Ich gebe es zu: Ich bin leichte Beute.
Nicht unbedingt für Düfte oder irgendwelche geheimnisvollen Inhaltsstoffe bei Pflegeserien für meine Haut. Nicht einmal für besonders überzeugende Werbeversprechen. Mich bekommt man mit schönem Design.
Mein aktueller Favorit im Badezimmer ist türkis mit goldbeigen Deckeln. Ob mir der Duft gefällt? Selbstverständlich habe ich das nach dem Kauf überprüft. Prioritäten müssen schließlich sein.
Denn was lässt ein Badezimmer schon augenblicklich ein bisschen edler aussehen als eine farblich perfekt passende Pflegeserie von Ri***? Eben.
Und nun hat ausgerechnet Ri*** auch noch Hundepflegeprodukte auf den Markt gebracht – begleitet von einer Werbekampagne, bei der mein inneres Designopfer natürlich sofort wieder hellwach wurde. Sehr schick, sehr edel, sehr Wellness-Oase.
Nur bei der Wahl der Models hätte ich eventuell Verbesserungsvorschläge. Diese Kurzhaarhunde sind ja ganz reizend. Aber wenn man schon Hundeshampoo glamourös inszeniert, dann möchte ich doch bitte wehendes Haupthaar sehen. Drama, Volumen, eine gewisse mediterrane Lässigkeit. Mit anderen Worten: Herrn Gubacca.
Ich sah ihn gedanklich bereits als neues Gesicht internationaler Hundepflege. Goldener Hintergrund, dezentes Licht, perfekt drapierte Flaschen – und mittendrin dieser beeindruckende Gos d’Atura mit wallendem Fell.
Von oben wunderschön. Darunter Katastrophengebiet.
Die Realität begann ungefähr 24 Stunden später. Mit einem Kamm. Und einem leisen:
Eigentlich kämme ich Gubacca momentan ziemlich häufig. Durch den Temperaturwechsel verliert er ordentlich Wolle und normalerweise merke ich recht schnell, wenn sich irgendwo etwas zusammenballt. Diesmal hatte ich allerdings auf die falsche Bürste gesetzt.
Die machte einen hervorragenden Job – jedenfalls auf den oberen Zentimetern. Das Fell sah gepflegt aus, fühlte sich schön an und vermittelte mir über Tage erfolgreich das beruhigende Gefühl, alles im Griff zu haben. Bis ich mit dem Kamm tiefer ins Fell ging: Filz.
Nicht überall natürlich, sondern bevorzugt an Stellen, an denen man ihn besonders schlecht sieht und Gubacca meine Begeisterung über eine ausführliche Kontrolle eher begrenzt teilt. Oben hui, unten pfui.
Und damit wären wir bei einer dieser kleinen Gos-Fell-Fallen, in die ich auch nach neun Jahren noch hineintappe. Gubaccas Fell ist ein ziemlich gutes Beispiel für das eher raue, dichte Fell, das ich am Gos so mag. Von außen wirkt es häufig erstaunlich unkompliziert. Das heißt allerdings noch lange nicht, dass darunter ebenfalls alles locker und luftig liegt.
Warum bei uns manchmal nur noch Baden hilft
Bei Gubacca wird das Problem deutlich schlimmer, wenn er längere Zeit nicht gebadet wurde. Hat sich die lose Wolle erst einmal im Fell festgesetzt, bringt mich trockenes Kämmen irgendwann nicht mehr weiter. Dann wird gebadet und anschließend kommt eine Spülung ins Fell.
Und jedes Mal passiert etwas, das mich nach all den Jahren noch erstaunt: Ein großer Teil des Problems löst sich anschließend beinahe von selbst. Das Fell wird gleitfähiger, lose Haare lassen sich wieder voneinander trennen und plötzlich kommt der Kamm durch Stellen, an denen vorher gefühlt eine zusätzliche Wollschicht eingebaut war.
Ich würde behaupten: Rund 70 Prozent unseres Filzalarms erledigen sich bei Gubacca bereits durch Baden, Spülung und anschließendes gründliches Trocknen.
Das klingt bei einem Langhaarhund vielleicht ein bisschen bescheuert – ist bei Gubacca aber tatsächlich so. Ein gutes Beispiel sind seine Vorderbeine. Gerade im oberen Bereich sitzt dort unglaublich viel Fell. Von außen sieht das schön üppig aus, innen kann sich in dieser Masse aber lose Wolle wunderbar festsetzen.
Dort arbeite ich mit einer Effilierschere und dünne das Fell von innen aus. Beim Schneiden nehme ich einen Kamm zur Hilfe und schiebe ihn zwischen Haut und Schere. Er bildet meine Barriere; geschnitten wird im Fell oberhalb des Kamms.
