Zwischen Bewahren und Verändern – der Gos d’Atura im Wandel

Oktober 21, 2026
„Typisch Gos.“ Ich habe diesen Satz oft gesagt. Manchmal anerkennend. Manchmal amüsiert. Und gelegentlich auch dann, wenn Gubacca etwas tat, das ich ziemlich anstrengend fand und für das sich mit „typisch Gos“ wenigstens schnell eine Erklärung finden ließ. Je länger ich mich mit der Geschichte dieser Rasse beschäftige, desto schwerer fällt mir dieser Satz. Denn hinter dem Wort „typisch“ steckt eine viel größere Frage: Was macht einen Gos heute eigentlich noch zum Gos?

„Typisch Gos.“ Ich habe diesen Satz oft gesagt. Manchmal anerkennend. Manchmal amüsiert. Und gelegentlich auch dann, wenn Gubacca etwas tat, das ich ziemlich anstrengend fand und für das sich mit „typisch Gos“ wenigstens schnell eine Erklärung finden ließ.

Gubacca, Gos d’Atura Català, aufmerksam im Freien

Je länger ich mich mit der Geschichte dieser Rasse beschäftige, desto schwerer fällt mir dieser Satz. Nicht, weil ich inzwischen glaube, dass es überhaupt keine rassetypischen Eigenschaften gibt. Sondern weil hinter dem Wort „typisch“ plötzlich eine viel größere Frage steckt: Wer entscheidet eigentlich, was einen Gos zum Gos macht?

Der Rassestandard? Die Züchter? Die Menschen, die früher mit diesen Hunden gearbeitet haben? Oder wir heutigen Halter, die vor allem danach beurteilen, wie gut ein Hund in unser Leben passt?

Bei meiner Suche nach einer Antwort bin ich ausgerechnet dort gelandet, wo die moderne Geschichte des Gos d’Atura Català fast noch einmal von vorne begann. Denn als die Rasse beinahe verschwunden war, musste man sie erst wieder suchen.

Als man den Gos wiederfinden musste

In den 1970er-Jahren suchten Menschen auf Höfen, in Ställen und in ländlichen Gegenden Kataloniens nach Hunden, die noch genügend von dem besaßen, was man für typisch hielt. Aus ihnen begann der gezielte Wiederaufbau der Rasse. 1982 wurde der Club del Gos d’Atura Català gegründet, ein neuer Standard entstand und die Zucht wurde organisiert.

Je mehr ich darüber gelesen habe, desto öfter blieb ich an einer ganz simplen Frage hängen: Was genau wollte man damals eigentlich retten? Den Hund, der aussah wie ein Gos? Den, der arbeitete wie ein Gos? Seinen Körperbau, sein Fell, seine doppelten Afterkrallen? Oder auch dieses schwerer greifbare Erbe aus Instinkt, Arbeitsweise, Eigeninitiative und Persönlichkeit?

Denn lange bevor es Zuchtbücher, Ausstellungen und festgeschriebene Standards gab, hatten bereits andere Menschen sehr genaue Vorstellungen davon, was ein guter Gos war: die Schäfer. Und deren Auswahlkriterium war ausgesprochen praktisch.

Bevor es um „typisch“ ging, ging es um brauchbar

Der katalanische Rasseclub beschreibt die ursprüngliche Auswahl erstaunlich klar.

Eine wichtige Aufgabe des Gos bestand darin, Grenzen für die Herde zu halten – das sogenannte „fer vores“. Er sollte verhindern, dass Schafe in Felder oder Weinberge liefen, Tiere zusammenhalten und dem Schäfer Arbeit abnehmen.

Dafür brauchte man Hunde, die ausdauernd waren, aufmerksam arbeiteten, sich gegenüber dem Vieh durchsetzen konnten und einen natürlichen Instinkt für das Gruppieren der Tiere mitbrachten. Natürlich spielten auch körperliche Merkmale eine Rolle. Bestimmte Farben, die doppelten Afterkrallen und andere Kennzeichen galten den Schäfern als Hinweise auf gute Abstammung. Am Ende musste der Hund aber vor allem eines: seine Arbeit können.

