Es gibt Menschen, die belohnen ihre Hunde mit Leckerchen. Und dann gibt es mein Frauchen Bine. Bine belohnt mich mit etwas, das deutlich nachhaltiger wirkt als getrocknete Lunge: Aufmerksamkeit. Das klingt harmlos, fast liebevoll. Ist es auch. Für mich ist es trotzdem der Jackpot. Denn Aufmerksamkeit bedeutet bei Bine nicht einfach „ich sehe dich“. Aufmerksamkeit bedeutet: Blick, Reaktion, Kommentar, Mini-Analyse, manchmal ein Lachen, manchmal dieser Tonfall, der sagt: „Ach, du wieder.“ Und wenn man ein Hund wie ich ist, merkt man schnell: Das ist keine Nebensache. Das ist die Sorte Aufmerksamkeit, für die andere Hunde Kunststücke machen.
(oder: warum Bine mich manchmal versehentlich groß macht)
Es gibt Menschen, die belohnen ihre Hunde mit Leckerchen. Und dann gibt es mein Frauchen Bine. Bine belohnt mich mit etwas, das deutlich nachhaltiger wirkt als getrocknete Lunge: Aufmerksamkeit.
Das klingt harmlos, fast liebevoll. Ist es auch. Für mich ist es trotzdem der Jackpot. Denn Aufmerksamkeit bedeutet bei Bine nicht einfach „ich sehe dich“. Aufmerksamkeit bedeutet: Blick, Reaktion, Kommentar, Mini-Analyse, manchmal ein Lachen, manchmal dieser Tonfall, der sagt: „Ach, du wieder.“ Und wenn man ein Hund wie ich ist, merkt man schnell: Das ist keine Nebensache. Das ist die Sorte Aufmerksamkeit, für die andere Hunde Kunststücke machen.
Auf der Lieblingsbank: Hier bin ich der Star der Show.
Draußen: Die Leine und der erste Blick
Wenn wir unterwegs sind und irgendwo taucht etwas auf, das potenziell interessant ist, passiert bei Bine immer dasselbe. Ihr erster Blick geht nicht nach vorne. Er geht zu mir. Nicht, weil sie mir nicht vertraut. Sondern weil sie mich kennt. Und weil sie wissen will, wie ich reagiere. Das ist grundsätzlich klug. Nur: Ich merke das natürlich.
Ich muss dann nicht mal groß eskalieren. Es reicht oft schon, wenn ich minimal in Spannung gehe. Ein kleiner Fokus. Ein kleines „aha“. Und zack, Bines Augen sind bei mir. Sie checkt mich ab wie ein Wetterradar. Und ich denke mir: Aha. Heute bin ich wieder die Hauptmeldung. Manchmal glaubt sie, sie würde etwas kontrollieren. In Wahrheit fühlt es sich für mich an wie: Scheinwerfer an. Und Scheinwerfer machen etwas mit einem Hund, der ohnehin überzeugt ist, dass er die Lage im Griff hat.
Foto-Modus: Das endlose „noch einmal kurz“
Man könnte denken, Foto-Modus sei für mich anstrengend. Ist er auch. Aber nicht aus dem Grund, den Menschen vermuten. Bine findet beim Fotografieren kein Ende. Noch einmal von links. Noch einmal von rechts. Noch einmal ein bisschen tiefer. Jetzt ist das Licht gut. Jetzt ist es gleich weg. Oh, warte, da war ein Haar vor dem Auge.
Und während sie sich in diese Schleife aus Perfektion, Licht und „nur noch eins“ dreht, passiert etwas sehr Praktisches: Ich bekomme Daueraufmerksamkeit. Ich stehe da, ich gucke, ich halte halbwegs still, und alles um mich herum richtet sich nach mir. Nicht nach der Welt. Nicht nach dem Spaziergang. Nach mir. Ich bin dann kurz kein Hund, ich bin ein Projekt. Und das Gemeine ist: Ich mag Projekte.
Sitzenbleiben: Das Taxi-Drama
Manche Hunde mögen Abenteuer. Ich mag Fortbewegung mit Service. Wenn wir eine Radrunde gemacht haben und ich in meinem Gubacca-Taxi unterwegs war, will ich am Ende oft nicht aussteigen. Nicht, weil ich nicht kann. Sondern weil es da drin perfekt ist.
Ich bin drin. Ich werde geschoben. Ich habe Aussicht. Und ich sehe, wie Bine sich innerlich mit sich selbst unterhält. Sie sagt dann nicht viel, aber ich spüre dieses „Komm jetzt, wir sind zuhause“ in ihrer Haltung. Und ich? Ich bleibe. Das ist eine strategische Erinnerung an einen ganz einfachen Zusammenhang: Wenn ich das Taxi-Drama starte, passiert etwas Wertvolles. Bine wird aktiv. Sie spricht. Sie schaut. Sie beschäftigt sich komplett mit mir. Kurz: Bühne.
Zuhause: Bines Radar und mein Blick
Und dann gibt es den Bereich, in dem ich wirklich professionell arbeite: Zuhause. Bine hat mich ständig im Visier. Wirklich ständig. Wenn ich bei ihr im Zimmer bin, reicht ein Geräusch und zack, ihr Blick geht zu mir. Sie checkt, was ich mache. Ob ich liege. Ob ich aufstehe. Ob ich irgendwo hin will. Ob ich irgendwas plane.
Abends ist mein Lieblingsmoment: Ich komme zum Sofa, lege den Kopf auf die Sitzfläche und starre sie an. Nicht hektisch, nicht nervig. Nur dieser Blick, der sagt: „Ich bin da. Ich könnte auch oben sein. Du könntest das jetzt entscheiden.“ Manchmal hält sie stand. Dann tut sie so, als würde sie mich nicht sehen. Aber ich merke, wie viel Kraft sie das kostet. Sie muss sich richtig anstrengen, diesen Blick zu übersehen. Und ich denke mir: Jau. Treffer. Ich bin in ihrem System.
Bühne frei: Ich weiß genau, wie ich Bines Radar aktiviere.
