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Tag 11 der Hitzewelle: Gubacca, die Blase und ich im Notfallmodus

Juni 28, 2026

Normalerweise sitzt man ja bei solchen Wetternachrichten bequem vor dem Fernseher, hat vielleicht noch ein kühles Getränk in der Hand und murmelt betroffen: „Oje, die armen Menschen.“ Dieses Mal waren wir die armen Menschen. Also genau genommen: der Hund, der Mensch, der Göttergatte und ein Wohnzimmer, das sich bisher zuverlässig wie eine Kühltheke benommen hatte. Dieses Mal leider nicht. Seit 13 Jahren wohnen wir nun in unserem Haus. Und bisher war es im Sommer eigentlich ein ungeschriebenes Gesetz: draußen Sahara, drinnen Nordpol. Während andere von Ventilatoren, Klimageräten und nassen Handtüchern sprachen, saß ich abends selig im Wohnzimmer und holte mir manchmal sogar noch eine Kuscheldecke für die Gemütlichkeit. Man will ja nicht frösteln.

Normalerweise sitzt man ja bei solchen Wetternachrichten bequem vor dem Fernseher, hat vielleicht noch ein kühles Getränk in der Hand und murmelt betroffen: „Oje, die armen Menschen.“ Dieses Mal waren wir die armen Menschen. Also genau genommen: der Hund, der Mensch, der Göttergatte und ein Wohnzimmer, das sich bisher zuverlässig wie eine Kühltheke benommen hatte. Dieses Mal leider nicht.

Seit 13 Jahren wohnen wir nun in unserem Haus. Und bisher war es im Sommer eigentlich ein ungeschriebenes Gesetz: draußen Sahara, drinnen Nordpol. Während andere von Ventilatoren, Klimageräten und nassen Handtüchern sprachen, saß ich abends selig im Wohnzimmer und holte mir manchmal sogar noch eine Kuscheldecke für die Gemütlichkeit. Man will ja nicht frösteln.

Dieses Mal war alles anders. Nicht, weil wir plötzlich empfindlicher geworden sind. Nicht, weil Sommer neuerdings überraschend kommt. Sondern weil diese Hitze einfach zu viel wurde. Tag für Tag über 30 Grad, Nächte ohne echte Abkühlung und irgendwann ein Wohnzimmer, das nicht mehr kühl war, sondern nur noch weniger heiß als draußen.

Das Ruhrgebiet als Backofen. Nur ohne Umluft.

Schlafzimmer mit 29 Grad. Nächte, in denen sich absolut nichts abkühlt, außer vielleicht meine Laune. Natürlich liest man dann in den sozialen Netzwerken wieder diese flapsigen Kommentare: „Leute, es ist Sommer. Was erwartet ihr denn?“ Ja, sicher. Sommer. Aber keine 36 Grad im Dauermodus, bei denen man morgens aufwacht und das Gefühl hat, man hätte die Nacht freiwillig in einer Heißluftfritteuse verbracht.

Wenn man in den Geschäften nach irgendeiner Überlebensausrüstung in Form von Klimaanlage oder Ventilator fragt, erntet man von den Verkäufern nur ein schnippisches: „Man weiß doch vorher, dass Sommer kommt.“ Ja, danke für den Hinweis! Den Sommer wusste ich vorher. Die tropische Kernschmelze in meinen eigenen vier Wänden hatte ich allerdings nicht auf dem Zettel.

Die große Sorge um den Hund

Am Freitag gab die Hitze dann noch einmal richtig Gas. 38 Grad. Das ist nicht mehr „warm“, das fühlt sich an, als würde man beim Öffnen der Haustür eine schallende Ohrfeige aus stehender, heißer Luft bekommen. Und genau in diesem Moment schlug sie voll zu: diese bleierne, kriechende Sorge um Gubacca, die mir in den letzten Tagen emotional wirklich zugesetzt hat.

Wer einen Hund hat, der nicht einfach in den eigenen Garten macht, sondern fest davon überzeugt ist, dass gewisse Geschäfte eine angemessene Umgebung, Würde und einen weiten Radius brauchen, weiß, was in meinem Kopf los war.

