Fünf Sterne für Gubacca und ausnahmsweise auch für Bine

August 29, 2018

Ein gemeinsames Wochenende mit über 20 Menschen und genauso vielen Gos d’Atura am Edersee – würde das mit Gubacca gut gehen? Sieben unkastrierte Rüden, darunter gleich mehrere Jungspunde wie Zwerg-Riese, eine große Gruppe und direkt am ersten Abend ein gemeinsames Beisammensein in der Tenne. Natürlich hatte ich mich erst begeistert angemeldet und die Bedenken kamen wie immer kurz vor der Abfahrt. Was, wenn Gubacca sich komplett daneben benimmt? Für den Ernstfall hatte ich bereits zwei Notfallpläne: Gubacca seiner Züchterin Svea in die Hand drücken und drei Stunden auf der Toilette verschwinden – oder meine frisch gekaufte XXL-Packung pflanzlicher Beruhigungsdragees einsetzen. Sicherheitshalber begann ich schon vor der Fahrt mit mir selbst.
17 Monate · irgendwo zwischen Junghund und erwachsen

Ein gemeinsames Wochenende mit über 20 Menschen und genauso vielen Gos d’Atura Català am Edersee – würde das mit Gubacca gut gehen? Wenn es alles Hündinnen gewesen wären, hätte ich mir vermutlich deutlich weniger Gedanken gemacht. Aber sieben unkastrierte Rüden, darunter gleich mehrere Jungspunde wie Zwerg-Riese? Ich sah durchaus gewisse Möglichkeiten für ein ereignisreiches Wochenende.

Ich gehöre ja zu den Menschen, die sich schnell für etwas begeistern. Als Andrea fragte, ob ich Lust hätte, zum Edersee-Wochenende des PPC mitzukommen, war ich deshalb sofort Feuer und Flamme. Ohne lange über „könnte, würde, sollte“ nachzudenken, meldete ich mich an und schaffte es sogar noch, meine Schwester Michaela dafür zu begeistern. Die Bedenken kamen natürlich erst kurz vor der Abfahrt.

Wie würde Gubacca auf so viele Hunde reagieren? Weder er noch ich hatten bisher an Aktivitäten in einer so großen Gruppe teilgenommen. Und plötzlich sah ich mich schon am ersten Abend in der „Tenne“ mit hochrotem Kopf am Rand sitzen, während Gubacca im Dauermodus sämtliche anwesenden Gos kommentiert. Für den Ernstfall entwickelte ich vorsichtshalber Notfallplan Nummer eins: Wenn alle Stricke reißen, drücke ich ihn seiner Züchterin Svea in die Hand und verschwinde drei Stunden auf der Toilette. Bei Svea mutiert Herr Gubacca schließlich zuverlässig zum Schäfchen.

Notfallplan Nummer zwei bestand aus einer XXL-Packung pflanzlicher Beruhigungsdragees, die ich am Freitag vor der Abfahrt noch schnell besorgte. Wäre schließlich ärgerlich, wenn sich meine Nervosität auf Zwerg-Riese überträgt. Sicherheitshalber nahm ich vor der Fahrt deshalb direkt selbst eine. Zum Glück musste ich nicht fahren, sondern wurde von Andrea mitgenommen.

Ankunft · sämtliche Notfallpläne zunächst arbeitslos

Und Gubacca macht einfach gar kein Theater

Am Edersee angekommen präsentierte Gubacca sich direkt von seiner besten Seite – und das ist ausnahmsweise überhaupt nicht ironisch gemeint. Tiefenentspannt lag er im offenen Auto in seiner Box und wartete, bis wir alles ausgeladen hatten. Menschen liefen vorbei, andere Hunde bellten, es wurde ein- und ausgepackt: Zwerg-Riese lag da und fand das offenbar alles nicht weiter bemerkenswert. Selbst der erste gemeinsame Spaziergang mit dem unkastrierten Rüden Biego verlief völlig problemlos. Puh. Die erste Anspannung fiel deutlich von mir ab.

