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Kapitel 10: Platsch! – Über die Logik von Welpen und glitschigen Steinen

Kapitel 10

Platsch! – Über die Logik von Welpen und glitschigen Steinen

Ein nasser Gos d’Atura Welpe wälzt sich nach seinem Bad im Kanal vergnügt im Gras neben einem Handtuch.

Das Kanal-Abenteuer: Wenn das Fell erst mal nass ist, lebt es sich gleich viel unbeschwerter.

Es lief wirklich gut. Und irgendwann merkt man: Jetzt ist der Moment, die Welt ein kleines Stück größer zu machen. Die ersten Mini-Spaziergänge bei uns im Viertel machten Gubacca sichtlich Spaß. Alles wurde untersucht: jeder Grashalm, jeder Zaunpfahl, jede Kleinigkeit, die nach „Das könnte wichtig sein“ roch. Und weil er dabei so entspannt wirkte, fühlte sich auch das nächste Abenteuer genau richtig an: ein Ausflug an den Kanal.

Zu diesem Zeitpunkt hatte er übrigens schon seinen Spitznamen weg: Zwerg-Riese. Nicht, weil ich dramatisieren wollte, sondern weil man ihm beim Wachsen gefühlt zuschauen konnte. Mit zehn Wochen war er für einen Welpen schon erstaunlich groß. Er war einer dieser Kandidaten, bei denen man automatisch noch mal hinschaut und denkt: Okay… das wird mal ein Riese!

Schon die Autofahrt fand er großartig. Im Fußraum meines MINI machte er es sich gemütlich, als wäre das ein First-Class-Sitz. Jeder Ruckler wurde mit einem zufriedenen Schnaufen quittiert. Mein Mann grinste. „Der wird mal ein echter Rallye-Beifahrer.“ Gubacca hingegen wirkte fast ein wenig enttäuscht, als wir den Motor abstellten. Das war wohl eindeutig die falsche Strecke für seine Erwartungen – er hätte sicher nichts gegen eine Fahrt bis nach Italien gehabt.

Am Kanal angekommen, war er sofort in seinem Element. Er tappste am Ufer entlang, schnüffelte, sortierte Eindrücke, und dann kam dieser eine Moment, in dem ich innerlich schon wusste: Jetzt wird’s nass. Nur gucken war nicht sein Ding. Er wollte mittendrin sein. Also stapfte er ins Wasser, als wäre das die logischste Entscheidung des Tages. Kein vorsichtiges Antesten, kein Zögern. Wasser ist da, also geht man rein.

Und dann ging alles sehr schnell. Gubacca setzte eine Pfote auf einen glitschigen Stein, verlor den Halt und machte genau das, was ein Welpe in solchen Momenten macht: Platsch. Für einen Augenblick war er weg. Er war nicht tief untergetaucht, aber tief genug, dass in meinem Kopf sofort alle Alarmanlagen gleichzeitig losgingen.

„Alles gut, Bacci!“, rief ich schon, bereit, mich heldenhaft in die Fluten zu stürzen. Den Rettungseinsatz hätte ich mir sparen können. Noch bevor ich überhaupt in Reichweite war, tauchte er wieder auf, schüttelte sich einmal kräftig und stapfte ans Ufer. Keine Panik. Kein dramatisches „Rette mich, Frauchen!“. Eher so, als hätte er kurz geprüft, wie das mit dem Untertauchen physikalisch funktioniert, und das Ergebnis dann innerlich unter „Interessant, aber nicht erwähnenswert“ abgeheftet.

Ich stand noch im Modus „Notfallplan“, da war er längst wieder im Modus „Weiter im Programm“. Kaum war das Fell halbwegs wieder Fell und nicht mehr Kanal-Ausschuss, stand er schon wieder an der Wasserkante. Nicht zögerlich. Nicht vorsichtig. Entschlossen. Ich hätte schwören können, dass er kurz überlegte, ob Anlauf diesmal die bessere Idee wäre. Und da wurde mir klar: Wenn ich hier nicht bremse, bremst niemand.

„Nicht noch mal“, sagte ich und hielt ihn sanft zurück. Er schaute mich an, als wäre ich die Person, die hier gerade wirklich gar nichts verstanden hat. Ach komm, Bine. Einmal geht noch.

Und genau da war es wieder, dieses Zusammenspiel aus Willensstärke und Charme. Es ließ mich einerseits lachen, machte mir andererseits aber sehr klar: Wenn dieser Hund Grenzen lernen soll, dann nicht, weil er sie selbst dringend sucht. Sondern weil ich sie setzen muss. Ohne Drama. Ohne Diskussion. Und am besten so, dass er am Ende glaubt, es sei seine eigene Idee gewesen.

Für mich reichte die Aufregung an diesem Tag jedenfalls komplett. Wir packten unseren nassen, aber sehr zufriedenen Lockenkopf ins Auto und fuhren nach Hause. Dort inspizierte er noch einmal kurz den Garten, als müsste er prüfen, ob hier während seiner Abwesenheit auch alles beim Alten geblieben war, und rollte sich dann mit einem tiefen Seufzen in seinem Körbchen zusammen.

Während ich ihn so ansah, wurde mir klar: Dieser Hund wird nicht vorsichtig durchs Leben schleichen. Er wird testen, ausprobieren, voranpreschen. Und meine Aufgabe wird nicht sein, ihn zu bremsen, sondern ihn sicher zu führen. Dass die nächste Herausforderung allerdings weniger mit Wasser zu tun haben würde und mehr mit absoluter Eskalation, ahnte ich in diesem friedlichen Moment noch nicht.

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