Reisetagebuch Julianadorp Part 3 | Tag 5 & 6

März 23, 2023

Zehn Stunden Sonnenschein am Stück – damit brach unser Donnerstag alle Wetterrekorde! Nach dem Frühstück machten wir uns sofort auf den Weg zum Fahrradverleih und planten euphorisch eine Radtour nach Callantsoog. Bei 65 km/h Gegenwind wurde aus dem vermeintlich gemütlichen Radeln allerdings ziemlich schnell ein sportliches Unterfangen.
MY GUBACCA · REISETAGEBUCH

Julianadorp III

Sonnenschein mit ordentlich Gegenwind
Noord-Holland · März 2023 · Teil 4 von 8 · Tag 5–6
Bekannter Ort · neue Geschichten
Julianadorp
Groote Keeten
Falga

Zehn Stunden Sonnenschein am Stück - damit brach unser Donnerstag alle Wetterrekorde! Glänzte unser Urlaubswetter bisher mit einem breiten Regenband und starken Windböen, wurde ich heute von einem strahlend blauen Himmel geweckt und die Morgenrunde mit Gubacca durfte dann doch gleich ein bisschen länger ausfallen.

10 Stunden Sonne
Nach Tagen voller Regen war ein blauer Himmel plötzlich schon fast eine Sehenswürdigkeit.
Sonne da · Räder raus

Callantsoog war zumindest der Plan

Nach dem Frühstück machten wir uns sofort auf den Weg zum Fahrradverleih. Wer weiß, wann der nächste Regenschauer kommt, dachten wir uns und planten euphorisch eine Radtour nach Callantsoog. An einem windstillen Tag ist das auch eine wunderschöne Strecke, aber wenn einem der Wind mit 65 km/h entgegenfegt, wird das Ganze ein mehr als anstrengendes Unterfangen. Immerhin haben wir uns dann tapfer bis Groote Keeten die Dünenwege hoch und runter gekämpft. Danach kapitulierten wir jedoch und drehten wieder um.

Plan Callantsoog
65 km/h Gegenwind später Groote Keeten
Aquarellzeichnung eines niederländischen Radwegs durch die Dünen
Nachgelesen · Warum eigentlich alle Rad fahren
Flaches Land allein macht noch keine Fahrradnation

Dass in den Niederlanden so viel Rad gefahren wird, liegt nicht einfach nur daran, dass das Land ziemlich flach ist. Das hilft natürlich. Entscheidend ist aber, dass das Fahrrad über Jahrzehnte konsequent als ganz normales Verkehrsmittel eingeplant wurde.

Das war nicht immer so. Ab Ende der 1950er-Jahre nahm auch in den Niederlanden der Autoverkehr stark zu. Anfang der 1970er-Jahre sorgten die hohe Zahl schwerer Verkehrsunfälle – darunter viele Kinder – und Proteste für sicherere Straßen für ein Umdenken. Die Ölkrise von 1973 verstärkte diese Entwicklung zusätzlich.

Statt nur einzelne Radwege anzulegen, entstanden nach und nach zusammenhängende Netze mit direkten Verbindungen, sicheren Kreuzungen und eigenen Fahrradflächen. Das Fahrrad wurde dadurch für viele alltägliche Wege schlicht praktisch.

27 % aller Wege werden mit dem Fahrrad zurückgelegt
35.000 km (Schnell-)Radwege bilden ein dichtes Netz
Und wir? Scheiterten ausgerechnet im berühmten Fahrradland nicht an einem Berg – sondern am Gegenwind.
Quellen · Government of the Netherlands · Dutch Cycling Embassy
Sportlichkeit muss belohnt werden

Die Aussichtsplattformen von Duinoord

Die Aussichtsplattformen in Duinoord sind echte kleine Mogelpackungen. Jedes Mal klettere ich ganz begeistert hoch und freue mich auf eine herrliche Aussicht. Und womit werde ich für meine Sportlichkeit belohnt? Mit einem weitläufigen Blick auf die, wie ich zugeben muss, sehr imposanten Dünen. Aber das Meer bekommt man von dort nicht zu sehen! Schöne Hingucker sind die Aussichtsplattformen jedoch trotzdem in der sonst eher kargen Sandlandschaft.

