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Ein Geruch, der bleibt

Januar 16, 2026


Habt ihr die Geschichte „Wege die bleiben“ hier auf dem Blog gelesen? Darin lässt Hannah für ihren Hund Knut einen Schal zurück, als sie ihn in einer für ihn neuen, fremden Umgebung zurücklassen muss. Kein Abschiedsritual, kein großes Versprechen. Nur ein Schal. Etwas, das nach ihr riecht und für Knut ein Stück Zuhause sein soll, obwohl gerade alles anders ist.

In der Geschichte wird dieser Schal für Knut etwas Besonderes. Er liegt dort, wo Knut schläft. Er wird nicht herumgeschleppt, nicht zerlegt, nicht infrage gestellt. Er ist einfach da. Still. Verlässlich. Und während ich das geschrieben habe, habe ich mich gefragt, ob wir Menschen uns da nicht manchmal ein bisschen selbst beruhigen. Ob dieser Gedanke vom vertrauten Geruch nicht mehr uns hilft als dem Hund.

Und dann kam mir eine andere Szene in den Kopf. Eine sehr alltägliche. Gubacca, der sich auf genau den Platz legt, auf dem ich eben noch gesessen habe. Kaum bin ich aufgestanden, ist der Platz weg. Weggegangen, Platz vergangen. Manchmal begleitet von einem leichten Augenrollen und ich muss sofort an die veralteten Theorien denken, die irgendwo zwischen Weltherrschaft und Alpha-Rüde pendeln.

Ich habe diese Szene schon oft beobachtet und bin mir sicher, dass es dabei nicht um Macht geht. Viel eher um etwas Banales. Um Wärme. Um Bequemlichkeit. Und vielleicht auch um etwas, das wir nicht sehen, weil wir es nicht riechen.

Unser Geruch bleibt zurück. Auf dem Sofa, auf dem Stuhl, auf dem Schal. Für uns kaum wahrnehmbar. Für den Hund sehr wohl. Und vielleicht ist dieser Platz dann einfach ein Ort, der sich richtig anfühlt. Nicht besetzt. Sondern vertraut.


Genau mit dieser Frage hat sich auch eine Studie beschäftigt, über die ich vor kurzem im Internet gestolpert bin. Hunde wurden wach im MRT untersucht und bekamen verschiedene Gerüche präsentiert: fremde Menschen, bekannte Hunde, fremde Hunde und den Geruch eines vertrauten Menschen aus ihrem Alltag.

Das Spannende war nicht, dass Hunde das unterscheiden können. Das war zu erwarten. Spannend war, wo im Gehirn etwas passierte. Nicht im Bereich fürs reine Riechen, sondern in einem Bereich, der mit positiver Erwartung zusammenhängt. Mit etwas, das man vielleicht am ehesten als „das fühlt sich gut an“ beschreiben kann.

Dieser Bereich reagierte besonders stark auf den Geruch eines vertrauten Menschen. Die Studie sagt nicht, dass Hunde ihre Menschen mehr lieben als alles andere. Sie sagt auch nicht, dass ein Schal Trennungsschmerz heilt oder dass wir ab sofort unsere Kleidung strategisch im Haus verteilen sollten. Sie sagt nichts über Liebe im menschlichen Sinn.

Sie zeigt nur, dass vertrauter Geruch für Hunde einen Wert hat. Dass er einordnet. Dass er etwas Bekanntes in eine Situation bringt, die vielleicht gerade nicht ganz überschaubar ist.

Vielleicht ist das der Grund, warum Knuts Schal in der Geschichte kein Ersatz und kein Spielzeug wird. Sondern einfach ein fester Punkt. Und vielleicht ist es auch der Grund, warum der Hund sich auf unseren Platz legt, ohne uns damit etwas sagen zu wollen.

Manchmal ist Nähe kein großes Gefühl. Kein „pip pip pip – ich hab dich lieb“. Sondern ein Geruch, der bleibt, wenn man gerade nicht da ist. Und vielleicht reicht genau das...

Wenn du noch ein bisschen weiterleisen möchtest – hier findest du weitere Gedanken aus meinem Alltag mit Gubacca:

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