Von außen sieht man anschließend praktisch nichts. Die typische Felloptik bleibt erhalten, innen ist aber deutlich weniger Masse und das Ganze wesentlich pflegeleichter.
Ähnlich mache ich es am Bauch. Ich teile mir den Bereich ab und ziehe eine Linie: Welches Fell sieht man überhaupt, wenn Gubacca steht? Alles, was darunter verborgen liegt, darf bei ihm deutlich kürzer sein – ebenso die Innenschenkel. Das erleichtert nicht nur die Pflege. Gerade beim Rüden bleibt dort sonst gerne etwas hängen, was niemand langfristig konservieren möchte. Seit ich die Bereiche kürzer halte, ist auch der typische Rüdengeruch bei Gubacca praktisch kein Thema mehr.
Was nach Baden, Spülung und Föhnen noch übrig ist, bekommt mein unscheinbarstes Pflegeutensil. Liebe Karin, falls du das irgendwann liest: Ich bin dir für diesen Tipp bis heute dankbar.
Er sieht nicht schön aus, passt zu keiner meiner Badezimmerfarben und besitzt weder goldbeige Akzente noch eine elegante Verpackung. Aber dieses kleine lila Ding ist bei Gubacca unschlagbar. Kein anderer Kamm, den ich bisher ausprobiert habe, holt bei ihm die lose Unterwolle so zuverlässig heraus.
Und damit wäre gleichzeitig bewiesen: Selbst ich kann mich gelegentlich für Funktion statt Design entscheiden. Zumindest bei Hundekämmen.
Beim Shampoo endet meine Designliebe
Beim Shampoo wurde es ebenfalls nichts mit dem glamourösen Wellness-Sortiment. Für Gubacca benutze ich seit Jahren ein sehr schlichtes Shampoo für empfindliche Haut, das ursprünglich einmal unser Tierarzt für Chiru empfohlen hatte. Chiru neigte damals zum Jucken, ich war damit sehr zufrieden – und bin dabei geblieben.
Nicht fotogen und nicht luxuriös. Aber Gubaccas Haut kommt wunderbar damit zurecht. Und das schlägt dann sogar bei mir einen hübschen Deckel.
Was bei Gubacca
wirklich einen Unterschied macht.
Was von außen wunderbar gepflegt aussieht, kann darunter durchaus seine ganz eigenen Pläne verfolgen. Fünf Dinge, die sich bei Gubaccas Fell über die Jahre wirklich bewährt haben.
Nicht nur schön von oben
Entscheidend ist bei Gubacca nicht, ob das Deckhaar ordentlich aussieht. Der Kamm muss tatsächlich bis durch die Unterwolle kommen.
Baden erledigt bei uns erstaunlich viel
Shampoo, Spülung und Trocknen lösen bei festgesetzter Unterwolle häufig wesentlich mehr als weiteres trockenes Kämmen.
Zu viel Fell darf weniger werden
Sehr dichte Bereiche dünne ich von innen mit der Effilierschere aus. Die äußere Felloptik bleibt dabei erhalten.
Beim Schneiden kommt der Kamm dazwischen
Ich schiebe ihn zwischen Haut und Schere und nutze ihn als feste Barriere beim Ausdünnen.
Unten darf es deutlich kürzer sein
Bauch und Innenschenkel halte ich dort kürzer, wo das Fell beim stehenden Hund ohnehin nicht sichtbar ist. Das macht die Pflege deutlich einfacher.
Willkommen im Spa Gubacca
Unsere Wellness-Szenerie hätte vermutlich trotzdem keine Werbeagentur freiwillig veröffentlicht: nasser Hund, Handtücher, Föhn, ich auf dem Boden – und Herr Gubacca mit einem Gesichtsausdruck, der ziemlich deutlich sagte, dass er diesem ganzen Beauty-Konzept nicht zugestimmt hatte.
Nach Baden, Spülung, Föhnen, Kämmen und einer erstaunlichen Menge herausgeholter Wolle stand irgendwann wieder der Hund vor mir, von dem ich vorher fest überzeugt gewesen war, dass er eigentlich ganz gut gekämmt sei. Sehr fluffig, sehr gepflegt – und bemerkenswert schnell bereit, diese ganze Schönheit wieder sinnvoll einzusetzen.
Denn natürlich gab es anschließend eine Belohnung. Herr Gubacca versenkte augenblicklich Kopf und frisch geföhntes Haupthaar in seinem heißgeliebten Schnüffelteppich. Ich sah mein Werk verschwinden. Rituals hätte das vermutlich anders inszeniert.
Aber ich muss zugeben: Das Model war zufrieden.
Und später lag Herr Gubacca entspannt auf meinem Sofa und sah tatsächlich ein bisschen nach Wellnesskampagne aus.
Der ist definitiv nicht markenfähig.
.png)
0 comments