Reisetagebuch mit Rätsel | Tag 6 – Kleine Entdeckungen im Bergpark
Ein ruhiger Vormittag im Bergpark
Deutlich ruhiger und entspannter als unser „Dörnberg-Abenteuer“ verlief gestern unser Vormittag im Bergpark Wilhelmshöhe. Mit seinen 560 Hektar ist er der größte Bergpark Europas und zählt seit 2013 als Gesamtkunstwerk mit den historischen Wasserspielen zum UNESCO-Weltkulturerbe.
Das Schloss wurde früher von den beiden deutschen Kaisern Wilhelm I. und Wilhelm II. mit ihren Familien als Sommerresidenz genutzt. Und auch heute zieht der Bergpark an schönen Sonnentagen viele Menschen an, die mit Decken auf einer der großen Wiesen sitzen.
Gerade das macht für mich auch den besonderen Reiz von Wilhelmshöhe aus: Jeder findet dort seine Lieblingsecke und es wird dort „gelebt“. Man begegnet vielen Joggern und Walkern, die dort ihre Runde drehen, Familien machen mit ihren Kindern Picknick und auch viele Hundebesitzer sind unterwegs.
Natürlich ist Wilhelmshöhe auch ein Magnet für viele Touristen aus aller Welt und gerade am Wochenende sieht man viele unterschiedliche Nationalitäten, die alle etwas gemeinsam haben: das „gezückte“ Handy für die vielen schönen Motive, die einfach mit der Kamera festgehalten werden müssen.
Ein Blütenmeer mitten im Bergpark
Unser erstes Ziel war gestern die Rosensammlung auf der Roseninsel oberhalb des Schlossteiches „Lac“. Über 1500 Rosenstöcke verwandeln diesen Parkteil jeden Frühsommer in ein Blütenmeer.
Verpasst haben Micky und ich die „Perle von Weißenstein“, die von dem damaligen Hofgärtner Daniel August Schwarzkopf gezüchtet wurde. Sie ist die älteste deutsche Zuchtrose. Und bestimmt für meine Ur-Ur-Ur...-Oma gezüchtet. Ich erwähnte ja bereits meine Verwandtschaft zum Weißensteinflügel, oder? Zumindest habe ich mir das als Kind immer vorgestellt, wegen der Namensgleichheit mit meinen Großeltern.
Dackel Erdmann auf der Roseninsel
Auf der Roseninsel befindet sich auch das Grab vom Dackel Erdmann – dem treuen Begleiter von Kaiser Wilhelm II. Der Teckelclub Kassel hat die Patenschaft für die Grabstätte übernommen und pflegt diese.
Erdmann war einer der Dackel Kaiser Wilhelms II. und soll ihn als treuer Begleiter auch bei seinen Aufenthalten in Wilhelmshöhe begleitet haben. Im August 1901 starb Erdmann während eines solchen Sommeraufenthalts des Kaisers in Kassel.
Wilhelm II. ließ auf der Roseninsel einen schlichten schwarzen Gedenkstein mit goldener Schrift errichten. Darauf steht: „Andenken an meinen treuen Dachshund Erdmann 1890–1901 W. II.“
Ein kleines Rätsel bleibt allerdings: Ob Erdmann tatsächlich an dieser Stelle beigesetzt wurde oder ob der Stein lediglich als Gedenkstätte gedacht war, lässt sich heute nicht mehr zweifelsfrei klären.
1997 übernahm die Kasseler Gruppe des Deutschen Teckelklubs die Patenschaft. Der Stein wurde aufgearbeitet und die Inschrift wieder vergoldet. Gemeinsam mit den Rosenfreunden wird das kleine Denkmal bis heute gepflegt.
Seit der Bergpark 2013 in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen wurde, gehört auch Erdmanns kleiner Gedenkstein zur geschützten historischen Parkanlage. Zwischen Schloss, Wasserkünsten und Rosen hat damit auch ein Dackel seinen ganz eigenen Platz in der Geschichte von Wilhelmshöhe.
