(Oder: Warum Kaffee besser schmeckt, wenn man den Chef-Posten nicht abgibt)
Gestern war ich wieder mit meiner Freundin spazieren. Und ich muss ja zugeben: Wenn ich selten auf etwas neidisch bin, um ihre Wohnlage beneide ich sie glühend. Leben, wo andere Urlaub machen, sage ich nur. Bei ihr gehst du aus der Haustür und bist sofort mitten in der Natur. Wasser, Waldwege, dieser Mix aus Ruhe und Weite, den ich so liebe. Selbst bei so trübem Regenwetter wie gestern hat die Lage dort etwas Besonderes – auch wenn wir diesmal wieder ordentlich im Schlamm versunken sind.
Trübe Aussicht? Von wegen! Für uns hat dieses Wetter seinen ganz eigenen Charme.
Ein liebgewonnenes Ritual von uns ist nach dem Spaziergang bei ihr noch einen handaufgebrühten Kaffee zu trinken. Nichts mit schnell-schnell, nichts mit „ich drück auf den Knopf“. Eher dieses: Wasser kochen, in Ruhe aufgießen, kurz warten, weiterreden. Genau unser Tempo.
Ihr kleiner Café-Tisch steht direkt am bodentiefen Fenster und ich liebe diesen Platz. Du sitzt da gemütlich mit deiner Tasse und hast den Blick auf den Fluss und den dahinterliegenden Wanderweg. Gerade am Wochenende und bei schönem Wetter ist dort oft ordentlich was los: Radfahrer, Jogger, Spaziergänger. Und natürlich auch viele Hunde.
Während ich diesen Ausblick genieße, bewundere ich jedes Mal aufs Neue die Gelassenheit meiner Freundin. Sie ist vermutlich der einzige Mensch, den ich kenne, der komplett tiefenentspannt bleibt, wenn zwei Langhaarhunde erst durch aufgeweichten Waldboden pflügen, dabei in Zeitlupe im Schlamm versinken und dann anschließend völlig selbstverständlich auf ihr Sofa hopsen, als hätten sie gerade nur kurz „die Pfoten abgestaubt“.
Gubacca im Sofa-Modus: Erst im Schlamm versinken, dann weich landen.
Gubacca und ihre Gos-Hündin hatten es sich also auf dem Sofa gemütlich gemacht. Dieses Bild aus Fell, Ruhe und „wir regeln das hier schon“. Wir saßen am Tisch, hatten den Kaffee vor uns, plauderten, lachten, und alles fühlte sich genau so an, wie man sich einen Winter-Nachmittag wünscht. Bis plötzlich ihre Hündin vom Sofa aufsprang.
Nicht hektisch, nicht „oh Gott, was ist jetzt“, eher so, als hätte sie gerade eine Nachricht bekommen, die sonst niemand gehört hat. Ein Satz Richtung Fenster und im nächsten Moment war klar: Draußen läuft jemand. Oder ein Hund. Auf jeden Fall etwas, das ihrer Meinung nach nicht einfach nur „Kulisse“ ist.
Zum Glück hatten wir die Tassen gerade fest in der Hand. Man weiß ja nie, wozu so ein handaufgebrühter Kaffee noch alles gut ist. Im Zweifel als Anker in der Realität. Dieses Bellen war bei ihr nicht dieses nervöse „Huch“, sondern eine sehr klare Ansage: Da ist was auf meinem Weg. Und weil die Bäume gerade kein Laub tragen, ist dieser Weg für sie eben auch nicht nur „da hinten irgendwo“, sondern gefühlt direkt vor der Nase.
Wachsamer Beobachter: Wenn der Gos meldet, steckt immer ein Grund dahinter.
Gubacca hob nur den Kopf. Diese typische Gubacca-Reaktion, die irgendwo zwischen „interessant“ und „ich bleibe trotzdem liegen“ liegt. Er ist ja in solchen Momenten gern der Typ Kollege, der sich aus dem Drama raushält, solange es nicht direkt sein Zuständigkeitsbereich wird.
Die Meldung annehmen
Früher hat meine Freundin in solchen Momenten oft geschimpft. Was ich vollkommen verstehe, weil man ja nicht am Kaffeetisch sitzt und denkt: Ach, wie schön, ein kleines Trainingsfenster. Man denkt: Bitte nicht. Nicht jetzt. Wir hatten gerade so einen schönen ruhigen Nachmittag. Aber gestern machte sie etwas anderes.
Sie stand auf, ging zum Fenster, schaute raus und sagte nicht „Aus!“, nicht „Nein!“, nicht „Hör auf!“, sondern sie nahm die Meldung an. So schlicht. So klar. So „okay, ich hab’s gehört“. Und dann schickte sie ihre Hündin hinter sich. Ruhig. Ohne Theater. Ohne diesen Tonfall, der schon nach Streit klingt, bevor überhaupt jemand verstanden hat, worum’s geht.
Die Hündin zögerte kurz. Gos halt. Erst mal prüfen, ob das wirklich ernst gemeint ist. Dann trat sie zurück. Und wurde still. Nicht still im Sinne von „ich darf nicht“, sondern still im Sinne von: Gut. Du hast es gesehen. Du übernimmst. Ich kann abgeben.
Und da saß ich mit meinem Kaffee und dachte: Genau. Das ist es. Ich mache das mit Gubacca ähnlich, vor allem draußen. Gerade im Dunkeln, wenn er mir eine Person „meldet“. Oder wenn er auf etwas reagiert, das für ihn ungewöhnlich ist. Diese kleinen „Moment mal“-Dinge, die wir Menschen gerne wegwischen, weil wir abgelenkt sind oder weil wir glauben, wir müssten alles sofort kleinmachen, damit es ruhig bleibt.
Ich hab mir über die Zeit angewöhnt, diese Meldungen nicht als „Aufregen“ zu behandeln, sondern als Information. Ich nehme sie an. Ich gucke hin. Und ich signalisiere ihm: Alles gut. Ich hab’s. Weil ich gemerkt habe: Wenn ich ihn an der Stelle ernst nehme, muss er gar nicht hochdrehen. Dann fühlt er sich nicht allein zuständig. Dann wird aus „Ich muss das regeln!“ eher ein „Okay. Bine ist dran.“
Als die Hündin wieder auf dem Sofa lag, war im Raum sofort wieder diese Ruhe. Der Kaffee schmeckte wieder nach Kaffee und nicht nach „gleich eskaliert hier was“. Draußen liefen Menschen weiter über den Weg, als wäre nichts gewesen. Und Gubacca? Gubacca hatte sich in der ganzen Zeit nicht einmal bewegt. Was ich irgendwie typisch fand. Denn er hat bei solchen Szenen eine Ausstrahlung wie: „Ja. So macht man das. Ich hätte es genauso gemacht. Aber ich wollte euch nicht reinreden.“
Manchmal muss man den Hund nicht „runterfahren“. Man muss ihm nur zeigen, dass seine Information angekommen ist. Nicht dieses „Sei leise, weil’s mich nervt“, sondern: „Danke. Ich hab’s gesehen. Ab hier bin ich dran.“
In diesem Sinne wünsche ich euch entspannte Kaffeestunden!
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