Wie ist das mit einem zweiten Gos? Alles „easy going“ oder vielleicht doch nicht immer so ganz einfach? In dem ersten Teil ihres Erfahrungsberichtes schilderte Kerstin bereits, mit welchen Herausforderungen sie und ihr Mann Markus plötzlich konfrontiert waren. Aber es hat sich gelohnt: Ginger und Clyde sind zu einem tollen Team zusammengewachsen und sind heute unzertrennlich.
Haben Kerstin und Markus es bereut, sich nicht schon viel früher für einen zweiten Gos entschieden zu haben? Warum haben sie sich in Ginger verliebt und wie hatte sich Clyde beim Familienzuwachs verhalten? Die Antworten gibt es heute im zweiten Teil von
Nachgefragt: Ginger & Clyde
Der Schritt zum Zweithund... Nun ja, Markus ist mit Hunden groß geworden und so hat er immer mal wieder davon angefangen: „Ach, so ein zweiter Wuschel wäre doch toll“. Ich, die ja vor Clyde gerade mal Erfahrungen mit Wellensittichen und Meerschweinchen vorweisen konnte, war der Meinung, Clyde reicht, zumal er nach anfänglichen Schwierigkeiten für uns unser Seelenhund geworden ist. Er hat mich vieles gelehrt und ich war der Meinung, Clyde ist genug.
Durch den Leistungssport unserer Mädels war ich außerhalb der Arbeit sehr viel auch im Auto unterwegs, und da hätte ich diese Zeit, die ich jetzt für Ginger mir nehme, gar nicht gehabt. Das heißt, wir bereuen es nicht, sondern sehen es so: Es hat so sollen sein. Der richtige Zeitpunkt war genau an diesem Ostermontag da.
Haben wir Frl. Lila bewusst ausgesucht? „Nur gucken, denn die sind eh schon alle weg“, so dachte ich felsenfest auf dem Weg zum Welpenknuddeln. Ich hätte sie alle genommen – so süß wie sie waren. Andrea hat es sich vorbehalten zu schauen, welcher Welpe zu wem passt. Wenn, dann überhaupt nur ein Mädel, das hat „Mann“ immer schon gesagt und dieses wurde durch die Züchterin auch bestätigt. Grappa oder Ginger kamen demnach infrage. Gracie war schon vergeben.
ABER Frl. Lila war schon so meine heimliche Favoritin im Wuselhaufen. Ihre „Eulenaugen“ haben es mir angetan. Schwarz hatten wir ja in Form von Clyde. Ginger war so gemixt, das fand und finde ich heute immer noch soooooo schön. Farbverliebt sozusagen. Andrea hat sich für uns, für die „wilde Hilde“ entschieden. Sie meinte, Ginger würde zu Clyde passen, wie „Topf zu Deckel“ und sie hat Recht behalten. Die Zwei sind ein Herz und eine Seele, lernen voneinander und suchen sich.
Die ersten Wochen, ja, heute kann ich darüber lachen. Damals stand ich, glaube ich, ganz schön unter Stress. Revue passierend muss ich sagen, ging bei uns hier doch alles relativ schnell. Die ersten Wochen waren wir 24/7 um die beiden organisiert. Ginger war nie lange alleine. Koordination war alles. Morgens war ich mit beiden zu Hause, dann habe ich Zwergnase über Mittag zu Markus in die Werkstatt gebracht. So haben wir gleich mal das Autofahren geübt. Mal mit besserem, mal mit schlechterem Ergebnis. Ihr wurde so manches Mal übel. Aber von Fahrt zu Fahrt ging es besser. Im Autoreinigen wurde ich langsam Profi.
Gassi gehen halten wir heute noch so wie zu Beginn. O. k., die ersten Wochen bin ich erst mit Clyde und dann mit Ginger gelaufen, da die beiden ja überhaupt nicht unter einen Hut zu bringen waren. ABER unser Garten hat Ginger auch absolut gereicht. Da gab es genug zu entdecken. Langsam haben wir die Gassigänge dann dem Alter angepasst und immer größere Strecken waren möglich. Ich bin in der Frühe dann so langsam mit beiden gestartet und weiß noch genau, wie stolz ich es aufgenommen habe, dass Ginger so brav neben Clyde herlief. UND sie lief sehr brav neben ihm her, braver als jetzt manches Mal.
Nachmittags sind wir dann zu viert gegangen, Markus meist mit Clyde, und ich mit Ginger. Je älter sie wurde, oder sagen wir mal je pubertierender sie wurde, desto mehr haben wir es geändert. Manchmal gehen wir nachmittags zusammen los und dann ab irgendwann getrennte Wege. Da geht es erst mal mit viel Gejammer und Geheul los bei Ginger. Böse Welt, ihr Clyde geht in eine andere Richtung. Aber nach kurzer Zeit ist ihr Augenmerk wieder bei mir, da wo es hingehört. Je öfter wir das machen, desto besser wird’s auch, wenn wir dann gemeinsam laufen!
Das Flummi-Hüpfen wird weniger! Wir gehen immer unterschiedlich, damit sich keine zu große Routine einstellt, sondern Ginger lernt, egal in welcher Situation – wir haben das andere Ende der Leine – wir geben die Anweisung. Man braucht Zeit und Ausdauer. Wir sind als Team unterwegs und geben auch jedem Hund seinen Freiraum, auch wenn Ginger das vielleicht jetzt noch anders sieht und es eher doof findet, ohne ihren Clyde on tour zu gehen. Er hingegen genießt es – die himmlische Ruhe und keiner rennt ihm im Weg rum.
