65. + 66. Tag | Nachdenkliches: Wieviel Beschäftigung braucht mein Hund?

Juli 12, 2017

Heute möchte ich einen Kommentar von Manu aufgreifen in dem sie schrieb,  dass sie öfters das Gefühl hat sich nicht genug mit ihrem Hund Jack zu beschäftigen. Mir geht es oft genauso. Kaum mutiert Gubacca zum Kevin stelle ich mir die Frage: Ist Gubacca auch ausreichend ausgelastet? Benötigt er als Junghund doch mehr Spaziergänge bei denen er so richtig schnell flitzen kann? Sollte ich mich mehr mit ihm beschäftigen, um ihn geistig noch mehr zu fordern?


Der Gos d´Atura Català ist ähnlich wie der Australien Shepherd oder der Border Collie eine Rasse, die ausgelastet werden muss. Aber wie viel ist für einen Welpen oder mittlerweile Junghund die richtige Mischung? Auf die Frage "Wieviel sollte ein Welpe/Junghund schlafen?" bekommt man im Internet sofort klare Antworten geliefert. 20 Stunden Schlaf- und Ruhephasen sollte Gubacca mindestens am Tag haben. Aber wie füllt man die restlichen vier Stunden sinnvoll? 

Bei Chiru hatte ich schon sehr früh die Erfahrung gemacht, dass er für sich wirklich ein Mindestmaß an körperlicher Bewegung benötigte. Sobald Chiru über die Felder flitzen konnte und sich richtig auspowern durfte, hatte ich Zuhause den liebsten Hund. Bei Gubacca hingegen merkte ich schnell, dass er bei viel körperlicher Bewegung auch sehr schnell überdreht. Er ist in solchen Momenten wie ein kleiner Vulkan, der dann ausbricht. Und wie ihr ja schon öfters lesen konntet, endete dieser Ausbruch häufig mit einem kaputten T-Shirt... Bei "Herrn Wütebrecht" vermeide ich daher tunlichst jegliche Art von wilden Spielen und "hochpuschen" ist ein absolutes Tabu. Zum Glück haben wir für das Raufen ja auch seinen Hundekumpel Lennox. 

Leider gibt es auch für die richtige Auslastung kein Patentrezept. Was am Montag für Gubacca die richtige Mischung an Beschäftigung gewesen ist, kann am Dienstag schon dazu führen, dass er überdreht. Oft hilft es mir nur ihn genau zu beobachten. Hierbei stelle ich oft fest, dass ich die Anzeichen genau umgedreht deuten muss. In Phasen wo er mich viel anspringt oder anbellt, sind für ihn seine "Intelligenzspiele" oder Suchspiele die sinnvollere Beschäftigung. Gerade nach  Tagen an denen er viele neue Eindrücke zu verarbeiten hat oder einfach etwas für ihn aufregendes erlebt hat ist das oft der Fall. An manchen Tagen ist er aber auch einfach mal zu kurz gekommen. Dann merke ich, dass er einfach einen Spaziergang für sich braucht, bei dem er so richtig Gas geben kann.

Momentan macht Gubacca drei Gassirunden am Tag von je ca. 25 bis 30 Minuten. Neben seinen regelmäßigen Treffen mit Lennox, gehen wir Sonntags zum Welpenspiel. An einen  bis maximal zwei Nachmittagen in der Woche bin ich mit Gubacca unterwegs. Mal treffen wir Freundinnen mit ihren Hunden, gehen in Eisdielen ;-), erkunden neue Spazierrunden usw. Die Vormittage verschläft Gubacca komplett. Mit Beginn meines "Home-Offices" von 8 Uhr bis 13 Uhr sehe ich Zwerg-Riese eigentlich nur schlafend. Die einzige Unterbrechung ist dann auch nur das kurze Pieseln draußen. 


