzustellen. Nur wir kennen den Weg und führen unsere Gruppe ruhig und gelassen durch das Gewusel. Alle achten auf uns, damit sie uns nicht verlieren.
Dann der Perspektivenwechsel: gleiche Reiseleitung, gleiche Gruppe – aber diesmal hat auch die Reiseleiterin keinen Plan. Sie läuft zögerlich mal in diese Richtung, dreht wieder um und ist schließlich froh, als jemand aus der Gruppe sagt, er kenne sich „ein bisschen aus“.
Tja… für welche Reiseleitung würdest du dich entscheiden?
Warum die Laufseite zählt
Das Wort „Leinenführigkeit“ klingt schrecklich, aber eine wichtige Botschaft steckt trotzdem drin: Führung. Und manchmal frage ich mich unterwegs schon, wer hier eigentlich wen führt. Da rennt der Hund hektisch von einer Seite zur anderen, der Zweibeiner folgt brav – notfalls auch ins Gebüsch, weil „Max“ ja schnüffeln muss.Bei diesem Thema kann ich mir allerdings ausnahmsweise einmal selbst auf die Schulter klopfen. Gubacca hat von Anfang an gelernt, nur auf einer Seite zu laufen und auf Kommando zu wechseln.
Auch dazu habe ich auf YouTube einen spannenden Tipp gefunden: Hunde reagieren oft entspannter, wenn sie auf der „reizarmen“ Seite laufen und wir draußen den sicheren Puffer übernehmen. Bei Hundebegegnungen war mir das schon immer klar, aber ansonsten?
Die Trainerin demonstrierte in ihrem Video eindrucksvoll, wie sehr die Laufseite den Hund beeinflussen kann. Zuerst führte sie ihre Hündin links Richtung Straße – deutlich angespannter. Dann wechselte sie nach rechts, entlang der Hecke. Die Hündin entspannte sich sichtbar. Sie hatte die Führung abgegeben.
Wieder ein Beispiel dafür, wie kleine Veränderungen im Alltag eine große Wirkung haben können.
Mein persönliches Fazit nach all den YouTube-Videos: Viele davon lohnen sich wirklich anzuschauen. Für den Alltag kann man eine ganze Menge kleiner Tipps und Anregungen mitnehmen – oft genau die, die später den großen Unterschied machen.
Was mir wirklich geholfen hat
- Einen kleinen Knoten in die Leine zu machen – so finde ich die richtige Stelle sofort wieder.
- Mir in der Ferne einen festen Punkt zu suchen und einfach darauf zuzulaufen.
- Vor dem Losgehen einmal bewusst die Schultern lösen – macht sofort weicher.
- Gubacca auf der reizärmeren Seite zu führen, wenn er Unterstützung braucht.
- Mut zu kleinen Veränderungen – sie machen oft den größten Unterschied.
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