Mehr durch Zufall war ich heute auf der Facebook-Seite vom M* Tierheim und blieb dort „hängen“, weil die zu vermittelnden Hunde dort mit sehr gut gemachten Fotos vorgestellt wurden. Aber nicht nur von den Bildern war ich begeistert, auch die ehrlichen und ausführlichen Beschreibungen zu jedem einzelnen Hund fand ich toll. Mit Tierheim-Hunden assoziiere ich automatisch ältere oder Listenhunde. Umso erstaunter war ich, dass von den elf vorgestellten „Bewohnern“ gleich fünf Jungspunde im Alter zwischen zwei und drei Jahren dabei waren. Fast alles Rüden, die ihren Besitzern über den Kopf gewachsen waren. Zu wild, zu dominant, zwei der Rüden sollen geschnappt haben ... Eine Problematik, mit der das Tierheim laut seinem Beitrag schon seit geraumer Zeit konfrontiert war.
Aber ab wann ist ein Hund erwachsen? Wann hat man es geschafft und aus dem wilden Rabauken ist ein souveräner Rüde geworden? Ich muss ja zugeben, bei Gubacca hatte ich immer gedacht, dass ich es bis zum zweiten Lebensjahr schaffen würde, meinen besterzogenen Gos ever, ever, ever zu haben. Langsam wird die Luft eng oder besser gesagt: Es ist auch noch verdammt viel Luft nach oben. Meine erste Maßnahme vor Weihnachten sah dann so aus, dass ich fast das gesamte Regal an Erziehungsbüchern aus der Stadtbibliothek nach Hause geschleppt habe, aber das ist ein anderes Thema. Beim Lesen der Tierheimseite beschäftigte mich die Frage sehr, warum gerade so viele Hunde im Alter zwischen zwei und drei Jahren wieder abgegeben werden und nicht früher. Die wilde Pubertät ist ja eigentlich schon lange überstanden, oder?!
Der Haken war schon gesetzt
Sucht man im Internet nach den verschiedenen Entwicklungsphasen eines Hundes, kommt man an der Pubertät und ihren Auswirkungen nicht vorbei. Auch bei uns war „Kevin“ ja ein häufiger Gast und er zieht sich wie ein roter Faden durch den gesamten Blog. Wobei das jetzt nicht unbedingt typisch Gos ist, es gibt auch Rüden dieser Rasse, die vollkommen unproblematisch und „easy going“ sind. Liebe Grüße an dieser Stelle an Willi-Wolf – ich war da doch ein bisschen neidisch. Aber es gibt auch die Gubacca-Variante, die mit Beginn der Pubertät mehr oder weniger hartnäckig auch mal gerne austestet, was geht oder nicht.
Nach unseren Kevin-Phasen entwickelte sich Gubacca dann aber sehr schnell zum „Sternchensammler“ – ein euphorischer Blogartikel reihte sich an den nächsten und die „liebe“ Bine atmete auf: Geschafft! Der Weg ist frei zum besterzogenen Gos ever, ever, ever – wir hatten kaum noch Baustellen. Bine auf Wolke sieben – das hätte ewig so weitergehen können. Die Zügel wurden gelockert ... Gubacca durfte auf dem Bett schlafen und genoss auch sonst so einige angenehme Privilegien.
Plötzlich und unerwartet für mich änderte sich Gubaccas Verhalten dann aber schlagartig. Ihr konntet es im Blogartikel „Hunde an die Macht“ mitverfolgen. Plötzlich türmten sich in unserem gemeinsamen Alltag die Baustellenschilder und Problemfelder tauchten auf, die wir noch nie mit Zwerg-Riese hatten. So war plötzlich das Alleinbleiben ein großes Problem und Gubacca wollte überall dabei sein und jeden Schritt von mir verfolgen. Vor jedem Spaziergang drehte er schon im Flur voll auf und er mutierte zum Dauerkläffer im Haus. Normalerweise reihten sich unsere Problemfelder immer schön in Reih und Glied hintereinander auf – mit so einer geballten Ladung hatte ich es noch nie zu tun.
Dennis steht vor der Tür!
Was war passiert? Gar nichts – Dennis steht vor der Tür! Dennis ist die ältere Variante von Kevin. Lümmelte Kevin sich gerne mit den Schuhen auf dem Sofa und gab Widerworte, lässt Dennis Taten folgen. Dennis testet seinen Stand in der Familie gerne aus und neigt mit seiner großen Klappe schnell zum Größenwahnsinn. Er ist deutlich schwerer zu beeindrucken als Kevin, da er auch selbstständiger geworden ist.