Viele unserer Streichel-Interaktionen gehen von mir aus. Ich starte sie. Ich frage sie an. Ich stelle mich so hin, dass es für sie schwer wird, „nein“ zu sagen, ohne sich wie ein schlechter Mensch zu fühlen. Und das ist der Punkt, an dem ich ein bisschen schmunzeln muss. Nicht, weil ich ich sie ärgern will. Sondern weil ich sie so gut lesen kann.
Warum das wichtig ist
Bine ist nicht zu weich. Bine ist nicht zu nett. Bine ist aufmerksam. Und sie lebt Beziehung über Kontakt. Das ist eine ihrer größten Stärken. Genau deshalb sind wir so ein Team. Nur hat Aufmerksamkeit eine Eigenschaft, die Menschen gern unterschätzen: Sie belohnt.
Nicht immer das Richtige. Nicht immer das, was Bine eigentlich verstärken möchte. Aber sie belohnt. Weil sie Bedeutung gibt. Weil sie mich in den Mittelpunkt stellt. Weil sie mir zeigt: „Ich bin bei dir.“ Und bei einem Hund wie mir reicht das manchmal, um ein Verhalten wieder auszupacken, das sich längst erledigt haben könnte.
Vielleicht ist das ihr Lernfeld. Nicht weniger Liebe. Sondern weniger Publikum. Nicht jedes Geräusch braucht ihren Blick. Nicht jeder Sofa-Starr-Wunsch braucht eine Antwort. Und nicht jedes Stehenbleiben an der Leine verdient eine Live-Reportage. Manchmal ist Beziehung nicht „ich bin bei dir“, sondern „ich bin so sicher bei mir, dass ich dich nicht ständig prüfen muss.“
Und ja, das fühlt sich am Anfang an, als würde sie mich ignorieren. Dabei macht sie etwas viel Gemeineres: Sie entzieht mir die Bühne. Ich werde das nicht gut finden. Ich werde es aushalten. Ich kann ja schließlich gut sitzenbleiben. Aus Überzeugung.
Und falls du jetzt denkst: „Okay, verstanden – aber was mache ich denn statt Live-Reportage?“
Frauchen hat drüben bei Goslogisch genau daraus einen Beitrag gemacht: warum zu viel Aufmerksamkeit aus Versehen Unruhe trainieren kann (besonders bei selbstständig arbeitenden Hütehunden) und wie man sich da gemeinsam wieder rausarbeitet, ohne dass Liebe plötzlich auf Diät gesetzt wird.
→ Warum dein Hütehund nicht noch mehr Aufmerksamkeit braucht
Gestern war ich wieder mit meiner Freundin spazieren. Und ich muss ja zugeben: Wenn ich selten auf etwas neidisch bin, um ihre Wohnlage beneide ich sie glühend. Leben, wo andere Urlaub machen, sage ich nur. Bei ihr gehst du aus der Haustür und bist sofort mitten in der Natur. Wasser, Waldwege, dieser Mix aus Ruhe und Weite, den ich so liebe. Selbst bei so trübem Regenwetter wie gestern hat die Lage dort etwas Besonderes – auch wenn wir diesmal wieder ordentlich im Schlamm versunken sind.
(Oder: Warum Kaffee besser schmeckt, wenn man den Chef-Posten nicht abgibt)
Gestern war ich wieder mit meiner Freundin spazieren. Und ich muss ja zugeben: Wenn ich selten auf etwas neidisch bin, um ihre Wohnlage beneide ich sie glühend. Leben, wo andere Urlaub machen, sage ich nur. Bei ihr gehst du aus der Haustür und bist sofort mitten in der Natur. Wasser, Waldwege, dieser Mix aus Ruhe und Weite, den ich so liebe. Selbst bei so trübem Regenwetter wie gestern hat die Lage dort etwas Besonderes – auch wenn wir diesmal wieder ordentlich im Schlamm versunken sind.
Trübe Aussicht? Von wegen! Für uns hat dieses Wetter seinen ganz eigenen Charme.
Ein liebgewonnenes Ritual von uns ist nach dem Spaziergang bei ihr noch einen handaufgebrühten Kaffee zu trinken. Nichts mit schnell-schnell, nichts mit „ich drück auf den Knopf“. Eher dieses: Wasser kochen, in Ruhe aufgießen, kurz warten, weiterreden. Genau unser Tempo.
Ihr kleiner Café-Tisch steht direkt am bodentiefen Fenster und ich liebe diesen Platz. Du sitzt da gemütlich mit deiner Tasse und hast den Blick auf den Fluss und den dahinterliegenden Wanderweg. Gerade am Wochenende und bei schönem Wetter ist dort oft ordentlich was los: Radfahrer, Jogger, Spaziergänger. Und natürlich auch viele Hunde.
Während ich diesen Ausblick genieße, bewundere ich jedes Mal aufs Neue die Gelassenheit meiner Freundin. Sie ist vermutlich der einzige Mensch, den ich kenne, der komplett tiefenentspannt bleibt, wenn zwei Langhaarhunde erst durch aufgeweichten Waldboden pflügen, dabei in Zeitlupe im Schlamm versinken und dann anschließend völlig selbstverständlich auf ihr Sofa hopsen, als hätten sie gerade nur kurz „die Pfoten abgestaubt“.
Gubacca im Sofa-Modus: Erst im Schlamm versinken, dann weich landen.
Gubacca und ihre Gos-Hündin hatten es sich also auf dem Sofa gemütlich gemacht. Dieses Bild aus Fell, Ruhe und „wir regeln das hier schon“. Wir saßen am Tisch, hatten den Kaffee vor uns, plauderten, lachten, und alles fühlte sich genau so an, wie man sich einen Winter-Nachmittag wünscht. Bis plötzlich ihre Hündin vom Sofa aufsprang.
Nicht hektisch, nicht „oh Gott, was ist jetzt“, eher so, als hätte sie gerade eine Nachricht bekommen, die sonst niemand gehört hat. Ein Satz Richtung Fenster und im nächsten Moment war klar: Draußen läuft jemand. Oder ein Hund. Auf jeden Fall etwas, das ihrer Meinung nach nicht einfach nur „Kulisse“ ist.
