Das Wort des Tages lautet heute „Mistgurke“. Und ich bin im Moment nicht nur ein bisschen verstimmt oder frustriert, sondern stinksauer auf Gubacca. Dabei fing alles so schön an. Da es auf der Terrasse und im Garten viel zu heiß war, packten wir die Strandtasche und fuhren mit Herrn Widerling wieder zum Kanal.
Ein Hechtsprung – und der Rückruf ist vergessen
Mit seinem neuen Wasserspielzeug ging es sofort ins kühle Nass und „Mistgurke“ hatte sichtlichen Spaß daran, seinen Ring zu apportieren. Es war richtig schön, ihn so ausgelassen toben zu sehen. In unserem Teil des Kanals gibt es zum Glück relativ wenig Schiffsverkehr und wenn doch einmal ein Boot kommt, warte ich mit Gubacca immer am Rand, bis es vorbeigezogen ist. Zwerg-Riese saß dabei bisher vollkommen entspannt neben mir. Tja – bis Herr Widerling heute Nachmittag plötzlich irgendetwas seitlich am Ufer fixierte.
Im ersten Moment dachte ich noch, Spaziergänger mit einem Hund würden vielleicht an unserer Badebucht vorbeikommen. Aber nein. Die kleine Mistgurke hatte mehrere Enten entdeckt. Zielstrebig rannte Gubacca zu ihnen, setzte zu einem erstaunlich gekonnten Hechtsprung an und nahm im Wasser die Verfolgung auf. Dass mein „Gubacca, hier!“ dabei mal wieder irgendwo in der Luft verpuffte, muss ich vermutlich nicht erwähnen. Auch auf Detlef reagierte er überhaupt nicht. Er schwamm einfach weiter. Den Enten hinterher.
Und plötzlich ist dieser Kanal verdammt groß
Mir blieb fast das Herz stehen. Gubacca war schließlich erst seit wenigen Tagen überhaupt ein einigermaßen geübter Schwimmer und machte keinerlei Anstalten, wieder Richtung Ufer zu drehen. Stattdessen entfernte er sich rasend schnell von unserer Bucht. In der Mitte ist der Kanal sehr tief und an manchen Stellen gibt es eine starke Strömung. Gubacca schwamm und schwamm und hatte nur noch die Enten im Kopf.
Leider bin ich selbst alles andere als eine geübte oder schnelle Schwimmerin. Trotzdem versuchte ich, so schnell wie möglich hinterherzukommen. Detlef war inzwischen ebenfalls in Panik, konnte mir als Nichtschwimmer aber natürlich nicht folgen. „Schwimm schneller, der geht gleich unter!“ Ich hätte in diesem Moment wirklich heulen können vor Angst und versuchte nur noch, irgendwie näher an Gubacca heranzukommen.
Dann dreht Gubacca endlich um
Irgendwann flogen die Enten zum Glück davon. Gubacca drehte tatsächlich um und schwamm mir entgegen. Als er endlich bei mir war, griff ich mit einer Hand an sein Halsband und gemeinsam ging es zurück Richtung Ufer.
Der Badeausflug war damit beendet.
Morgen geht es definitiv nicht zum Kanal
Morgen geht es auf jeden Fall schon einmal nicht zum Baden. Außerdem überlege ich ernsthaft, Gubacca eine Schwimmweste zu kaufen. Vor ein paar Tagen mussten in einem Badesee in Haltern ein Hund und sein Herrchen gerettet werden. Jetzt weiß ich plötzlich sehr genau, wie schnell aus einem völlig entspannten Nachmittag eine Situation werden kann, in der einem das Herz stehen bleibt.
Dieser Nachmittag am Kanal ist später auch ins Buch gewandert. Dort wird aus Gubaccas Entenjagd noch einmal die Geschichte eines Plans, der eigentlich ganz anders gedacht war – bis Herr Gubacca seine eigenen Vorstellungen vom gemeinsamen Schwimmen entwickelte.
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