Gezielte Übungseinheiten  (Sitz, Platz, Bleib...) mache ich mit Gubacca relativ wenig und nur kurz. Ich versuche diese Dinge lieber so oft wie möglich in unserem gemeinsamen Alltag einzubauen. So hat Gubacca gelernt, dass er an der Straße so lange "Sitz" macht und wartet bis ich das ok gebe die Straße zu überqueren und, dass er nicht einfach aus dem Auto springen darf. Gubacca ist ein Nasenbär - er liebt Suchspiele und findet schon erfolgreich  die versteckten Plüschtiere. Konzentrationsübungen sind klasse für Zwerg-Riese. Die Übung mit der Fleischwurst in der Hand und den Blickkontakt konntet ihr ja schon auf einem Video sehen. Momentan üben wir, dass er sitzen bleiben muss, wenn ich sein Spielzeug werfe. Den Tipp haben wir von dem Frauchen seiner Schwester bekommen - es hilft wirklich Julia! Danach ist Zwerg-Riese sofort entspannter. Im Moment kommen wir mit dieser Mischung aus Beschäftigung, Aktivitäten und viel Schlaf gut zurecht und ich denke es ist für einen 18 Wochen alten Welpen nicht zu viel und nicht zu wenig.

Bei meiner Internetsuche nach Tipps wie man das Anspringen Gubacca abgewöhnen kann, fand ich einen weiteren wichtigen Aspekt zu dem Thema. Oft reagieren gerade Hunde, die sehr viel Beachtung von ihren Menschen erhalten, mit Anspringen, dem Einfordern vom Aufmerksamkeit und ähnlichen Verhaltensweisen. Witzigerweise machen genau diese Menschen sich auch oft die meisten Gedanken, ob sie ihren Hund genug auslasten. Manchmal hilft es daher einfach auch schon, seine gesamte Aufmerksamkeit nicht auf seinen Hund zu richten. Eine Sache, die mir persönlich sehr schwer fällt, aber ich arbeite daran! Mir leuchtet dieser Gedankengang ein. Gerde Mehrhundebesitzer haben oft viele dieser Probleme überhaupt nicht. Natürlich liegt es bestimmt auch daran, dass die Hunde selber miteinander viel spielen und sich miteinander beschäftigen. Trotzdem bin ich mir sicher, dass auch die geteilte Aufmerksamkeit ihrer Menschen dazu beiträgt. 

Ihr merkt schon, der Beitrag wird immer länger und länger und es gibt sehr viele Aspekte, die man immer wieder bei diesem Thema berücksichtigen muss. Und wie immer gibt es kein Patentrezept - aber ein Bauchgefühl und auf das solltet ihr hören!

Unser Fazit zu dem Thema "Wieviel Beschäftigung braucht Gubacca?"

  • Beschäftigung ist nicht immer gleichzusetzen mit großen Spaziergängen
  • Auf "Kevin-Phasen" lieber mit Kopfarbeit reagieren
  • Kleine Übungen wie Sitz, Platz, Bleib einfach in den normalen Alltag verstärkt einbauen
  • Kleine Konzentrationsübungen haben den gleichen Auslastungserfolg wie ein langer Spaziergang
  • nicht immer die gesamte Aufmerksamkeit auf seinen Hund richten
  • es gibt kein Pauschalrezept, sondern man muss seinen Hund genau beobachten und auf Stressanzeichen achten. 
  • Auf einen aufregenden Tag, sollten mindestens zwei bis drei ruhige Tage folgen...
  • Und ganz wichtig: Weniger ist oft mehr - in der Ruhe liegt die Kraft ;-)
Liebe Grüße und eine gute Nacht!
Sali

PS: Wir sind vom 2 Stunden  auf den 3 Stunden Rhythmus erfolgreich umgestiegen :-)