Zum Glück hatten wir die Tassen gerade fest in der Hand. Man weiß ja nie, wozu so ein handaufgebrühter Kaffee noch alles gut ist. Im Zweifel als Anker in der Realität. Dieses Bellen war bei ihr nicht dieses nervöse „Huch“, sondern eine sehr klare Ansage: Da ist was auf meinem Weg. Und weil die Bäume gerade kein Laub tragen, ist dieser Weg für sie eben auch nicht nur „da hinten irgendwo“, sondern gefühlt direkt vor der Nase.
Wachsamer Beobachter: Wenn der Gos meldet, steckt immer ein Grund dahinter.
Gubacca hob nur den Kopf. Diese typische Gubacca-Reaktion, die irgendwo zwischen „interessant“ und „ich bleibe trotzdem liegen“ liegt. Er ist ja in solchen Momenten gern der Typ Kollege, der sich aus dem Drama raushält, solange es nicht direkt sein Zuständigkeitsbereich wird.
Die Meldung annehmen
Früher hat meine Freundin in solchen Momenten oft geschimpft. Was ich vollkommen verstehe, weil man ja nicht am Kaffeetisch sitzt und denkt: Ach, wie schön, ein kleines Trainingsfenster. Man denkt: Bitte nicht. Nicht jetzt. Wir hatten gerade so einen schönen ruhigen Nachmittag. Aber gestern machte sie etwas anderes.
Sie stand auf, ging zum Fenster, schaute raus und sagte nicht „Aus!“, nicht „Nein!“, nicht „Hör auf!“, sondern sie nahm die Meldung an. So schlicht. So klar. So „okay, ich hab’s gehört“. Und dann schickte sie ihre Hündin hinter sich. Ruhig. Ohne Theater. Ohne diesen Tonfall, der schon nach Streit klingt, bevor überhaupt jemand verstanden hat, worum’s geht.
Die Hündin zögerte kurz. Gos halt. Erst mal prüfen, ob das wirklich ernst gemeint ist. Dann trat sie zurück. Und wurde still. Nicht still im Sinne von „ich darf nicht“, sondern still im Sinne von: Gut. Du hast es gesehen. Du übernimmst. Ich kann abgeben.
Und da saß ich mit meinem Kaffee und dachte: Genau. Das ist es. Ich mache das mit Gubacca ähnlich, vor allem draußen. Gerade im Dunkeln, wenn er mir eine Person „meldet“. Oder wenn er auf etwas reagiert, das für ihn ungewöhnlich ist. Diese kleinen „Moment mal“-Dinge, die wir Menschen gerne wegwischen, weil wir abgelenkt sind oder weil wir glauben, wir müssten alles sofort kleinmachen, damit es ruhig bleibt.
Ich hab mir über die Zeit angewöhnt, diese Meldungen nicht als „Aufregen“ zu behandeln, sondern als Information. Ich nehme sie an. Ich gucke hin. Und ich signalisiere ihm: Alles gut. Ich hab’s. Weil ich gemerkt habe: Wenn ich ihn an der Stelle ernst nehme, muss er gar nicht hochdrehen. Dann fühlt er sich nicht allein zuständig. Dann wird aus „Ich muss das regeln!“ eher ein „Okay. Bine ist dran.“
Als die Hündin wieder auf dem Sofa lag, war im Raum sofort wieder diese Ruhe. Der Kaffee schmeckte wieder nach Kaffee und nicht nach „gleich eskaliert hier was“. Draußen liefen Menschen weiter über den Weg, als wäre nichts gewesen. Und Gubacca? Gubacca hatte sich in der ganzen Zeit nicht einmal bewegt. Was ich irgendwie typisch fand. Denn er hat bei solchen Szenen eine Ausstrahlung wie: „Ja. So macht man das. Ich hätte es genauso gemacht. Aber ich wollte euch nicht reinreden.“
Manchmal muss man den Hund nicht „runterfahren“. Man muss ihm nur zeigen, dass seine Information angekommen ist. Nicht dieses „Sei leise, weil’s mich nervt“, sondern: „Danke. Ich hab’s gesehen. Ab hier bin ich dran.“
In diesem Sinne wünsche ich euch entspannte Kaffeestunden!
Hast du dich auch schon mal gefragt, warum unsere Katalanen bei jeder Kleinigkeit „Bescheid geben“ müssen? Es liegt ihnen einfach im Blut! Wenn du Lust hast, tiefer in die faszinierende Welt des Gos d'Atura einzutauchen und verstehen willst, wie du diese „Meldungen“ im Alltag für dich nutzen kannst, schau mal bei Goslogisch vorbei.
Der große Häufchen-Bluff oder wie ich als Bloggerin endgültig im Tabu-Kapitel angekommen bin
Vor ein paar Wochen war ich noch Wick-Werbung auf zwei Beinen und mein Mann musste die großen Runden übernehmen. In meinem Fieberwahn dachte ich ja noch rührselig: „Die armen Männer, wie sie wohl ohne mich klarkommen?“ Ich sah mich als die unabkömmliche Zentrale, das Herzstück des Gubacca-Universums, ohne dessen ordnende Hand alles im Chaos versinkt.
Tja. Inzwischen bin ich wieder einigermaßen aufrecht und musste schmerzhaft feststellen: Das Universum hat nicht nur ohne mich überlebt – es hat sich prächtig amüsiert. Während ich im Bett lag, hat sich hinter meinem Rücken ein neues Team gebildet. Eine Männer-WG mit ganz eigenen, höchst dubiosen Abläufen. Und genau hier kommen wir zu dem Punkt, an dem ich etwas gestehen muss: Ich hätte nie gedacht, dass ich irgendwann mal einen Blogbeitrag über das hier schreibe.
Vor ein paar Wochen war ich noch Wick-Werbung auf zwei Beinen und mein Mann musste die großen Runden übernehmen. In meinem Fieberwahn dachte ich ja noch rührselig: „Die armen Männer, wie sie wohl ohne mich klarkommen?“ Ich sah mich als die unabkömmliche Zentrale, das Herzstück des Gubacca-Universums, ohne dessen ordnende Hand alles im Chaos versinkt.