Die Frage die mich ständig beschäftigte war: Wie lange kann oder soll ein Hund bei dieser Hitze maximal einhalten? Gubacca meldet sich nämlich standardmäßig nicht. Wenn er Magen-Darm hat, ja, dann steht er mit einem unmissverständlichen „Zieh-sofort-deine-Schuhe-an“-Blick vor mir. Aber im normalen Alltag vertraue ich einfach auf unseren Rhythmus. Morgens, mittags, nachmittags und abends.

Nur lagen zwischen dem überall empfohlenen „morgens ganz früh“ und „abends ganz spät“ selbst bei sehr wohlwollender Auslegung ungefähr 12 Stunden.

Zwölf!

Da kann man natürlich sagen: „Ein gesunder erwachsener Hund hält auch mal länger ein.“ Kann man. Wenn man nicht ich ist. Also tat ich, was man in modernen Krisensituationen eben tut: Ich googelte.

Das Internet ist in solchen Momenten Fluch und Segen zugleich. Man sucht nach einer vernünftigen Einschätzung und findet zuverlässig die komplette Katastrophenabteilung: Hitzschlag, kollabierende Kreisläufe, verbrannte Pfotenballen auf dem Asphalt des Todes. Danke für nichts, liebes Netz.

Nach ein paar Minuten wusste ich also vor allem, was alles passieren kann, wenn man alles falsch macht. Nur meine eigentliche Frage war immer noch nicht beantwortet: Was mache ich mit einem Hund, der bei 38 Grad nicht einfach mal eben in den Garten pinkelt?

Also fragte ich die KI meines Vertrauens. Sachliche Einschätzung. Medizinische Einordnung. Ein bisschen Beruhigung für die Nerven.

Die Antwort war erst einmal erfreulich unspektakulär: Ein gesunder erwachsener Hund bekommt nicht gleich einen Blasenschaden, nur weil er an einem extrem heißen Tag einmal länger einhält. Wenn Gubacca morgens gut gemacht hat, entspannt schläft, normal trinkt und keine Unruhe zeigt, spricht vieles dafür, dass sein Körper sich der Hitze angepasst hat.

So weit, so beruhigend. Dann kam allerdings der Teil, bei dem ich laut lachen musste. Sinngemäß hieß es: Wenn ich jetzt zu Hause sitze und ständig auf die Uhr schaue, wird vermutlich eher mein Blutdruck zum Problem als Gubaccas Blase. Danke auch. Da fragt man höflich nach der Belastbarkeit einer Hundeblase und bekommt nebenbei eine ziemlich treffsichere Einschätzung des eigenen Innenlebens geliefert. Frech. Aber leider nicht falsch.

Denn Gubacca lag tatsächlich völlig entspannt im kühlen Wohnzimmer. Keine Unruhe. Kein Blick zur Tür. Kein „Frauchen, ich muss mal“. Nichts. Ich dagegen beäugte ihn misstrauisch. War das Entspannung? War das hitzebedingte Sparflamme?

Am Ende war der Tipp meiner KI ziemlich simpel: Wenn es mich beruhigt, soll ich ihm die Möglichkeit geben. Kurz. Gut geplant. Ohne Asphalt-Abenteuer. Im Zweifel mit dem Anhänger bis zur nächsten grünen Ecke. Nicht, weil Gubacca dramatisch kurz vor einem Blasenschaden stand. Sondern weil eine kurze Anhängerfahrt bis zur Ecke manchmal genauso Beruhigung fürs Frauchen ist wie Erleichterung für den Hund.

Militärische Sonderoperationen und Fenster-Spionage

Und ja. Über manche Schatten springe ich nicht. Vorsicht ist bekanntlich die Mutter der Porzellankiste. Also gab es Zwischenrunden.

Nicht entspannt. Nicht spontan. Sondern generalstabsmäßig geplant. Route: ausschließlich schattig. Untergrund: bloß kein Asphalt. Dauer: so kurz wie möglich, so effektiv wie nötig.

Ziel: Hund erleichtert, Pfoten heil, Frauchen mental noch halbwegs stabil.

Einmal luden wir den Spanier in den Fahrradanhänger, nur um die knapp einhundert Meter bis zu unserem kleinen ungepflasterten Rondell zu überwinden. Diese kurze Strecke Teer hätte an dem Tag gereicht, um aus empfindlichen Hundepfoten kleine Grillteller zu machen.

