Lennox ist ein echter Glücksfall für uns. Gleiches Alter, gleiches Temperament und noch ein supernettes Frauchen mit dabei. Abgesehen davon ist Lennox ja auch noch die Geheimwaffe gegen Kevin. Kevin kommt an Abenden, an denen Gubacca mit Lennox gespielt hat, immer nur auf eine kurze Stippvisite vorbei und bleibt nicht lange. Momentan haben die Toberunde mit Lennox und im Anschluss eine große Kaustange in der Box fast die gleiche abschreckende Wirkung auf Kevin wie Knoblauch bei einem Vampir.
Lennox' Frauchen Susi gehört zum Glück nicht zu diesen „ach so tollen“ Welpenbesitzern, bei denen die Hunde ab der ersten Woche „stubenrein“ waren und immer super gehorchen. Ihr kennt bestimmt auch diese Sorte Menschen – besonders häufig in Welpenkursen anzutreffen –, die natürlich aufgrund ihrer Führungsqualitäten überhaupt keine Probleme haben. „Alles supie ...“ Nein, bei uns ist nicht alles „supie“. Wir kämpfen mit zerrissenen Hosen, tollen fünf Minuten, fehlgeschlagenen Rückrufen und manchmal kleinen ignoranten Monstern. Und es tut so gut, nach einem wilden „Kevin-Abend“ von Susi zu hören, dass Lennox sich am Vormittag komplett danebenbenommen hat :-).
Seit wir Susi und Lennox kennen, gehen unsere Leckerli-Vorräte nie zu Ende – ein Aspekt, den Gubacca sehr zu schätzen weiß. Susi ist unsere „Dealerin“ für herrlich stinkende Kausachen, die sie uns immer aus dem Barf-Shop mitbringt. Ich wusste überhaupt nicht, dass es so viele unterschiedliche, schrecklich stinkende Kauartikel gibt. Vor allem, wenn man die Tüte bei 30 Grad im Auto vergisst. Der Geruch am nächsten Morgen war grauenhaft und nur eine halbstündige Fahrt bei geöffneten Fenstern und Schiebedach machte es erträglich.
Lennox wirkt auf den ersten Blick ja immer, als ob er kein „Wässerchen trüben“ könnte. Zum Glück brodelt aber auch in ihm ein kleiner Vulkan und er ist genauso wild wie Gubacca. Wobei wir jetzt immer häufiger bemerken, dass das Spielen langsam eine andere Qualität bekommt. Es ist nicht mehr ausschließlich ein Kräftemessen. Stöckchen werden sich gegenseitig abgejagt oder der andere wird zum Flitzen aufgefordert.
Wobei ihnen das Miteinanderkämpfen momentan noch am meisten Spaß bereitet. Männer bzw. kleine Rüden, sage ich nur ... Aber auch wenn es manchmal wild aussieht – das Verhältnis zwischen Lennox und Gubacca ist sehr ausgewogen. Jeder der beiden liegt mal oben oder muss den anderen durch kleine Quietschlaute stoppen.
Ja, und der Abend war dann herrlich ruhig und entspannend bei uns. Außer, dass ich noch einmal den Staubsauger „schwingen“ durfte. Ich hatte unterschätzt, wie viel Erde und Sand sich auch in einem Gos-Fell hält, wenn wild getobt wurde. Überall, wo Gubacca lag, fanden sich im Anschluss kleine Sandhügel. Aber was ist einmal saugen gegen 90 Minuten Kevin, sage ich nur?! In diesem Sinne hatten wir einen „chilligen“ Abend und eine ruhige Nacht :-).
Wildes Welpenspiel – muss wirklich jeder mal oben liegen?
Hundespiel kann erstaunlich wild aussehen. Beim gemeinsamen Raufen kommen auch Rollenwechsel und sogenanntes „Self-Handicapping“ vor: Ein Hund nimmt sich zeitweise zurück oder gerät in eine scheinbar unterlegene Position, obwohl er körperlich durchaus anders könnte.
Spannend ist allerdings, dass gutes Spiel keineswegs mathematisch gerecht verteilt sein muss. Untersuchungen sowohl bei erwachsenen Hunden als auch bei Welpen zeigen, dass Spiel deutlich asymmetrisch sein kann und trotzdem weitergeführt wird. Die einfache Regel „Solange jeder mal oben liegt, ist alles in Ordnung“ greift deshalb zu kurz.
Hunde nutzen außerdem typische Spielsignale. Dazu gehört die bekannte Vorderkörpertiefstellung, der sogenannte „Play Bow“. Untersuchungen zeigen, dass sie häufig an Übergängen im Spiel auftaucht und dabei helfen kann, die gemeinsame Spielinteraktion fortzuführen.
Heute würde ich deshalb nicht mitzählen, wer wie oft „gewinnt“. Interessanter ist das Zusammenspiel insgesamt: Verändert sich das Spiel, reagieren die Hunde aufeinander und finden beide immer wieder zurück in die gemeinsame Interaktion?
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