„Bindung“ ist in der Hundewelt ein erstaunlich leistungsfähiges Wort. Es taucht immer dann besonders zuverlässig auf, wenn zwischen Mensch und Hund irgendetwas nicht so funktioniert wie geplant.
Der Hund hört nicht? Bindung. Er entfernt sich beim Spaziergang zu weit? Bindung. Er schaut seinen Menschen nicht oft genug an? Wahrscheinlich auch Bindung.
Als müsste irgendwo zwischen Rückruf, Blickkontakt und Leinenführigkeit eine kleine unsichtbare Punktetabelle liegen.
Bei Gubacca habe ich irgendwann gemerkt: Unsere Beziehung lässt sich ziemlich schlecht daran messen, wie perfekt er funktioniert.
Bindung ist kein Gehorsamstest
Natürlich hilft es im Alltag, wenn Mensch und Hund sich gut kennen, einander vertrauen und miteinander kommunizieren können. Aber daraus folgt nicht, dass eine enge Beziehung automatisch einen Hund hervorbringt, der jede Idee seines Menschen großartig findet.
Gubacca kann mir sehr verbunden sein und einen Restaurantbesuch trotzdem vollkommen überflüssig finden. Er kann mir vertrauen und einen fremden Rüden trotzdem blöd finden. Und er kann sehr genau wissen, dass ich zu ihm gehöre – ohne deshalb 24 Stunden neben mir liegen zu wollen.
Diese Dinge widersprechen sich nicht.
Nur nicht auf euch.“
Gerade bei Gubacca habe ich lernen müssen, dass Nähe nicht immer so aussieht, wie ich sie mir vorgestellt hatte. Ein Hund kann sich mitten im Familienleben fühlen und trotzdem gern ein paar Meter entfernt liegen.
Früher hätte ich darin vielleicht schneller eine Botschaft gesucht. Heute sehe ich vor allem: Das ist seine Art, dabei zu sein.
Was braucht er eigentlich von mir?
Wenn ich heute darüber nachdenke, was unsere Beziehung tatsächlich stärker gemacht hat, lande ich erstaunlich selten bei perfekten Übungen. Viel häufiger lande ich bei Dingen, die im normalen Alltag passieren.
Nicht überall dabei – und trotzdem mittendrin
Ich hätte Gubacca früher am liebsten überallhin mitgenommen. Schließlich gehört der Hund zur Familie – also kommt der Hund mit.
Aber gehört zu einer engen Mensch-Hund-Beziehung wirklich, dass ein Hund jeden Restaurantbesuch, jede volle Innenstadt und jede Veranstaltung mitmacht?
Bei Gubacca lautet die Antwort ziemlich eindeutig: Nein.
Die Stadt ist nicht seine Paradedisziplin. Neue Situationen können Zeit brauchen, Menschenansammlungen muss er nicht großartig finden und auch im Restaurant würde er vermutlich keine schlechten Bindungsnoten verteilen, wenn er stattdessen zuhause schlafen darf.
Für mich gehört heute gerade dazu, zu wissen, wann ich Gubacca einen Gefallen tue, indem ich ihn nicht mitnehme.
Beziehung zeigt sich für mich nicht darin, dass Gubacca überall mitmacht. Sondern auch darin, dass ich weiß, was ich ihm nicht abverlangen muss.
Was darf einfach Gubacca sein?
In alten Beiträgen habe ich schon öfters geschrieben, wie wichtig es ist, die Bedürfnisse des anderen zu achten und Grenzen zu akzeptieren. Dieser Gedanke ist geblieben. Nur würde ich ihn heute noch etwas ernster nehmen.
Lange war ich sehr schnell bei der Frage, wie ich etwas verändern könnte. Wenn Gubacca eine Situation schwierig fand, lag der Trainingsauftrag gedanklich oft schon auf dem Tisch.
Heute stelle ich vorher eine andere Frage.
und was darf einfach Gubacca sein?
Nicht jede Eigenheit braucht Training. Nicht jede Grenze muss verschoben werden. Und nicht alles, was ich mir von einem Hund wünsche, muss automatisch zu genau diesem Hund passen.
Das heißt nicht, Schwierigkeiten einfach laufen zu lassen. Es heißt für mich eher, genauer zu unterscheiden: Was brauchen wir für einen sicheren und entspannten Alltag – und wo versuche ich gerade nur, aus Gubacca den Hund zu machen, den ich irgendwann einmal im Kopf hatte?
Bindung sieht heute für mich anders aus
Früher hätte ich eine gute Bindung wahrscheinlich stärker daran festgemacht, wie sehr sich ein Hund an seinem Menschen orientiert, wie zuverlässig er reagiert und wie selbstverständlich er überall mitgeht.
Heute denke ich viel häufiger daran, wie gut zwei sich tatsächlich kennen.
Ich weiß inzwischen ziemlich genau, wann Gubacca Zeit braucht, wann seine Aufregung steigt, welche Situationen ihm liegen und welche er niemals auf seine persönliche Wunschliste setzen wird. Und Gubacca kennt im Gegenzug vermutlich mehr Varianten von Bine, als mir lieb sein kann.
Eine perfekte Punktzahl ergibt das immer noch nicht.
Dafür ziemlich viel gemeinsames Leben.
wie ich ihn geplant hatte.
Ich muss wissen,
wer da neben mir läuft.
Wie der Gos wahrnimmt, kommuniziert und mit seinem Menschen zusammenlebt – und warum Beziehung für mich heute viel mehr mit Verstehen als mit perfektem Funktionieren zu tun hat.
Mensch & Gos – ein Team mit eigener Sprache →.png)
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