Langholz, 6. Tag – Schublade auf, Gubacca rein

September 16, 2018

„Gefahr erkannt – Gefahr gebannt!“ Ich liebe Sprichwörter, weil sie komplexe Aussagen so wunderbar kurz auf den Punkt bringen. Leider bin ich bei der Umsetzung nicht immer genauso präzise. Gerade im Alltag mit Gubacca stelle ich immer wieder fest, wie schnell ich ihn in eine Schublade stecke. Statt eine Situation erst einmal abzuwarten, bin ich oft schon vorher sicher zu wissen, was gleich passieren wird. Und obwohl ich diese Schwäche bei mir ziemlich genau kenne, tappe ich zuverlässig wieder hinein. So auch gestern Nachmittag am Strand, als uns ein Ehepaar mit einem schwarzen Mischling entgegenkam. Für mich war nach wenigen Sekunden klar: Rüde. Und meine passende Gubacca-Schublade stand schon offen.
Reisetagebuch Langholz · September 2018

„Gefahr erkannt – Gefahr gebannt!“ Ich liebe Sprichwörter, weil sie komplexe Aussagen so wunderbar kurz und knapp auf den Punkt bringen. Leider bin ich bei der Umsetzung nicht immer genauso präzise. Ich erkenne meine Schwächen durchaus – und stolpere anschließend trotzdem erstaunlich zuverlässig wieder darüber.

Selbsterkenntnis · grundsätzlich vorhanden

Ich und meine Schubladen

Eine Sache, die mich bei meinen Mitmenschen manchmal stört – oder auch belustigt –, ist dieses berühmte Schubladendenken. Ich hatte einmal einen Chef, den ich wirklich sehr mochte und schätzte. Der nannte mich jahrelang „Läuferin“. Der Hintergrund war denkbar simpel: Ich hatte ihm irgendwann erzählt, dass ich für einen Halbmarathon trainierte, und da er selbst begeisterter Jogger war, hatte ich damit offenbar meinen Platz gefunden.

Egal, ob wir uns am Kopierer oder auf dem Flur begegneten, die erste Frage lautete: „Na Läuferin, was macht das Joggen?“ Grundsätzlich nett. Nur stellte er mir diese Frage auch noch, nachdem ich ihm gefühlt zehnmal erzählt hatte, dass ich längst nicht mehr lief. Für ihn war ich in der Schublade „ambitionierte Läuferin“ – und dort blieb ich. Meine Kollegin und ich machten irgendwann einen Running Gag daraus.

Gerade im Alltag mit Gubacca merke ich allerdings, dass ich selbst kein bisschen immun dagegen bin. Statt eine Situation erst einmal abzuwarten, ziehe ich gern schon vorher die passende Schublade auf und bin ziemlich sicher zu wissen, was gleich passieren wird. Und obwohl ich diese „Gefahr“ bei mir sehr genau kenne, tappe ich immer wieder hinein.

ZWISCHENSTAND · GEFAHR ERKANNT

Selbsterkenntnis: läuft. Dauerhafte Umsetzung der daraus gewonnenen Erkenntnisse: befindet sich offenbar noch in der Trainingsphase.

Gestern am Strand · Schublade bereits geöffnet

Dann kam Bobby

Gestern Nachmittag kam uns am Strand ein Ehepaar mit einem schwarzen Mischling entgegen. Gubacca lief an seiner langen Flexileine, der andere Hund war frei. Mit diesem gekonnten Blick, den vermutlich jeder Hundehalter irgendwann entwickelt, war ich nach wenigen Augenblicken überzeugt: Da kommt ein Rüde.

„Soll ich lieber anleinen?“, rief mir die Frau entgegen. Kaum hatte ich geantwortet: „Wenn es ein unkastrierter Rüde ist, JA!“, stand Bobby allerdings schon vor uns. Zu spät. Ich nahm die Flexi ab, damit die Hunde sich nicht darin verhedderten, und beobachtete, was passierte.

Ein kurzes Beschnuppern. Eine kleine Spielaufforderung von Gubacca. Bobby hatte darauf keine Lust. Also gingen wir einfach weiter.

Bobby war ein unkastrierter Rüde. Und passiert ist – nichts. Gubacca reagierte überhaupt nicht negativ auf ihn.

Wenn mich jemand fragt, ob Gubacca mit fremden Hunden klarkommt, antworte ich bisher fast automatisch: „Ja, mit allen Hündinnen – und mit kastrierten Rüden.“ Aber stimmt der zweite Teil meiner Antwort überhaupt? Kommt er tatsächlich grundsätzlich nicht mit unkastrierten Rüden klar?

Wenn ich ganz ehrlich bin: Ich weiß es eigentlich gar nicht. Ich habe es kaum ausprobiert. Einmal hat er deutlich aggressiv auf einen anderen Rüden reagiert. An der Leine reagiert er ebenfalls anders. Und überhaupt hatten auch meine früheren Rüden ihre Themen mit unkastrierten Artgenossen.

Und schon war sie fertig: Schublade auf – Gubacca rein.

Ich könnte noch einige andere Beispiele aufzählen. Viel zu schnell macht man aus einer einzelnen Situation oder einem bestimmten Verhalten ein „Das ist immer so“. Oder man vergleicht den Hund mit seinen Vorgängern. Dabei ist Gubacca eben Gubacca – und nicht Rocky, Benji, Nicki oder Chiru. Heute reagiert er vielleicht so und morgen anders.

Gefahr gebannt? Noch nicht ganz. Aber ich bemühe mich.

Morgenrunde · gewisse Dinge ändern sich dagegen nie

DEN Sonnenaufgang musste natürlich wieder jemand fotografieren

Ansonsten brauche ich vermutlich nicht mehr zu erwähnen, wann ich heute Morgen aufgestanden bin. Natürlich wieder früh genug, um diesen EINMALIGEN Sonnenaufgang nur für euch festzuhalten.

Wobei ich zugeben muss: Diesmal sah es am Meer verdächtig genauso aus wie am Freitagmorgen. Derselbe Strandkorb, ungefähr dieselbe Uhrzeit, vielleicht etwas andere Wolken. Ich könnte es allerdings nicht beschwören.

Vormittag · Regen gegen Formel 1

Zum Glück gewann am Ende die Sonne

Am Vormittag begann es dann tatsächlich noch zu regnen und wir befürchteten schon, dass daraus ein fauler Sofatag werden könnte. Detlef störte diese Aussicht deutlich weniger als mich. Er wollte ohnehin unbedingt Formel 1 sehen.

Aber ich hatte Glück: Die Sonne kam wieder und mir blieb Formel 1 erspart. Gubacca und ich liefen stattdessen zum Strand. Dort erklärte Zwerg-Riese sein selbst auferlegtes Badeverbot der vergangenen Tage endgültig für beendet und plantschte und rannte wieder ausgiebig durchs Meer.

Abends gab es nach dem spannenden Krimi im Ersten noch eine letzte Runde hinunter zum Strand. Leider haben wir gerade keinen Vollmond – den hätte ich zu gern über dem Meer fotografiert.

Und damit ist tatsächlich schon die erste Urlaubswoche vorbei.

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