Gubacca zum Lachen bringen – geht das eigentlich?

Oktober 11, 2018

Woran erkenne ich eigentlich, ob mein Hund glücklich ist? Diese Frage beschäftigt mich schon länger. Beim Lesen des Buches „Wenn Hunde lachen“ von Anne Krüger-Degener bin ich deshalb an vielen Stellen bei Gubacca hängen geblieben: Wie gut lese ich seine Körpersprache? Kommt mein Lob bei ihm wirklich so an, wie ich denke? Und wie oft bewerte ich ein Verhalten eigentlich sofort als gut, schlecht oder gegen mich gerichtet? Natürlich habe ich auch versucht, ein paar Anregungen direkt umzusetzen. Dabei stellte sich unter anderem heraus, dass Gubacca vermutlich leichter zum Lachen zu bringen ist, als Bine einen vernünftigen Witz erzählen kann.
19 Monate · irgendwo zwischen Junghund und erwachsen
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Vor einigen Jahren sagte eine Freundin im Gespräch über ihre kranke Hündin Bonnie etwas zu mir, das mir bis heute im Kopf geblieben ist: Wenn sie es jeden Tag schafft, dass Bonnie wenigstens für ein paar Minuten einfach glücklich ist, alles um sich herum vergisst oder etwas Besonderes erlebt, dann hat sie ihr persönliches Ziel erreicht.

Wenn ich meinem Hund jeden Tag wenigstens ein paar richtig glückliche Minuten schenken kann, ist schon sehr viel erreicht.

Ihre Worte haben mich damals sehr berührt und eigentlich versuche ich genau das auch bei meinen Hunden. Nur stellt sich damit gleich die nächste Frage: Woran erkenne ich überhaupt, ob mein Hund glücklich ist?

Tibet Terrier Inci mit einem fröhlichen Gesichtsausdruck
Inci hat auf ihren Fotos fast immer ein Lachen im Gesicht
Lebensfreude · bei Inci sofort sichtbar

Wenn Hunde lachen

Bei diesem Gedanken muss ich sofort an Inci denken. Inci ist Chirus Halbschwester und ein Tibet Terrier. Auf fast jedem Foto, das ich von ihr sehe, hat sie ein breites Lachen im Gesicht. Man sieht ihr einfach an, wie viel Lebensfreude in diesem Hund steckt.

Genau das wünsche ich mir auch für Gubacca. Er soll ein möglichst unbeschwertes Leben führen, gern mit mir zusammen sein, mir vertrauen – und dabei im besten Fall ziemlich häufig aussehen, als hätte er allen Grund zum Lächeln.

Hört sich eigentlich ganz einfach an.

Aber ist es das?

Inci mit fröhlichem Gesichtsausdruck
Mit Inci kann man eigentlich nur um die Wette strahlen
Gelesen · „Wenn Hunde lachen“

Ein Buch – und ziemlich viele Gedanken über Gubacca

Das Buch „Wenn Hunde lachen“ von Anne Krüger-Degener setzt genau an dieser Frage an. Im Mittelpunkt steht ihre sogenannte „HarmoniLogie“: ein Kommunikations- und Ausbildungskonzept, bei dem Beziehung, Körpersprache und ein möglichst genauer Blick auf den einzelnen Hund eine große Rolle spielen.

Die Autorin beschreibt ihr Modell anhand von vier Säulen: Ansprechbarkeit, Störbarkeit, Lobbarkeit und Abgrenzbarkeit. Im weiteren Verlauf erklärt sie, wie sie diese Bereiche aufbaut und im Training nutzt. Spannend fand ich dabei auch ihre Einblicke in die Arbeit mit Hütehunden – natürlich nicht ganz uneigennützig, schließlich lebt bei mir ebenfalls ein Vertreter dieser Abteilung.

Theorie trifft Zwerg-Riese · und Bine übt mit

Wie gut kann ich meinen eigenen Hund eigentlich lesen?

Ein Gedanke des Buches ist, den eigenen Hund und seine Körpersprache wieder bewusster wahrzunehmen. Hunde lesen unsere Körpersprache schließlich erstaunlich genau. Aber wie viel Mühe machen wir uns eigentlich in der anderen Richtung?

Ich muss zugeben: Genau an dieser Stelle wird es für mich schwierig. An Gubaccas Rutenhaltung kann ich inzwischen ziemlich gut erkennen, wie seine aktuelle Stimmung aussieht. Bei feineren Signalen wie Augen, Ohren, Tasthaaren oder sogar der Art, wie er seine Pfoten aufsetzt, habe ich allerdings noch erhebliches Verbesserungspotenzial.

Eijaei. Da muss ich wohl noch ein bisschen meinen Blick schulen.

Einfacher fand ich einige Anregungen dazu, die eigene Körpersprache bewusster einzusetzen. Wobei mein erster Versuch, Gubacca einen Witz zu erzählen, kläglich gescheitert ist. Das Buch kann schließlich nichts dafür, dass ich von jeher eine lausige Witzerzählerin bin.

PRAXISTEST · HUMOR

Hund zum Lachen bringen: grundsätzlich erstrebenswert. Gubacca einen Witz erzählen: ausbaufähig. Ursache des Problems vermutlich eher am anderen Ende der Leine.