Ausgewählt wurde eine Funktion.

Das verändert für mich den Blick auf „typisch Gos“. Typisch war damals nicht zuerst das, was in einer Beschreibung stand. Typisch war das, was sich bewährte. Und die Arbeit selbst entschied jeden Tag aufs Neue darüber.

Illustration eines Gos d’Atura bei der Arbeit mit Schäfer und Herde
Über Generationen war die Arbeit der tägliche Prüfstein.

Dann änderte sich der Maßstab

1929 wurde der erste offizielle Standard des Gos d’Atura Català formuliert. Trotzdem geriet die Rasse in den folgenden Jahrzehnten fast in Vergessenheit. Bis 1970 waren nur sehr wenige Hunde in den spanischen Zuchtbüchern eingetragen worden. Gleichzeitig veränderte sich die Landwirtschaft, die Zahl der Schäfer nahm ab und andere Hunderassen gelangten in die Pyrenäen.

Als Menschen wie Àngel Jorba in den 1970er-Jahren begannen, geeignete Hunde in Regionen wie Solsonès und Berguedà zu suchen und mit ihnen eine systematische Zucht aufzubauen, ging es deshalb zunächst um etwas sehr Grundsätzliches: Der Gos sollte überhaupt erhalten bleiben.

Aus den noch vorhandenen, teilweise sehr unterschiedlichen Hunden musste wieder ein erkennbarer Rassetyp entstehen, der sich registrieren und gezielt weiterzüchten ließ. Damit kamen zur alten Frage „Kann dieser Hund arbeiten?“ weitere hinzu: Wie soll ein Gos aussehen? Welche Merkmale gehören zu ihm? Wie lässt sich aus wenigen vorhandenen Hunden eine gesunde und stabile Population aufbauen?

Und genau dort beginnt ein Spannungsfeld, das für mich bis heute nicht verschwunden ist. Denn eine Gebrauchshunderasse besteht aus mehr als dem, was man sehen kann.

Was man sehen kann – und was nicht

Ein technisches Dossier der katalanischen Landwirtschaftsverwaltung von Jordi Jordana und Ainhoa Ferrando beschreibt rückblickend, dass sich die züchterische Entwicklung nach dem Wiederaufbau zunächst stark auf die Festigung des Rassetyps konzentrierte. Gleichzeitig rückten erbliche Erkrankungen und die genetische Situation der kleinen Population in den Blick.

Das war notwendig. Eine beinahe verschwundene Rasse braucht nachvollziehbare Abstammung, gesundheitliche Kontrolle und genügend genetische Vielfalt.

Nur lassen sich manche Eigenschaften eines Arbeitshundes wesentlich schwerer erfassen. Wie viel Eigeninitiative besitzt ein Hund? Wie arbeitet er mit seinem Menschen zusammen? Was tut er, wenn eine Situation plötzlich anders läuft als erwartet?

Eine Kopfform lässt sich beurteilen. Arbeitsinstinkt nicht so einfach.

Und damit stellt sich eine Frage, die mich inzwischen viel mehr beschäftigt als jede Liste typischer Gos-Eigenschaften: Was soll außer dem äußeren Typ von diesem alten Arbeitshund in die Zukunft mitgenommen werden?

Der Cerdà zeigt das Problem ausgerechnet am Fell

Wie unterschiedlich „typisch“ aussehen kann, zeigt ein erstaunlich alltägliches Beispiel. Neben dem bekannten langhaarigen Gos beschreibt das katalanische Dossier auch kurzhaarige Hunde, den sogenannten Cerdà. Gerade im ländlichen und pastoralen Bereich waren solche Hunde verbreitet, während sich in der organisierten Zucht stärker die langhaarige Variante durchsetzte.

Manche Schäfer bevorzugten in Bergregionen den kurzhaarigen Hund. Nicht aus ästhetischen Gründen. Sein Fell verfing sich weniger in Brombeeren und Gestrüpp und vereiste bei niedrigen Temperaturen nicht so leicht.

Praktischer kann Auswahl kaum sein. Der eine Blick fragt: Wie sieht ein typischer Vertreter dieser Rasse aus? Der andere: Welcher Hund eignet sich am besten für die tägliche Arbeit?

