Die größte Herausforderung bei Gubacca ist momentan wieder einmal, sein überschäumendes Temperament etwas zu drosseln und mehr Ruhe in Zwerg-Riese zu bekommen. Von 0 auf 100 geht bei ihm ja bekanntlich rasend schnell. Joggen und Radfahren gehören deshalb zurzeit nicht mehr zu unseren Freizeitaktivitäten – und das liegt ausnahmsweise nicht an der Hitzewelle. Beim Rennen drehte Gubacca sofort hoch und fing immer wieder an, in die Leine zu beißen. Schwimmen war zuletzt bekanntlich auch nicht unbedingt die perfekte Alternative und seit Mittwoch sind deshalb erst einmal wieder Runden an Schlepp- oder Flexileine angesagt.
Von meiner Schwester habe ich zum Geburtstag das Trainingsbuch „Vertrauen schaffen, richtig kommunizieren und erziehen“ von José Arce geschenkt bekommen. Wenn das nur immer so einfach wäre, wie es der Titel verspricht. Beim ersten Durchblättern war ich sogar fast ein bisschen enttäuscht, weil ich insgeheim davon überzeugt war, die meisten Ratschläge sowieso längst zu befolgen.
Ein Trainingsbuch – und ziemlich viele Häkchen
Von meiner Schwester habe ich zum Geburtstag das Trainingsbuch „Vertrauen schaffen, richtig kommunizieren und erziehen“ von José Arce geschenkt bekommen. Wenn das nur immer so einfach wäre, wie es der Titel verspricht. Beim ersten Durchblättern war ich sogar fast ein bisschen enttäuscht, weil ich insgeheim davon überzeugt war, die meisten Ratschläge sowieso längst zu befolgen.
Dem Thema Gassigehen widmet das Buch gleich mehrere Abschnitte und beim Punkt „Der richtige Start in den Spaziergang“ konnte ich gedanklich sofort einen ziemlich dicken Haken setzen. Von Anfang an achte ich darauf, dass wir das Haus möglichst ruhig verlassen. Kein nervöses Tänzeln im Flur, kein ungeduldiges Bellen vor der Haustür und ich gehe zuerst nach draußen. Letzteres übrigens weniger, weil ich mich als „Rudelführerin“ verpflichtet fühle, feierlich als Erste die Schwelle zu überschreiten. Das ist schlicht Eigenschutz. Ich möchte ungern von 24 Kilo Zwerg-Riese die Außentreppe hinunterbefördert werden.
Wenn da nicht diese kleinen Ausnahmen wären
Den ruhigen Start in den Spaziergang praktizieren wir also tatsächlich schon von Anfang an. Theoretisch. Wenn da nicht die Ausnahmen wären. Zum Beispiel wenn Detlef schon zum Garagenhof vorläuft und ich ihn nicht warten lassen möchte. Oder wenn ich mal wieder hektisch meine Sachen zusammensuche, weil wir zu einer Hundeverabredung müssen. Oder wenn ich weiß, dass bereits jemand im Auto auf uns wartet.
Und ausgerechnet diese kleinen Ausnahmen machen einen erstaunlich großen Unterschied. Bin ich hektisch, merkt Gubacca das sofort. Er startet aufgeregter und häufig zieht sich genau diese Unruhe durch den Spaziergang. Offenbar bedeutet „Das mache ich doch schon immer so“ bei genauerem Hinsehen manchmal eher: „Das mache ich immer so – außer wenn es gerade nicht passt.“
Fünf Sekunden können plötzlich ziemlich lang sein
In einem Facebook-Video hatte Hundetrainerin Anita Balser einmal empfohlen, nach dem Aussteigen aus dem Auto nicht sofort loszumarschieren, sondern dem Hund erst einen Moment Zeit zu geben. Bei Gubacca habe ich dabei tatsächlich etwas Interessantes beobachtet: Wenn ich ihn aus dem Kofferraum lasse und noch kurz warten lasse, schüttelt er sich häufig erst einmal. Starten wir danach, wirkt er auf mich weniger aufgeregt und läuft ruhiger los.
Momentan nutze ich außerdem wieder öfter meine „5-Sekunden-Übung“, wobei die vermutlich mindestens genauso sehr für mich gedacht ist wie für Gubacca. Das Prinzip ist denkbar simpel: Zwischen den einzelnen Schritten zähle ich innerlich bis fünf. Halsband an – fünf Sekunden. Gubacca sitzt, während ich die Haustür öffne – fünf Sekunden. Ruhig die Außentreppe hinunter, ohne vorzupreschen – noch einmal kurz warten. Und erst dann geht es wirklich los. Das Erstaunliche daran: Nicht nur Gubacca startet ruhiger. Ich auch.
Genau das war für mich beim Weiterlesen der eigentlich interessantere Punkt. Auch wenn ich im ersten Moment überzeugt bin, etwas längst zu wissen oder sowieso immer so zu machen, lohnt sich manchmal ein zweiter Blick. Mache ich es wirklich immer? Wo schleichen sich Ausnahmen ein? Und an welcher Stelle kann ein bisschen Feinschliff vielleicht doch noch etwas verändern?
Und einiges klappt inzwischen richtig gut
Trotz aller „Kevin-Meldungen“ der letzten Beiträge gibt es nämlich auch Positives zu erzählen. Ich hatte schon einmal von unserem Banktraining und dem bewussten Warten unterwegs erzählt. Genau das klappt mittlerweile richtig, richtig gut. Kurze Gespräche sind inzwischen problemlos möglich und Gubacca kommt schnell zur Ruhe, wenn ich mich mit ihm auf eine Parkbank setze.
Auch wenn ich unterwegs einfach stehen bleibe, kommt er angeleint inzwischen zuverlässig zurück und stellt sich seitlich neben mich. Ich nenne das immer unsere „Grundstellung“. Hundebegegnungen funktionieren damit momentan wieder sehr gut. Von daher: Es ist zwar längst nicht alles top – aber einiges eben schon.
Die Schwimmweste ist inzwischen auch eingezogen
Ansonsten sind die letzten Tage bei uns ziemlich ruhig verlaufen. Am Freitag haben wir wieder Regine und Amie in Haltern getroffen und sind eine große Runde um die Stever gelaufen. Von Regine habe ich für Gubacca eine Schwimmweste bekommen und jetzt fehlt mir eigentlich nur noch eine Schwimmleine.
Detlef findet meine ganzen Sicherheitsmaßnahmen zwar mehr als übertrieben, aber nach unserem letzten Badeausflug brauche ich sie einfach, bevor ich mich mit Herrn Widerling wieder ans Wasser wage. Und jetzt genieße ich noch ein bisschen den Sonntag im Garten und wünsche euch einen schönen Abend!
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