Kapitel 2: Wenn im Kopf der Sturm tobt – Pubertät beim Hund (und warum sie beim Gos besonders kracht)
Es gibt diesen Moment – vielleicht sogar nur eine Sekunde – in der man es spürt: Irgendetwas ist anders. Der Blick des Hundes verändert sich, das Ohrenspiel ist fahriger, das sonst so verlässliche „Sitz“ wirkt plötzlich wie ein Fremdwort. Willkommen in der Pubertät. Die Phase, in der das kleine süße Lockenköpfchen plötzlich Dinge vergisst, die es längst konnte. In der es Grenzen testet, mit den Ohren auf Durchzug schaltet und sich in Sekunden von Schmusebär zu Hooligan verwandelt.
Zwischen durchdrehen und durchhalten liegt oft nur eine Leberwursttube.
”Willkommen im Gehirn-Umbau. Nur: Beim Gos kündigt sich dieser Wandel nicht leise an. Er kommt nicht mit Pickeln und schlechter Laune, sondern eher mit einem inneren Orkan. Und wer glaubt, das sei wie bei anderen Hunden – nur mit mehr Fell –, der unterschätzt, was da im Hirn eines jungen Gossen abgeht.
Baustelle im Kopf: Wenn das Gehirn neu verkabelt wird
Die Pubertät beim Hund beginnt – je nach Rasse – zwischen dem 6. und 12. Lebensmonat. Beim Gos oft eher früher, bei Gubacca sehr früh. Was viele unterschätzen: Es ist nicht nur ein körperlicher Reifeprozess, sondern vor allem ein neurologischer Ausnahmezustand. Das Gehirn wird „umverkabelt“ – besonders der präfrontale Cortex (zuständig für Impulskontrolle, Planung, soziales Verhalten) ist betroffen.
Was macht den Gos in der Pubertät so besonders?
Kurz gesagt: seine Herkunft als unabhängiger Hütehund ohne direkten Menschenfokus.
Die Pubertät verläuft nicht wie eine gerade Treppe nach oben, sondern wie eine wilde Küstenstraße: mal ruhig, mal stürmisch, mal komplett unberechenbar. Und das ist vielleicht das Zermürbendste: Es gibt Tage, da läuft alles gut. Und dann kommt plötzlich die Welle. So war es auch bei Gubacca. An einem Tag souverän, ansprechbar, konzentriert – und am nächsten wie ferngesteuert im Ausnahmezustand. Und zwar nicht, weil er etwas „nicht durfte“, sondern weil ihn die Situation schlicht überforderte.
Diese Wellen sind nicht nur normal, sie sind wichtig. Denn in den ruhigen Phasen verankern sich Fortschritte. Genau deshalb ist es bei einem Gos entscheidend, dranzubleiben: Wiederholungen schaffen Sicherheit, Rituale geben Orientierung. So stürmisch diese Phase auch ist – sie ist kein Fehler im System. Sie ist ein Teil davon. Der Umbauprozess im Hundekopf braucht Geduld. Viel Geduld. Und einen langen Atem. Beim Gos kommt hinzu, dass sein rassebedingtes Verhalten in der Pubertät oft besonders deutlich auftritt. Nicht, weil er "schlimmer" ist – sondern weil er kompromissloser zeigt, was in ihm steckt. Er ist kein Hund, der sich brav durch diese Phase schleicht. Er geht mit wehender Fahne durch den Sturm.
Ich bin zwar keine Hundetrainerin und auch kein Verhaltensexperte – aber ich bin mit Gubacca durch genau diese Phase gegangen. Und ich weiß: Nichts verunsichert mehr, als ein Hund, der ohne erkennbaren Grund eskaliert.
Wenn du gerade mittendrin bist:
du bist nicht schuld.
du bist nicht allein.
und: Ja, es wird besser. Irgendwann.
Aber bis dahin fühlt es sich manchmal an, als würdest du in einem Moment noch auf festem Boden stehen – und im nächsten bricht der Boden unter dir weg. Genau so war es auch bei uns. Immer wieder. Und manchmal reichte eine winzige Kleinigkeit, damit der Schalter kippte...
P wie Pubertät – Die Serie
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