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6 Kommentare

  1. Bei manchen Deiner Ansaätze musste ich jetzt doch schmunzeln ... und Dir in dem Teil über Mehrhundebesitzer dann zustimmen :) Über manche Dinge habe ich mir wirklich nie große Gedanken gemacht - eben weil unser junger Hund immer mit einem älteren Hund aufgewachsen ist. Auch Ruhephasen haben die Jungen oft von den Ältern "gelernt" bzw. sind sehr ungnädig darauf hingewiesen worden, dass übermäßiges Toben gerade total blöd kommt ... und haben sich dann meistens leicht motzig in ihr Schicksal ergeben - und dann seelig geschlummert.
    Wobei bei uns natürlich auch öfter mal die Frage auftaucht, wie laste ich so unterschiedliche Hunde vernünftig aus - so dass jeder auf seine Kosten kommt und keiner überfordert ist. Aber auch dafür finden sich recht gut Lösungen - die auch immer dazu führen, dass der jeweils andere Hund lernt mal nicht die erste Geige zu spielen!

    Ich bin sicher, mit einer gesunden Mischung aus allem und einem immer besser werdenden Gefühl für Gubacca werdet ihr den richtigen Weg für euch finden.

    Liebe Grüße,
    Isabella mit Damon und Cara

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    1. Hallo Isabella, ich mag deine Einstellungen immer sehr. Isabella steht für mich immer ein bisschen für "Probleme gibt es nicht, die räumen wir aus dem Weg". Das finde ich toll und ich bin sicher ihr findet auch immer die richtige Möglichkeit Damon und Cara jeweils gerecht zu werden.

      Manchmal denke ich schon fast, dass größere Problem bei einem Welpen/Junghund ist "wie schaffe ich es das er ausreichend schläft". Da ist ein älterer Hund bestimmt ein guter Lehrmeister.

      Liebe Grüße
      Sali

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  2. Ich finde es auch ganz schwer das richtige Maß zu finden und dass es auch Mal zu viel Beschäftigung sein kann, habe ich auch bemerkt.
    Früher hatte ich eine Zeit lang eine Gassigehpartnerin, die mich morgens zum langen Spaziergang in den Wald mitgenommen hat (Ich habe ja keinen Führerschein, kann das also nicht alleine machen und das Herrchen des Hauses hat vor der Arbeit keine Zeit und Lust für so einen ausgedehnten Spaziergang). Dort ist Genki ununterbrochen mit dem anderen Hund durch den Wald gerannt und so ein Spaziergang ging auch gerne Mal bis zu zwei Stunden. Wenn wir dann nach Hause kamen, hat sich ihr Hund schlafen gelegt, so wie man es meinen würde Genki dagegen war danach immer erst recht aufgedreht. Ich war schon ganz verzweifelt, dachte "Wie lange soll ich denn noch morgens laufen, damit er Mal müde wird?"
    Inzwischen gibt es morgens nur eine kurze Runde von vielleicht 30 Minuten hier im Wohngebiet, aber seltsamerweise legt sich Genki danach dann hin und schläft. Vielleicht war es einfach nicht so gut für ihn den Morgen schon mit so einem Powerprogramm zu beginnen. (Oder vielleicht wird er auch einfach älter und somit ruhiger. Wer weiss das schon).
    Ich frage mich auch oft, ob meine Hunde nun unterfordert oder überfordert sind, aber ob ich das richtige Mittelmaß habe, weiss ich leider nicht.

    Dass man solche Probleme als Mehrhundehalter nicht oder weniger hat, glaube ich eigentlich nicht. Dann springen dich halt statt einem Hund zwei an und wollen deine Aufmerksamkeit. ;)

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    1. Schon bei Chiru und jetzt bei Gubacca sind die Ruhephasen auch morgens. Von daher könnte ich mir sehr gut vorstellen, dass Genki mit der großen Runde einfach überfordert war. Gerade bei Gubacca mache ich morgens früh immer nur eine MInirunde, weil er ansonsten auch schnell überdreht ist. Aber du hast vollkommen recht Monika - es ist immer ein blöder Balanceakt. Man nimmt Anzeichen für Über- oder Unterforderung wahr, weiß aber nie genau was es jetzt genau war.

