Ich bin ein großer Fan von Veränderungen. Zumindest in der Theorie.
In meinen Gedanken sitze ich längst in einem Camper und reise durch die Welt. Jeden Tag ein neuer Ort, unbekannte Landschaften, morgens noch nicht wissen, wo man abends landet. Freiheit pur!
Ein erstaunlicher Traum für jemanden, der beim Autofahren zu unbekannten Zielen regelmäßig Herzrasen bekommt. Und zwar nicht unbedingt vor Vorfreude. Vielleicht liegt der Reiz eines Campers ja gerade darin, dass ich mein vertrautes Zuhause einfach mitnehmen könnte. Sozusagen Abenteuer mit eingebauter Komfortzone.
Überhaupt finde ich es wunderbar, neue Wege zu gehen, die Komfortzone zu verlassen und das Leben immer mal wieder auf den Kopf zu stellen. Solange ich dafür möglichst wenig von dem aufgeben muss, was mir vertraut ist.
Dass ich seit vielen, vielen Jahren im selben Ort wohne und Veränderungen auf meiner persönlichen To-do-Liste nicht gerade die Spitzenplätze belegen, muss ich vermutlich nicht erwähnen. Aber träumen darf man schließlich.
Rückblick mit Wiederholungsgefahr
Fast zehn Jahre und ziemlich bequem eingerichtet
Mit meinem Blog verhielt es sich ganz ähnlich. Fast zehn Jahre lang sah MY GUBACCA im Grunde immer gleich aus. Nicht, weil ich davon überzeugt gewesen wäre, das schönste Blogdesign der Welt zu besitzen. Sondern weil es eben mein Blog war. Vertraut, übersichtlich und irgendwie genauso, wie ich ihn kannte.
Das hinderte mich allerdings nicht daran, regelmäßig sehnsüchtig auf andere Blogs zu schielen. Große Bilder! Schöne Schriften! Großzügige Flächen! Alles so modern und aufgeräumt! Ach, das wäre doch schön, wenn mein Blog auch so aussehen würde!
Und weil ich bei solchen Gedanken selten lange untätig bleibe, machte ich mich mit schöner Regelmäßigkeit ans Werk. Neue Vorlagen wurden ausprobiert, Farben verändert, Schriften angepasst und ganze Layouts umgebaut. Bis zu dem Moment, in dem ich das Ergebnis hochgeladen hatte.
Dann saß ich vor meinem Bildschirm und betrachtete meinen plötzlich völlig fremden Blog. Schön war er ja. Aber irgendwie nicht mehr meiner.
Es fühlte sich ein bisschen an, als käme ich nach Hause und jemand hätte während meiner Abwesenheit sämtliche Möbel umgestellt. Durchaus geschmackvoll. Aber wo, bitte schön, stand noch gleich mein Sofa?
Und während ich eben noch begeistert gewesen war, begann ich innerlich bereits, meine vertraute alte Gestaltung zu vermissen. Also wurde alles wieder zurückgesetzt. Hach. So war es doch viel schöner! Bis ich den nächsten modernen Blog entdeckte.
Ein kleines Projekt. Angeblich.
Und dann kam Leon …
Irgendwann muss mich dieser Kreislauf selbst ein bisschen genervt haben. Jedenfalls beschloss ich, dass MY GUBACCA nun wirklich ein neues Gesicht bekommen sollte. Diesmal aber richtig. Und damit kam Leon ins Spiel.
Leon kennt inzwischen vermutlich jeden Winkel meines Blogs. Vor allem aber kennt er einen Satz, bei dem eigentlich sämtliche Alarmglocken läuten müssten: „Leon, ich hätte da nur noch eine winzige Kleinigkeit …“
Was zunächst nach einer überschaubaren Modernisierung klang, entwickelte sich zu einem Projekt mit erstaunlichem Eigenleben. Der obere Bereich gefiel mir. Der darunter nicht. Ein Bild war zu klein, eine Überschrift zu groß, ein Abstand zu breit. Auf dem Computer sah etwas wunderbar aus, auf dem Handy dagegen überhaupt nicht.
Dann war da ein Pfeil, der plötzlich blau erschien, obwohl Blau in unserem Design nun wirklich nichts zu suchen hatte. Und ein dekorativer Pinselstrich, der offenbar beschlossen hatte, sich über die gesamte Handybreite auszudehnen.
