„Das muss Gubacca aushalten können“ – Warum ich Welpenspiel neu denke
„Das muss Gubacca aushalten können.“ Diesen Satz sagte mir am Sonntag eine Hundetrainerin im Welpenspiel. Eine Aussage, die mich so beschäftigt hat, dass Gubacca den Kurs nicht weiter besuchen wird. Aber am besten fange ich erst einmal von vorne an.
Wie ihr wisst, hatte Gubacca einen holprigen Einstieg ins Welpenspiel. In den ersten beiden Stunden raufte er sehr wild mit einem Geschwisterpaar, besonders mit dem gleichaltrigen Hovawart-Rüden. Mir war auf der einen Seite sehr wichtig, dass der andere Welpe keine negativen Erfahrungen wegen Zwerg-Riese im Kurs macht. Aber auch Gubacca sollte lernen, dass man so nicht spielt, und ich beendete die Situation immer sofort.
Gubacca hatte sich längst verändert
Ab der dritten Welpenspielstunde veränderte sich Gubaccas Verhalten sehr zum Positiven. Er wurde deutlich ruhiger und fand es am schönsten, gemeinsam mit einem Welpen um die Wette zu flitzen. Ein Verhalten, das ich auch schon bei ihm mit Lennox beobachtet habe. Auch mit ihm mochte er „Bodenkämpfe“ immer weniger und bevorzugte Rennspiele. Trotzdem blieb im Welpenspiel die Situation mit den Hovawart-Geschwistern angespannt. Die junge Hündin hatte Gubaccas wildes Verhalten scheinbar nicht vergessen und zeigte ihm deutlich, dass sie davon nichts mehr wissen wollte. Anfangs nahm Gubacca das Ganze noch spielerisch hin, rangelte mit der Hündin und ließ sie oft gewähren.
Letzten Sonntag beobachtete ich dann bei Gubacca ein Verhalten, das mich sehr nachdenklich machte. Vor dem ersten Übungsteil dürfen die Welpen immer zuerst miteinander spielen. Kaum waren alle Hunde abgeleint, lief Gubacca zu ihnen und leckte ihnen den Schnauzenbereich. Kurz danach lag auch die Hovawart-Hündin wieder spielerisch auf ihm – und Zwerg-Riese blieb einfach nur liegen.
Ich sprach die Hundetrainerin unserer Gruppe direkt darauf an. Ist das in dieser Form noch normal? Ist Gubacca vielleicht mit der Gruppe überfordert? „Der hat es bestimmt wieder zu wild getrieben und entschuldigt sich jetzt“, war ihre Antwort. Für mich passte das überhaupt nicht zu dem, was ich gerade beobachtet hatte. Gubacca wirkte auf mich nicht wie ein Hund, der vorher wieder einmal zu wild gespielt hatte. Im Gegenteil – genau sein Verhalten hatte mich ja überhaupt erst dazu gebracht, nachzufragen.
Dann kam der Tunnel
Bei der zweiten Spieleinheit nahm ich Gubacca dann bewusst raus und ging mit ihm an das andere Ende des Platzes. Dort steht ein Tunnel für den Turnierhundesport, und Gubacca liebt es, dadurch zu flitzen. Vergnügt rannte er seine Runden, bis ihm das Geschwisterpaar in den Tunnel folgte. Schnell steckte er in der Mitte fest und konnte sich zwischen den Hovawarts nicht mehr durchschlängeln. Es kam zu einer Rangelei und ich bat die Besitzerinnen, ihre Hunde bitte aus dem Tunnel zu holen. Beide handelten sofort.
Wenige Minuten später kam es wieder zu der gleichen Situation. Gubacca rannte durch den Tunnel, die beiden folgten und ließen ihn nicht mehr heraus. Endlich schaltete sich dann auch die Trainerin ein. „Das ist doch eine normale Rangelei und vollkommen in Ordnung.“ Ich stutzte und fragte sie, ob es für sie wirklich in Ordnung sei, wenn drei Junghunde in einem Tunnel raufen, ohne dass wir vernünftig eingreifen können.
„Ja klar“, war ihre Antwort. „Für mich aber nicht, weil Gubacca keine Chance gegen die beiden hat und auch gar nicht mit ihnen raufen wollte“, entgegnete ich.
„Das muss Gubacca aushalten können.“
Im ersten Moment war ich sprachlos. Dann war für mich allerdings Schluss: „Nein, das muss Gubacca nicht aushalten können und diese Situation wird jetzt und hier beendet!“ Stille. Drei Gesichter schauten mich fassungslos an. „Aber das war doch ein normales Spiel ...“
Nein, das muss er nicht
Ich bin mir bewusst, dass dieser Beitrag nur meine eigene Wahrnehmung des Geschehens widerspiegelt. Es ist immer schwieriger, mit Situationen umzugehen, in denen der eigene Hund der Unterlegene ist. Auch ich habe beim Welpenspiel schon gedacht: „Jetzt ist die aber mimosig, das war doch alles harmlos ...“ Von daher mache ich den beiden Welpenbesitzerinnen überhaupt keinen Vorwurf.
Geärgert hat mich das Verhalten der Trainerin. Gubacca war schon lange nicht mehr der wilde Rabauke aus seinen ersten Stunden, aber ich hatte zunehmend das Gefühl, dass dieser erste Eindruck an ihm hängen geblieben war. Gleichzeitig machten mich seine Reaktionen vor dem Spiel nachdenklich. Hatten wir vielleicht Situationen übersehen, die dazu geführt hatten? War er tatsächlich mit der Gruppe überfordert? Ich wusste es nicht.
Ein Welpe, der eine Situation einfach „aussitzt“ und sich nicht mehr wehrt? Was passiert, wenn Gubacca irgendwann lernt, dass sein Ausweichen oder Beschwichtigen nicht reicht? Noch ist er sehr gelassen und entspannt, wenn er auf Raufereien keine Lust mehr hat. Aber wie lange bleibt das so, wenn niemand eine Situation für ihn beendet?
Vielleicht interpretiere ich auch zu viel hinein. Vielleicht wollte Gubacca einfach nur zeigen, wie toll er die anderen findet. Auch das mag sein. Ich kann meinen Hund nur beobachten und versuchen, die Puzzleteile richtig zusammenzufügen. Aber unabhängig davon fühlte es sich für mich nicht richtig an, drei 19 Wochen alte Junghunde in einem engen Tunnel raufen zu lassen, in dem im Ernstfall kaum jemand eingreifen kann.
Für mich war nach diesem Sonntag klar, dass wir dieses Welpenspiel nicht weiter besuchen werden. Das bedeutet für mich nicht, dass Welpenkurse grundsätzlich schlecht sind. Aber ich möchte mich darauf verlassen können, dass das Geschehen auf dem Platz aufmerksam beobachtet wird – und ich möchte mir selbst weiterhin erlauben, eine Situation für Gubacca zu beenden, wenn sie sich für mich nicht richtig anfühlt.
Ob ich an diesem Sonntag jedes einzelne Signal von Gubacca richtig gedeutet habe, weiß ich nicht. Ich kann ihn nur beobachten, versuchen, die Puzzleteile zusammenzusetzen und im Zweifel für ihn entscheiden.
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