Alles richtig gemacht? – Gubacca und die Sache mit den Rüden

Dezember 12, 2018

Montag haben wir auf unserer Mittagsrunde wieder Ben getroffen. Die Freude bei den beiden jungen Rüden war groß und sofort wurde gerannt, gemeinsam an Ästen gezogen und immer wieder die Rolle gewechselt. Genau dieses Spiel gefällt mir: Mal jagt Ben Gubacca, mal ist Zwerg-Riese vorne, mal gewinnt der eine den begehrten Ast, mal der andere. Und trotzdem bringt mich die Begegnung wieder zum Nachdenken. Gubacca ist mit seinen 21 Monaten fast erwachsen. Hatte er beim Aufwachsen eigentlich genügend gute Sozialkontakte? War es richtig, ihn nicht zu jedem fremden Hund laufen zu lassen? Und bin ich bei unbekannten Rüden vielleicht sogar zu vorsichtig? Fragen über Fragen – und wie so oft habe ich längst nicht auf jede davon eine eindeutige Antwort.
21 Monate · irgendwo zwischen Junghund und erwachsen

Montag haben wir auf unserer Mittagsrunde wieder Ben mit seinem Frauchen getroffen. Die Freude war bei beiden Rüden sichtlich groß und sofort wurde begeistert um die Wette gerannt und gemeinsam an den Ästen gezogen. Was mir beim Spiel der beiden besonders gut gefällt: Es ist ausgewogen. Die Rollen wechseln ständig. Mal jagt Ben Gubacca hinterher, mal hat Zwerg-Riese die Nase vorne. Mal gewinnt Gubacca den begehrten Ast, mal Ben.

Mittlerweile ist Gubacca mit seinen 21 Monaten ja schon fast ein erwachsener Rüde und zwischendurch frage ich mich immer wieder: Habe ich eigentlich alles richtig gemacht? War es gut, dass er als Welpe und Junghund nicht einfach zu jedem fremden Hund hinlaufen durfte? Hatte er beim Aufwachsen ausreichend Sozialkontakte? Bei fremden unkastrierten Rüden bin ich vorsichtig. Vielleicht sogar zu vorsichtig? Muss Gubacca auch dort eigene Erfahrungen machen?

Ihr merkt schon: Fragen über Fragen, auf die ich längst nicht immer eine Antwort weiß.

Fragen über Fragen · und keine einfache Antwort

Habe ich alles richtig gemacht?

Natürlich hinterfrage ich dabei auch sein Pöbel-Verhalten gegenüber manchen Rüden. Immer wieder höre ich den Satz: „Das müssen die Rüden unter sich ausmachen.“ Damit kann ich mich nach wie vor überhaupt nicht anfreunden. Eine Bekannte meinte sogar einmal, Gubacca müsste von einem anderen Rüden nur ordentlich zurechtgestaucht werden.

Naja, sage ich dazu nur.

Wobei hinter dem Gedanken für mich trotzdem etwas steckte, über das ich nachdachte: Der Kontakt zu einem passenden, souveränen erwachsenen Rüden könnte für einen Jungspund durchaus interessant sein. Nur leider gibt es da bei Gubacca ein kleines Problem – bei genau solchen Rüden benimmt er sich meistens vorbildlich. ;-)

Qualität vor Quantität? Ja, ich glaube, es war richtig, Gubacca in seinen ersten Monaten nicht einfach wahllos in jeden Hundekontakt laufen zu lassen. Rückblickend hätte ich mir allerdings mehr gleichaltrige Spielkameraden für ihn gewünscht. Zumindest mit Lennox hatte er eine richtig schöne Junghundzeit und auch die vielen souveränen Hündinnen, die ihn beim Aufwachsen begleitet haben, waren für ihn wichtig.

Wenn ich Gubacca heute beobachte, freue ich mich darüber, wie unterschiedlich er sich auf andere Hunde einstellen kann. Mit kleinen Hunden geht er vorsichtig um, mit Welpen und Junghunden ist er ausgesprochen geduldig und gerade von Hündinnen nimmt er deutliche Grenzen sofort an.