Beides gehört zur Geschichte des Gos. Und genau daran wird sichtbar, dass „typisch“ immer auch davon abhängt, wonach überhaupt ausgewählt wird.

Als die Arbeit wieder stärker in den Blick kam

Später entstand erneut das Bedürfnis, nicht nur den Rassetyp, sondern auch die ursprünglichen Fähigkeiten des Gos bewusst im Auge zu behalten.

2002 wurde das Projekt „Pardu“ ins Leben gerufen, 2006 folgte „D’Atura“. Beide wurden vom katalanischen Rasseclub unterstützt. Ihr Ziel war ausdrücklich, Charakter und Arbeitseignung der Rasse zu fördern und zu erhalten. Der Gos sollte wieder stärker im ländlichen und pastoralen Umfeld eingesetzt und bei Hütehundewettbewerben gefördert werden.

Das finde ich bemerkenswert. Denn zu diesem Zeitpunkt ging es längst nicht mehr darum, eine fast verschwundene Rasse überhaupt wieder sichtbar zu machen. Es ging darum, die Verbindung zu dem Hund nicht zu verlieren, aus dem diese Rasse entstanden war.

Bis heute finden sich beim katalanischen Club Aktivitäten mit Schafen. Bei einer Arbeitsveranstaltung wurde ausdrücklich Wert auf Eigeninitiative gelegt. Ein Hund sollte seine Aufgabe nicht einfach „robotisch“ abarbeiten, sondern mitdenken.

Da ist sie wieder: die Fähigkeit, selbstständig brauchbare Entscheidungen zu treffen. Und plötzlich klingt der gern benutzte Satz „Der Gos denkt eben selbst“ ein bisschen weniger nach netter Rassebeschreibung. Dahinter steckt eine Geschichte.

Was macht man mit solchen Eigenschaften heute?

Genau hier wird es für mich richtig interessant. Denn der Gos von heute wird in den meisten Fällen kein Arbeitshund mehr sein. Er wird Familienhund – und damit ändern sich zwangsläufig auch unsere Erwartungen.

Wir möchten einen Hund, der mit seinem Menschen kooperiert, Besuch akzeptiert, im Alltag gut führbar ist und sich in unserer Welt sicher bewegt. Das ist keine Verwässerung einer Rasse. Es ist schlicht die Lebenswirklichkeit der meisten heutigen Gossos.

Trotzdem stellt sich für die Zucht eine schwierige Frage: Welche Eigenschaften aus der ursprünglichen Aufgabe sollen auch die Zukunft der Rasse prägen?

Denn nicht jedes Ziel weist automatisch in dieselbe Richtung. Eigeninitiative war für einen arbeitenden Hund eine Stärke. Im Familienalltag soll daraus trotzdem kein Hund werden, der menschliche Entscheidungen grundsätzlich für unverbindliche Vorschläge hält. Wachsamkeit gehört zur Geschichte des Gos; in ihrer stärksten Ausprägung kann sie im heutigen Alltag für Hund und Halter belastend werden. Zurückhaltung gegenüber Fremden steht bis heute im Standard, gleichzeitig braucht ein moderner Familienhund soziale Sicherheit in einer Welt voller unbekannter Menschen. Und Arbeitsbereitschaft soll nicht verschwinden, obwohl die meisten Gossos niemals regelmäßig an einer Herde arbeiten werden.

Es geht deshalb nicht um die Wahl zwischen echtem Arbeitshund und nettem Familienhund. Die eigentliche Herausforderung liegt genau dazwischen.

Welche alten Anlagen wollen wir im Gos erhalten – und wie stark dürfen sie ausgeprägt sein, damit dieser Hund heute gut mit uns leben kann? Genau diese Frage beschäftigt mich inzwischen am meisten.

Aber wie viel davon bringt ein Hund überhaupt mit?

An diesem Punkt bin ich bei meiner Recherche selbst ins Grübeln gekommen. Denn wenn Verhalten am Ende hauptsächlich eine Frage von Erziehung, Erfahrung und Umwelt wäre, müssten wir uns über all das eigentlich kaum Gedanken machen. Dann könnten wir beim Erhalt einer Rasse vor allem auf Gesundheit und Aussehen achten – und den Rest später dem Leben überlassen.

