Der Traum vom perfekten Hund – warum Ecken und Kanten dazugehören

Mai 14, 2018

Wer ist die Person, die hier regelmäßig aus ihrem Leben mit Gubacca postet? Was für ein Mensch steckt hinter dem Blog „MY GUBACCA“? Ich denke, es ist Zeit, auch mich ein wenig vorzustellen. Aufmerksamen Leserinnen und Lesern wird vielleicht schon aufgefallen sein, dass ich Sabine genannt werde und auch auf den Namen Bine höre. Von den Fotos wisst ihr ja schon, dass ich durchschnittlich groß, schlank und blond bin. Klar – und auch die für blonde Menschen typischen blauen Augen habe. Aber wie würde jemand anderes mein Wesen und meinen Charakter beschreiben? Bine ist ein Mensch, der immer gute Laune hat. Schlechte Laune ist für sie ein Fremdwort und ihre Tagesverfassung ist fast immer gleich: einfach nur gut.
1 Jahr · irgendwo zwischen Junghund und erwachsen

Wer ist die Person, die hier regelmäßig aus ihrem Leben mit Gubacca postet? Was für ein Mensch steckt hinter dem Blog „MY GUBACCA“? Ich denke, es ist Zeit, auch mich ein wenig vorzustellen. Aufmerksamen Leserinnen und Lesern wird vielleicht schon aufgefallen sein, dass ich Sabine genannt werde und auch auf den Namen „Bine“ höre. Von den Fotos wisst ihr ja schon, dass ich durchschnittlich groß, schlank und blond bin. Klar – und auch die für blonde Menschen typischen blauen Augen habe. Aber wie würde jemand anderes mein Wesen und meinen Charakter beschreiben?

Ein kleines Gedankenexperiment

Darf ich vorstellen: die perfekte Bine

Bine ist ein Mensch, der immer gute Laune hat. Schlechte Laune ist für sie ein Fremdwort und ihre Tagesverfassung ist fast immer gleich: einfach nur gut. Sie kommt mit allen Menschen auf Anhieb klar. Bei gemeinsamen Aktivitäten mit Freunden, Bekannten, aber auch Fremden kann sie sich toll in jede Gruppe integrieren. Dabei schafft sie es immer wieder, die Gruppendynamik perfekt zu steuern, ohne sich als Chefin aufzuspielen.

Bine ist sehr neugierig auf alles Neue und macht alles mit, worauf ihre Freundinnen Lust haben. Ob es eine neue Sportart ist, der Entspannungskurs oder ein Workshop zur Körpersprache – auf Bine kann man zählen. Dabei lernt sie wahnsinnig schnell und kann alles für sich schnell umsetzen. Fremdsprachen sind für sie kein Problem. Sie käme in jedem fremden Land und in jeder fremden Kultur sofort klar.

Dabei kann sie sich perfekt auf ihr Gegenüber einlassen und ist auch nach dem gefühlten 100. Versuch immer noch geduldig und bemüht zu verstehen, was man ihr erklären möchte. Eine weitere typische Eigenschaft für Bine ist, dass sie nie nervös oder hektisch wird – egal, was passiert – sie ist ein Fels in der Brandung. Nichts und niemand kann sie aus der Fassung bringen. Selbst verbale Angriffe ihrer Mitmenschen prallen einfach an Bine ab. Warum zurückkeifen, wenn der andere laut wird?

Bines große Leidenschaft ist das Fotografieren. Wie gerne würde sie oft bei Spaziergängen mit anderen längere Zeit an einem Punkt verweilen und einfach nur fotografieren – aber nein, das ist für die anderen langweilig und so reduziert sie ihren Wunsch auf ein paar Schnappschüsse auf die Schnelle ...

Bevor jetzt niemand mehr weiterliest, weil er mich für bekloppt hält, beende ich lieber einmal die lange Liste meiner typischen Eigenschaften. Ich denke, ab dem dritten Satz hat sogar der liebste Blogleser gedacht: „Jetzt spinnt sie total! Erst der besterzogene Gos ever, ever und jetzt auch noch so eine verkehrte Selbstwahrnehmung – aua!“

Kann so eine Beschreibung auf mich zutreffen? Ich kann euch beruhigen – das wenigste trifft auf mich zu. Ich bin ein Mensch, der versucht, viel zu lachen und sich die schönen Dinge auch bewusst zu machen. In Stresssituationen werde ich jedoch ungenießbar und wenn in einer ernsten Lage noch meine Angst dazukommt – oha, dann sollte man mich ganz vorsichtig behandeln. Ich bin sehr gerne unterwegs und liebe es, neue Menschen kennenzulernen – das stimmt. Aber ich stehe dabei nicht gerne im Mittelpunkt, sondern „schwimme“ gerne in der Mitte. Ja, und für Neues bin ich sofort zu begeistern – fange aber auch gerne zehn Sachen an und beende dann nur zwei. Ein bisschen Jähzorn hätte ich noch zu bieten. Und wehe, mir kommt jemand so richtig doof, da kann ich auch weit über das Ziel hinausschießen und hätte einen Autofahrer vor Kurzem am liebsten vor den Kotflügel getreten ...

