Bei der Nase eines Hundes denkt man zuerst ans Riechen. Spuren verfolgen, Gerüche unterscheiden, Leckerchen finden – die klassische Abteilung Hundenase eben.
Gubacca hat seiner Nase allerdings noch ein paar zusätzliche Aufgaben gegeben. Sie findet nicht nur Gerüche, sondern auch meinen Arm, mein Knie und meine Hand ziemlich zuverlässig. Sie öffnet zwar keine Türen – sorgt aber dafür, dass ich es tue. Und wenn ich beim Kraulen unverschämterweise eine Pause einlege, kann sie ausgesprochen überzeugend daran erinnern, dass mein Arbeitstag offenbar noch nicht beendet ist. Damit ist sie tatsächlich ein kleines Multitalent.
Die Welt beginnt an der Nase
Für Hunde ist Geruch ein enorm wichtiger Teil ihrer Wahrnehmung. Während ich draußen einen Weg, eine Wiese oder einen Busch sehe, sammelt Gubacca dort Informationen, die mir komplett entgehen. Deshalb sehe ich Schnüffeln heute auch weniger als Unterbrechung des Spaziergangs. Wenn Gubacca irgendwo ausführlich mit der Nase arbeitet, passiert aus seiner Sicht offensichtlich gerade etwas.
Ich muss nur nicht immer wissen, was. Das ist vermutlich auch besser so – ich habe schon mit den Informationen genug zu tun, die er mir freiwillig mitteilt.
Dann kommt der Nasenstupser
Besonders zuverlässig arbeitet Gubaccas Nase abends. Nach dem Essen beginnt bei uns häufig die Sofazeit: Gubacca kommt dazu, lässt sich kraulen und irgendwann begehe ich einen Fehler – ich höre auf. Darauf muss man natürlich reagieren.
Im alten Beitrag habe ich solche Nasenstupser ziemlich schnell als Zeichen von Zuneigung und Bindung übersetzt. Heute würde ich es einfacher formulieren: Gubacca hat gelernt, dass diese Form der Kontaktaufnahme bei mir hervorragend funktioniert. Das macht den Moment nicht weniger schön – es macht nur aus einem Nasenstupser keine allgemein gültige Liebeserklärung.
Unsere eigene kleine Nasensprache
Spannend finde ich weniger den Nasenstupser an sich als die Tatsache, dass ich inzwischen meistens ziemlich genau weiß, was Gubacca in der jeweiligen Situation damit erreichen möchte.
Im Büro ist der Nasenstupser besonders effizient. Sitze ich konzentriert am Computer, kommt Gubacca an meinen Arm oder mein Knie und kurze Zeit später weiß ich: Die Zimmertür soll geöffnet werden. Nicht selten liegt hinter diesem dringenden organisatorischen Anliegen die Erkenntnis, dass Herrchen sich unten in Richtung Küche bewegt hat. Man kann Gubacca also durchaus ein gewisses Talent für innerbetriebliche Kommunikation bescheinigen.
Abends, wenn ich schon im Bett liege, kommt er dagegen häufig noch einmal kurz zu mir, stupst meine Hand und legt sich anschließend auf meiner Bettseite auf den Boden. Anfangs dachte ich, er wolle vielleicht mit ins Bett. Inzwischen kenne ich das Ritual: kurzer Kontakt, alles erledigt, Nachtruhe.
Gubacca niest den Spaziergang ein
Eine weitere Gubacca-Eigenheit gehört bei uns ebenfalls fest in die Abteilung Nase: Wenn ich mich für den Spaziergang fertig mache, fängt er häufig an zu niesen. Weil es bei ihm so zuverlässig in diesem Zusammenhang auftaucht, gehört es für mich zu seiner wachsenden Aufregung und Vorfreude. Das bedeutet natürlich nicht, dass jedes Niesen eines Hundes eine ausgefeilte Nachricht an seinen Menschen ist.
Können wir jetzt bitte los?
Mein persönlicher Emotionsscanner?
Im alten Beitrag habe ich Gubacca an einer Stelle sogar zum „Emotionsscanner“ erklärt. Der Anlass dafür existiert tatsächlich noch: Wenn ich nach Hause komme, schnüffelt er häufig sehr genau an mir und auch vorsichtig in Richtung Gesicht und Mund. Was er dort alles wahrnimmt, kann ich allerdings nicht wissen.
Dass Gerüche für Hunde viele Informationen enthalten, steht außer Frage. Daraus würde ich heute aber nicht mehr automatisch ableiten, dass Gubacca gerade meine Gefühlslage analysiert und anschließend einen internen Bericht erstellt.
Die Beobachtung ist sicher: Gubacca schnüffelt. Bei der Übersetzung darf Bine etwas vorsichtiger sein.
Und trotzdem verstehe ich ihn meistens
Unsere kleine Nasensprache funktioniert nicht deshalb, weil ein Stupser am Knie bei jedem Hund dasselbe bedeutet. Sie funktioniert, weil bestimmte Situationen sich bei Gubacca immer wiederholen und ich inzwischen gelernt habe, den Zusammenhang mitzulesen.
Genau das macht diese kleinen Rituale für mich so schön. Nicht die Vorstellung, dass seine Nase eine geheime Universalsprache spricht, sondern dass wir über die Jahre unsere eigene entwickelt haben – erstaunlich effizient, besonders wenn irgendwo eine Tür geöffnet oder ein Arm wieder in Bewegung gesetzt werden soll.
Und findet zuverlässig Bines Arm.
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