Es gibt Menschen, die reden gerne von Flexibilität. Und dann gibt es mein Frauchen Bine. Bei ihr ist „Montag = große Runde“ ein eher… festes Naturgesetz. Nicht böse gemeint, aber wenn Frauchen sich etwas vornimmt, dann kann der Himmel machen, was er will.Für viele Menschen klingt das unpraktisch. Für mich ist es einfach nur: Verlässlichkeit. Und Verlässlichkeit ist etwas, das wir Hunde viel besser schätzen, als Menschen denken.
Montag beginnt bei uns um 13:10 Uhr
Ich weiß, dass Montag ist, bevor der Kalender es weiß. Gegen 13:10 Uhr beginnt Frauchen, ihre Stifte zu sortieren oder den Laptop leise zuzuklappen. Das ist mein Moment. Ich strecke mich aus meiner Büro-Ecke, schüttele einmal den Staub der Verantwortung ab und gehe in Position. Frauchen tut dann jedes Mal so, als wüsste sie nicht, wie spät es ist. Aber keine Sorge, ich erinnere sie zuverlässig. Jede Woche. Immer gleich.
Wenn sie schließlich aufsteht, renne ich schon mal zur Treppe. Ich kenne unser Ritual: Frauchen will nach unten, dann fällt ihr unterwegs ein, dass sie etwas oben vergessen hat, dreht wieder um, sucht, findet, sucht nochmal und fünf Minuten später stehen wir dann beide unten im Flur, als wäre das der Plan gewesen. Ich warte derweil in meiner besten „Ich hab’s kommen sehen“-Haltung. Rituale haben eben ihre festen Abläufe. Auch die chaotischen.
Wetter? Nett, aber irrelevant
Sobald wir draußen sind, übernehme ich wie immer die Lagebeurteilung. Diesmal baut sich schon am Anfang eine Wolkenfront auf, die so dunkel ist, dass man meinen könnte, jemand hätte spontan den Abend eingeschaltet. Ich nehme das zur Kenntnis. Frauchen auch. Und dann gehen wir weiter.
Es gäbe links eine sehr praktische Abkürzung. Eine, die uns in zehn Minuten wieder ins Trockene bringen würde. Aber Frauchen geht montags nicht links. Frauchen geht montags die große Runde. Und wenn der Himmel dabei droht, sich neu zu erfinden, dann ist das eben so. Manche Menschen nennen das was Bine macht stur. Ich nennen das: verlässliche Struktur.
Der Strandkorb – unser Ankerpunkt
Am Strandkorb halten wir wie immer an. Bine sagt „kurz sitzen“, ich nenne es „den wichtigsten Teil der Runde“. Dieser Platz gehört zu unserem Ritual wie das Schütteln beim Losgehen.
Die Wolken über uns werden unterdessen immer dunkler. Bine kneift kurz die Augen zusammen, dieser winzige Moment zwischen Vernunft und Prinzip. Sie denkt es immer und entscheidet es nie: Umdrehen? Ne. Wir bleiben.
Also setzen wir uns. So wie jeden Montag. Egal, ob der Himmel gerade nach „gleich wird’s ungemütlich“ aussieht. Und genau das ist der Punkt:Ich weiß, dass Bine genauso handeln würde, wenn es sonnig, windig, regnerisch oder schneidend kalt wäre. Das Ritual trägt sich selbst.
Regenbogen. Foto-Modus. Und dann: Hagel-Drama.
Kaum sitzen wir, erscheint ein Regenbogen. So einer von der Sorte, bei der Frauchen sofort in diesen ganz speziellen Modus fällt. Der Modus, in dem sie alles stehen und liegen lassen würde, um „nur kurz“ ein Foto zu machen.Sie tut dann immer so, als sei sie ganz ruhig, aber ich spüre genau, wie sie innerlich auf der Stelle trabt.
Also stehe ich neben ihr, warte, und tue so, als wäre es völlig normal, dass mein Frauchen sich fast ins matschige Feld legt, um das perfekte Bild zu erwischen. Sie murmelt dann Dinge wie „Oh wow“ und „das Licht ist gleich weg“ und ich weiß: Ich bin jetzt kurz Statist.
Und dann kam der Hagel. Nicht als dezenter Hinweis, sondern als direkte Attacke auf meine persönliche Stabilität. Während die Körner auf uns einprasseln, bleibe ich dicht bei Frauchen, versuche unter ihren Mantel zu passen und gleichzeitig meine Würde zu retten, was gar nicht so einfach ist. Bine aber bleibt ganz ruhig.„Gleich ist es vorbei“, sagt sie.
Und sie hat wie immer recht. Fünf Minuten später laufen wir wieder durch Sonnenschein, als wäre nichts gewesen. Nur mein Gesichtsausdruck verrät, dass ich das Drama emotional noch nicht ganz verarbeitet habe.
Warum Rituale für uns Hunde wichtig sind
Für Menschen sehen Rituale nach Gewohnheiten aus. Für uns Hunde sind sie Orientierung. Ein Rahmen, der sagt: „Egal, wie chaotisch die Welt draußen ist — hier bleibt etwas gleich.“
Frauchens Unflexibilität ist für mich keine Schwäche. Sie ist ein Versprechen. Ich weiß, wie sie entscheidet. Ich weiß, wohin wir gehen. Ich weiß, dass wir montags die große Runde machen, egal,wie bedrohlich der Himmel aussieht. Und dieses Wissen schafft Ruhe. Nicht spektakulär, aber tief.
Darum halte ich Rituale für eine der besten Erfindungen der Menschen. Sie geben Halt. Auch an Montagen. Auch bei Hagel. Auch dann, wenn die Abkürzung vernünftiger wäre. Und vielleicht ist das genau der Grund, warum wir Hunde Menschen so gern begleiten:


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