Zugegeben, Sonnenaufgänge über dem Meer gibt es hier nicht, aber trotzdem war unsere Morgenrunde durch die Wiesen und Felder einfach herrlich. Pünktlich um 7 Uhr hüpfte ich wieder wie gewohnt aus den Federn und machte mich mit Gubacca auf den Weg zu den Obstwiesen.
Die Lage unseres Wohngebietes ist toll. Wir müssen nur eine Straße und die Bahnlinie überqueren und dann kann Gubacca die Runde ohne Leine weiterlaufen. Das ist für mich purer Luxus und ich genieße es sehr.
Die Bine hat Geburtstag
„Zuhause“ wartete dann nicht nur ein lecker gedeckter Frühstückstisch, sondern der Wohnzimmertisch brach schon fast unter der Menge der vielen Geburtstagsgeschenke für mich zusammen. „Oh happy day – die Bine hat Geburtstag“. Micky, meine Schwester, hat immer wieder ein Händchen, mich mit schönen Ideen und Dingen zu überraschen und ich war total gerührt über die vielen liebevoll ausgesuchten Geschenke.
Also lieber direkt in die Wanderschuhe
Eigentlich hätte ich ja als Geburtstagskind den ganzen Tag herrlichen Sonnenschein verdient. Die Wetter-App kündigte jedoch für den frühen Nachmittag Regen an und wir machten uns daher lieber direkt nach dem Frühstück auf den Weg nach Zierenberg-Laar.
Die Umgebung hier ist zwar keine typische Touristenregion, aber bei Wanderfreunden sehr beliebt. Daher gibt es auch an zahlreichen Stellen kleine Wanderparkplätze. Es gibt so viele schöne Routen, dass man oft stundenlang laufen kann und nur wenigen Spaziergängern begegnet. Einfach herrlich!
Von unserem Parkplatz aus waren es drei Kilometer bis zu unserem Ziel, der alten Mühle Laar, und Gubacca konnte wieder herrlich ohne Leine laufen. Die hohen Berghänge erinnerten uns schon fast an die Weinberge an der Mosel und wir waren froh, dass unser Weg schön flach blieb.
Wobei Micky mich, glaube ich, trotzdem das ein oder andere Mal heimlich verflucht hat, weil ich ständig im „Stechschritt“ unterwegs bin. Wahrscheinlich ist das auch der Grund, warum Gubacca zu Hause mittlerweile überwiegend an der lockeren Leine läuft und nicht mehr zieht: Ich habe mich einfach automatisch seinem flotten Tempo angepasst. Kaum blieb Micky einen Augenblick stehen, um die schöne Landschaft zu genießen, war die Bine schon in der Ferne verschwunden ...
Vierhundert Jahre Geschichte am Mühlgraben
Wir sind dann aber doch alle drei gleichzeitig an der alten Wassermühle angekommen. Die Mühle gehört zu dem angrenzenden Gut und wurde 1599 an dem langen Mühlgraben der Warme erbaut. Nach einer umfangreichen Renovierung dient sie heute der Stromerzeugung. Zum Glück ist der alte Charme des Gebäudes erhalten geblieben und Model Gubacca ließ sich nicht lange bitten, vor der Kamera zu posieren.
Die Mühle wurde 1599 von Hermann von der Malsburg und seiner Frau Anna von Kanstein als Getreide- und Ölmühle errichtet. Ab 1844 wurde hier nicht mehr gemahlen. 1903 begann ein zweites Leben: Die Wasserkraft lieferte nun Strom für das Gut Laar – bis 1959.
Nach jahrzehntelangem Leerstand wurde die Mühle ab 1992 aufwendig gerettet. Seit 1994 dreht sich ein rekonstruiertes Wasserrad mit 3,05 Metern Durchmesser wieder und treibt einen Generator mit maximal 11 kW Leistung an. Im historischen Gebäude befindet sich außerdem ein kleines Mühlenmuseum.
Die Restaurierung wurde 1994 mit dem Hessischen Denkmalschutzpreis ausgezeichnet.
Die Alte Mühle, das angrenzende leicht verfallene Schloss und die umliegenden Ruinen kleinerer Häuser geben dem Ort einen ganz besonderen Reiz, ohne trostlos zu erscheinen. Sie wirkten auf uns wie schöne Erinnerungen an vergangene Zeiten und hatten schon fast etwas Märchenhaftes.
Laar besteht im Wesentlichen aus Gutshof, Schloss, Mühle und nur wenigen Wohnhäusern. Das Gut ist bereits seit dem Mittelalter belegt. Das heutige frühklassizistische Herrenhaus entstand um 1790; einige Wirtschaftsgebäude stammen sogar aus den Jahren 1565 und 1599.
Gerade die Geschlossenheit dieser alten Gesamtanlage gilt als kulturhistorisch bedeutsam – wahrscheinlich ein Grund dafür, warum der Ort auf uns wirkte, als wäre hier ein kleines Stück Vergangenheit einfach stehen geblieben.
Auf dem Rückweg machten wir noch einen kurzen Abstecher zu dem kleinen Friedhof vom Gut Laar, der die Gräber der Gutsangehörigen und Angestellten beherbergt.
Rund 300 Menschen sollen hier ihre letzte Ruhestätte gefunden haben – darunter frühere Gutsbesitzer, Pächter und Arbeiter. Noch tiefer reicht die Geschichte in den umliegenden Wald: Oberhalb von Laar sind bis heute Wallreste einer frühmittelalterlichen Anlage erkennbar.
Am Ende unseres Spaziergangs waren wir dann doch erstaunt, dass die Runde sechs Kilometer lang war. Aber wir hatten ja auch keine Berge zu bewältigen wie gestern auf dem Spaziergang ;-). Trotzdem schmeckte das Stück Geburtstagstorte nach so viel frischer Luft doppelt so gut und Gubacca verschlief den Rest des Nachmittags.
Für Gubacca ist das genau die richtige Art von Urlaub: viel Natur, Wiesen und Wälder, wo er einfach ohne Leine laufen und die Umgebung erkunden kann. Und so ging ein schöner Geburtstag zu Ende. Mit Mini-Rütter und meinen Eltern feiere ich dann später nach – sie haben mich bestimmt heute sehr vermisst. Aber so eine Schwestern-Woche ist auch einmal etwas ganz Besonderes und Schönes.
Jetzt lassen wir den Abend bei einem Glas Sekt ausklingen. Gubacca liegt schon in seiner Schlafbox und träumt wahrscheinlich von neuen Abenteuern, die wir morgen erleben werden. Für mich war es auf jeden Fall ein sehr, sehr schöner Geburtstag!
Welche rote Frucht versüßte unser Sahnetörtchen? Notiere dir den ersten Buchstaben.
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