Ihn einfach freundlich anzulächeln, gelingt mir eindeutig besser. Und irgendwie fühlt sich der Weg zum gemeinsamen Lachen dann auch gar nicht mehr so weit an.

Ein Gedanke bleibt hängen · weniger bewerten

Nicht jedes Verhalten sofort persönlich nehmen

Ein weiterer Aspekt des Buches hat mich ziemlich beschäftigt: Hunde zunächst möglichst wertfrei zu beobachten, bevor man ihr Verhalten sofort als gut, schlecht oder sogar persönlich gegen einen selbst gerichtet einordnet.

Anne Krüger-Degener beschreibt dafür in ihrem eigenen Modell verschiedene Verhaltens- beziehungsweise Lernmuster. Beim Lesen wurde mir wieder bewusst, wie schnell ich manche Reaktionen von Gubacca emotional bewerte.

Gerade sein Anspringen ist dafür ein gutes Beispiel. In meinem Kopf wird daraus schnell: „Warum macht er das jetzt schon wieder mit mir?“ Im Modell der Autorin ist es zunächst einmal ein Verhalten, das Gubacca in einer bestimmten Situation zeigt und mit dem er offenbar irgendeinen Effekt erzielt. Das allein verändert schon den Blick darauf.

Ob man jede Erklärung aus dem Buch für sich übernehmen möchte, muss vermutlich jeder selbst entscheiden. Mir gefiel vor allem der Gedanke, erst genauer hinzusehen, bevor ich aus Gubaccas Verhalten sofort eine persönliche Botschaft an Bine mache.

Nicht alles neu · manches erstaunlich vertraut

Einige Dinge machen wir längst

Natürlich erfindet die „HarmoniLogie“ das Hundetraining nicht komplett neu. Einige Gedanken kannte ich bereits aus anderen Büchern oder von Trainerinnen und Trainern.

Dazu gehört zum Beispiel ein Ampelprinzip, das ich bei Gubacca schon länger benutze. Liegt er ruhig im Garten, ist alles grün. Beginnt er zu bellen, bekommt er zunächst eine Ansage – gelb. Reagiert er darauf nicht und macht weiter, ist rot erreicht und Zwerg-Riese kommt ins Haus.

Einiges habe ich offenbar auch schon aus dem Bauch heraus ähnlich gemacht. So hat Gubacca sehr schnell gelernt, auf meiner linken oder rechten Seite zu laufen und auf Wunsch selbstständig die Seite zu wechseln.

Die Autorin beschäftigt sich in diesem Zusammenhang intensiv damit, wer durch Bewegung eigentlich wen beeinflusst. Auch darüber hatte ich mir vorher erstaunlich wenig Gedanken gemacht.

Lob · kommt es wirklich beim Hund an?

Und dann soll ich plötzlich nicht mehr „fein“ sagen

Besonders beschäftigt hat mich nach dem Lesen die dritte Säule des Buches: die „Lobbarkeit“. Kommt mein verbales Lob bei Gubacca eigentlich immer so an, wie ich denke? Wie reagiert er darauf? Und vor allem: Kann ich überhaupt richtig loben?

Ich weiß von Zwerg-Riese, dass er sehr gut auf direkte Ansprache reagiert. Beim Training mit seiner Züchterin Svea konnte ich beobachten, wie freudig seine Rute wedelte und sein ganzer Körper lockerer wurde, während sie ihm beim Fußlaufen erzählte, was für ein toller Junge er doch sei.

Seit dem Lesen des Buches achte ich deshalb bewusster darauf, ob ich bei meinem eigenen Lob eine ähnliche Reaktion sehe.

An einem Rat der Autorin scheitere ich allerdings bisher ziemlich zuverlässig: Sie empfiehlt in ihrem Trainingssystem, „fein“ nicht als Lobwort zu benutzen, weil es für sie sprachlich zu nah an ihrem Störsignal „nein“ liegt.

FÜNF TAGE SPÄTER · UMLEITUNG NOCH NICHT ERFOLGREICH

Bine möchte „fein“ nicht mehr sagen. Bine sagt weiterhin „fein … Bacca“. Soviel zum Thema Umlenkung von Verhaltensmustern. Darin ist Gubacca offenbar erfolgreicher als ich.

Hat man die Grundlagen des Systems verstanden, geht es im Buch anschließend weiter mit ganz praktischen Alltagsthemen – zum Beispiel lockerer Leine, Ruhe im Restaurant oder gemeinsamem Spiel.

Mir hat „Wenn Hunde lachen“ sehr gut gefallen. Einige Kapitel werde ich allerdings sicher noch einmal lesen müssen. Darin stecken so viele Gedanken und Anregungen, dass ich beim ersten Lesen längst nicht alles für mich herausziehen konnte.

Für mich gehört es im Moment auf jeden Fall zu meinen Lieblingsbüchern.

Und Gubacca? · aktueller Zwischenstand

LÄUFT!

Von Zwerg-Riese kann ich seit einigen Tagen tatsächlich nur sagen: LÄUFT! Gubacca mutiert gerade wieder zum Musterschüler und sammelt fleißig Sternchen fürs Liebsein.

Einfach toll. Momentan ist sein „will to please“ gefühlt die Eigenschaft, die er am deutlichsten zeigt.

Herrlich, sage ich nur.

So kann es einfach weitergehen!

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