Affolderner See
Affolderner See
Gubacca am Affolderner See
Affolderner See
Familientreffen · Ähnlichkeiten nicht zwingend vorhanden

Oma, Mama, Tanten – und endlich Sir Henry

Der Parkplatz füllte sich schnell und überall wurde angekommen, begrüßt und vorgestellt. Für mich waren fast alle Gesichter neu und viele kannte ich bisher höchstens von Facebook. Umso mehr freute ich mich, dass auch Gubaccas Züchterinnen Svea und Sabine mit seiner Oma Benni, Mama Otti und einigen Tanten dabei waren. Und endlich lernte ich auch Henry in natura kennen – Gubaccas drei Monate jüngeren Halbbruder, besser bekannt als Sir Henry.

Große Familienähnlichkeit suchte man zwischen den beiden allerdings eher vergeblich. Aber nun gut – bei meiner Schwester und mir funktioniert das schließlich auch nicht immer auf den ersten Blick.

Gubaccas Halbbruder Henry
Gubaccas Halbbruder Henry
Unterkunft · plötzlich wieder Klassenfahrt

Vier Betten, ein Etagenbett und ungefähr 40 Jahre jünger

Nach der Zimmerverteilung machte sich ziemlich schnell Jugendherbergsstimmung breit. Ich musste lachen, als meine Schwester und ich unser Vierbettzimmer bezogen und vor einem Etagenbett und zwei Einzelbetten standen. Innerhalb weniger Sekunden fühlten wir uns ungefähr 40 Jahre jünger und direkt in unsere Schulzeit zurückversetzt. Kichernd bezogen wir unsere Betten und machten uns anschließend auf die Suche nach den anderen.

Erster Abend · Toilettenflucht überraschend unnötig

Unter dem Tisch liegt einfach ein entspannter Gubacca

Der erste gemeinsame Abend in der „Tenne“ verlief dann genauso entspannt, wie Andrea es mir auf der Hinfahrt prophezeit hatte. Gubacca lag ruhig und gelassen unter unserem Tisch. Lediglich neu ankommende Hunde wurden gemeinsam mit den anderen kurz kommentiert – dann war wieder Ruhe. Ein längerer Aufenthalt auf der Toilette blieb mir also erspart. Zum Glück, denn sonst hätte ich vielleicht die Vorstellungsrunde verpasst.

Und genau die tat mir richtig gut. Bei den anderen Junghundbesitzern stellte sich nämlich ziemlich schnell heraus, dass jeder seine eigenen Baustellen hatte. Der eine Hund mochte alle anderen Hunde, war dafür kaum abrufbar. Der nächste kam auf jeden Pfiff, hatte aber mit Leinenführigkeit eher wenig am Hut. Fast in jeder Beschreibung fand ich irgendwo ein kleines Stück von uns wieder. Es war unglaublich erleichternd zu merken: Ich bin mit unseren Themen nicht allein.

Gleichzeitig erzählten die anderen von ganz unterschiedlichen Dingen, die sie mit ihren Hunden machten. Eine Hündin wurde für Besuche in einer Senioreneinrichtung vorbereitet, ein Rüde begleitete sein Frauchen regelmäßig in die Schule, andere hatten Spaß an Obedience oder anderen gemeinsamen Aufgaben. Für mich blieb vor allem der Eindruck hängen, wie verschieden Gos und Menschen sein können – und wie unterschiedlich ein gemeinsames Leben aussehen darf.

Samstag · Rekordsommer macht ausgerechnet Pause

Statt Nationalpark geht es zum fast trockenen Edersee

Für den nächsten Vormittag war eigentlich eine gemeinsame Wanderung durch den Nationalpark Edersee geplant. Ausgerechnet an diesem Samstag beschloss der Rekordsommer 2018 jedoch, uns einen Regentag zu spendieren. Die ursprüngliche Route fiel aus und ziemlich schnell stand eine Alternative fest: Wir wollten uns den extrem niedrigen Wasserstand des Edersees ansehen.

Der Anblick war wirklich skurril. Stege lagen plötzlich hoch über dem Boden, die Strandbar wirkte weit vom Wasser entfernt und überall war trockener, teilweise aufgerissener Untergrund zu sehen. Für die Hunde bestand die größte Herausforderung vermutlich darin, dass sie während des Spaziergangs angeleint bleiben mussten. Bei einer so großen Gruppe war ich darüber allerdings eher froh. Jeder achtete auf seinen Hund, hielt Abstand, wenn es nötig war, und nahm Rücksicht auf die anderen. Gerade mit so vielen unterschiedlichen Hunden empfand ich dieses entspannte Miteinander als richtig angenehm.