Ein anderes Mal fuhr der Göttergatte den Wagen extra aus der Garage direkt vor das Gartentor und ließ die Klimaanlage vorkühlen, als stünde der Transport eines hochrangigen Staatsgastes an. Tür auf, Hund rein, Tür zu, ab ins kühlere Wäldchen.

Um festzustellen, ob ich mit diesem Kontrollwahn eigentlich die einzige Verrückte in der Siedlung war, legte ich mich zwischendurch im abgedunkelten Haus auf die Lauer. Sherlock Holmes am Fenster. Ich überwachte heimlich die Gassigänge der Nachbarschaft: Wann gehen die anderen? Wie lange bleiben die weg? Haben die einen geheimen Schattenweg, von dem ich nichts weiß?

Bei solchen Temperaturen werden kühle Wege unter Hundebesitzern plötzlich wie heiße Dealerware gehandelt. „Du, sag mal, wo ist noch Schatten?“ – „Ist der Park schon überlaufen?“ Den restlichen Tag verbrachten wir in kollektiver Finsternis. Alle Jalousien unten, Fenster verrammelt. Es hatte etwas von einer lautlosen Naturkatastrophe.

Auf unseren Mini-Runden passierte etwas Erstaunliches: Gubacca pöbelte nicht. Also wirklich überhaupt nicht. Als ich von der Morgenrunde zurückkam und meinem Mann ganz stolz erzählte, dass wir an drei erklärten Erzfeinden vorbeigegangen waren, ohne dass Gubacca auch nur die Rute gehoben hatte, kommentierte er das nur trocken mit: „Na logisch. Dem ist auch viel zu warm für sein Theater.“

Warum Hitze für Hunde so schnell ernst wird

Dankeschön auch! Ich bin der Meinung, man muss solche kleinen Wunder einfach innerlich feiern, selbst wenn der Hund neun Jahre alt ist.

Später musste ich allerdings feststellen, dass der Göttergatte mit seinem trockenen Kommentar ziemlich richtig lag. Natürlich habe ich ihm das nicht gesagt. So weit kommt es noch. Gubacca war nicht nur zu warm, er agierte instinktiv hochgradig vernünftig.

Wir Menschen unterschätzen oft, wie anders der Hundekörper mit Hitze umgeht. Wenn uns heiß wird, werfen wir unsere körpereigene Klimaanlage an: Wir schwitzen am ganzen Körper, der Wind kühlt die Haut, und irgendwann wird es zumindest etwas erträglicher. Hunde haben diesen Luxus schlichtweg nicht. Sie können nur sehr begrenzt schwitzen, vor allem über die Pfotenballen. Bei einem dicken Gos-Pelz ist das ungefähr so effektiv, als wolle man einen brennenden Wald mit einer Wasserpistole löschen.

Ihre wichtigste Möglichkeit, die Körpertemperatur zu regulieren, ist das Hecheln. Dabei entsteht Verdunstungskälte über die feuchte Zunge und die Atemwege. Das hilft, ist aber für den Körper keine gemütliche Wellness-Anwendung. Wenn die Umgebungsluft glüht, der Hund sich aufregt oder sich auch nachts im Haus nichts mehr abkühlt, wird aus „puh, warm“ schnell ein echtes Problem.

Jede unnötige Bewegung und jedes Aufregen über den ungeliebten Nachbar-Labrador erzeugt zusätzliche Wärme im Körper. Wenn der Hund also tagelang nur flach wie eine Flunder auf den kühlen Fliesen liegt und scheinbar „nichts“ tut, dann ist das keine Faulheit.

Es ist überlebenswichtiges, hochprofessionelles Thermomanagement. Er schaltet die innere Heizung ab. Da er aber nun mal ein spanischer Dickkopf ist und man sich nie zu einhundert Prozent darauf verlassen kann, dass er im Ernstfall seinen inneren Zen-Meister behält, lief ich draußen keine normalen Gassirunden mehr. Ich zeichnete im Grunde nur noch riesige, panische Bögen und Kreise in die Siedlung.