Ich bin mir sicher, bei der zweiten Beschreibung habt ihr gedacht: „Ja, so könnte der Mensch hinter diesem Blog aussehen.“ Mit welcher der beiden Bine-Versionen würdet ihr euch lieber anfreunden? Mir wäre ein perfekter Mensch zu langweilig – für mich gehören gerade diese kleinen Eigenheiten dazu.

Der eigentliche Punkt

Aber warum verlangen wir das von unseren Hunden?

Und jetzt kommt der eigentliche Grund für diesen Blogartikel: Warum verlangen wir genau das so oft von unseren Hunden – perfekt zu sein?!

Hätte ich euch Gubacca ähnlich beschrieben:

Gleiches Spiel · andere Hauptperson

Und jetzt stellen wir uns den perfekten Gubacca vor

Gubacca ist ein Hund, der immer gute Laune hat und mit allen Artgenossen super klarkommt. Dabei ist es egal, ob es größere Gruppen sind, der kleine Hund der Nachbarn oder der Mops, der ihn immer anbellt. Nie würde er versuchen, einen anderen Rüden zu dominieren oder sich auf eine Rauferei einzulassen. Ob Restaurant, Café, Freunde – überall kann ich ihn mitnehmen und er liegt ruhig und entspannt unter dem Tisch.

Neue Situationen meistert er problemlos und zeigt nie Anzeichen von Stress. Zwerg-Riese reagiert auf fast jeden kleinen Fingerhinweis von mir und hat einen tollen Grundgehorsam. Obwohl er für sein Leben gerne im Garten dösen würde, macht er mit mir Agi und auch die neuesten Hundesportarten lernt er sehr schnell.

Wurde früher jeder Grashalm stundenlang von allen Seiten beschnuppert, läuft er mittlerweile mit viel Blickkontakt neben mir her. Wenn ich ihn rufe, nenne ich ihn mal Gubacca, Bacci oder Zwerg-Riese – er reagiert auf alles und versteht es perfekt, mein Wirrwarr aus „Komm hier“, „Hier“ oder „Zu mir“ umzusetzen ...

Unrealistisch und übertrieben oder hat Bine einfach geschafft, ihr großes Ziel umzusetzen? Ein wenig skeptisch seid ihr vielleicht – aber grundsätzlich kommt diese Beschreibung doch dem Wunsch vom perfekten Hund sehr nahe, oder? Aber warum verlangen wir so viel von unseren Hunden, wenn wir selber nie in der Lage wären, genau das zu leisten?

Auch ich kann mich davon überhaupt nicht freisprechen! Wie oft kämpfe ich mit großem Einsatz gegen Ecken und Kanten, die Gubacca hat – meiner Meinung nach ... Und auch hier gehen meine Wahrnehmung und der Blick Außenstehender weit auseinander, aber das ist ein anderes Thema.

Zwischen Erziehung und Persönlichkeit

Wo hört Fehlverhalten auf – und wo fängt Charakter an?

Es wird erzogen und trainiert in den Hundeschulen, um Fehlverhalten zu unterbinden. Aber wo liegt die Grenze zwischen Fehlverhalten und Charakter? Ein Hund, der sich in großen Hundegruppen unwohl fühlt, hat nicht viele Möglichkeiten, sich auf der Freilaufwiese zu wehren. Er kann leider nicht sagen: „Frauchen, ich habe keine Lust darauf – ich möchte nach Hause gehen.“

Unsere Hunde sollen unsere Begleiter in allen Lebenslagen sein. Ich bin immer wieder entsetzt darüber, wie viele Hunde auf die Cranger Kirmes mitgenommen werden und das im Hochsommer bei oft über 30 Grad. Der Lärm, die vielen Menschen und die Hitze ...

Und trotzdem haben es unsere Hunde sogar geschafft, sich so perfekt unseren Wünschen anzupassen. Lauffreudige Rassen leben in Großstädten, der Hütehund wird zum ruhigen Stadtbegleiter und der Schoß- und Gesellschaftshund mutiert zur Sportkanone. Ich bin sicher, viele Hunde passen zu mehr als 80 Prozent in mein Wunschraster von oben – auch Gubacca!

Sind wir es ihnen nicht im Gegenzug genauso schuldig, uns mehr ihren Bedürfnissen anzupassen? Müssten wir uns nicht viel öfter bemühen, unsere Hunde in ihrer gesamten Persönlichkeit mit Ecken und Kanten wahrzunehmen? Macht nicht genau das auch den liebenswerten Charakter aus, anstatt jedes Verhalten in eine Norm zu pressen?

Sollten wir nicht viel öfter zu ihren Wesenszügen stehen und sagen: „Ja, mein Hund ist so!“ Seine Eigenheiten einfach akzeptieren, ohne sofort ein Problemverhalten zu vermuten? Und das Ganze hat sogar einen tollen Nebeneffekt für uns: Auch wir fühlen uns besser, wenn wir nicht nach dem perfekten Hund streben, sondern ihn einfach das sein lassen, was er ist: ein Hund!

Ich wünsche euch allen eine gute Nacht!

Daraus wurde später mehr
Verstehen statt den perfekten Hund bauen
Damals war es eine Frage, die mir beim Schreiben durch den Kopf ging: Wo liegt eigentlich die Grenze zwischen Erziehung und Persönlichkeit? Viele Jahre mit Gubacca später beschäftigt mich genau diese Frage noch immer – nur sehr viel ausführlicher.
Verstehen statt erziehen →

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