Tja. Inzwischen bin ich wieder einigermaßen aufrecht und musste schmerzhaft feststellen: Das Universum hat nicht nur ohne mich überlebt – es hat sich prächtig amüsiert. Während ich im Bett lag, hat sich hinter meinem Rücken ein neues Team gebildet. Eine Männer-WG mit ganz eigenen, höchst dubiosen Abläufen. Und genau hier kommen wir zu dem Punkt, an dem ich etwas gestehen muss: Ich hätte nie gedacht, dass ich irgendwann mal einen Blogbeitrag über das hier schreibe.
Aber offenbar gibt es im Leben einer Hundebloggerin dieses eine Tabu-Thema, an dem man nicht vorbeikommt, wenn die Männerwirtschaft erst einmal die Regie übernommen hat. Man kann jahrelang so tun, als würde man nur über Fellpflege, Sonnenaufgänge und niedliche Pfotenabdrücke schreiben und plötzlich steht man im Dickicht und denkt: „Okay. Dann eben Häufchen.“
Unschuldsblick im Schnee: Gubacca berechnet vermutlich schon die nächste Keks-Rendite.
Denn während ich noch an die heiligen Regeln der Hundeerziehung glaubte, hat mein Mann eine völlig neue Währung eingeführt. Er ist nämlich der festen Überzeugung, dass Gubacca nach dem Häufchen als Belohnung ein besonderes Leckerli verdient.
Man muss sich das mal vorstellen: Nach. Dem. Häufchen.
Mir würde so etwas nie im Traum einfallen. In meiner Welt ist das Erledigen des Geschäfts eine biologische Pflicht, kein Bonusprogramm mit anschließender feierlicher Zeremonie. Aber mein Mann? Der sieht das völlig anders.
Es hat ja seinen Grund, warum ich ihn hier auf dem Blog schon seit Jahren konsequent Herrn Mini-Rütter nenne. Er ist eben der unangefochtene Großmeister der theoretischen Hundeerziehung – während ich meistens diejenige bin, die die Theorie in der Praxis irgendwie umsetzen darf. Und weil er in diesen Momenten wieder diese ganz eigene Mischung aus pädagogischer Überzeugung und grenzenlosem Tascheninhalt entwickelte, hat er seinem Namen mal wieder alle Ehre gemacht.
(Er selbst sieht das natürlich als Auszeichnung und Kompliment an seine Fachkompetenz. Ich sehe es eher als dringenden Warnhinweis für die Statik unserer mühsam aufgebauten Erziehung.)
Dann waren wir zusammen spazieren. Ich, wieder halbwegs im Leben. Herr Mini-Rütter, entspannt wie jemand, der nicht bei jedem Ohrzucken eine Charakteranalyse startet. Und Gubacca… nun ja: Gubacca war Gubacca. Dieser charmant-chaotische kleine Typ, der so guckt, als hätte er gerade einen Plan und als wären wir die Praktikanten, die ihn ausführen sollen.
Irgendwann hockte er sich hin. Ein ganz normaler „Es ist soweit“-Moment. Nur: Er schielte dabei zu Herrn Mini-Rütter. So ein Blick, der nicht fragt, sondern erinnert. Wie ein Kellner, der dich an dein Dessert erinnert, obwohl du eigentlich nur zahlen wolltest.
Und aus mir kam – völlig ungekünstelt und vermutlich in einem Ton, der auch in einem Sitzungssaal funktioniert hätte: „Du wirst das doch wohl nicht belohnen?“ Herr Mini-Rütter ließ die Hand in der Tasche. Tapfer. Stark. Man konnte richtig sehen, wie es in ihm arbeitete: Pflichtgefühl gegen Keks-Automat. Wir gingen weiter. Wenige Meter später hockt sich Gubacca wieder hin. Wieder dieser Blick. Diesmal schon etwas offensiver. So nach dem Motto: „Hallo? Wir haben hier ein System etabliert.“ Herr Mini-Rütter blieb hart. Wir liefen weiter.
Beim dritten Mal wurde ich dann doch unruhig. Nicht, weil die Inspektion von Hinterlassenschaften zu meinen bevorzugten Freizeitbeschäftigungen gehört – aber wir Hundehalter wissen ja: Ein ganz normaler Haufen ist eben immer auch der beste Indikator für einen gesunden Hund. Verantwortungsgefühl nennt man das. Oder Kontrollzwang. Je nach Tagesform.
„Privatsphäre, bitte!“ – Oder doch nur der Aufbau einer geschickten Täuschung?
Also bin ich hinterher. Problem: Gubacca erledigt solche Dinge nicht einfach am Wegesrand wie ein zivilisierter Stadthund. Nein. Dieser Hund verschwindet fürs Geschäft grundsätzlich weit im Dickicht, als würde er seine Privatsphäre verteidigen und nebenbei einen Geheimdienst führen.
Ich also: Beutel in der Hand, Pflichtgefühl im Anschlag, Schritt rein ins Gestrüpp, Blick nach unten wie eine sehr unromantische Schatzsucherin. Und dann: nichts. Kein Häufchen. Keine Spur. Nicht mal ein „Hier könnte theoretisch was gewesen sein“.
Ich stand da, zwischen Brombeeren und meinem eigenen Anspruch, und mir dämmerte langsam: Herr Gubacca hatte uns getäuscht. Nicht aus Versehen. Nicht „Ups, falscher Alarm“. Sondern mit vollem Körpereinsatz. Mit Schauspiel. Mit Timing. Mit Blickkontakt.
Ja – zumindest gibt es Hinweise, dass Hunde ihr Verhalten taktisch anpassen können, wenn sie wissen, mit wem sie es zu tun haben. In einer Studie der Universität Zürich führten Hunde eine kooperative Person (die Futter gibt) eher zum besten Futter. Bei einer kompetitiven Person (die Futter eher wegnimmt) zeigten sie später häufiger Verhalten, das wie gezieltes Irreführen wirkt – teils sogar in Richtung einer leeren Option.
Quelle: Heberlein et al. (2017), Universität Zürich.