Simone, die ihr aus dem Blogartikel „Einmal Gos, immer Gos?!“ kennt, hatte mir hierzu einen interessanten Buchbericht geschickt. Der Buchautor beschrieb den jungen Hund im Alter von 18 bis 28 Monaten als „Provokateur“ und einiges erinnerte mich an Gubacca. Der Provokateur war in dem Buch ein nervtötender Zweijähriger, der sich so richtig danebenbenimmt, viele Dummheiten anstellt und sich auch provozierende Angewohnheiten zulegt ... Willkommen bei dem, was damals in vielen Texten als „2. Pubertätsphase“ bezeichnet wurde!
Gab man als Suchbegriff „2. Pubertät beim Hund“ im Internet ein, fand man einige Seiten, die diese Phase beschrieben. Hatte man es bei Kevin in meiner damaligen Vorstellung mehr mit dem Hormon-Karussell zu tun, beschrieben die Beiträge zu diesem Thema eher einen seelischen Reifeprozess. Vielleicht machen sich auch deshalb Erziehungsfehler aus der ersten Phase hier besonders deutlich bemerkbar?! Bei Gubacca hatte ich zum Glück nicht diesen Eindruck, trotzdem bemerkte ich schon einen deutlichen Unterschied zu den Kevin-Phasen. Wie oben beschrieben, hatte ich es nicht wie gewohnt mit einer Baustelle zu tun, sondern sie häuften sich. Der Begriff „Provokateur“ traf ziemlich genau, wie ich Zwerg-Riese damals empfand.
Auf dem Hundeblog „The Pell-Mell-Pack“ von Stephanie hatte ich ebenfalls einen witzig geschriebenen Beitrag zum Thema „2. Pubertät“ entdeckt, der mich sehr stark an Gubacca erinnerte. Die Phase draußen „Freiheit – ich komme draußen ohne dich klar“ hatten wir ja auch schon hinter uns. Auch der plötzliche Umschwung ihres Enki, mehr im Haus zu bellen und draußen schneller gestresst zu sein, traf auf Zwerg-Riese zu und ich konnte viele Parallelen zu uns entdecken.
Besonders gut hatte mir Stephanies Abschluss „Lach doch mal“ gefallen:
Nicht mehr oder nicht weniger ist „Dennis“ und auch bei Gubacca zeigt sich immer öfter der souveräne Spanier, der in ihm steckt. Mit viel Humor und Geduld meisterten wir auch diese Phase und ich merkte bei uns: Der Besuch von „Dennis“ war deutlich kürzer als der von Kevin jeweils gewesen war.
Trotzdem wollte ich diese Zeit auch als Chance sehen, Fehler der Vergangenheit zu erkennen. Gubacca hatte sich mit klareren Regeln sehr schnell wieder eingeordnet – wäre das nicht der Fall gewesen, hätte ich mich auch nicht davor gescheut, mir Hilfe zu suchen.
Und hier beginnt vielleicht ein Teil der Problematik, die mich beim Lesen der Tierheimseite so beschäftigt hatte. Grenzen setzen, Hilfe suchen und sich selbst reflektieren ist nicht immer leicht. Abgesehen davon ist Kevin in der Regel noch klein und entspricht eher dem „Kindchen-Schema“. Steht dagegen ein ausgewachsener junger Rüde vor einem und beginnt, seine eigenen Vorstellungen sehr deutlich zu vertreten, kann sich dieselbe Situation schon ganz anders anfühlen.
Welche Geschichten tatsächlich hinter den fünf jungen Hunden aus dem M* Tierheim standen, konnte ich natürlich nicht wissen. Ich drückte ihnen auf jeden Fall ganz fest die Daumen, dass sie die richtigen Menschen finden und die Chance bekommen, sich weiterzuentwickeln.
PS: Warum „Dennis“? Auf den Namen kam ich durch eine Radiosendung auf 1LIVE: „Dennis ruft an“ ... automatisch hatte ich mir so den Provokateur vorgestellt – warum auch immer. Wenn also demnächst von Dennis bei uns hier die Rede ist, befindet sich Gubacca in einer schwierigen Phase.
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