Seit gut acht Wochen spielen die beiden hier im Haus so schön miteinander, das macht einfach Freude zuzusehen. Sie sind jetzt auf Augenhöhe. Zu Beginn war es Clyde eher unheimlich, wenn der Winzling um ihn rumgerannt ist. Er hat hier und da mal versucht, dem „Renn-Spiel“ zu folgen, aber im Hasen-Haken-Schlagen war er nicht mehr so ganz fit. Kleine Spieleinheiten gab es immer, aber nichts im Vergleich zu jetzt.
Clyde hat es dann vorgezogen, Ginger auszubremsen, ihr sozusagen ein Bein zu stellen oder sie einfach über den Haufen zu rennen. Das haben wir dann natürlich unterbinden müssen, da Ginger sich dadurch schon ihre erste Verletzung zugezogen hatte. Das Unterbinden hat Clyde sehr gut angenommen, hat es aber dann auch auf „allgemeines Spielen“ übertragen. Sie war ihm wohl zu winzig und er konnte es nicht einschätzen, wie er mit ihr spielen soll?
Unsere Flitzpiepe wäre aber nicht unsere Flitzpiepe, wenn sie nicht immer wieder hartnäckig auf ein Spiel bestanden hätte – und siehe da, immer mehr lockte sie Clyde aus der Reserve. Wetterbedingt nun eher im Haus, um den Esstisch oder von Körbchen zu Körbchen – und das BESTE SPIELZEUG sind ein ausrangiertes Küchenhandtuch mit vielen Knoten oder alte Socken. Da geht hier die Post richtig ab! Alle Zweibeiner-Füße hoch und Bahn frei. Wir haben immer ein Auge drauf und wenn es zu doll wird, schreiten wir ein, aber das ist sehr, sehr selten.
Clyde ist der Überlegene, liegt gechillt auf dem Boden mit dem einen Ende des Spielzeugs im Maul, während unser Flummi mit dem anderen Ende des Spielzeugs im Maul aufgeregt hin und her hüpft. Manchmal denke ich „Was ein gutmütiger Trottel er doch ist“ und muss schmunzelnd den Kopf schütteln. Ob Rüden mit Welpen weniger am Hut haben, nein, kann ich nicht sagen. Clyde hat schon so manchen Welpen hier um sich gehabt, immer kleine Damen, und die konnten allesamt mit ihm machen, was sie wollten. Aber die gingen ja auch wieder heim und Minimaus blieb ja.
Die Frage nach dem Altersunterschied kann ich nicht wirklich beantworten, da Clyde ja eigentlich Einzelhund bleiben sollte. ABER da war ja der Ostermontag 2019. Ich persönlich finde es gut und angenehmer, dass Clyde älter ist und so in sich ruht. Zwei von „Ginger Flitzefloh“ zur gleichen Zeit würden mich definitiv überfordern.
Vielleicht ist das nicht nur vom Alter abhängig, sondern kommt auch auf den Charakter des jeweiligen „Ersthundes“ an. Für uns ist es so, wie es ist, perfekt. So wie bei unseren Kindern: Kurz hintereinander war es bei uns ja auch nicht. 6 Jahre Unterschied; so hat man die Zeit für jeden und die Ruhe für jeden. Das passt für uns mit den beiden Fellnasen auch so.
Wir würden sagen, das „Hüten“. So aufmerksam, wie Clyde früher hinter uns her ist, auch im Haus, ist Ginger jetzt oft versucht, hinter uns herzustiefeln. Ich muss immer schmunzeln, wenn ich die zwei wie verrenkt egal wo liegen sehe… Auf dem Buckel, in der Mitte gedreht und die Beine gespreizt… zu ulkig.
Fremden Menschen gegenüber erst mal sehr wachsam – sobald es aber klar ist, dass wir die Personen kennen, wie gewandelt und sehr den Personen zugetan. Beide sind sehr auf uns fixiert. Unsere Große wohnt nicht mehr daheim, aber sie ist ein Teil und wird immer genauso begrüßt wie wir anderen. Da wird kein Unterschied gemacht. Die beiden Wuschel sind sehr schmusig und genießen unsere Nähe. Dabei sein ist das Wichtigste.
Liebe Kerstin, lieber Markus!
Danke für die viele Mühe, die ihr euch gemacht habt. Ich mag Kerstins Schreibstil sehr und freue mich riesig, dass ihr eure Erfahrungen mit uns auf dem Blog teilt.
Es ist immer wieder schön, in Facebook mitzuverfolgen, wie Ginger bei euch aufwächst und dass sie und Clyde so ein tolles Team geworden sind.
Bine
Das Welpentagebuch von Banyas G-Wurf
Wer Ginger schon als kleine „Frl. Lila“ kennenlernen möchte: Ich durfte Banyas G-Wurf von der Zeit vor der Geburt bis zu den letzten gemeinsamen Wochen begleiten. In sechs Teilen kann man noch einmal miterleben, wie aus den kleinen G’s langsam sechs ganz eigene Persönlichkeiten wurden – Ginger natürlich mittendrin.
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