Und während ich noch in Gedanken die Szene rekonstruierte – „Hocke… Blick… Hocke… Blick…“ – nutzte Herr Mini-Rütter den Moment… und gab dem kleinen Schwindler seine Belohnung. Einen Keks. Für nichts.
Ich schwöre, ich musste gleichzeitig lachen und innerlich sehr kontrolliert kurz schreien. Denn natürlich war es nicht nur ein Keks. Es war ein Keks mit politischer Tragweite. Ein Keks, der sagt: „Wir lassen uns hier verhandeln.“ Und wenn ein Gos merkt, dass es verhandelbar wird, dann verhandelt er. Aus Prinzip. Aus Freude. Aus Kunst.
Herr Mini-Rütter sagt übrigens, ich solle das nicht so eng sehen. Es sei doch nur ein Keks. Ich sage: Das war die offizielle Einführung des „Hock-und-Hoff“-Programms: hinhocken, bedeutungsvoll gucken, Keks abholen.
Und Gubacca? Gubacca sagt nichts. Er läuft nur weiter. Sehr zufrieden. So, als würde er gerade überlegen, ob er in fünfzig Metern nochmal „häufchen“ möchte. Rein vorsorglich.
Manchmal liefert das Leben die besten Pointen. Man schreibt so kluge Sätze über Stressmanagement, während man gemütlich am Laptop sitzt und der Hund friedlich träumt. Man fühlt sich fast wie die Zen-Meisterin der Hundeerziehung. Doch kaum war mein Artikel über die unsichtbare Glocke online, gab das Schicksal die Regieanweisung für die Fortsetzung. Und zwar in der Kategorie: „Du wolltest Praxis? Kannst du haben.“
Der „schlecht zusammengebaute“ Vormittag
Es fing harmlos an: Vormittags war ich bei der Physio. Wer das Vergnügen kennt, weiß: Danach fühlt man sich nicht wie neugeboren, sondern eher wie ein schlecht geöltes Scharnier, das bei jeder Bewegung verdächtig knirscht. Jede Bewegung zwickt, der Rücken jammert, und mein einziger Plan war: „Heute einfach mal nur eine kurze Runde und dann ab aufs Sofa.“ Aber da hatte ich die Rechnung ohne den „Präzisions-Uhrwerker“ mit Fell gemacht.
Dank der läufigen Nachbarshündin Lucy ist Gubacca aktuell nämlich im Vollbesitz seiner… nun ja, Hormone. Da wird der „Herr“ unermüdlichen Liebesboten auf vier Pfoten. Es reicht, dass ich nur in die Richtung meiner Schuhe schaue oder den Blick einmal zu lange auf der Leine liegen lasse und zack: Heulkonzert. Dazu dieser wuschige Gang, dieses wackelnde Hinterteil (bei ihm, wohlgemerkt!), als würde er mir sagen: „Bewegung, Frauchen. Die Mädels warten auf mich. Und deinen Rücken kannst du später kurieren.“
Nase läuft, Gülle dampft
Kaum waren wir unterwegs, fing meine Nase an zu laufen... Nicht dieses zaghafte Tröpfeln, das man noch diskret wegschnüffeln könnte. Nein, ein Wasserfall. Und wer mich kennt, weiß: Ich habe in jeder Tasche garantiert Pansen-Leckerlis und Krümel, aber natürlich kein einziges Taschentuch. Innerlich tauschte ich den auf mich wartenden Kakao bereits gegen Erkältungstee aus. Leider beeinträchtigte meine triefende Nase mein Riechvermögen nicht im Geringsten. Denn da kam er: Der Jauche-Bomber.
Ein Traktor mit einem riesigen Gülleanhänger schien eine persönliche Fehde mit uns zu haben. Egal, in welchen Feldweg ich abbog – der Bomber bog mit uns ab. Das metallische Scheppern, das Dröhnen des Motors und dieser beißende, schwere Gestank, der noch Stunden später an einem klebt, nervten mich zunehmend. Aber es war nicht nur der Duft, der meine Glocke zum Schwingen brachte. Es war die Tatsache, dass wir – egal welchen Weg ich einschlug – im Jauche-Schlamm versanken.
Das unvermeidliche Ende der Gülle-Tour: Ein Moor-Monster in der rückenfeindlichen Badewannen-Zone.
Während ich knöcheltief in der Gülle stand, lief in meinem Kopf bereits der Film für den restlichen Nachmittag: Ich, in einer absolut rückenfeindlichen Position, wie ich versuche, einen schlammkrustigen Gos d’Atura in der Badewanne wieder in einen Hund zu verwandeln. Meine innere Glocke bimmelte nicht mehr, sie läutete Sturm.
Der Pelz-Philosoph auf der Yoga-Matte
Und jetzt kommt der Teil, der mich jedes Mal erstaunt. Wir reden ja ständig davon, dass sich unser Verhalten und das unserer Hunde spiegelt. Das stimmt auch insoweit, dass ich mich von Gubaccas Hektik zuverlässig infizieren lasse – ich brauche dafür keine zwei Minuten, das ist ein echtes Talent. Aber andersherum? Fehlanzeige.
Gubacca begleitete mich wie ein stoischer Pelz-Philosoph. Als hätte er eine innere Matte ausgerollt und würde gerade einen Kurs geben: „Gelassenheit für Fortgeschrittene, heute: Wie ignoriert man die Welt, während Frauchen innerlich brennt.“ Er schwankte gemütlich zwischen zwei Zuständen: „Ich klebe an diesem Grashalm fest, als hinge das Schicksal der Welt davon ab“ und „Tschüss, ich bin dann mal weg“ – wobei seine Definition von „bei Frauchen bleiben“ momentan irgendwo bei gefühlten 500 Metern liegt.
Während ich innerlich auf Hochtouren lief, genoss er die Welt. Reize? Stinkefinger. Schlamm? Egal. Dröhnen? Ach, hübsch. Und ich stand daneben und dachte: Aha. Also so fühlt sich das an, wenn einer in sich ruht. Und wenn der andere… eben nicht.
