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Ich wollte Sommer. Jetzt habe ich Sommer.

Juni 19, 2026

Ich wollte Sommer. Jetzt habe ich Sommer. 34 Grad, Hitzewarnung in Rot und ein Hund, der niemals im Garten pinkeln würde. Also retten Gubacca und ich uns mit Hundetaxi, Trinkflasche, Schattenrunden und einer Kühlmatte mit sehr begrenzter Überzeugungskraft durch diese Hitzewelle. Statt lauer Sommerabende, Badetouren und schöner Bilder für das Sommer-ABC gibt es jetzt abgedunkelte Zimmer, frühe Gassirunden, Zeckenkontrolle und die tägliche Frage, wie man einen langhaarigen Gos d’Atura Català möglichst unbeschadet durch extreme Hitze bekommt. Willkommen in unserem sehr ehrlichen Sommermodus.

Aber mal ehrlich: Muss man denn direkt so maßlos übertreiben und mir 34 Grad förmlich auf dem Silbertablett servieren?

Okay, ich gebe zu, ich habe in den letzten Wochen verdammt oft gejammert: „Blödes Wetter!“ Ich habe mich nach lauen Sommerabenden auf der Terrasse gesehnt, nach Badetouren mit Gubacca, nach Sonne und endlich wieder schönen, neuen Bildern für mein Sommer-ABC.

Wenn ich jetzt einfach nur durchs Fenster nach draußen schaue, könnte man meinen: Perfekt für all das. Blauer Himmel, strahlende Sonne, Sommer wie bestellt. Nur leider endet diese schöne Illusion genau in dem Moment, in dem ich die Tür öffne. Dann schlägt mir die Wirklichkeit entgegen wie ein heißer Föhn im Dauerbetrieb. Also sitze ich jetzt im abgedunkelten Wohnzimmer, bewege mich nur noch in Zeitlupe und überlege, wie ich mit einem langhaarigen Gos d’Atura Català möglichst unbeschadet durch eine amtliche Wetterwarnung in Rot komme.

Extreme Hitze.

Die Angst, dass der Hund bei diesen Temperaturen einen Hitzschlag bekommt, läuft ja doch immer irgendwie im Hinterkopf mit. Das klingt alles schon nicht mehr nach Sommer. Das klingt nach: Bitte verlassen Sie das Haus nur noch, wenn Sie einen sehr guten Grund haben. Oder einen Hund, der keinen Garten benutzt. Und genau da liegt unser großes Problem, das ich im Grunde meinem Göttergatten zu verdanken habe, im Blog auch liebevoll Herr Mini-Rütter genannt. Gubacca würde nämlich niemals einfach mal eben in den Garten gehen und dort sein Beinchen heben. Niemals. Nicht aus Versehen, nicht aus praktischen Gründen und erst recht nicht, weil Frauchen mit flehendem Blick vor der Terrassentür steht und in einer Tonlage säuselt, die selbst mir peinlich ist: „Geh fein Pippi machen ...“ Nein. Gubacca ist kein Gartenpinkler. Er schaut mich dann kurz an, dreht sich um und geht wieder ins Wohnzimmer.

Herr Mini-Rütter lag mir vor exakt neun Jahren, als Gubacca als Welpe einzog, unablässig in den Ohren, dass der Hund bitte auf gar keinen Fall ein Gartenpinkler wird. Natürlich habe ich damals darauf gehört. Ich höre sonst höchst selten auf kluge Ratschläge aus meinem Umfeld, da bin ich normalerweise erstaunlich standhaft.

Aber als Gubacca damals als kleines Lockenköpfchen bei uns einzog, hatte ich plötzlich wieder diese typischen Welpensorgen im Kopf. Nicht, weil ich keine Hundeerfahrung gehabt hätte. Im Gegenteil. Gubacca war schließlich nicht mein erster Hund. Genau deshalb wusste ich aber auch, wie schnell aus einer kleinen Bequemlichkeit eine feste Gewohnheit werden kann.