Manchmal hätte ich mir gewünscht, meine eigenen Ansprüche wären etwas pflegeleichter. Aber dann fiel mir wieder ein, dass ich es hinterher ja auch wirklich schön haben wollte.
Also tüftelten wir weiter. Stundenlang. An Farben, Schriften, Bildern, Abständen und der Frage, wie man aus einem Blog, der fast zehn Jahre gewachsen war, etwas Neues macht, ohne ihm seine Persönlichkeit zu nehmen.
Und immer, wenn ich begeistert verkündete: „Leon, jetzt haben wir es!“ … fiel mir spätestens fünf Minuten später noch etwas ein. Nur eine Kleinigkeit natürlich.
Aber Stück für Stück entstand etwas, das sich plötzlich richtig anfühlte. Große Fotos, mehr Platz für die Geschichten und vor allem eine bessere Möglichkeit, auch die älteren Beiträge wiederzufinden. Denn in fast zehn Jahren hat sich hier einiges angesammelt, das viel zu schade ist, um irgendwo in den Tiefen des Archivs zu verschwinden.
Und dann war es tatsächlich so weit. Das neue Design war fertig.
Mutprobe am Bildschirm
Ein Klick. Nur ein Klick!
Jetzt musste ich es nur noch auf den richtigen Blog übertragen. Nur noch. Zwei kleine Wörter, die das Ausmaß der Sache völlig unzureichend beschrieben. Fast zehn Jahre Vertrautheit gegen etwas Neues eintauschen? Einfach so?
Natürlich hatte ich alles gesichert. Natürlich wusste ich, dass ich notfalls zurückkonnte. Und natürlich gefiel mir das neue Design. Trotzdem saß ich vor diesem entscheidenden Knopf, als würde Blogger mich gerade fragen, ob ich wirklich bereit sei, meine bisherige Existenz hinter mir zu lassen.
Eigentlich fehlte nur noch der Hinweis: Sind Sie sicher? Diese Entscheidung könnte Ihr Leben verändern.
Ich möchte an dieser Stelle nicht verraten, wie viel Überwindung es mich tatsächlich gekostet hat. Nur so viel: Der Camper steht noch nicht vor der Tür.
Aber der neue Blog ist online!
Und er fühlt sich tatsächlich anders an. Noch ein bisschen ungewohnt. Wie ein frisch umgestaltetes Wohnzimmer, in dem man sich gelegentlich noch dabei ertappt, nach dem alten Sofa zu suchen. Aber ich mag es. Sogar sehr.
Und was mich besonders freut: MY GUBACCA sieht jetzt nicht nur schöner aus. Die alten Geschichten bekommen wieder ihren Platz, und vielleicht entdeckt der eine oder andere beim Stöbern etwas, das schon lange darauf wartet, noch einmal gelesen zu werden.
Zwei Baustellen, kein Mittelweg
Wenn schon Veränderung, dann richtig!
Nun wäre ich allerdings nicht ich, wenn ich mich mit einem einzigen Projekt begnügt hätte. Während ich also gemeinsam mit Leon am neuen Blog tüftelte, bekam auch meine ziemlich vernachlässigte Gos-d’Atura-Homepage ein neues Gesicht.
Dort dreht sich vieles um den Gos d’Atura Català: seine Herkunft, seinen Charakter und die Frage, wie es eigentlich ist, mit einem Hund zusammenzuleben, der durchaus eigene Vorstellungen mitbringt. Viele Seiten fehlen noch, manche Themen warten geduldig auf ihre Fortsetzung. Aber der Grundstein ist gelegt, und die ersten Beiträge sind online.
Zwei große Baustellen gleichzeitig. Eigentlich eine ausgezeichnete Idee für jemanden, der Veränderungen eher vorsichtig begegnet.
Aber so bin ich nun einmal. Entweder halte ich jahrelang am Vertrauten fest – oder ich beschließe, gleich alles auf einmal umzugestalten. Einen vernünftigen Mittelweg habe ich bisher noch nicht gefunden.
Und der Camper? Der steht weiterhin auf meiner Wunschliste. Fürs Erste übe ich das mit dem Aufbrechen lieber noch in etwas kleineren Etappen.
Immerhin habe ich es dieses Mal geschafft, den neuen Blog nicht gleich wieder gegen den alten auszutauschen. Das ist für meine Verhältnisse schon eine ziemlich große Reise.
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