Das Finale: Schlüssel-Erlebnis
Völlig genervt und optisch kaum noch von einem Moor-Monster zu unterscheiden, erreichten wir die Haustür. Und da stand er: Mein Göttergatte. In sauberer Kleidung, den Autoschlüssel in der Hand, bereit für die Welt. Sein Blick fiel auf mich, dann auf die Uhr, und dann kam der Satz: „Hast du schon wieder keinen Schlüssel dabei? Ich muss jetzt wirklich los!“
Das war der Moment. Das letzte Löffelchen im Besteckkasten löste sich in Luft auf. Meine Glocke zersprang nicht nur, sie explodierte. Ich habe geschimpft wie ein Rohrspatz, während der Schlamm von meinen Schuhen auf den sauberen Boden tropfte. In meinem letzten Artikel schrieb ich: „Wenn der Besteckkasten leer ist, braucht niemand mehr über Gehorsam reden.“ Heute weiß ich wieder: Das gilt auch für uns Menschen. Wir können noch so viel über Stressmanagement wissen – wenn der Jauche-Traktor kommt und der Rücken streikt, sind wir alle nur Lebewesen mit einer begrenzten Anzahl an Löffelchen.
Die wahre Kunst ist nicht, in jeder Situation die Fassung zu bewahren. Die Kunst ist, sich danach eine warme Dusche zu gönnen, den Schlamm abzuwaschen und darüber zu lachen, dass man gerade seine eigene Theorie so herrlich gegen die Wand gefahren hat. Und beim nächsten Mal nehme ich ein Taschentuch mit. Versprochen.
Damit ihr nicht die gleichen Fehler macht wie ich – hier geht es zur Theorie und weiteren ehrlichen Einblicken
In meiner Geschichte vom „Tal der Umwege“ gibt es die Glocke der Aufregung. Sie hängt in keinem Turm, man sieht sie nicht und genau das macht sie so gefährlich. Wer sie sucht, hat schon verloren. Man findet sie erst, wenn man sie längst hört.
In der echten Welt nennen wir das oft „plötzliches Ausrasten“, „Leinenpöbelei“ oder „völliges Überdrehen“. Wir stehen dann da, halten die Leine fest und fragen uns: „Was ist denn jetzt in ihn gefahren? Es war doch gar nichts!“
Doch die Wahrheit ist: Es war nicht „nichts“. Die Glocke hat nur schon lange vorher vibriert. Wir haben nur nicht hingehört. Ich habe früher wirklich geglaubt, man merkt Erregung daran, dass der Hund sichtbar eskaliert. Spoiler: Nein. Man merkt sie daran, dass man hinterher sehr viel über seine eigene Wahrnehmung nachdenkt. Und über seine Griffkraft an der Leine.
Meine Hundeschul-Glocke
„Als Gubacca 13 Monate alt war, besuchten wir zum ersten Mal eine Gruppenstunde in der Hundeschule. Weil die Hundeschule nicht weit weg war, bin ich ganz schlau zu Fuß hingelaufen. Wir mussten eine Hauptstraße entlang, viel Verkehr – am Anfang war er verunsichert, aber es klappte schon fast entspannt. Betonung auf fast.
Auf dem Platz dann die nächste Nummer: viele fremde Hunde, eine Gruppe, die sich längst kannte und ein Rüde, der fand, Gubacca müsse dringend „eingewiesen“ werden. Gubacca hat das vermeintlich gut weggesteckt. Ich war stolz wie Bolle und bin mit ihm nach der Stunde wieder los.
Und dann, auf dem Heimweg an der Hauptstraße, eskalierte er. Ohne Grund? Nein. Der Grund war nur nicht jetzt. Der Grund war: schon vorher. Die Glocke hatte die ganze Zeit vibriert – ich habe nur immer wieder gedacht: „Ach guck, geht doch.“
Heute würde ich es anders machen: Ich würde mit dem Auto fahren. Ich würde nicht sofort die ganze Stunde mitmachen, sondern erstmal am Rand sitzen, damit er die Situation sortieren kann. Vielleicht ein, zwei Übungen und dann wieder heim. Nicht weil er „zu sensibel“ ist, sondern weil sein System eben nicht unbegrenzt Speicher hat.
Das feine Vibrieren: Wenn die Aufregung leise beginnt
Hunde mit einer niedrigen Reizschwelle – wie mein Gos d’Atura Gubacca oder der junge Pedro aus der Geschichte – sind wie ein hochempfindliches Messgerät. Die Glocke beginnt bei ihnen nicht erst zu schwingen, wenn der Erzfeind am Zaun steht.
Sie vibriert schon, wenn …
- das Leberwurstschnittchen um 19 Uhr nicht pünktlich serviert wird und Gubacca mich anschaut, als hätte ich ihm soeben seinen Arbeitsvertrag gekündigt.
- irgendwo ein Auto mit klapperndem Anhänger vorbeifährt und er auf einmal so tut, als sei das der Startschuss für die Apokalypse.
- ich gestresst die Schuhe anziehe (was er als eindeutiges Zeichen interpretiert: Frauchen ist nervös. Also muss ich das jetzt übernehmen.)
Dieses erste Vibrieren ist leise. Der Hund fixiert vielleicht kurz, die Rute geht einen Millimeter höher, die Atmung wird für drei Sekunden flacher. Es sind die Momente, in denen wir noch sagen: „Ach, er guckt ja nur.“ Aber die Glocke ist bereits aktiviert.
Trigger-Stacking: Wenn sich die Töne summieren
Das Problem ist selten der eine große Knall. Es ist das sogenannte Trigger-Stacking (Reiz-Aufsummierung). Stell dir vor, jeder kleine Stressmoment ist ein Schlag gegen die Glocke. Und ich stehe daneben wie ein Mensch mit sehr guter Theorie und sehr mittelmäßiger Timing-Kompetenz.
Der erste Schlag: Ein fremder Hund bellt im Nachbargarten. Pling. Die Glocke vibriert leise.
Der zweite Schlag: Ein gelber Sack flattert im Wind. Dong. Die Vibration wird stärker.
Der dritte Schlag: Ein Kind rennt schreiend vorbei. DÄNG.