Ich wollte zum Beispiel auf gar keinen Fall einen Hund, der den Garten für seine persönliche Komfortzone hält und draußen nur pro forma ein paar Meter mitläuft, um dann zuhause in aller Ruhe seine Geschäfte zu erledigen. Eine blöde Angst, ich weiß. Aber man kennt sich ja selbst, wenn so ein kleiner Zwerg einzieht und man innerlich trotz aller Erfahrung plötzlich wieder mit Erziehungsratgeber, Gartenschere und latentem Kontrollbedürfnis unterwegs ist.

Die Quittung für diese Entscheidung bekomme ich nun seit neun Jahren jeden Sommer präsentiert, sobald das Thermometer nach oben klettert. Während andere Menschen entspannt die Terrassentür öffnen und ihrem Hund ein „Mach mal schnell“ hinterherwerfen, stehe ich hier und kalkuliere die Route. Wir müssen überlegen, wie wir die fünfhundert Meter bis zum nächsten Schatten schaffen, ohne dass einer von uns einen Hitzekollaps erleidet.

Ein Hoch auf unser Gubacca-Taxi. Aktuell ist es unser persönlicher Sommer-Shuttle: Hund rein, ab in den Schatten. Und der Fahrradanhänger hat ein kleines Update in Sachen Komfort erhalten: eine Kühlmatte. Die zählt allerdings eindeutig zu den Anschaffungen, bei denen ich vor dem Kauf ein kleines inneres Wellnessversprechen gehört habe. In meinem Kopf sah das ungefähr so aus: Gubacca legt sich drauf, seufzt tief zufrieden, die Temperatur sinkt gefühlt um fünf Grad und ich stehe daneben wie die Frau, die den Sommer ausgetrickst hat.

Die Realität ist etwas weniger spektakulär. Gubacca legt sich drauf. Manchmal. Er findet sie nicht schlimm. Das ist bei ihm ja schon fast eine Produktbewertung im oberen Bereich. Aber ob er nun denkt: „Endlich, Frauchen, diese Matte hat mein Leben verändert“? Eher nicht. Sie kühlt ein bisschen. Nicht Kellerfliesen-bisschen. Eher glatter-Boden-mit-gutem-Willen-bisschen. Aber gut. Sie ist jetzt da. Also kommt sie mit. Bei 34 Grad wird man bescheiden und nimmt auch halbe Erfolge dankbar an.

Ein richtig guter Kauf war dagegen unsere Metalltrinkflasche mit integriertem Wassernapf im Deckel. Die ist unscheinbar, handlich und tatsächlich praktisch. Gubacca ist ja ein echter kleiner „Suffkopf“, wie ich ihn liebevoll nenne, und ohne seine Trinkflasche geht bei uns im Sommer überhaupt kein Spaziergang los. Allerdings hat die Sache einen Haken: Getrunken wird natürlich nur an einer absolut ruhigen Stelle, wo der Herr nicht gleichzeitig die Umgebung kontrollieren muss. Finden wir dieses ruhige Plätzchen, ist die Flasche perfekt. Deckel ab, Wasser rein, Hund trinkt.

Unser kleines Wäldchen ist im Moment unsere Rettung. Hier kann man es von den Temperaturen her noch halbwegs als erträglich bezeichnen. Gubacca läuft dort auch unheimlich gerne, denn an jedem Baum gibt es etwas zu erschnüffeln. So können wir die eigentlich recht kurze Runde herrlich in die Länge ziehen und er bekommt seine wohlverdiente Nasenzeit.

Der einzige Nachteil an unserem Lieblingswäldchen: Wir können die geplante Runde selten entspannt zu Ende laufen, weil uns garantiert wieder irgendein freilaufender, großer Rüde entgegenkommt. Seltsamerweise treffen wir dort bei dieser Hitze überhaupt nur große Hunde. Da drängt sich mir unweigerlich die Frage auf: Was machen eigentlich die ganzen kleinen Hunde bei diesem Wetter? Wo stecken die alle? Ich habe noch keine Antwort gefunden.