      Liebe Grüße
      Sali

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  3. Oh.....danke Sabine für diesen Gedankenanstoß !!
    Ja, ich denke vieles liegt auch an mir selbst und an den "Stress" den ich mir selbst damit mache. Jack ist , genau wie Bo es war, unser Familienmittelpunkt <3 wobei hier bestimmt manches Mal weniger mehr wäre ;) Es ist auch nicht so als wenn ich mich ständig und immerzu mit ihm beschäftigen würde , aber mein Kopf hat es immerzu präsent "jetzt muss Du aber mal etwas mit Jack machen" Wenn ich wirklich keine Zeit habe und im Haus putze ist er auch ganz friedlich und liegt meist irgendwo und schläft oder legt mir seinen Ball vor den Staubsauger damit ich ihn wegschiebe ;) das ist schon sein Ritual.
    Aber es ist schon richtig das ich mir diesen Stress mache und ihn vielleicht mehr lassen und dasein lassen sollte. Bei den Mehrhundebesitzern finde ich es einfach toll wenn die Hunde unter sich auch mal raufen, toben und spielen....ich liebe es wenn Jack auch mal ab und zu einen anderen Hund zum toben findet.....ist im Moment nicht so einfach durch sein beginnendes "Rüdendasein" ;) Nur sobald ich selber ein wenig Langeweile signalisiere habe ich immer das Gefühl Jack überlegt wie er MICH beschäftigen kann ;).......mit den Aktiontagen halten wir es oft auch so das nach einem aufregenden Tag ein ruhiger folgt. Das war auch bei BO schon so und ich hatte immer das Gefühl er braucht das auch.
    Ansonsten steht auch morgens und abends ein kurzer Spaziergang von 30-45 Minuten an und Mittags etwas länger (1-1,5 Stunde) und abwechslungsreicher oder auch mal ein Ausflug.
    Eigentlich genug oder ???????
    Früher waren unsere Hunde einfach nur da, in der Familie und mit dabei wo immer wir waren. Da hat sich nie jemand Gedanken gemacht ob der Hund mehr Beschäftigung braucht.
    Leider kann ich Jack nicht immer mit zu meinen Freundinnen nehmen da diese auch Hunde haben die meist einen anderen Hund nicht dulden. Aber Jack ist eigentlich so gut wie nie alleine zu Hause.......immer ist jemand da <3
    .........
    ich glaube der Beschäftigungsstress findet nur in unseren Köpfen statt...
    Frage ist nur : "Wie stell ich es ab?"

    Lieben Gruss
    Manu & Jack

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    1. "Früher waren unsere Hunde einfach nur da, in der Familie und mit dabei wo immer wir waren. Da hat sich nie jemand Gedanken gemacht ob der Hund mehr Beschäftigung braucht." Ich glaube dieser Satz bringt es auf dem Punkt. Deine Kinder waren noch jünger - es herrschte wahrscheinlich eh immer ein bisschen Trubel und der Hund war mittendrin - mit dabei und einfach da - das zusätzliche Kind. Oft sind das die perfektesten Voraussetzungen. Wobei es auch da andere Beispiele gibt und der Hund läuft einfach nur immer nebenher und ist ein Anhängsel.
      Wie stellt man den Stress im Kopf ab... das ist schwierig Manu und fällt mir auch sehr oft schwer. Auf jeden Fall finde ich bietest du Jack genug Beschäftigung. Ich denke es hilft nur an sich selber zu arbeiten, weil du dich ja selbst damit ein bisschen in Frage stellst. Sei einfach stolz auf das was du schon mit Jack erreichst hast und dann kannst du dir auch sicher sein, dass du alles richtig mit ihm machst.

      Liebe Grüße
      Sali

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