Theorie vs. Gülle: Warum Gubacca heute der bessere Yoga-Lehrer war
Manchmal schreibt das Leben die besten Pointen. Man schreibt so kluge Sätze über Stressmanagement, während man gemütlich am Laptop sitzt und der Hund friedlich träumt. Man fühlt sich fast wie die Zen-Meisterin der Hundeerziehung. Doch kaum war mein Artikel über die unsichtbare Glocke online, gab das Schicksal die Regieanweisung für die Fortsetzung. Und zwar in der Kategorie: „Du wolltest Praxis? Kannst du haben.“
Der „schlecht zusammengebaute“ Vormittag
Es fing harmlos an: Vormittags war ich bei der Physio. Wer das Vergnügen kennt, weiß: Danach fühlt man sich nicht wie neugeboren, sondern eher wie ein schlecht geöltes Scharnier, das bei jeder Bewegung verdächtig knirscht. Jede Bewegung zwickt, der Rücken jammert, und mein einziger Plan war: „Heute einfach mal nur eine kurze Runde und dann ab aufs Sofa.“ Aber da hatte ich die Rechnung ohne den „Präzisions-Uhrwerker“ mit Fell gemacht.
Dank der läufigen Nachbarshündin Lucy ist Gubacca aktuell nämlich im Vollbesitz seiner… nun ja, Hormone. Da wird der „Herr“ zum Uhrwerk mit Fell. Es reicht, dass ich nur in die Richtung meiner Schuhe schaue oder den Blick einmal zu lange auf der Leine liegen lasse und zack: Heulkonzert. Dazu dieser wuschige Gang, dieses wackelnde Hinterteil (bei ihm, wohlgemerkt!), als würde er mir sagen: „Bewegung, Frauchen. Die Mädels warten auf mich. Und deinen Rücken kannst du später kurieren.“
Nase läuft, Gülle dampft
Kaum waren wir unterwegs, fing meine Nase an zu laufen... Nicht dieses zaghafte Tröpfeln, das man noch diskret wegschnüffeln könnte. Nein, ein Wasserfall. Und wer mich kennt, weiß: Ich habe in jeder Tasche garantiert Pansen-Leckerlis und Krümel, aber natürlich kein einziges Taschentuch. Innerlich tauschte ich den auf mich wartenden Kakao bereits gegen Erkältungstee aus. Leider beeinträchtigte meine triefende Nase mein Riechvermögen nicht im Geringsten. Denn da kam er: Der Jauche-Bomber.
Ein Traktor mit einem riesigen Gülleanhänger schien eine persönliche Fehde mit uns zu haben. Egal, in welchen Feldweg ich abbog – der Bomber bog mit uns ab. Das metallische Scheppern, das Dröhnen des Motors und dieser beißende, schwere Gestank, der noch Stunden später an einem klebt, nervten mich zunehmend. Aber es war nicht nur der Duft, der meine Glocke zum Schwingen brachte. Es war die Tatsache, dass wir – egal welchen Weg ich einschlug – im Jauche-Schlamm versanken.
Das unvermeidliche Ende der Gülle-Tour: Ein Moor-Monster in der rückenfeindlichen Badewannen-Zone.
Während ich knöcheltief in der Gülle stand, lief in meinem Kopf bereits der Film für den restlichen Nachmittag: Ich, in einer absolut rückenfeindlichen Position, wie ich versuche, einen schlammkrustigen Gos d’Atura in der Badewanne wieder in einen Hund zu verwandeln. Meine innere Glocke bimmelte nicht mehr, sie läutete Sturm.
Der Pelz-Philosoph auf der Yoga-Matte
Und jetzt kommt der Teil, der mich jedes Mal erstaunt. Wir reden ja ständig davon, dass sich unser Verhalten und das unserer Hunde spiegelt. Das stimmt auch insoweit, dass ich mich von Gubaccas Hektik zuverlässig infizieren lasse – ich brauche dafür keine zwei Minuten, das ist ein echtes Talent. Aber andersherum? Fehlanzeige.
Gubacca begleitete mich wie ein stoischer Pelz-Philosoph. Als hätte er eine innere Matte ausgerollt und würde gerade einen Kurs geben: „Gelassenheit für Fortgeschrittene, heute: Wie ignoriert man die Welt, während Frauchen innerlich brennt.“ Er schwankte gemütlich zwischen zwei Zuständen: „Ich klebe an diesem Grashalm fest, als hinge das Schicksal der Welt davon ab“ und „Tschüss, ich bin dann mal weg“ – wobei seine Definition von „bei Frauchen bleiben“ momentan irgendwo bei gefühlten 500 Metern liegt.
Während ich innerlich auf Hochtouren lief, genoss er die Welt. Reize? Stinkefinger. Schlamm? Egal. Dröhnen? Ach, hübsch. Und ich stand daneben und dachte: Aha. Also so fühlt sich das an, wenn einer in sich ruht. Und wenn der andere… eben nicht.
Das Finale: Schlüssel-Erlebnis
Völlig genervt und optisch kaum noch von einem Moor-Monster zu unterscheiden, erreichten wir die Haustür. Und da stand er: Mein Göttergatte. In sauberer Kleidung, den Autoschlüssel in der Hand, bereit für die Welt. Sein Blick fiel auf mich, dann auf die Uhr, und dann kam der Satz: „Hast du schon wieder keinen Schlüssel dabei? Ich muss jetzt wirklich los!“
Das war der Moment. Das letzte Löffelchen im Besteckkasten löste sich in Luft auf. Meine Glocke zersprang nicht nur, sie explodierte. Ich habe geschimpft wie ein Rohrspatz, während der Schlamm von meinen Schuhen auf den sauberen Boden tropfte. In meinem letzten Artikel schrieb ich: „Wenn der Besteckkasten leer ist, braucht niemand mehr über Gehorsam reden.“ Heute weiß ich wieder: Das gilt auch für uns Menschen. Wir können noch so viel über Stressmanagement wissen – wenn der Jauche-Traktor kommt und der Rücken streikt, sind wir alle nur Lebewesen mit einer begrenzten Anzahl an Löffelchen.
Die wahre Kunst ist nicht, in jeder Situation die Fassung zu bewahren. Die Kunst ist, sich danach eine warme Dusche zu gönnen, den Schlamm abzuwaschen und darüber zu lachen, dass man gerade seine eigene Theorie so herrlich gegen die Wand gefahren hat. Und beim nächsten Mal nehme ich ein Taschentuch mit. Versprochen.
Damit ihr nicht die gleichen Fehler macht wie ich – hier geht es zur Theorie und weiteren ehrlichen Einblicken
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