Über Pubertät bei Hunden kann man ziemlich sachlich schreiben. Über die Pubertät mit Gubacca eher nicht. Denn wenn es eine Phase gab, die mich mit ihm wirklich an meine Grenzen gebracht hat, dann war es diese. Und zwar nicht nur ein bisschen.
Ich hatte viele schlaflose Nächte, fühlte mich oft überfordert und manchmal sogar richtig hilflos – ein Gefühl, das man als Hundehalterin, die beim fünften Hund eigentlich dachte, hundeerfahren zu sein und eine ziemlich klare Vorstellung von Erziehung hatte, gar nicht so gerne zulässt.
Was bei Gubacca anders war: Er fing schon sehr früh an, sein „Handwerksköfferchen“ auszupacken. Während andere Halter noch von ihrem unkomplizierten Junghund schwärmten, stand Gubacca bei uns gefühlt schon mit dem kleinen Meißel am Fundament. Unübersehbar. Und laut.
Kein Wunder also, dass sich das Thema Pubertät nicht nur durch unseren Alltag zog, sondern irgendwann auch den ganzen Blog durchdrang – wie ein roter Faden.
Und irgendwann war er dann da: Kevin. Der Name für diesen wilden, überdrehten, impulsiven und komplett verpeilten Gos im Ausnahmezustand. Bis heute muss ich grinsen, wenn in Gesprächen mit anderen Gos-Menschen plötzlich nur noch von „Kevin“ die Rede ist. Dann braucht es meistens keine weitere Erklärung.
Nie war mir Jekyll & Hyde so präsent wie in dieser Zeit. Dieses ständige Hin und Her zwischen „Was für ein kluger, toller Hund!“ und „Ich schmeiß gleich alles hin!“. Zwischen Tagen, an denen ich dachte, wir hätten es verstanden, und Situationen, in denen plötzlich gar nichts mehr zu dem Hund passte, den ich zu kennen glaubte.
Nicht, weil ich alles über Pubertät weiß, sondern weil ich mit Gubacca eine Menge davon erlebt habe – und weil sich manches erst mit Abstand einordnen lässt.
Wenn plötzlich alles anders läuft
Manchmal braucht es nur eine Sekunde. Eben noch sitzt dein Gos seelenruhig auf einer Bank und lässt sich vor dem Sonnenuntergang fotografieren – im nächsten Moment springt er hoch, hängt in deinem Ärmel und du fragst dich, was gerade passiert ist.
Ich erinnere mich noch genau an diesen Moment im Urlaub. Ich stand mit meinem Vater und Gubacca auf einer langen Seebrücke. Holzbohlen, Touristen, salzige Meeresluft – eigentlich alles friedlich. Gubacca war entspannt und ließ sich fotografieren.
Auf dem Rückweg kippte die Stimmung plötzlich. Gubacca sprang mich an, biss in meinen Ärmel und drehte vollkommen auf. Menschen um uns herum wichen zurück, ich hatte Mühe, ihn zu halten – und vor allem keine Ahnung, warum er gerade so reagierte. Das war einer dieser Momente, in denen man sich fragt: Was zur Hölle war das jetzt?
Rückblickend weiß ich vor allem eines: Gubacca war in solchen Situationen nicht einfach „der schwierige Hund“. Er war jung, schnell hochgefahren und offenbar mit etwas beschäftigt, das ich in diesem Moment noch nicht lesen konnte. Damals half mir diese Erkenntnis allerdings herzlich wenig. Da stand ich erst einmal auf dieser Brücke – mit meinem Hund am Ärmel und einem ziemlich großen Fragezeichen im Kopf.
Ich bin keine Gos-Expertin. Ich bin Bine, die mit einem pubertierenden Gubacca auf einer Seebrücke stand und irgendwann dachte: „Ich kann nicht mehr.“ Aber ich habe im Laufe der Zeit gelernt, genauer hinzuschauen. Nicht nur auf das Verhalten, sondern auch darauf, was davor passiert war, was Gubacca gerade leisten musste und wann eine Situation für ihn zu viel wurde.
Genau deshalb lohnt sich der nächste Schritt: Was verändert sich während der Pubertät überhaupt? Warum wirken bekannte Regeln plötzlich erstaunlich verhandelbar? Und was davon konnte ich bei Gubacca wiedererkennen?
Sechs Kapitel durchs Chaos
Von den ersten Fragezeichen bis zum Rückblick mit Abstand.
.png)
2 comments