Von daher sollte ich mein „Fragen über Fragen“ vielleicht tatsächlich einmal ganz stolz mit „alles richtig gemacht“ beantworten.

@ Söti: Ich sehe dein Grinsen schon vor mir. Habe ich mich gerade wirklich selbst gelobt? ;-)

Aber ich wäre natürlich nicht Bine, wenn nicht sofort wieder eine Einschränkung käme. Viele Wege führen nach Rom. Vielleicht hätte Gubacca sich auch mit anderen Erfahrungen zu einem sozial sicheren Hund entwickelt. Für uns beide und in unserem damaligen Umfeld fühlte sich dieser Weg jedenfalls richtig an.

Noch eine Begegnung · noch ein Puzzleteil

Gubacca hat Stil und legt Wert auf Etikette

Vorhin haben wir auf unserem Spaziergang einen älteren kastrierten Stafford-Mix getroffen. Gubacca fand seinen Geruch ausgesprochen spannend und wäre dem Rüden am liebsten direkt am Hinterteil kleben geblieben. Der fand das verständlicherweise längst nicht so großartig wie Zwerg-Riese und zeigte ihm das auch.

Nach zwei weiteren kurzen Versuchen war das Thema allerdings erledigt und Gubacca bemühte sich stattdessen, den anderen zum Rennen zu animieren. Toll! Zwei kurze „Wuffs“ und Abwenden hatten völlig gereicht, damit Zwerg-Riese verstand: Okay, das ist nicht erwünscht.

Vielleicht muss also vor allem ICH meine innere Einstellung verändern und Gubacca auch zugestehen, dass er zurück „bollern“ darf, wenn ihn ein anderer Hund anbellt – und dass es schlicht Rüden geben kann, die er nicht leiden kann.

In diesem Zusammenhang muss ich oft an Ina denken. Sie schrieb über ihren Gustav einmal sinngemäß, dass er großen Wert auf die Einhaltung von Höflichkeitsregeln legt. Bei Gubacca scheint das ähnlich zu sein. Angestarrt werden findet er ziemlich überflüssig und darauf kann er reagieren. Geht ein anderer Hund dagegen einfach vorbei, ohne ihn groß zu beachten, ist häufig überhaupt nichts.

Also von wegen unverträglich mit unkastrierten Rüden.

Gubacca hat Stil und legt Wert auf Etikette! :-)

In diesem Sinne wünsche ich euch noch einen schönen stilvollen Abend mit euren Fellnasen!

HEUTE GELESEN · 2026

Bei diesem Beitrag musste ich heute tatsächlich ein paarmal schlucken. Vor allem bei meinem ziemlich selbstbewussten „alles richtig gemacht“.

Heute sehe ich manches anders. Ich war damals sehr stark auf das Thema „Rüdenunverträglichkeit“ fokussiert und habe dadurch wahrscheinlich jede kleine Reaktion auf einen fremden Rüden viel stärker gewichtet, als es nötig gewesen wäre. Gleichzeitig stehen in genau diesem Beitrag mehrere Situationen, in denen Gubacca zeigt, wie differenziert er mit anderen Hunden umgehen konnte.

Was ich heute anders machen würde: Ich hätte ihm mehr bewusst ausgewählte, gute Hundekontakte ermöglicht. Nicht wahllos und ganz bestimmt nicht nach dem Motto „Die müssen das unter sich ausmachen“. Aber mehr passende Hunde, mit denen er in Ruhe Erfahrungen sammeln konnte, hätten ihm vermutlich gutgetan.

Deshalb würde ich den Satz „alles richtig gemacht“ heute nicht mehr so unterschreiben. Nicht, weil alles falsch war. Aber weil ich manches sehr eng durch meine damalige Rüden-Brille betrachtet habe.

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