Leider haben auf dem Schlossteich „Lac“ die Seerosen noch nicht geblüht. Dafür haben wir aber diese kleine Entenfamilie entdeckt. Ich musste echt schmunzeln: Geballtes Weltkulturerbe verliert gegen Entenfamilie als Lieblingsfotomotiv. Die Kleinen waren aber auch einfach zu niedlich.
Das 999. Foto vom Apollotempel
Mein Lieblingsort im Park ist der Apollotempel, der auch nach seinem Erbauer Jussowtempel genannt wird. Irgendwie schaffe ich es nie, daran vorbeizugehen, ohne das 999. Foto gemacht zu haben.
Der Rundtempel wurde 1817/18 nach Plänen von Heinrich Christoph Jussow gebaut und heißt eigentlich Jussow-Tempel. „Apollotempel“ ist ein Name, der sich später eingebürgert hat. Der ursprüngliche Apollotempel war nämlich ein anderer, hölzerner Bau in der Nähe, der später abgerissen wurde.
Es sind die vielen Kleinigkeiten, die einen Spaziergang durch den Park zu etwas Besonderem machen. Eine schöne Idee ist zum Beispiel, dass viele der Bänke ein kleines goldenes Schildchen mit einem Zitat haben.
Auf dem Rückweg haben wir diese Bankinschrift mit Zusatz entdeckt – passt:
So, das war der noch fehlende Teil von gestern und zum Schluss gibt es noch die 6. Frage für das Lösungswort:
Wie heißt der Schlossteich, an dem sich oberhalb die Roseninsel befindet?
Sämtliche Zecken Deutschlands machen offenbar Urlaub in Kassel
So langsam habe ich das Gefühl, sämtliche Zecken Deutschlands machen ebenfalls in Kassel Urlaub. Es vergeht kein Spaziergang, bei dem Gubacca nicht wie ein Magnet die Zecken anzieht. Ich werde noch wahnsinnig!
Bisher kamen wir in diesem Jahr ohne die chemischen Keulen aus, aber nach der gefühlten 99. Zecke griff ich Mittwochmorgen zum Telefon und bestellte in der Dorfapotheke ein Zeckenhalsband. Das weiße Band kam mittags und ich atmete auf: Jetzt wird es bestimmt ab morgen besser, dachte ich noch.
Hätte ich mal VORHER den Beipackzettel gelesen, denn darin steht: Die Wirkung tritt nach ca. 1 Woche ein. Na super, das war ja dann eine hilfreiche Idee von mir gewesen.
Von daher hilft jetzt nur, die Stellen zu vermeiden, die sich als besonders „zeckenreich“ erwiesen haben ... Also 90 % unserer Lieblingsrunden?! Wir haben uns heute Morgen dann mal für den Fernmeldeturm auf dem Essigberg entschieden. Zwar auch Wald – aber breite Wege und Gubacca wurde von mir dazu verdonnert, in der Mitte von uns zu laufen. Ein entspannter Spaziergang sah dann aber doch anders aus und das Ganze erwies sich nicht gerade als geeignete Maßnahme.
Der weithin sichtbare Fernmeldeturm ist 186 Meter hoch und wurde Mitte der 1970er-Jahre errichtet. Der Turm selbst ist nicht öffentlich zugänglich – er dient unter anderem dem Rundfunk und Richtfunk.
So langsam steigen auch in Kassel die Temperaturen und wir machten erst wieder am frühen Abend eine große Runde durch den Schlosspark Wilhelmstal mit ihm.
Und schwupps – schon wieder war ein Urlaubstag vorbei – leider!
Da das Lösungswort länger ist als unser Urlaub, gibt es noch die 7. Frage für das Lösungswort:
Wie heißt der Berg, auf dem der Fernsehturm steht?
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