„Man findet sie erst, wenn man sie längst hört.“ Wenn der Hund in der Leine hängt, ist die Glocke im Vollanschlag. In diesem Moment ist das Gehirn im Überlebensmodus. Lernen? Denken? Unmöglich.
Wie wir lernen, das Vibrieren zu spüren
Miralda macht in der Geschichte etwas Entscheidendes: Sie kniet sich neben Pedro. Sie schaut nicht auf die Krähe Corva, sie schaut auf ihren Hund. Sie spürt die Vibration, bevor Corva überhaupt gelandet ist.
Die Null-Linie kennen: Wie sieht dein Hund aus, wenn er wirklich tiefenentspannt ist? Wie ist sein Blick? Wie weich sind seine Lefzen? Nur wer die Stille kennt, hört das erste Vibrieren. Bei Gubacca ist die Null-Linie dieses „weiche Gesicht“. So ein Blick, bei dem man denkt: Da drin ist nur Sofa. Wenn das verschwindet, weiß ich: Jetzt ist nicht mehr Trainingstag, jetzt ist Glockentag.
Den „Vorklang“ lesen: Achte auf das Einfrieren. Wenn dein Hund eine Sekunde lang wie eine Statue erstarrt, hat die Glocke gerade den ersten Schlag bekommen. Das ist der Moment, in dem du reagieren musst – nicht erst, wenn er bellt.
Noch entspannt auf dem Holzpodest, aber der Blick fixiert schon die Ferne – Gubacca im „Halb-acht-Modus“.
Stress-Inventur: Wenn du weißt, dass dein Hund heute schon zwei schlechte Begegnungen hatte, ist seine Glocke bereits „vorgeladen“. Erwarte an so einem Tag keine Wunder. Geh lieber einen Umweg. Schenk ihm Raum. Ich hab mir angewöhnt, Tage nicht nach Kilometern zu bewerten, sondern nach Begegnungen. Zwei doofe Situationen reichen bei uns manchmal schon, um den Rest des Spaziergangs in die Kategorie „wir tun heute so, als wäre Umweg eine Tugend“ zu packen.
Ich habe mir das früher immer in Löffelchen vorgestellt. Mit dem jungen Gubacca hatte ich fünf Löffelchen für einen Tag. Hauptstraße? Zack – eins weg. Die Gruppenstunde? Noch eins. Ein Rüde, der ihn maßregelt? Wieder eins. Und wenn der Besteckkasten leer ist, braucht niemand mehr über Gehorsam reden. Dann braucht es nur noch: Ruhe.
Und noch etwas: Positiv zählt auch. Gubacca kann sich riesig freuen, wenn ich nach Hause komme – und ja, auch das kann ein Löffelchen kosten. Es ist nicht nur der Stress, der auflädt. Auch die schöne Aufregung macht den Akku nicht voller.
Außerdem haben wir Menschen diesen Hang dazu, wenn etwas gut geklappt hat, immer noch einen drauf zu setzen. Beispiel: Gubacca ist ruhig an einem fremden Rüden vorbeigegangen. Ich neige dann dazu, mir noch mal die Bestätigung zu holen, wie toll das jetzt klappt. Und was passiert? Gubacca eskaliert, weil der nächste Hund nur einen Augenblick in seine Richtung schaut.
Besser wäre es gewesen, sich nach der ersten tollen Begegnung zu freuen und den Spaziergang ab da mit weniger Herausforderungen fortzusetzen. Wenn etwas gut klappt, will ich manchmal noch einen Beweis. Gubacca hingegen will dann meistens nur eines: Feierabend.
Stille ist der Ort, an dem du zurückfindest
Miralda schenkt Pedro den „Mantel aus Raum“. Sie zieht nicht am Halsband (was die Glocke nur noch lauter schwingen ließe), sondern sie gibt ihm eine Blickmünze – einen Anker zu ihr.
Wir können unsere Hunde nicht vor allen Glockenschlägen der Welt schützen. Die Welt ist laut, Corva ist überall und Reize lassen sich nicht abstellen. Aber wir können lernen, die Hand sanft an die Glocke zu legen, um die Schwingung zu dämpfen, bevor sie ohrenbetäubend wird.
Nicht jedes Signal ist ein Auftrag. Nicht jedes Vibrieren muss im Chaos enden. Manchmal ist das die größte Übung überhaupt: nicht zu reagieren, nicht zu reden, nicht zu korrigieren – sondern einfach dazubleiben, bis der Hund wieder bei sich ankommt.
Wenn du noch ein bisschen tiefer in unsere Reise eintauchen möchtest – hier sind einige Gedanken aus dem Archiv, die heute aktueller denn je sind:
„Hunde lieben ehrlich.
Menschen lieben Geschichten.“
Vor kurzem musste ich bei uns zu Hause den Notstand ausrufen. Ich hatte nicht nur „Rücken“, nein, es musste mich auch noch eine richtig dicke Erkältung erwischen. Ich fühlte mich wie der Hauptdarsteller in einer Wick-Werbung – inklusive der vollen Ladung Männergrippe, auch wenn ich eine Frau bin. Mein Spruch zum Ehepartner war allerdings nicht „Ruf Mama an!“, sondern: „Kannst du bitte mit Gubacca rausgehen? Für mich.“
Für ihn war das auch überhaupt kein Problem. Auf meinen Mann ist Verlass in jeder Lebenslage. Wer damit allerdings ein Problem hatte, war ich. Denn ich bin ziemlich überzeugt davon, dass niemand so gut mit Gubacca klarkommt wie ich. Gubacca und ich sind ein eingespieltes Team. Ich sehe an seinem Rücken, ob heute „Wir sind entspannt“ oder „Ich habe gleich eine Meinung“ auf dem Programm steht. Und er sieht an mir, ob ich konsequent bin oder nur so tue.
Bei uns zu Hause sind die Rollen deshalb ziemlich klar verteilt: Gubacca ist mein Hund, und ich gehe fast immer die Gassi-Runden. Eigentlich wäre es dann doch auch naheliegend, dass ich seine Bezugsperson bin. Sein Fixstern. Der Mensch, ohne den der Spaziergang zwar stattfindet, aber eben keinen Spaß macht. Ich dachte wirklich, er würde mich bei jedem Schritt schmerzlich vermissen. Spoiler: Die Betonung liegt auf „ICH dachte“.