Kleine Oasen und der Verlust der Würde

Heute Morgen kam dann endlich die ersehnte Erleichterung am Himmel. Es sollten nur noch 30 Grad werden. Man merkt erst, was so eine Hitzewelle mit dem eigenen Verstand anstellt, wenn man 30 Grad plötzlich wie einen erfrischenden, kühlen Herbsttag feiert. Es wurden am Ende zwar doch wieder 32 Grad, aber wir meisterten sie deutlich entspannter.

Nach einer ganz frühen Runde um sechs Uhr morgens und einem gemütlichen Frühstück packte ich Gubacca um zehn in das gut gekühlte Auto und fuhr mit ihm in den Volkspark. Dort ergatterten wir unseren absoluten Lieblingsplatz: die schattige Bank direkt am See.

Und da passierte es. Nach elf Tagen Hitzewellen-Wahnsinn fiel der ganze emotionale Ballast der letzten Tage plötzlich von mir ab. Es war einfach nur schön. Gubacca lag vollkommen entspannt im kühlen Schatten unter der Bank, ich saß darüber und las endlich mal wieder in meinem Buch. Keine warnenden Apps, keine innere Alarmbereitschaft, kein quälendes „Muss er oder muss er nicht?“. Nur der Wind, der See, mein Hund und ich. Genau so hatte ich mir Sommer ursprünglich mal vorgestellt, bevor er beschloss, sich als nervliche Belastungsprobe zu verkleiden.

Den mühsam aufgebauten Gartenpool konnte ich Gubacca übrigens trotz massiven familiären Körpereinsatzes nicht schmackhaft machen. Ich stand also persönlich tief im bunten Plastikbecken, patschte motivierend im Wasser herum und versuchte, so einladend wie möglich zu wirken: „Guck mal, Bacci! Wie herrlich! Komm doch rein!“ Gubacca saß davor und starrte mich an. Nicht bewundernd. Sondern mit genau dem Blick, den man auflegt, wenn man live beobachtet, wie ein geliebter Mensch endgültig den Verstand verliert.

Aber ich habe an diesem Tag eine ganz wichtige Lektion gelernt: Ein einmeterdreiundsiebzig großes, völlig erschöpftes Frauchen passt erstaunlich gut in ein einmeterdreißig kleines Kinderplanschbecken. Es sah mit Sicherheit nicht würdevoll aus. Aber Würde wird ohnehin maßlos überschätzt, wenn man nächtelang bei 29 Grad im Schlafzimmer geschmort hat.

Zum Glück hat mich niemand gesehen. Außer Gubacca. Und ich bin mir absolut sicher, er wird diesen Anblick eiskalt gegen mich verwenden, sobald Hunde irgendwann sprechen lernen.

Nach elf Tagen Ausnahmezustand weiß ich nun: Man muss nicht perfekt durch solche Phasen kommen. Man muss sie nur vernünftig überstehen. Für uns hieß das: Früh raus, spät raus, dazwischen radikale Ruhe.

Keine großen Abenteuer, keine krampfhaften Auslastungs-Heldentaten. An solchen Tagen ist weniger Erleben die größte Fürsorge, die wir unseren Hunden schenken können. Gubacca jedenfalls wirkte am Ende nicht wie ein Hund, dem das große Abenteuer fehlte. Er wirkte eher wie ein Hund, der dachte: „Endlich hat sie kapiert, dass nacktes Überleben auch ein tagesfüllendes Programm sein kann.“

Jetzt starten wir gleich zu unserer letzten Abendrunde. Ich hoffe auf ein bisschen kühlere Luft, einen schönen Mondaufgang und einen Hund, der im Gebüsch noch einmal kurz kooperiert, bevor wir uns wieder in unseren Wohnzimmerbunker zurückziehen. Ab morgen soll es ja glücklicherweise „Winter“ werden. Angenehme 27 Grad stehen auf dem Plan.

Ich hätte nie gedacht, dass ich diesen Satz jemals schreiben würde, aber: Das klingt absolut traumhaft. Vielleicht fahren wir dann endlich wieder zum Kanal. Falls ich mir vorher nicht doch noch schnell eine Kuscheldecke aus dem Schrank holen muss. Nur aus Prinzip.

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