Auf dem Rückweg

Life's a Beach

Mit ordentlichem Rückenwind ging es dann zurück nach Julianadorp, wo natürlich ein Abstecher zu der alten Bunkeranlage mit dem tollen "Life's a Beach"-Graffiti nicht fehlen durfte. Der Bunker gehört zum Atlantikwall und beherbergt heute ein kleines Museum.

Kleine Urlaubswahrheit
Hinweg: 65 km/h Gegenwind. Rückweg: Rückenwind. Plötzlich können wir Fahrrad.

Und von der gegenüberliegenden Bunkeranlage hat man dann auch tatsächlich einen herrlichen Blick auf das Meer und die weitläufige Dünenlandschaft, die sich bis weit hinter Petten zieht.

Nach so viel sportlichem Einsatz waren Claudi und ich der Meinung, uns erst einmal ausruhen zu müssen. Sehr zum Leidwesen von Gubacca, der voller Tatendrang war. So hatte er sich seinen Sonnentag nicht vorgestellt und der vorwurfsvolle Blick sprach Bände! Ich hatte ja gehofft, dass ich für ihn, wie beim letzten Mal, einen Fahrradanhänger ausleihen könnte, aber Fehlanzeige. Der Verleih hatte zwar sogar zwei Hundeanhänger, aber die Schlüssel für die Räder waren nicht auffindbar - schade!

Unser Gubacca hat auch einen neuen Spitznamen verpasst bekommen: der Herr "ADS" - ein Hund, der eindeutig zu wenig Aufmerksamkeit erhält. Wobei das nur seiner eigenen Wahrnehmung entspricht. Nach meiner Meinung sieht die Realität komplett anders aus und weniger wäre wahrscheinlich mehr bei ihm! Kaum setzen Claudi oder ich uns auf das Sofa oder an den Esstisch, können wir sicher sein, dass ein "kleiner Bollerkopf" erscheint und gerne gestreichelt werden möchte. Und wenn "Herr ADS" einem von uns seine volle Aufmerksamkeit geschenkt hat, darf die andere auf keinen Fall vergessen werden. Zwei "Frauchen" sind Stress pur für einen Hund, der großen Wert darauf legt, seine Gunst gleichmäßig zu verteilen.

Gubacca erklärt Freundinnenurlaub
Zwei Frauchen bedeuten nicht doppelte Aufmerksamkeit. Sie bedeuten die anspruchsvolle Aufgabe, beide gerecht zu beaufsichtigen.
Nachmittags am Meer

Strandslag 4 · Falga

Nachmittags ging es dann mit dem Auto zu dem ruhigen Strandabschnitt "4 - Falga", der zwischen Julianadorp und Den Helder liegt. Das ist das Schöne hier - man muss sich nur einen Strandabschnitt ohne die beliebten Strandpavillons aussuchen und schon hat man das Meer fast für sich alleine.

Ein bisschen verfroren sah der "Spanier" dann ja doch aus, nachdem er voller Elan und Tatendrang ins Meer gerannt war. Trotz des herrlichen Sonnenscheins war es richtig, richtig kalt und ich war froh, dass ich an Mütze und Schal gedacht hatte.

