Ich musste doch ein wenig schmunzeln, dass so viele von euch den Vorschlag aus meiner letzten Buchbesprechung sofort umgesetzt haben: „Erzähle deinem Hund doch einmal einen Witz.“ Der Erfolg war offenbar sehr unterschiedlich. Und auch ich muss inzwischen feststellen: Ich versaue einfach jede Pointe. Gubacca schaut mich danach meistens nur leicht irritiert an und versucht zu ergründen: Was will Bine eigentlich von mir?!
Eigentlich muss gar nicht Gubacca lachen
Denn was will die Bine damit überhaupt bezwecken? Eigentlich geht es gar nicht nur darum, Gubacca zum Lachen zu bringen. Viel wichtiger ist, dass ich selbst aus meiner angespannten Stimmung herauskomme.
Da aber noch nicht einmal ich über meine eigenen Witze lachen kann, habe ich den Tipp inzwischen ein wenig abgewandelt. Sobald ich merke, dass ich beim Spaziergang angespannt werde, versuche ich an eine Situation zu denken, bei der ich automatisch grinsen muss.
Mein persönlicher Bestseller ist da allerdings etwas pikanter Natur.
Ich werde nämlich nie vergessen, wie Gubacca als Welpe beim Häufchenmachen plötzlich umkippte. Warum auch immer. Ich habe bis heute keine Ahnung, wie er das geschafft hat. Aber sein Gesicht dabei war so dämlich, dass ich damals Tränen gelacht habe.
Und diese Erinnerung funktioniert bis heute bombensicher. Ich sehe den kleinen Gubacca vor mir – und habe sofort ein breites Grinsen im Gesicht.
Das wiederum bleibt bei Zwerg-Riese nicht unbemerkt. Plötzlich läuft er mit begeistert wedelnder Rute neben mir her und versucht herauszufinden, was denn jetzt auf einmal so Tolles passiert.
Dass Hunde unsere Gesichtsausdrücke wahrnehmen, ist übrigens nicht nur Wunschdenken. Bei Untersuchungen konnten Hunde zum Beispiel zwischen freundlichen und ärgerlichen menschlichen Gesichtern unterscheiden. Aber ehrlich gesagt ist mir die wissenschaftliche Erklärung beim Spaziergang gar nicht so wichtig.
Denn der größere Effekt passiert sowieso erst einmal bei mir.
Eine Minute Grinseaffe
Habt ihr schon einmal versucht, mit einem breiten Grinsen im Gesicht ernsthaft über jemanden zu schimpfen? Oder euch so richtig schön in etwas hineinzusteigern? Irgendwie wird es zumindest schwieriger.
Vor einiger Zeit habe ich auf Facebook ein Video von Vera Birkenbihl gesehen, in dem sie einen ziemlich einfachen Trick gegen schlechte Stimmung zeigte. Allerdings sollte man ihn vielleicht besser ohne Zuschauer ausprobieren, denn man sieht dabei wirklich ausgesprochen dämlich aus.
Ich schreibe hier aus eigener Erfahrung.
Also ab ins stille Kämmerlein. Ein Spiegel macht die Sache noch wirkungsvoller, weil allein der eigene Anblick schon einiges dazu beiträgt. Dann heißt es: Mundwinkel hoch und mindestens eine Minute lang den Grinseaffen machen. Ein möglichst breites Grinsen und diese Gesichtsmimik einfach halten.
Ich habe es ausprobiert – und bei mir funktioniert es tatsächlich. Ob das nun daran liegt, dass mein Gesicht meinem Gehirn einen kleinen Schubs gibt oder daran, dass ich spätestens beim Blick in den Spiegel über mich selbst lachen muss, ist mir dabei eigentlich ziemlich egal.
Ihr merkt schon: Ich bin bei solchen Dingen ausgesprochen experimentierfreudig. Aber wenn Hundeerziehung ausnahmsweise einmal so einfach sein kann, setze ich mich notfalls auch mit einem völlig bekloppten Gesichtsausdruck ins stille Kämmerlein.
Mittlerweile gelingt es mir jedenfalls immer besser, auch in Situationen, in denen ich innerlich angespannt bin, erst einmal freundlich und locker neben Gubacca weiterzulaufen. Und allein dadurch verändert sich schon mein Auftreten: meine Stimme, meine Körperhaltung und wahrscheinlich auch die Art, wie ich auf Zwerg-Riese reagiere.
Offenbar ziemlich gut. Hunde achten nicht nur darauf, was wir sagen. Sie können auch unterschiedliche menschliche Gesichtsausdrücke voneinander unterscheiden und reagieren auf emotionale Signale aus Gesicht und Stimme.
Und das Grinsen verändert nicht nur das Bild, das Gubacca von mir sieht. Es verändert gleichzeitig mich selbst ein bisschen: Wer bewusst lächelt, kann damit die eigene Stimmung tatsächlich leicht in eine positivere Richtung schubsen.
Vielleicht ist deshalb gar nicht die spannende Frage, ob mein Lächeln sich direkt auf Gubacca „überträgt“. Sondern was sich bei mir verändert, sobald ich aufhöre, mit Sorgenfalte neben ihm herzulaufen.
Und momentan scheint diese Mischung aus Gubacca beobachten und Bine nicht ganz so wichtig nehmen erstaunlich gut zu funktionieren. Zwerg-Riese mutiert nach wie vor zum Musterschüler.
Beängstigend …
Aber tut soooo gut.
Der Moment, für den es Wurst regnete
Mein absolutes Highlight hatte ich gestern. Auf einem schmalen Weg wurden wir von einem kleinen Rüden lautstark angepöbelt. Gubacca stutzte, ging zwei Schritte nach vorne – und kam dann von sich aus auf meine linke Seite.
Und so marschierte Zwerg-Riese hocherhobenen Hauptes an dem kleinen Giftzwerg vorbei.
Danach gab es Party, kann ich euch sagen. Und es regnete Wurststückchen!
Bitte erinnert mich beim nächsten Kevin-Beitrag wieder daran.
In diesem Sinne: Give me a smile. Ich wünsche euch einen schönen Donnerstag!
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