So einfach ist es aber nicht.

Natürlich prägen Aufzucht, Erfahrungen und der Umgang mit einem Hund enorm, wie er sich entwickelt. Aber sie beginnen nicht bei null. Ein Hund bringt Anlagen mit. Wie deutlich sie später sichtbar werden, hängt von vielen Dingen ab – aber sie gehören zu dem, womit dieser Hund in sein Leben startet.

Und damit bekommt die alte Auswahl der Schäfer für mich noch einmal ein anderes Gewicht. Wenn über Generationen Hunde bevorzugt wurden, die aufmerksam arbeiteten, selbstständig Entscheidungen trafen und bei ihrer Aufgabe beharrlich blieben, dann ging diese Auswahl nicht spurlos an der Rasse vorbei.

Das bedeutet nicht, dass jeder Gos diese Eigenschaften heute in derselben Form zeigen muss. Aber es bedeutet, dass wir beim Wesen einer Rasse nicht so tun können, als beginne jeder Hund mit einem völlig leeren Blatt.

Genau deshalb gehört für mich zu „Typisch Gos“ beides: die Geschichte dessen, was einmal bewusst ausgewählt wurde – und die Frage, was wir davon heute noch erhalten möchten.

Den Gos lieben heißt auch, ihn auf unsere Welt vorzubereiten

Viele Menschen, die ich kenne, schätzen am Gos gerade seine Eigenständigkeit, seine schnelle Auffassung und seine Bereitschaft mitzudenken. Eben auch diesen gelegentlichen Moment, in dem ziemlich klar ist: Der Hund hat verstanden – er besitzt nur noch eine eigene Meinung dazu.

Gerade diese Eigenschaften machen für viele einen Teil des besonderen Reizes der Rasse aus. Und zugleich ist in der Zucht sehr bewusst, dass diese Welpen heute in einer anderen Welt aufwachsen werden als die Hunde der Schäfer.

Die meisten werden nicht lernen müssen, eine Herde von einem Weinberg fernzuhalten. Sie brauchen anderes Rüstzeug: für fremde Menschen, Verkehr und Geräusche, wechselnde Umgebungen, Ruhephasen, Frust und all die Situationen, die zu einem heutigen Familienleben gehören.

Das bedeutet nicht, dem Gos seine Eigenständigkeit zu nehmen. Die Herausforderung liegt vielmehr darin, Hunde mit genau diesen Anlagen so auf ihr heutiges Leben vorzubereiten, dass sie darin sicher bestehen können.

Und das beginnt nicht erst beim späteren Halter. Auswahl der Elterntiere, Aufzucht, frühe Erfahrungen und der Blick darauf, welcher Hund zu welchen Menschen passt, greifen ineinander.

Ein guter Familienhund muss deshalb kein möglichst abgeschwächter Gos sein. Er sollte ein Gos sein, der mit seinen Anlagen in unserer Welt gut leben kann.

Gubacca, Gos d’Atura Català, stehend im hohen Gras
Gubacca heute – dieselbe Rasse, eine andere Lebenswelt.

Welchen Gos wollen wir morgen noch erkennen?

Diese Frage finde ich inzwischen spannender als jede Liste angeblich typischer Eigenschaften.

Soll man einem Gos auch in zwanzig oder dreißig Jahren noch anmerken, dass hinter ihm ein selbstständig arbeitender Hütehund steht? Für mich ganz klar: ja.

Soll er sich deshalb genauso verhalten wie ein Hund, dessen Alltag aus Vieh, Hof und Schäfer bestand? Ebenso klar: nein.

Und dazwischen liegt ein verdammt anspruchsvoller Bereich. Wie bleibt Eigenständigkeit eine Stärke, ohne dass Kooperation verloren geht? Wie bleibt Aufmerksamkeit erhalten, ohne dass daraus permanente Anspannung wird? Wie viel Distanz gegenüber Fremden gehört noch zur Rasse – und wie viel Offenheit braucht ein Hund für sein heutiges Leben? Wie viel Arbeitsbereitschaft wollen wir bewahren, wenn kaum jemand diese Arbeit noch von seinem Hund verlangt?