Mein Mann kennt meine „Niemand kann es so gut wie ich“-Allüren längst und griff mit einem breiten Grinsen nach der Leine. Ich stellte mich ans Fenster, eingepackt in Decken und in dieses Gefühl, dass man jetzt eigentlich ein bisschen bemitleidet werden dürfte, und hatte wirklich kurz dieses romantische Bild im Kopf: Gubacca merkt, dass Frauchen krank ist. Bleibt in meiner Nähe. Löst sich schwer. Schaut mindestens einmal zurück. So ein stilles „Ich komm gleich wieder, halt durch.“ Und falls du jetzt denkst: „Ach guck, Bine hat wieder romantische Vorstellungen von Hundebeziehung“ … ja. Habe ich. Leider zuverlässig.
Die Tür ging auf. Gubacca ging. Und zwar nicht zögerlich. Nicht „na ja“. Sondern mit einem Drive, als hätte er seit Wochen heimlich auf einen Personalwechsel hingearbeitet. Rute wippte, Schritte federnd, Blick nach vorn. Neben meinem Mann, wie selbstverständlich, als wäre das schon immer so gewesen. Kein Zögern. Kein Zwischenstopp. Kein „Frauchen?“. Nicht mal ein halbes Ohr in meine Richtung. Nichts. Ich stand da am Fenster, hustete in mein Taschentuch und dachte: Aha. So sieht also Treue aus, wenn sie frische Luft riecht.
Am ersten Tag konnte ich das noch sportlich nehmen. Hunde sind Hunde. Am zweiten Tag merkte ich, dass ich jedes Mal automatisch am Fenster landete, wenn die Leine klirrte. Nicht, weil ich kontrollieren wollte. Eher, weil ich offenbar noch irgendwo den Anspruch hatte, dass man als Bezugsperson wenigstens symbolisch verabschiedet wird.
Am dritten Tag war mein inneres Drama dann so groß, dass es fast wieder albern war. Und ich sagte zu Gubacca – natürlich im Scherz, natürlich mit einem Lächeln, natürlich in dem Wissen, dass Hunde keine kompletten Sätze verstehen:
Er guckte mich an, wie Hunde einen angucken, wenn sie denken: Interessant. Da ist wieder dieses Menschending. Abgehakt. Machen wir weiter im Programm.
Doch dann, am nächsten Tag, passierte es. Mein Mann nahm die Leine. Ich stand am Fenster, inzwischen schon routiniert. Tür auf. Raus. Gubacca neben ihm. Wippende Rute. Alles wie immer. Dann, nach ein paar Metern, drehte Gubacca sich um. Nicht hektisch. Nicht verunsichert. Ganz ruhig. Ein Blick. Direkt zu mir. Es war kein dramatischer Blick. Kein „Ich vermisse dich“. Kein „Frauchen, ohne dich ist alles grau“. Eher so, als hätte er kurz etwas abgerufen: Ach ja. Da war was. Rückblick. Genau. Und dann drehte er sich wieder nach vorn und lief weiter. Begeistert. Neben Herrchen. Rute wippte. Programm: Spaziergang.
Ich musste lachen. So ein krankes, etwas piepsiges Lachen, bei dem der Körper sofort mitdiskutiert. Und ich dachte nur: Entweder hat er’s verstanden … oder ich habe endgültig angefangen, Hundeblicke zu übersetzen wie Untertitel. Natürlich weiß ich: Es gibt hundert Erklärungen. Vielleicht hat er einfach gemerkt, dass ich da stehe. Vielleicht war es Zufall. Vielleicht hatte er was gehört. Vielleicht hat mein Mann unbewusst langsamer gemacht.
Aber in meinem Kopf war das kein Zufall. In meinem Kopf hat er mir genau das gegeben, was ich verlangt hatte: einen Blick zurück. Einen einzigen. Sauber platziert. Kurz. Effizient. Und ja: Seitdem bin ich überzeugt, dass Gubacca sehr sensibel ist. Nur nicht für meine romantischen Vorstellungen von Treue. Sondern eher für die Frage, ob ich vom Fenster aus gerade eine Bewertung abgebe.
Und ganz ehrlich: Ich war nicht gerührt. Ich war minimal beleidigt. Weil dieser Blick nicht nach „Oh Gott, Frauchen!“ aussah, sondern nach „Alles gut, ich habe das registriert“. Wie eine kleine Service-Geste, damit das Thema vom Tisch ist.
Zwei Sekunden später war er wieder ganz Hund, ganz Spaziergang, ganz pragmatisch. Und ich stand am Fenster, in Decken eingewickelt, und musste grinsen. Weil ich ihn genau dafür liebe. Für diese unschuldige, völlig unromantische Klarheit: Wenn jemand die Leine nimmt, geht’s los. Und wenn Frauchen am Fenster steht, kann man kurz zurückschauen. Damit sie sich nicht komplett was zusammenfantasiert.
Und ich merke immer wieder: Ich bin fürs Drehbuch zuständig. Er fürs echte Leben.
Unkompliziert war der Plan...
Mein Hund hatte andere Ideen! Geschichten haben eine Eigenart: Wenn sie erzählt werden wollen, lassen sie einen nicht mehr los. Begleite uns vom Welpenwahnsinn zum Seelenhund – so ehrlich und unromantisch, wie unser Alltag eben ist. Kapitel für Kapitel nehme ich dich mit auf unseren Weg.
➜ Jetzt reinschnuppernWir sind MY GUBACCA
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Gubacca ist ein Gos d’Atura Català und ich eine leidenschaftliche Bloggerin.
Gemeinsam erzählen wir euch – immer mit einer gehörigen Portion Humor – von unserem Alltag, der mit einem Katalanen nie langweilig wird.
Vom Welpenwahnsinn zum Seelenhund. Begleite uns auf dem Weg zum fertigen Buch.
Ich will’s ja mitkriegen.“
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