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P wie Pubertät - Kapitel 1

April 27, 2025

Eigentlich sind die Texte im Gos_ABC eher kurz und knackig – ein Thema, ein paar Gedanken dazu, vielleicht ein Augenzwinkern, fertig. Aber dieses Mal funktioniert das nicht. Denn wenn es ein Thema gibt, das mich mit Gubacca wirklich an meine Grenzen gebracht hat – dann war es die Pubertät. Und zwar nicht so ein bisschen, sondern mit Karacho, Anlauf und Rückwärtssalto direkt in die Wand.

Gubacca auf der Seebrücke

Ich hatte viele schlaflose Nächte, fühlte mich oft überfordert und manchmal sogar richtig hilflos – ein Gefühl, das man als Hundehalterin, die beim fünften Hund eigentlich dachte, hundeerfahren zu sein und eine ziemlich klare Vorstellung von Erziehung hatte, gar nicht so gerne zulässt. Was bei Gubacca anders war: Er fing schon sehr früh an, sein „Handwerksköfferchen“ auszupacken. Während viele andere Halter noch bis zum siebten oder achten Monat in seliger „Mein Hund ist so easy“-Verzückung schwebten, stand Gubacca schon deutlich früher mit dem kleinen Meißel am Fundament. Unübersehbar. Und laut.

Pubertät ist, wenn du dich fragst, ob ihr wirklich mal beste Freunde werdet – und trotzdem jeden Tag daran arbeitest.

Kein Wunder also, dass sich das Thema Pubertät nicht nur durch unseren Alltag zog, sondern irgendwann auch den ganzen Blog durchdrang – wie ein roter Faden. Und irgendwann war er dann da: Kevin. Der Name für diesen wilden, überdrehten, impulsiven und komplett verpeilten Gos im Ausnahmezustand. Ich muss jedes Mal grinsen, wenn ich sehe, wie viele Gos-Menschen diesen Begriff sofort aufgreifen – als hätte endlich jemand das passende Etikett für das gefunden, was man da durchlebt. Heute heißt es in so vielen Gesprächen nur noch: „Na, wie läuft’s mit deinem Kevin?“ – und alle wissen sofort, was gemeint ist.

Nie war mir Jekyll & Hyde so präsent wie in dieser Zeit. Dieses ständige Hin und Her zwischen „Was für ein kluger, toller Hund!“ und „Ich schmeiß gleich alles hin!“. Zwischen Sonnenstrahlen und Gewitterwolken, die im Sekundentakt über einen hinwegfegen. Genau deshalb bekommt dieses Thema jetzt Raum. In sechs Blogbeiträgen. Nicht, weil ich alles weiß, sondern weil ich vieles erlebt habe. Ungeschönt, ehrlich und mit einer großen Portion Verständnis für alle, die mittendrin stecken.

P wie Pubertät… oder: Wenn plötzlich die Bestie in deinem Hütehund erwacht.

Manchmal braucht es nur eine Sekunde. Eben noch sitzt dein Gos seelenruhig auf einer Bank und posiert wie ein Instagram-Model vor Sonnenuntergang – im nächsten Moment hängt er dir zähnefletschend im Ärmel, als wärst du das letzte Schaf auf Erden. Willkommen in der Pubertät. Bitte anschnallen – das wird holprig.

Ich erinnere mich noch genau an den Moment im Urlaub: Ich stand mit meinem Vater und Gubacca auf einer langen Seebrücke. Holzbohlen, Touristen, salzige Meeresluft – eigentlich alles friedlich. Gubacca ganz entspannt, ließ sich fotografieren wie ein Profi. Und dann, beim Rückweg, ohne Vorwarnung: Ausraster. Gubacca springt mich an, beißt in meinen Ärmel, dreht vollkommen ab. Menschen um uns herum wichen erschrocken zurück, ich hatte Mühe, ihn zu halten – und keine Ahnung, warum. Das war einer dieser Momente, in denen man sich fragt: Was zur Hölle war das gerade?

Und jetzt? Ich bin keine Gos-Expertin. Ich bin einfach nur Bine, die mal mit einem pubertierenden Gubacca auf einer Seebrücke stand und dachte: „Ich kann nicht mehr.“ Aber ich habe gelernt, wie mein Hund tickt. Dass er kein Problemhund war – sondern ein hochsensibler, überforderter Pubertierender. Und dass es Wege gibt. Nicht schnelle, nicht einfache – aber ehrliche.

Genau deshalb lohnt es sich, mal genauer hinzuschauen: Was passiert da eigentlich im Kopf eines Gossen, wenn die Hormone durchdrehen? Warum kracht es bei dieser Rasse oft so besonders laut? Und wie erkennt man die ersten Anzeichen, bevor die Brücke wackelt?

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