Nähe, wenn wir nicht da sind: Warum der Geruch des Menschen Hunden Sicherheit gibt
Erinnert ihr euch an die Geschichte „Wege die bleiben“ hier auf dem Blog? Darin lässt Hannah für ihren Hund Knut einen Schal zurück, als sie ihn in einer für ihn neuen, fremden Umgebung lassen muss. Es gibt kein großes Abschiedsritual, kein Versprechen. Nur diesen Schal – ein Stück Stoff, das nach ihr riecht und für Knut ein Anker sein soll, während um ihn herum gerade alles anders ist.
In der Geschichte wird dieser Schal für Knut zu etwas Besonderem. Er liegt dort, wo Knut schläft; er wird nicht herumgeschleppt, nicht zerlegt und nicht infrage gestellt. Er ist einfach da. Still und verlässlich.
Während ich diese Zeilen schrieb, habe ich mich jedoch gefragt: Beruhigen wir Menschen uns damit eigentlich nur selbst? Ist er Gedanke vom „vertrauten Geruch“ vielleicht eher ein Trostpflaster für unser schlechtes Gewissen als eine echte Hilfe für den Hund?
Vom Thronraub und der Wärme
Kurz darauf schoss mir eine sehr alltägliche Szene mit Gubacca in den Kopf. Kaum stehe ich vom Sofa auf, ist mein Platz weg. „Weggegangen, Platz vergangen“ – Gubacca übernimmt sofort. Manchmal begleitet von einem leichten Augenrollen meinerseits, weil mir sofort diese veralteten Theorien einfallen, die irgendwo zwischen Weltherrschaftsansprüchen und Alpha-Rüden-Gehabe pendeln.
Doch ich bin mir sicher: Dabei geht es nicht um Macht. Es geht um etwas viel Banaleres wie Wärme und Bequemlichkeit – und um etwas, das wir Menschen oft übersehen, weil wir es schlicht nicht riechen können.
Unser Geruch bleibt zurück. Auf dem Sofa, auf dem Stuhl, auf dem Schal. Für uns kaum wahrnehmbar, für den Hund eine ganze Welt. Vielleicht ist dieser Platz dann einfach ein Ort, der sich für ihn „richtig“ anfühlt. Nicht besetzt, sondern vertraut.
Was das Gehirn dazu sagt
Dass das kein rein romantischer Gedanke von uns Hundemenschen ist, zeigt eine spannende Studie, über die ich vor kurzem gestolpert bin. Forscher untersuchten Hunde im MRT und präsentierten ihnen verschiedene Gerüche: fremde Menschen, bekannte und fremde Artgenossen sowie den Geruch eines vertrauten Menschen aus ihrem Alltag.
Das Überraschende war nicht, dass die Hunde die Gerüche unterscheiden konnten – das war vorauszusetzen. Spannend war, wo im Gehirn die Aktivität stattfand: Nicht im Bereich für das reine Riechen, sondern im Belohnungszentrum, das mit positiver Erwartung verknüpft ist. Mit einem Gefühl, das man wohl am ehesten als „Das tut gut!“ beschreiben kann.
Der Bereich reagierte besonders stark auf den Geruch des vertrauten Menschen. Die Studie beweist damit nicht, dass Hunde uns im menschlichen Sinne „lieben“ oder dass ein Schal jeden Trennungsschmerz heilt. Sie sagt auch nicht, dass wir ab sofort unsere getragene Wäsche strategisch im Haus verteilen sollten.
Ein fester Punkt in der Unsicherheit
Aber sie zeigt uns eines ganz deutlich: Ein vertrauter Geruch hat für Hunde einen echten Wert. Er hilft ihnen, eine Situation einzuordnen. Er bringt etwas Bekanntes in einen Moment, der vielleicht gerade unüberschaubar oder verunsichernd ist.
Vielleicht ist das der Grund, warum Knuts Schal in meiner Geschichte weder zum Ersatz noch zum Spielzeug wird, sondern ein fester Bezugspunkt bleibt. Und vielleicht ist es auch der Grund, warum Gubacca sich so gern auf meinen Platz legt, ohne mir damit irgendetwas „sagen“ zu wollen.
Manchmal ist Nähe eben kein großes, lautes Gefühl. Kein „Pip-pip-pip – ich hab dich lieb“. Sondern einfach ein Geruch, der bleibt, wenn man selbst gerade nicht da sein kann. Und vielleicht reicht genau das schon aus.
Wenn du noch ein bisschen weiterleisen möchtest – hier findest du weitere Gedanken aus meinem Alltag mit Gubacca:
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