Für diesen Buchstaben brauchen wir zwei Hunde: Gubacca und Nika.
Keine Sorge, es folgt keine überraschende Hochzeitsanzeige. Die beiden dienen lediglich als theoretisches Zuchtpaar.
Genau das hatte ich schon beim ursprünglichen Gos-ABC-Beitrag gemacht. Ich gab Gubacca und Nika damals in eine Datenbank ein und bekam zwei Zahlen ausgespuckt: einen Inzuchtkoeffizienten von 0,0000 Prozent und einen Ahnenverlustkoeffizienten von 96,77 Prozent.
Mein damaliges Fazit war schnell gefunden: Besser geht es nicht.
Heute würde ich hinter diesen Satz ein ziemlich großes Fragezeichen setzen.
Was sagt der Inzuchtkoeffizient eigentlich?
Der Inzuchtkoeffizient, kurz IK, beschreibt vereinfacht gesagt, wie wahrscheinlich es aufgrund gemeinsamer Vorfahren ist, dass ein Nachkomme zwei Genkopien erhält, die auf denselben gemeinsamen Ahnen zurückgehen.
Je häufiger dieselben Vorfahren in beiden Abstammungslinien auftauchen und je näher sie liegen, desto stärker kann sich das auf den berechneten Wert auswirken.
Bei Gubacca und Nika zeigte die damalige Berechnung 0,0000 Prozent.
Klingt tatsächlich ziemlich sensationell.
Der entscheidende Zusatz stand allerdings gleich mit dabei: berechnet über fünf Generationen.
Denn eine Stammbaumberechnung kann nur die gemeinsamen Ahnen berücksichtigen, die innerhalb des betrachteten Stammbaums auftauchen. Liegt ein gemeinsamer Vorfahr weiter zurück, fällt er bei einer Berechnung über fünf Generationen aus diesem Ausschnitt heraus.
Ein IK von 0,0000 Prozent bedeutet in diesem Fall also nicht: Diese beiden Hunde sind genetisch vollkommen unverwandt. Er bedeutet zunächst, dass innerhalb der für diese Berechnung betrachteten Generationen kein gemeinsamer Ahne den berechneten IK erhöht hat.
Und noch etwas ist wichtig: Ein aus dem Stammbaum berechneter IK ist keine direkte Messung der DNA des Hundes.
Und was verrät der Ahnenverlustkoeffizient?
Auch der Ahnenverlustkoeffizient, kurz AVK, beschreibt den betrachteten Stammbaum. Vereinfacht gesagt zeigt er, wie viele unterschiedliche Ahnen innerhalb dieses Ausschnitts vorhanden sind.
Bei fünf Generationen gibt es 62 mögliche Ahnenpositionen. In der damaligen Berechnung von Gubacca und Nika waren davon 60 mit unterschiedlichen Hunden besetzt. Zwei Ahnen kamen also mehrfach vor.
Ein hoher AVK bedeutet damit zunächst, dass sich innerhalb der betrachteten Generationen vergleichsweise wenige Ahnen wiederholen.
Auch hier gilt aber: Der Wert beschreibt einen Stammbaumausschnitt. Er ist weder ein Gentest noch ein Gesundheitssiegel.
Wäre Gubacca × Nika also die perfekte Verpaarung?
Genau das hätte ich damals aus den beiden Zahlen zumindest beinahe abgeleitet.
Heute wäre meine Antwort deutlich einfacher: Das lässt sich aus diesen beiden Werten überhaupt nicht sagen.
Ein möglichst niedriger IK und eine große Vielfalt im Stammbaum können für eine Zuchtplanung wichtige Informationen sein. Aber verantwortungsvolle Zucht besteht nicht darin, zwei Zahlen in eine Datenbank einzugeben und anschließend auf „grün“ zu warten.
Gesundheit und Untersuchungen der Elterntiere, bekannte erbliche Risiken, Verhalten, Eigenschaften der beiden Hunde, ihre Abstammung und die genetische Vielfalt der gesamten Population gehören ebenfalls zum Bild. Dazu kommt die Frage, wie häufig bestimmte Hunde und Linien bereits in der Zucht vertreten sind.
Ein niedriger IK kann eine wichtige Information sein. Eine komplette Zuchtentscheidung ist er nicht.
Warum beschäftigen wir uns überhaupt mit Inzucht?
Je enger Hunde genetisch miteinander verwandt sind, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, dass gleiche Genvarianten von beiden Seiten zusammentreffen. Das kann auch Varianten betreffen, die bei einem einzelnen Träger gar nicht sichtbar werden, in doppelter Ausführung aber gesundheitlich relevant sein können.
Gleichzeitig geht es bei einer kleinen Population nicht nur um einzelne Erkrankungen, sondern auch darum, möglichst viel genetische Vielfalt für die Zukunft zu erhalten.
Deshalb würde ich heute auch keine lange Liste von Krankheiten mehr unter eine bestimmte IK-Zahl schreiben. Ein Prozentwert sagt nicht voraus, ob ein einzelner Hund gesund oder krank sein wird. Er ist ein Baustein bei der Betrachtung einer Verpaarung und einer Population – nicht deren Ergebnis.
Nur mein Blick darauf hat sich verändert
Gubacca und Nika bleiben also bei ihrem theoretischen Wurf. Auch an der damaligen Berechnung hat sich nichts geändert:
0,0000 Prozent IK. 96,77 Prozent AVK. Berechnet über fünf Generationen.
Falsch war nicht die Rechnung. Zu eindeutig war eher meine Schlussfolgerung daraus.
Besser geht es nicht.
Und was genau sagt mir diese Zahl?
Vielleicht ist das sogar die wichtigste Erkenntnis aus meiner alten Berechnung: Manchmal muss sich eine Zahl gar nicht verändern, damit man später etwas anderes in ihr sieht.
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