Darauf gibt es keine einfache Formel. Genau deshalb sehe ich die Arbeit verantwortungsvoller Züchter heute mit mehr Respekt als früher. Sie züchten nicht einfach Hunde, die einem Standard entsprechen sollen. Sie arbeiten immer auch an der Frage mit: Welche Version dieser Rasse geben wir an die nächste Generation weiter?

Und was sagt der Standard dazu?

Der Standard gibt Orientierung. Er hält fest, welche körperlichen und wesensmäßigen Merkmale den Gos d’Atura Català kennzeichnen sollen. Aber eine lebende Population bleibt nicht stehen. Gerade beim Wesen wird das sichtbar.

Der Standard beschreibt den Gos unter anderem als sehr zurückhaltend gegenüber Fremden. Manche Besitzer erkennen ihren Hund darin sofort wieder. Andere – und dazu gehört Gubacca – leben mit einem Gos, bei dem diese Beschreibung nur sehr eingeschränkt passt.

Das macht den einen nicht richtiger als den anderen. Es zeigt nur, wie vorsichtig wir sein sollten, wenn aus einer Beschreibung plötzlich ein allgemeingültiger Satz wird: „So ist der Gos.“

Und genau da hat sich mein eigener Blick verändert

Ich habe Gubacca früher viel schneller bewertet: eigenständig, dickköpfig, anstrengend – typisch Gos.

Heute frage ich häufiger zuerst: Was sehe ich da eigentlich?

Nicht jedes Verhalten lässt sich mit seiner Herkunft erklären. Und problematisches Verhalten wird nicht dadurch wertvoll, dass irgendein Vorfahr vor hundert Jahren etwas Ähnliches gebrauchen konnte.

Aber es macht einen Unterschied, ob ich nur sehe, was mir gerade unbequem ist – oder auch die Fähigkeit dahinter erkenne. Selbstständigkeit kann zum Dickkopf werden. Aufmerksamkeit kann nerven. Beharrlichkeit kann sich verdammt nach Sturheit anfühlen. Und Eigeninitiative ist ausgesprochen reizvoll, solange Hund und Mensch zufällig dieselbe Idee haben.

Trotzdem sehe ich manches heute mit mehr Hochachtung. Nicht, weil Gubacca dadurch einfacher geworden wäre. Sondern weil ich inzwischen besser verstehe, was für einen Hund ich da eigentlich neben mir habe.

Was also ist typisch Gos?

Darauf habe ich inzwischen keine schöne Liste mehr. Und genau das gefällt mir.

Hinter diesem Rassenamen steht nicht nur ein langhaariger Hund mit einem bestimmten Standard. Da ist der Hund der Schäfer, der rustikale Bauernhund, der beinahe verschwand, der wiederentdeckte Gos, dessen Typ gefestigt werden musste, der Arbeitshund, dessen ursprüngliche Fähigkeiten bewusst nicht aus dem Blick geraten sollten – und der Familienhund von heute.

Auch Gubacca ist nicht weniger Gos, weil längst nicht jede Beschreibung auf ihn passt. Ich suche bei ihm nicht mehr nach möglichst vielen Häkchen auf einer imaginären Typisch-Gos-Liste.

Ich sehe Spuren: seine schnelle Auffassung, seine Aufmerksamkeit, seine Bereitschaft, mit mir zusammenzuarbeiten – und gleichzeitig nicht jeden eigenen Gedanken an der Garderobe abzugeben.

Und genau deshalb bedeutet „typisch Gos“ für mich heute etwas anderes als früher.

Nicht: So muss ein Gos sein.
Sondern: Da ist etwas von seiner Geschichte noch zu erkennen.

Die eigentliche Kunst besteht darin, daraus keinen Hund von gestern zu machen. Aber eben auch keinen beliebigen Hund von morgen.

Genau dazwischen liegt für mich der Gos.

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Souverän ist nicht, wer immer alles im Griff hat.Sondern wer auch dann weitergeht, wenn es gerade nicht danach aussieht.
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