Gubacca lernt schnell. Das klingt zunächst nach einer ausgezeichneten Nachricht. Schließlich müsste ein Hund, der Dinge schnell versteht, doch auch besonders leicht zu erziehen sein.
Dachte ich.
Das kleine Problem an dieser Rechnung: Hunde lernen nicht ausschließlich die Dinge, die wir ihnen beibringen wollen.
Gubacca hat „Bei Fuß“ gelernt. Er hat „Bleib“ gelernt. Er hat Hütchenspiele gelernt und konnte beim Obedience ziemlich konzentriert mitarbeiten.
Er lernt aber auch erstaunlich schnell, wann eine Regel wirklich gilt – und wann bei Bine eventuell noch Verhandlungsspielraum besteht.
Lernfähig ist nicht dasselbe wie gehorsam
Intelligenz, Lernfähigkeit und Gehorsam sind nicht dasselbe. Ein Hund kann sehr schnell verstehen, was von ihm erwartet wird, und trotzdem nicht in jeder Situation gleich motiviert sein, genau dieses Verhalten zu zeigen.
Bei Gubacca habe ich diesen Unterschied ziemlich früh kennengelernt.
Er kann etwas innerhalb erstaunlich kurzer Zeit begreifen. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass er anschließend zu dem Ergebnis kommt: Ausgezeichnet, Bine. Genau so machen wir das jetzt für den Rest meines Lebens.
Der Gos denkt mit
Dass selbstständiges Denken zum Gos gehört, ist bei seiner ursprünglichen Arbeit alles andere als überraschend. Er arbeitete mit dem Schäfer zusammen, musste Situationen aber auch selbst beurteilen und Entscheidungen treffen können.
Das bedeutet natürlich nicht, dass Gubacca beim Spaziergang über jede meiner Regeln zunächst eine Vorstandssitzung einberufen muss.
Es macht aber deutlich, warum „lernt schnell“ nicht automatisch dasselbe bedeutet wie „wartet begeistert auf die nächste Anweisung“.
Chiru und Gubacca
Wie unterschiedlich Lernen aussehen kann, habe ich besonders schön bei Chiru und Gubacca erlebt. Beide lernen beziehungsweise lernten Neues sehr schnell – trotzdem gingen und gehen sie ganz unterschiedlich damit um.
Chiru: Bei ihm hatte ich oft den Eindruck, dass er Dinge sehr genau machen wollte. Wenn beim Agility etwas nicht klappte, wirkte es manchmal beinahe so, als würde ihn der Fehler selbst beschäftigen. Leckerchen waren ihm dabei erstaunlich unwichtig.
Gubacca: Er versteht ebenfalls unglaublich schnell. Und ein gutes Leckerchen kann den Erkenntnisprozess durchaus noch einmal erheblich beschleunigen. Bei manchen Aufgaben bleibt anschließend allerdings die Frage offen, ob er ihre dauerhafte Notwendigkeit genauso überzeugend findet wie ich.
Locker an der Leine laufen war so ein Beispiel.
Verstanden hatte Gubacca das Prinzip.
Die spannendere Frage war, warum diese Regel nun ausgerechnet auf jedem Spaziergang gelten sollte.
Lernen braucht einen Grund
Wie schnell ein Hund etwas lernt, hängt nicht nur davon ab, was er kognitiv leisten kann. Auch Motivation, Erfahrung, Situation und die Folgen seines Verhaltens spielen eine Rolle.
Was sich für einen Hund lohnt, wird eher wiederholt. Und lohnend bedeutet nicht automatisch Leckerchen. Bewegung, Spiel, Zugang zu etwas Spannendem oder schlicht der Erfolg des eigenen Verhaltens können ebenfalls ziemlich überzeugend sein.
Dabei ist leider nicht entscheidend, was ich besonders lohnend finde. Ich kann „Bei Fuß“ belohnen – während für Gubacca der Erfolg, da vorne schon einmal allein nachzusehen, ebenfalls ziemlich überzeugend sein kann.
Das macht einen lernfähigen Hund nicht schwierig. Es erinnert nur daran, dass Lernen nicht ausschließlich in dem Moment stattfindet, in dem wir Menschen beschlossen haben, jetzt gerade zu trainieren.
Und Gubacca lernt meine Ausnahmen
Lange habe ich bei manchen Dingen gedacht, Gubacca teste Regeln aus oder entscheide eben sehr großzügig selbst, wann sie gelten.
Heute muss ich zugeben: Manches hat er vermutlich einfach ziemlich korrekt gelernt.
Die Unterrichtsleitung wechselt ständig den Lehrplan.
Gerade bei einem Hund, der schnell Zusammenhänge erkennt, bleiben solche Unterschiede natürlich nicht unbemerkt. Gubacca lernt nicht nur meine Signale. Er lernt auch, wie zuverlässig ich selbst damit bin.
Fluch oder Segen?
Früher habe ich Gubaccas schnelle Auffassungsgabe gern als „Fluch und Segen zugleich“ bezeichnet.
Heute sehe ich es weniger dramatisch. Schnelle Lernfähigkeit ist erst einmal eine Fähigkeit. Entscheidend ist, was ein Hund erlebt, welche Erfahrungen er macht und was sich daraus für ihn lohnt.
Gubacca lernt sehr schnell, was ich von ihm möchte.
Und mindestens genauso schnell, wann ich es nicht ganz so genau nehme.
Leider auch meine Ausnahmen.
Gabi gab mir Hausaufgaben: sämtliche Wortsignale für Gubacca aufschreiben und möglichst genau erklären, was sie eigentlich bedeuten sollen. Heraus kamen stolze 41 – und die Erkenntnis, dass Gubacca manches ganz anders gelernt hatte, als ich dachte.
Bine lernt Vokabeln – Gubacca kennt sie längst →
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2 comments:
Ich finde es eine wunderbare Sichtweise😊
Dankeschön - das freut mich sehr!
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