Tschüss funktioniert immer – Leinenführigkeit leider nicht
Ein Rückruf mit Erfolgsgarantie? Gibt es den wirklich? Jepp – ich glaube, es gibt ihn. Und fast jeder Hundebesitzer kennt und vertraut ihm. Ein einziges Wort im richtigen Moment, der Hund dreht sich um und kommt angerannt. Groschen gefallen? Ihr kennt dieses Wort garantiert auch: „Tschüss!“ Wenn gar nichts mehr geht, funktioniert bei uns ausgerechnet dieses eine Wort. Alle meine Hunde kamen bisher beim „Tschüss“ ziemlich zuverlässig angelaufen – und auch bei Gubacca klappt es.
Aber woran liegt das eigentlich? „Tschüss“ ist schließlich kein Zauberwort. Andere Kommandos wie „Hier“ oder „Komm“ kennt Zwerg-Riese genauso lange – und die werden durchaus schon einmal großzügig überhört. Mein erster Gedanke war, dass es vielleicht daran liegt, dass „Tschüss“ schon früh in vielen Welpengruppen geübt wird. Aber „Sitz“ und „Komm“ lernen die Hunde schließlich ebenfalls früh. Also muss noch etwas anderes dahinterstecken.
Wenn ich mir anschaue, wie wir „Tschüss“ tatsächlich benutzen, ist der Unterschied eigentlich ziemlich offensichtlich. Ich rufe das Wort, drehe mich um und gehe oder renne vom Hund weg. Egal, ob die Welt gerade untergeht oder nicht. Es gibt keine Ausnahme von der Regel. Auf „Tschüss“ folgt immer: Ich gehe jetzt. Gerade am Anfang kostet das ein bisschen Überwindung, weil man „Kevin“ oder „Chantal“ für einen Moment nicht mehr im Blick hat. Aber genau dadurch funktioniert es vermutlich so gut. Irgendwann vertraut man selbst darauf. Ich sage „Tschüss“, drehe mich um und bin mir ziemlich sicher, dass mein Hund hinterherkommt. Konsequenz und Überzeugung – vielleicht ist genau diese Kombination unser kleiner Garantie-Effekt.
Bei Angela brachen meine Ausreden zusammen
Wenn das doch nur bei anderen Dingen genauso leicht wäre. Seufz. Zum Beispiel bei Gubaccas Leinenführigkeit. Grundsätzlich läuft Zwerg-Riese gut an lockerer Leine – wenn wir alleine sind. Sobald Detlef mitkommt, wir mit anderen Menschen und Hunden unterwegs sind oder in fremder Umgebung laufen, hänge ich dagegen gerne einmal mit langem Arm hinten an der Leine. „Er ist ja noch jung“, habe ich mir lange selbst Mut gemacht. Langsam wird diese Ausrede allerdings etwas dünn. Zwerg-Riese geht schließlich bereits stramm auf sein zweites Lebensjahr zu.
Entsprechend frustriert war ich am Samstag bei unserem Spaziergang mit meiner Freundin Angela. Während ich damit beschäftigt war, meine 24 Kilogramm Gubacca halbwegs im Griff zu behalten, liefen ihre drei jungen Aussies entspannt an lockerer Leine neben ihr her.
Alle meine Ausreden für den ziehenden Gubacca brachen in sich zusammen wie ein Kartenhaus. Und sehr zu meinem Leidwesen musste ich auch noch feststellen, dass es offensichtlich nicht einfach an der sagenhaften „Leichtführigkeit“ der drei Aussies lag. Bei mir liefen die drei nämlich ebenfalls nicht locker an der Leine.
Was machte Angela also anders? Eigentlich landete ich wieder bei denselben beiden Wörtern wie gerade beim „Tschüss“: Konsequenz und Überzeugung. Bei Angela gibt es bei der Regel „locker an der Leine laufen“ keine Ausnahme. Sie macht sich offenbar auch keine großen Gedanken darüber, ob das heute, an diesem Ort und unter diesen Umständen wirklich funktionieren könnte. Ihre Hunde laufen neben ihr her. Punkt.
Bei mir dagegen stelle ich immer wieder fest, dass ich schon vorher überlege, ob etwas klappen wird. Und ja – manchmal fehlt mir bei Dingen, die mir auf den ersten Blick nicht sooo wichtig erscheinen, auch schlicht das Durchhaltevermögen. Wenn wir alleine unterwegs sind, klappt es ja. ;-) Statt einfach darauf zu vertrauen, dass ich eine klare Regel auch mit Gubacca umsetzen kann, bestand meine erste Überlegung am Wochenende tatsächlich darin, wie ich die Ausnahmen gestalten könnte. Da sind Zwerg-Riese und ich uns ausgesprochen ähnlich: Wir suchen beide gerne zuerst nach der Schwachstelle im System und nach der Ausnahme von der Regel.
ABER: Gefahr erkannt – Gefahr gebannt. Nach einem kleinen Intensivtraining mit Angela widmen wir uns dem Thema Leinenführigkeit jetzt mit neuem Ehrgeiz und deutlich mehr Durchhaltevermögen. Ich werde berichten!
Zwerg-Riese eröffnet die Badesaison
Am Samstag gab es schließlich nicht nur Leinentraining, sondern auch jede Menge Spaß mit den Aussies. Der krönende Abschluss war das „Samstagbad“. Ich musste so lachen: Noch bevor die anderen Hunde das Wasser überhaupt richtig entdeckt hatten, thronte Zwerg-Riese bereits mitten im Tümpel.
Angelas Jungspunde entwickeln sich zu tollen Aussies und Gubacca genießt es jedes Mal sichtlich, mit der ganzen Meute unterwegs zu sein. Diese Woche heißt es für mich also: fleißig weiter an der Leinenführigkeit arbeiten. Samstag treffen wir Angela wieder – und dann möchte ich natürlich ebenfalls mit einem locker neben mir herlaufenden Gubacca glänzen.
Ich wünsche euch eine hoffentlich stressfreie Woche!
An einen Teil dieses Spaziergangs erinnere ich mich bis heute sehr genau – obwohl ich ihn damals gar nicht in den Blog geschrieben habe. Irgendwann konnte Angela offenbar nicht länger mit ansehen, wie Gubacca mich durch die Gegend zog. Also drückte sie mir kurzerhand ihre drei Welpen in die Hand und übernahm Zwerg-Riese.
Gubacca lief bei ihr tatsächlich manierlich nebenher. Dafür waren es plötzlich Angelas drei Welpen, die mich wie Hechtsuppe durch die Gegend zogen. Meine Hoffnung, es könnte vielleicht einfach an Gubacca liegen, bekam damit schon einmal einen kleinen Dämpfer.
Und dann kam der Anblick, den ich bis heute vor Augen habe: Angela nahm zusätzlich zu Gubacca in der linken Hand auch noch ihre drei Hunde in die rechte – und alle vier marschierten in gemäßigtem Tempo neben ihr her. Wahrscheinlich hätte Gubacca nach einer Weile auch bei ihr getestet, ob die Regel wirklich dauerhaft gilt. Aber in diesem Moment war das gleichzeitig beeindruckend und ein kleines bisschen beschämend.
Meine letzte Ausrede hatte sich jedenfalls gerade sehr sichtbar in Luft aufgelöst.
Und „Tschüss“? Das ist tatsächlich geblieben. Bis heute gehört es zu den ziemlich sicheren Methoden, einen flott kommenden Gubacca zu bekommen.
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