Einen Tag zurück

Unser Eigentlich-Mittwoch

Es sieht doch gleich alles viel schöner aus, wenn die Sonne scheint. Gestern hatten wir die Hoffnung auf sonniges Urlaubswetter schon fast aufgegeben und unser Mittwoch lässt sich ganz leicht mit dem Begriff "eigentlich" zusammenfassen: Eigentlich hatten wir uns gestern schon vorgenommen, Räder im Ferienpark auszuleihen und die Umgebung damit zu erkunden. Aber bei dem strömenden Regen, den wir vormittags hatten, stand uns der Sinn nicht gerade nach einer Fahrradtour. Dann doch lieber mit dem Auto nach Westerland fahren, wo Claudis Mobilheim steht. Dann könnten wir von dort auch ein Fahrradschloss für die geplanten Leihräder mitnehmen und, ganz wichtig, ein HDMI-Kabel, um unser sparsames Drei-Kanal-TV-Programm etwas luxuriöser zu gestalten. Auch hier wieder das kleine Wörtchen "eigentlich". Auf dem Rückweg wollten wir dann in Den Oever am Hafen Fisch essen gehen.

Mittwoch in drei Akten
eigentlich Fahrradschloss holen
tatsächlich im Schlamm festgefahren
immerhin Kibbeling bekommen

Das folgende Szenario auf dem Mobilheimplatz wäre perfekt für eine "Verstehen Sie Spaß?"-Sendung gewesen. Und um gleich eins vorwegzunehmen - meine Freundin Claudi verstand in dieser Hinsicht keinen Spaß. Kaum bogen wir in den schmalen Zufahrtsweg zu ihrem Grundstück ab, versperrte uns ein dort "zwischengeparktes" Mobilheim die Durchfahrt. "Na, ob ich da überhaupt durchpasse?" Kaum hatte Claudi den Satz ausgesprochen, versanken wir mit ihrem Auto im tiefen Schlamm. Wie in einem Slapstick spritzte der Schlamm nur so im hohen Bogen durch die Luft und die Räder drehten immer mehr durch. Wir hatten uns in der vom Regen aufgeweichten Wiese so richtig festgefahren und ich sah mich schon den Wagen anschieben. Aber dank Claudis Fahrkünsten konnten wir uns Zentimeter für Zentimeter wieder auf die Zufahrtsstraße zurückkämpfen.

Der Wagen sah schlimm aus! Ich kam mir vor wie in der SUV-Werbung, in der ein Kunde einen vollkommen verdreckten und schlammbespritzten Wagen von der Probefahrt zurückbringt. Claudis Mann war nämlich, wie es sich für einen "guten Ehemann" gehört, extra noch am Freitag mit dem Wagen in die Waschstraße gefahren. Das muss eindeutig eine deutsche Marotte sein, nur mit einem frisch gewaschenen Wagen in den Urlaub zu fahren. Mein Herr Mini-Rütter macht das auch immer vorher.

Von daher führte uns der missglückte Versuch, das Mobilheim zu erreichen, zur nächsten Waschbox, um den schlimmsten Schlamm zu entfernen. Aber leckeren Fisch gab es dann tatsächlich noch - und das diesmal ganz ohne das "eigentlich" des Tages. Wobei ich noch nie in einem Restaurant mein eigenes Besteck mitgebracht habe, aber wenn man den fettigen Kibbeling nicht mit den Fingern essen möchte, sollte man seine eigene Gabel dabeihaben. Die bekommt man dort nämlich nicht. Andere Länder, andere Sitten, sage ich nur.

Zum Schluss gab es dann noch eine Gassirunde mit Gubacca am Camping Zeezicht in Westerland, wo gerade neue Mobilheime aufgebaut wurden. Blick auf das Wasser hin oder her - aber mein erster Gedanke war hier: "Was für eine schreckliche Einöde!" Vorne der gepflasterte Bereich zum Wattenmeer, dahinter die laute Schnellstraße und dazwischen ein Haufen Mobilheime - schrecklich.

Ende vom Eigentlich-Mittwoch
Zum Spazierengehen war es trotzdem sehr schön. Und am Abend konnten wir herrlich über den Tag lachen – mit einem wieder sauberen Auto vor dem Ferienhaus.

  • Teilen:
Chronik Du möchtest den Blog von Anfang an lesen? Hier findest du Gubaccas erste Lebensjahre – Beitrag für Beitrag in der richtigen Reihenfolge. Ganz vorne anfangen →

Lesetipps zum Thema

0 comments