Wer dafür umso treuer im Wäldchen auf uns wartet, sind die Zecken. Für die scheint das Unterholz und die vielen Hunde dort momentan ein echtes Sommerfestival zu sein. Trotz der großen Auswahl im Fellbuffet entscheiden sich erstaunlich viele für Gubacca. Ich verstehe das aus Zeckensicht, möchte es aber nicht unterstützen. Nach jedem Spaziergang beginnt deshalb das feste Ritual: Gubacca absuchen. Ich mit konzentriertem Blick, Gubacca mit der Geduld eines Hundes, der nicht versteht, warum sein Mensch ihn schon wieder so akribisch abtastet.

Im Haus erträgt Gubacca die Hitzewelle mit erstaunlicher Fassung. Das geliebte Wölkchen mit dem XXL-Kuschelbezug ist allerdings vorerst ausgezogen. Ich habe es schweren Herzens weggeräumt. Gubacca stand daneben und guckte mich an, als hätte ich gerade sein absolutes Lieblingsspielzeug für immer im Müll versenkt. Stattdessen liegt jetzt die ungeliebte Kudde im Wohnzimmer. Glatt, praktisch, deutlich weniger kuschelig. Gubacca nimmt es hin. Nicht begeistert, aber würdevoll. So wie ein König, der vorübergehend in einem funktionalen Gästezimmer untergebracht wurde.

Draußen hat Gubacca bei dieser Hitze überhaupt nichts vom feurigen Spanier. Das katalanische Temperament macht ab 20 Grad einen höflichen Rückzug und hinterlässt einen Hund, der bei jedem Sonnenfleck auf dem Weg wirkt, als müsse er eine Grundsatzentscheidung treffen. Gehen? Umdrehen? Stehenbleiben und die Gesamtsituation bewerten? Meistens entscheidet er sich für Variante drei. Und ich kann es ihm nicht verübeln.

Statt Sommerfeeling haben wir jetzt also: Hitzeplan, Schattenmanagement, Trinkflasche, Zeckenkontrolle, Gubacca-Taxi und eine Kühlmatte, die sich redlich bemüht. Und die schlechte Nachricht lautet: In den kommenden Tagen soll es erst einmal nicht kühler werden. Unsere Gassirunden werden also weiterhin alle in dieselbe Richtung führen.

Es gibt viele Wege nach Rom.

Aber aktuell nur einen zur Gubacca-Runde: Richtung Wäldchen. Dorthin werden wir uns weiter retten. Mit Wasserflasche, Leine, Taxi und der ernsten Verantwortung, einen langhaarigen Hund durch eine extreme Hitzewelle zu manövrieren, ohne dabei selbst endgültig auf dem Gehweg zu zerfließen.

Immerhin: Wir sammeln trotz allem Kärtchen für unser Marmeladenglas. Ziemlich ehrliche sogar:

  • ☀️ H wie Hitzewelle.
  • ❄️ K wie Kühlmatte mit begrenzter Überzeugungskraft.
  • 💧 T wie Trinkflasche, die wirklich mal hält, was sie verspricht.
  • 🐜 Z wie Zecken, diese kleinen Partycrasher im Unterholz.
  • 🐾 Und G wie Gubacca. Der auch bei 34 Grad noch ganz genau weiß, was er will.

... Nur eben nicht im Garten pinkeln.



Mein Lesetipp für dich:

Wenn dir das heutige Hitzewellen-Management und Gubaccas Gartenpinkel-Verweigerung bekannt vorkommen, hüpf unbedingt mal rüber zu dieser Geschichte. Darin erfährst du, was passiert, wenn die Hitze das Frauchen zu modischen Experimenten treibt und man plötzlich im Nachthemd den unfreiwilligen Catwalk des Dorfes beschreitet:

➜ Selbstbewusstsein im Nachthemd
Mode ist Ansichtssache – Selbstbewusstsein Pflichtprogramm.
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