Zurück an der Ferienanlage · jetzt kommt Svea ins Spiel

Und Herr Gubacca bekommt sein persönliches Wochenend-Highlight

Nach einem kurzen Boxenstopp am Bikertreff ging es zurück zur Ferienanlage. Dort wartete vermutlich Gubaccas persönliches Highlight des Wochenendes: eine kleine Übungseinheit mit „seiner“ Svea auf dem Hundeplatz und anschließend eine Spielrunde mit seiner Familie. Maya hatte sichtbar Spaß an dem jungen Herrn und tollte ausgelassen mit ihm.

Zwischenbilanz · Bine wagt etwas ausgesprochen Ungewöhnliches

Ich finde Gubacca großartig. Und mich ausnahmsweise auch.

Auch der zweite Abend in der Tenne verlief wieder erstaunlich entspannt. Ich war inzwischen wirklich baff, wie gelassen nicht nur Gubacca, sondern eigentlich alle Gossis miteinander umgingen. Deshalb schon einmal mein Fazit vorweg: Zwerg-Riese bekommt von mir FÜNF Sternchen – wenn nicht sogar noch mehr. Er war einfach toll und ich hatte nie das Gefühl, dass ihn dieses volle Wochenende besonders stresste.

Und weil ich mich selbst ja eher gern klein mache und kritisch hinterfrage, gibt es heute ausnahmsweise noch jemanden mit fünf Sternchen: mich. Ich bin stolz darauf, dass ich offenbar doch einiges richtig bei Zwerg-Riese gemacht habe. Aus meinem wilden und überschäumenden „von 0 auf 130 Kevin“ wird immer mehr ein souveräner junger Rüde. Und nein, ich lösche diesen Satz jetzt nicht wieder – obwohl mein Finger schon fast an der Löschtaste war. Söti, manchmal muss ich eben doch auf dich hören. *Bussi*

Wochenend-Bewertung · Edersee 2018
Gubacca
★★★★★
Großgruppe, Rüden, Tenne, Familienprogramm – souverän gemeistert.
Bine
★★★★★
Hat ausnahmsweise anerkannt, dass sie vielleicht doch einiges richtig macht.
Sonntag · dann wird plötzlich Bine zum Sorgenkind

Und Gubacca legt noch einen Stern drauf

Am nächsten Tag zeigte Gubacca mir dann auf eine ganz andere Art, wie sehr ich mich auf ihn verlassen konnte. Dummerweise wurde ich krank und mir ging es den gesamten Sonntag richtig mies. Ich sage nur: Gallenstein. Das wusste ich zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht. Wie ein Häufchen Elend saß ich auf „meinem“ Stühlchen im Schatten und konnte beim Spiel-und-Spaß-Angebot von Svea und Sabine auf dem Hundeplatz nur kurz mitmachen.

Gubacca merkte sehr schnell, dass mit mir irgendetwas nicht stimmte und blieb auffallend viel an meiner Seite. Eigentlich dachte ich ja, eine Steigerung von brav sei an diesem Wochenende kaum noch möglich. Offenbar doch. Superbrav trifft es ziemlich gut. Er war einfach ein toller Schatz.

Die anderen hatten währenddessen sichtlichen Spaß beim gemeinsamen Programm auf dem Hundeplatz. Es ging über Hürden, in eine Schnüffelzone und man konnte sich im Rally Obedience versuchen. Zum Glück durfte Zwerg-Riese später noch ein bisschen mitmachen und übte begeistert mit Sabine und Svea.

Heimfahrt · leider schon wieder vorbei

Beim nächsten Mal sind wir wieder dabei

Nach einem letzten gemeinsamen Kaffeetrinken hieß es schließlich Sachen packen, aufräumen und wieder Richtung Ruhrgebiet fahren. Leider. Ich wäre wirklich gern noch ein paar Tage länger geblieben. Es war ein tolles Wochenende mit sehr netten Menschen, vielen unterschiedlichen Hunden und einer Menge Eindrücken, die ich mit nach Hause genommen habe.

Beim nächsten Mal sind wir auf jeden Fall wieder dabei. Vielen Dank, Andrea, für die tolle Organisation und fürs Mitnehmen. *Bussi*

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