Kann mal jemand die Zeit anhalten? – Gubacca sammelt Sternchen

Januar 11, 2019
Manchmal wünsche ich mir einen Schalter, mit dem man einfach die Zeit anhalten kann. Im März wird Gubacca zwei Jahre alt und gerade hat er dieses herrliche Alter zwischen jugendlichem Übermut und erwachsenem Rüden. Er liebt es zu rennen, über Bachläufe zu springen und einfach Gas zu geben – und gleichzeitig ist er dabei wunderbar abrufbar. Auch zwischen uns hat sich etwas verändert: Ich vertraue ihm mehr, er orientiert sich stärker an mir und für den Rückruf hagelt es wieder Sternchen. Eigentlich dürfte dieser Zustand ruhig noch eine Weile bleiben.
22 Monate · irgendwo zwischen Junghund und erwachsen

„Manchmal wünsche ich mir einen Schalter, mit dem man einfach die Zeit anhalten kann“, habe ich in der letzten Zeit oft gedacht. Im März wird Zwerg-Riese zwei Jahre alt und er hat jetzt so ein herrliches Alter zwischen jugendlichem Übermut und erwachsenem Rüden.

Jugendlicher Übermut · fast erwachsener Rüde

Höher, schneller, weiter ...

Rennen · Springen · Gas geben

Seine überschäumende Lebensfreude ist immer so schön mitzuerleben. Zwerg-Riese liebt es einfach, Gas zu geben und zu rennen. Ganz nach dem Motto: Höher, schneller, weiter ... staune ich immer wieder, wie elegant er über die Bachläufe springt und im Sturzflug noch jede Kurve mitbekommt. Energie pur – aber das Tolle – und jetzt kommt das fast Erwachsensein ins Spiel – dabei wunderbar abrufbar.

Er ist ein Hund, der so wenige Ansprüche stellt, um glücklich zu sein. Klar freut er sich auch, wenn wir unterwegs andere Hunde zum Spielen treffen ... Logisch, er mag es auch, wenn ich mich mit ihm beschäftige ... ABER er kann auch toll gegen sich selber um die Wette rennen und ist einfach mit sich und der Welt in diesem Moment rundum zufrieden. Man liest und hört ja immer den Satz „Hunde leben einfach nur in der Gegenwart“ und diese wunderbare Sorglosigkeit trifft auf Gubacca perfekt zu. Aber ich genieße es auch, dass er ein Stück erwachsener geworden ist.

Fast erwachsen · und ziemlich kooperativ

Will to please

Achtung, ich werde jetzt mal wieder ein bisschen hochtrabend in der Formulierung: Sein „will to please“ wird immer ausgeprägter. „Will to please“ hört man gerade bei Hütehunden sehr oft – was ist damit gemeint? Einfach übersetzt bedeutet das den Wunsch oder Willen zu gefallen.

Chiru, mein voriger Tibet Terrier, brachte davon jedoch sehr wenig mit. Er hatte grundsätzlich alles erst einmal für sich infrage gestellt. Er überlegte erst, ob er es sinnvoll findet und ob er es machen möchte. Mit Gubacca ist das auf jeden Fall deutlich einfacher, weil er viel Kooperationsbereitschaft hat. Bei ihm merke ich immer ausgeprägter, dass er es mir gerne recht machen möchte und sehr gerne lernt.

Für den „Rückruf“ hagelt es ja wieder Sternchen und ich freue mich riesig darüber, dass das so toll klappt. Mittlerweile kann Gubacca wieder sehr viel frei laufen und das macht auch unser Leinentraining deutlich einfacher. In dem Zusammenhang musste ich aber auch an mir ein bisschen arbeiten und lernen, ihm mehr Vertrauen entgegenzubringen. Früher bin ich innerlich schnell hektisch geworden, wenn er quer über den Acker flitzte und einen Vogel jagte. Heute weiß ich, dass er auch umdreht, wenn ich pfeife, und gönne ihm den Spaß.

Sternchenstand: verdächtig gut.

Aber das alles sind Dinge, die bringt jetzt einfach auch das Alter mit sich. Wir beide haben gegenseitig viel Vertrauen zueinander aufgebaut und wissen, was wir aneinander haben. Gestern auf unserer Mittagsrunde war wieder so ein schöner Augenblick. Gubacca flitzte auf dem Feld mit sich um die Wette, als es in der Ferne knallte. Blitzschnell drehte er um und kam zu mir gelaufen. Ein tolles Gefühl und ich habe mich riesig darüber gefreut!

Ja, und so wie auf dem Foto unten sieht dann ein glücklicher Hund – wieder einmal pitschnass und dreckig – und ein glückliches Frauchen aus!

Gubacca und Bine nach einem nassen Spaziergang
Glücklicher Hund, glückliches Frauchen – pitschnass und dreckig inklusive.
Warum eigentlich?
Will to please – wollen Hütehunde wirklich gefallen?

„Will to please“ klingt schön einfach: Der Hund möchte seinem Menschen gefallen. Ganz so einfach ist es allerdings nicht. In der Verhaltensforschung wird der Begriff nicht einheitlich verwendet. Treffender sind Begriffe wie Kooperationsbereitschaft, Trainierbarkeit oder Biddability – also die Bereitschaft eines Hundes, auf seinen Menschen zu achten und dessen Signale in sein eigenes Handeln einzubeziehen.

Und selbst unter Hütehunden gibt es große Unterschiede. Der Border Collie wurde für eine Arbeitsweise selektiert, bei der eine sehr feine Abstimmung mit dem Schäfer wichtig ist. Beim Gos d’Atura beschreibt schon der Rassestandard eine etwas andere Mischung: Er soll mit dem Schäfer zusammenarbeiten, aber auch selbst Initiative zeigen und eigene Entscheidungen treffen.

Ein Gos, der nicht jeden Vorschlag seines Menschen sofort großartig findet, hat deshalb nicht automatisch zu wenig „will to please“. Seine Kooperation kann anders aussehen: Ich höre, was du sagst. Ich denke kurz darüber nach. Und dann sehen wir weiter. ;-)

Vielleicht meinte ich 2019 mit Gubaccas „will to please“ deshalb etwas viel Konkreteres: Er arbeitete immer lieber mit mir zusammen. Und das trifft es eigentlich bis heute besser.

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ZITAT DES MONATS

Souverän ist nicht, wer immer alles im Griff hat.Sondern wer auch dann weitergeht, wenn es gerade nicht danach aussieht.
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